Beelitz - Aufforstung mit Pferden und Pflug

So 17.03.24 | 08:13 Uhr | Von Philipp Rother
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Archivbild: Pferde im Einsatz im Beelitzer Stadtwald nach Brandt im jahr 2022 (Quelle: rbb/Claudia Stern)
Audio: Antenne Brandenburg | 12.03.2024 | Claudia Stern | Bild: rbb/Claudia Stern

Auf der Waldbrandfläche von 2022 im Beelitzer Stadtwald werden weitere vier Hektar wieder aufgeforstet - und zwar mit Pferden, die im Gegensatz zu Forstmaschinen kaum Bodenschäden verursachen. Eingebracht werden Laubbaumsamen. Von Philipp Rother

Rund 230 Hektar Brachland hat der große Waldbrand im Jahr 2022 im Beelitzer Stadtwald (Potsdam-Mittelmark) hinterlassen - eine Fläche, die fast so groß ist wie der Berliner Wannsee. Vier Hektar entlang des Bahndamms hat sich die Stadt Beelitz nun vorgenommen – sie sollen so wieder aufgeforstet werden, dass der neue Wald gegen Brände und auch gegen den Klimawandel widerstandsfähig ist.

Pflug reißt tiefe Furchen in den Boden

Gearbeitet wird nicht mit schweren Maschinen, sondern mit Pferden und Pflug. Das Bild vor Ort wirkt ein wenig wie aus einer anderen Zeit: Zwei Tiere ziehen schnaufend einen Pflug über den Waldboden. Er reißt tiefe Furchen, in die in einem zweiten Arbeitsschritt das Saatgut - Eicheln und Kastanien - gestreut wird.

Geführt werden die Rückepferde von Juliane Rensch und ihrem Mitarbeiter. "Der Einsatz hier sieht zwar vielleicht romantisch aus, ist aber für uns harte Arbeit - der lockere Waldboden ist ja nicht eben", erklärt Rensch, die mit zwei Kaltblütern und zwei Maultieren von ihrem Reiterhof aus Lychen (Uckermark) nach Beelitz gekommen ist. In der Heimat ziehen die Tiere meist Kutschen und Kremser.

Archivbild: Pferde im Einsatz im Beelitzer Stadtwald nach Brandt im jahr 2022 (Quelle: rbb/Claudia Stern)
| Bild: rbb/Claudia Stern

Pferde schonender für den Boden

Das Gelände zwischen dem Fercher Weg und der Bahnstrecke erinnert an eine Mondlandschaft, hinter kleinen Hügeln ragen zahlreiche Baumstubben aus dem Boden, dazwischen liegt vertrocknetes Gehölz. Die Pferde ziehen davon unbeeindruckt ihre Bahnen - jedes Tier ist maximal zwei Stunden eingespannt, dann wird gewechselt.

"Es ist schonender, als wenn man hier mit schweren Maschinen fährt – die Pferde haben nur einen kleinen Tritt", so Rensch. Daher bleibt der Boden trotz der Bearbeitung gut gelockert. Maschinen würden mit ihren breiten Rädern viel mehr Druck ausüben. Der Boden solle nicht verletzt werden, ergänzte der Beelitzer Stadtförster Martin Schmitt. Daher werde gerne mit Pferden gearbeitet. Auch per Drohne wurde nahe Beelitz schon Saatgut abgeworden.

700 Kilogramm Saatgut

Damit der neue Wald dem Klimawandel besser trotzen kann, hat sich der Förster dafür entschieden, die Laubbaumsamen direkt auszusähen statt Baumsetzlinge. Was dann wächst, sei deutlich widerstandsfähiger bei starken Trockenereignissen: "Durch die natürliche Wurzelentwicklung kommen sie besser ans Wasser, besser an die Nährstoffe", so Schmitt.

