Wespe © Frank Rumpenhorst/ dpa
Bild: Frank Rumpenhorst/ dpa

Gedicht - Thomas Gsella: "Die Wespe"

Der Sommer ist die Saison für Draußen: Baden gehen, Natur genießen, Freiluftkino und -theater. Nur draußen essen macht Ende August nicht mehr so großen Spaß, denn ein kleines Tier stört dabei gewaltig. Thomas Gsella hat ihm trotzdem ein Gedicht gewidmet.

Die Wespe

Kaum zieht der Mensch ins Blaue um
Zum Speisen und zum Trinken,
Schon wuseln Wesen um ihn rum,
Die mit den Säbeln winken.

Die Wespe kommt als Hundertschaft
Und hockt sich in Kohorte
Auf Wein und Bier und Schnaps und Saft
Brot, Käse, Wurst und Torte.

Sie flattert hungrig kreuz und quer
Und summt: "Ich werd nicht stechen,
Solang die Dame und der Herr
Ihr Brot lieb mit mir brechen!"

Und gute Menschen lassen sie
An Eis, Kaffee und Kuchen.
Nur schlechte Menschen hassen sie
Und schlagen und verfluchen.

Die guten Menschen bleiben cool
Und weilen vor den Kannen.
Die schlechten fliehen Tisch und Stuhl
Und eilen blass von dannen.

So ist sie uns ein frommes Tier:
Sie tut nach Gottes Wort.
Sie lässt die guten Menschen hier
Und jagt die schlechten fort.

So hau‘ auch du nicht auf sie drauf!
Mensch, lass die Klatschen stecken!
Und klatsche lieber kräftig auf
Die Mücken und die Zecken.