Stefanie-Reinsperger © Neumayr
Bild: dpa / Neumayr

- Die Neue im "Tatort" Dortmund

Stefanie Reinsperger heißt die neue Tatortkommissarin im Dortmunder Einsatz mit Wiener Schmäh. Vor kurzem war sie noch im Alleingang als "Baal" am Berliner Ensemble zu sehen, wo man sie auch aus Frank Castorfs "Die Elenden" oder dem "Kaukasischen Kreidekreis" kennt. Zur Zeit dreht die 32-Jährige ihren ersten Fall. "Heile Welt" heißt der Film. Wir haben mit ihr auf rbbKultur über ihre neue TV-Rolle, das Proben in Zeiten von Corona und ihr Verhältnis zu Berlin versus Dortmund gesprochen.

rbbKultur: Wie sind Sie an diese Rolle gekommen? Wen haben Sie bestochen? Haben Sie sich beworben? Wie funktioniert das?

Reinsperger: Meine Agentur hat eine Anfrage von der Casterin Iris Müller bekommen und ich war auch sehr überrascht, wie man auf mich gekommen ist. Dann hatte ich, das ist inzwischen schon sehr lange her, die erste Runde zum Casting und war unfassbar aufgeregt, weil ich den Dortmunder Tatort wirklich ganz fantastisch finde und vor allem die Kolleginnen und Kollegen, die da im Team sind. Und dann hat es geklappt.

rbbKultur: Zu den Kollegen gehört beispielsweise - in Berlin auch nicht ganz unbekannt - ein gewisser Jörg Hartmann. Beschnuppert man sich da, wenn man jetzt plötzlich so eng vor der Kamera arbeitet? Wie ist das losgegangen mit dem Team, wo Sie nun als Neue drin sind?

Reinsperger: Ja, das war natürlich Corona-bedingt alles ein bisschen anders als gedacht. Aber es ist ja für so manches auch eine Chance. Also, Gott sei Dank. Anna Schudt und Jörg Hartmann kannte ich vorher nur vom Sehen. Jörg hat man natürlich schon auf der Bühne gesehen und Rick Okon habe ich dann Gott sei Dank kennengelernt. Die ersten Proben waren dann tatsächlich über Zoom, weil man sich ja nicht treffen durfte. Das hat erstaunlich gut geklappt. Wenn alle sich reinwerfen in die Arbeit, dann es ist quasi egal, wie oder wo - Hauptsache man konnte wieder spielen.

rbbKultur: "Heile Welt" heißt ihr Debüt im Dortmund Tatort. Stefanie Reinsperger, wir leben in allem anderen als in einer heilen Welt. Stichworte sind heute Nachmittag hier auf rbbKultur schon gefallen, wie Hass, Größenwahnsinn, Dummheit, Rassismus, Sexismus - das kann kein heiler Film werden, oder?

Reinsperger: Nein, das Drehbuch ist von Jürgen Werner und gedreht werden sollte der Film ja im April. Die Vorbereitungen dafür fanden noch in einer anderen Zeit statt. Seit November/ Dezember ist nun alles ganz anders gekommen. Es ist interessant, wie sich dadurch die Themen oder der Blick auf gewisse Themen in dem Buch verändert haben oder mit uns mitgewachsen sind. Wobei ich finde, das ist immer ein gutes Zeichen für ein gut geschriebenes Buch, dass man das inhaltlich ins Hier und Jetzt gut adaptieren kann. Leider sind Rassismus, Polizeigewalt so brisante Themen wie noch nie zuvor und wir bleiben auch in dem Buch von all dem natürlichen nicht verschont.

rbbKultur: Ich möchte etwas Persönliches wissen. Ganz Düsseldorf weint ja immer noch, dass Sie 2014 weggegangen sind vom Düsseldorfer Schauspielhaus. Sie hatten dort Riesenerfolge. Die haben Sie inzwischen am Berliner Ensemble auch, mit Frank Castorfs "Die Elenden", mit dem "Kaukasischen Kreidekreis". Da können wir Sie als Grusche im Herbst wiedersehen. Ist das jetzt so ein bisschen wie nach Hause kommen, Dortmund ist ja näher an Düsseldorf als an Berlin?

Reinsperger: Ja, ich musste schon sehr schmunzeln, dass es mich doch jetzt wieder in diese Gegend verschlägt. Mein Kollege Reiner Gahlke, mit dem ich in Düsseldorf auch schon gespielt habe, hat mir heute geschrieben: Wahnsinn, irgendwie kommst du von dort doch nicht ganz weg. Und ja, ich freue mich, dass ich dort ein bisschen wieder etwas andocken kann.

rbbKultur: Aber Sie können mich beruhigen, als Schauspielerin aus Baden bei Wien und inzwischen eine echte Berlinerin, Sie bleiben Berlin doch wohl treu oder?

Reinsperger: Auf jeden Fall. Ich freue mich schon sehr drauf, wenn es bei uns im Herbst am Berliner Ensemble wieder losgeht.

Das Gespräch führte Peter Claus