"Die Pferde bringen insgesamt rund 700 Kilogramm Saatgut ein – vor allem Roteichen, aber auch Traubeneichen und Kastanien", sagt der Beelitzer Stadtförster. Damit solle entlang der Bahngleise ein sogenannter Waldbrandriegel entstehen. Die Roteichen haben besonders große Blätter, in etwa wie ein Handteller - keine andere Baumart in Deutschland hat größere Blätter.

Laub bedeckt den Waldboden

Fällt das Laub im Herbst, bedeckt es den Waldboden, sodass auch im Frühjahr kein Gras wächst. Zudem komme weniger Sonnenlicht durch die Kronen der Laubbäume. Auch das sorgt für weniger Wachstum am Boden darunter. "Das hemmt die Ausbreitung von Bränden, die unter anderem durch Funkenflug am Zug entstehen könnten, deutlich", erklärt Schmitt. In einem Nadelwald wachse deutlich mehr Gras am Boden.

Nach der Saat werde die Fläche im Beelitzer Stadtwald noch eingezäunt, damit weder Wildschweine noch Rehe die Aussaat zunichtemachen, so Schmitt weiter. Bis der neue Mischwald gewachsen sein wird, dauere es allerdings mehrere Generationen, also rund 40 bis 60 Jahre.

Sendung: Antenne Brandenburg, 12.03.2024, 17:12 Uhr

Mit Material von Claudia Stern/Antenne Brandenburg

Beitrag von Philipp Rother

35 Kommentare

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  1. 35.

    Das ist keine untypische Haltung - das (geschätzt) mind. 800 KG Powerpack chillt gerade. Es kein Sonnatgsnachmittagsschönwetterpony das für ein "Insta-Foto" posiert und im Gegensatz zu diesem trägt es auch kein leichtes Reitgeschirr.

  2. 34.

    Pferde, anstatt der heute im Forst üblichen Monstermaschinen ist eine gute Sache. Die Ausbringung der bei uns nicht heimischen Rot-Eiche und (Ess-?)Kastanie weniger. Ein intaktes Ökosystem besteht nun mal nicht nur aus Bäumen. Die verschiedenen Arten haben sich über Jahrtausende aneinander angepasst. Viele davon können mit den "neuen" Baumarten schlicht nichts anfangen. Das ist eine Tarsache und hat nichts mit Fremdenfeindlichkeit zu tun . . .

  3. 33.

    Andere leben wie unsere Vorfahren sogar auf Bäumen. Pferdekutschen sind bei denen aber auch verpönt.

  4. 32.

    Wie kommen Sie nur zu dieser Aussage? Brabanter sehen so aus, einfach mal nachlesen. Das sind Kraftbündel, Arbeitspferde, kurz und kräftig. Keineswegs schlecht genährt.

  5. 31.

    Das sehe ich auch so! Außerdem hat das Pferd auf dem 1. Bild eine pferdeuntypische Haltung. Ich hoffe, da haben sich nicht wieder einmal Leute Pferde zugelegt, die keine Ahnung von der artgerechten Haltung von Pferden haben oder sich nicht darum scheren! Auch Arbeitspferde müssen artgerecht gehalten und versorgt werden!

  6. 30.

    DIe LG sind keine Wissenschaftler machen jedoch auf ein paar Dinge aufmerksam und fodern eine ehrliche Debatte. Daneben gibt es FFF, Wir haben es Satt, Greenpeace, etc und Wissenschaft! Insgesamt, sind die Probleme vielfältig, und es gibt nicht die eine große Lösung, sondern viele kleine. Primär müssen wir m.E. weg von ewigen Wachstum, und zwar genau so lange, bis alle Prozesse nachhaltig ablaufen.

