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- Die zweite Welle

Das Robert Koch-Institut und Gesundheitsminister Jens Spahn warnen geeint vor den Gefahren einer "zweiten Corona-Welle" in Deutschland. Pflichttests bei Reisenden aus Risikogebieten sind da nur der erste Schritt. Und wo die einen aus Vorsicht noch verantwortungsvoller werden, führt bei anderen die vage Möglichkeit eines erneuten Stillstands zu verstärkter Feierlaune. Panik im Schatten der "zweiten Welle" und wie wir darauf reagieren, kommentiert von André Bochow.

Nein, es ist nicht vorbei. Wer die Zahl der deutschen Corona-Infizierten in den vergangenen Tagen zur Kenntnis genommen hat, weiß das. Ein Impfstoff ist noch nicht in Sicht und die Zahlen könnten weiter steigen. In anderen Teilen Europas und der Welt sind sie schon auf Rekordniveau. Wieder wird vor Reisen gewarnt. Zum Beispiel in bestimmte Regionen Spaniens. Das Robert-Koch-Institut ist sehr besorgt. Lehrer und Elternverbände warnen vor einem regulären Schulbesuch. Letzteres mag reflexartig sein, insgesamt aber wird klar: Die zweite Corona-Welle ist da.

Grund zur Panik? Das hängt von uns ab. Man kann jetzt schnell noch ein paar größere Feiern organisieren oder Flüge buchen – ehe alles wieder heruntergefahren wird. Möglicherweise ja wegen der vielen Feiern und wegen des zunehmenden Flugverkehrs. Die Alternative ist langweilig. Sie hat mit Vernunft zu tun. Maske auf, ein paar Hygieneregeln beachten, raus ins Freie und Lüften was das Zeug hält. Immerhin haben wir einiges hinzugelernt. Wir wissen mehr über das Virus, mehr darüber wie man sich schützen kann und was einigermaßen sinnlos ist. Wahrscheinlich wird niemand wieder auf die Idee kommen, als erstes die Kinderspielplätze zu schließen. Die lästigen Masken sind offensichtlich viel sinnvoller als hierzulande lange behauptet wurde. Und erfreulicherweise scheinen auch die Ärzte immer mehr Wege zu finden, Corona-Erkrankten wirkungsvoll zu helfen.

Also Grund zur Gelassenheit?
Ja und nein. Ja, weil die meisten von uns ziemlich souverän mit der Pandemie und ihren Folgen umgehen können. Kann sein, dass Home-Office und Heimurlaub noch im nächsten Jahr Alltag für viele sind. Aber damit kann man klarkommen. In anderen Teilen des Planeten verhungern Kinder, weil ihre Eltern durch die Corona-Maßnahmen jegliche Einkünfte verlieren. Falls jemand hierzulande jammern möchte, könnte er erst einmal daran denken. Sorgen machen darf man sich allerdings angesichts all der Querdenker, Corona-Rebellen und Verschwörungstheoretiker, die einfach nicht wahrhaben wollen, dass wir eine Pandemie haben.

Mit anderen Worten: Wir haben es selbst in der Hand, ob wir die zweite Corona-Welle zumindest hierzulande klein halten. Wir sollten uns das auf keinen Fall aus der Handnehmen lassen.