    Vorschläge:
    Flugreisen, und Konsum müssen unabhängig von der Geldbörse limitiert werden, oder durch einen privaten Emmissionshandel sozial ausgeglichen werden. Jeder hat ein hnadelbares Kontingent an Verschmutzungsrechten/Ressourcenverbrauch! Arbeit und Produkte müssen nach Ihrem ökol. Fußabdruck besteuert werden.
    Unnachhaltige Subventionen gestrichen werden. Menschen müssen eine Kein-Kind-gezeugt Prämie bekommen, statt Kindergeld. Das Bildungssystem muss pro Fach in 3 Geschwindigkeiten ablaufen, und Meditation & Phillosophie unterrichtet werden. Miteinander statt konkurrenz!

  7. 29.

    Ich habe Erinnerungen daran, dies mal in Nordkorea gesehen zu haben. Dort nimmt man auch Ochsen und Esel. Enormer Fortschritt. Weltwirtschaftsmacht.

  8. 28.

    Die LG klebt sich fest und fordert Veränderungen von den (auch von denen gewählten)Politikern. Ich bin auch dafür, das es bezüglich der Umwelt Veränderungen geben muss und Protest muss auch weh tun, keine Frage. Aber wie das genau passieren soll, kann ich bei den Klimaklebern nicht erkennen, bzw. es wird nicht berichtet, was und wie sich das die LG vorstellt. Ich kann mich doch nicht immer nur hinstellen und protestieren ohne genau zu benennen, wie das geschehen soll. Also wäre es wünschenswert, das sich auch die LG an Verbesserungen beteiligt, also durch Arbeit dazu beiträgt. Ich persönlich finde die hier vorgestellte Aufforstung mit Pferden sehr gut. Leiste auch privat meinen Beitrag dazu, wenn auch sicher in verschwindend geringem Rahmen.

  9. 27.

    Die LG klebt sich fest und fordert Veränderungen von den (auch von denen gewählten)Politikern. Ich bin auch dafür, das es bezüglich der Umwelt Veränderungen geben muss und Protest muss auch weh tun, keine Frage. Aber wie das genau passieren soll, kann ich bei den Klimaklebern nicht erkennen, bzw. es wird nicht berichtet, was und wie sich das die LG vorstellt. Ich kann mich doch nicht immer nur hinstellen und protestieren ohne genau zu benennen, wie das geschehen soll. Also wäre es wünschenswert, das sich auch die LG an Verbesserungen beteiligt, also durch Arbeit dazu beiträgt. Ich persönlich finde die hier vorgestellte Aufforstung mit Pferden sehr gut. Leiste auch privat meinen Beitrag dazu, wenn auch sicher in verschwindend geringem Rahmen.

  10. 26.

    Keine Ahnung was Ihr jetzt alle mit der LG habt…
    Bis auf den Mist mit den Farbbeuteln fand ich deren Aktionen gut, vor allem hatten sie, im Gegensatz zum Bauernverband, hehere Ziele!

    Ich finde das mit den Pferden jedenfalls toll, solange sie gut behandelt werden, und später nicht beim Schlachter landen, sondern sich so einen Ruhestand verdienen.

    Nur Frage ich mich, tun Sie genug für die sogenannte Allgemeinheit? Und wie genau definieren sie das?
    Einige der demonstrierenden Nicht-Biobauern, waren ja auch der Meinung sie allein würden die Gesellschaft ernähren, dabei verpesten sie m.E. nur die Umwelt mit Aggrochemie, und Nitraten, aus reinem Profitinteresse, und schaden der Allgemeinheit langfristig!

    Man muss bei solchen Betrachtungen die langfristigen Auswirkungen des ökologischen Fussabdrucks immer mit Berücksichtigen, um eine unverzerrte Aussage treffen zu können!

    Das geht so weit, das es sogar manchmal sinnvoller ist, Menschen dafür zu bezahlen, das sie nicht Arbeiten!

  11. 25.

    Sehr geehrte Userin mit d.o.g. Namen.
    Könnten Sie den Begriff Arbeit definieren, so wie Sie es verstehen? Ist es ein Begriff aus der Physik, vielleicht sogar aus dem Gebiet der Mechanik? Oder meinen sie einen Begriff aus der Volkswirtschaftslehre, bei dem die Tätigkeit eines Menschen mit einem Wert angesetzt wird, und auch als Honorar, Gehalt oder Lohn gezahlt wird.
    In dem Artikel ging es, so verstanden ich es, dass die Samen der verschiedenen Bäume in den Boden gebracht wurde. Und für diese Tätigkeit Maschinen zum Einsatz kommen, die wiederum von zwei Pferden gezogen werden. Statt Handwerkzeug zu nehmen und die Samen händisch in den Boden zu bringen.
    Dem Eigentümer und dem Besitzer der Fläche wünsche ich gutes gelingen. Dass die Pflanzen gut auflaufen und sich in den nächsten Jahren gut entwickeln.

  12. 24.

    Weil die nix gelernt haben und nur protestieren können. Bisschen Arbeit für die Allgemeinheit täte denen mal ganz gut.

  13. 23.

    @Marion, woran erkennt sie denn so genau, wie die Pferde ernährt wurden/werden? Dieses ewige Gezicke regt mich auf...

  14. 22.

    Sehr vernünftiges Herangehen, auch wenn es für Juliane samt Pferden schwere körperlich Arbeit ist. Ihr sollten weitere Freiwillige mit Erfahrungen zum Arbeiten mit Pferden zur Seite gestellt werden. Und das eventuell in der Nähe gesammelte "Sähgut" hat auch die besten Chancen in den Furchen aufzugehen. Und nein, es war keine Kinderarbeit-- das Eicheln sammeln. Ich erinnere mich noch, wie wir als Kinder Eicheln gesammelt haben, die sollten nicht verfüttert werden, sondern 'landeten' in der Oberförsterei. Wenn man diese "Früchte" gut über die Lagerung" bringt oder noch besser, gleich vor Beginn der Nachtföste in die Waldböden bekommt,ist sehr viel getan - für die Zukunft der wirklicher Wälder. Und, an geeigneten Standorten auch an die Vergesslichkeit des Mr. Eichelhäher denken. Auch das ist eine Option, diem man überall ausprobieren sollte. Nur ist die Bergung der Stangenhölzer dann immer ein Problem. Alles andere sagt der Artikel. Also, viel Erfolg u. ab u. zu mal eine Regenhusche!

  15. 21.

    Was sagt eigentlich PETA dazu, dass hier Pferde für die Menschen arbeiten müssen? Wollen die nicht sogar Holzpferde vor der menschlichen Ausbeutung schützen? : ))

  16. 20.

    Es könnte sich auch um Edelkastanien handeln.
    Diese sind weder verwandt noch verschwägert mit der Rosskastanie.

  17. 19.

    Beelitz?
    Wo sind die Spargelmilionäre geblieben und haben nicht zugeschlagen? Etwa zu guter Boden für die teuren Stengel?

  18. 18.

    Häh, was bitte hat die LG jetzt mit Tierschutz und Aufforstung zu tun? Ja, nee, is klar: Die können sitzen und brauchen keine Traktoren zum Straßen blockieren.

  19. 17.

    Meine Güte - einfach auf das Fachwissen von Profis vertrauen oder mal googeln! Von der Miniermotte werden nur weßblütige Rosskastanien befallen - bei rotblühenden sterben die Larven ab. Und Kastanien sind als Tiefwurzler gut geeignet, durch Nutzung des Tiefengrundwassers trockene Sommer besser zu überstehen.

  20. 16.

    Schönes Projekt, nach dem Ereignis durch das Feuer.
    Ich freue mich, in ein Jahr, in fünf Jahren ein Artikel zu lesen wie die Fläche sich entwickelt.
    Zu den Kommentaren Ernährung der Pferde:
    Finde ich es bedauerlich aufgrund eines bzw. zwei Bilder auf den Ernährung Zustand des Tieres zu schließen. Schade!
    Ich sehe auf dem Foto zwei Pferde mit einem winterhaarkleid. Die Hinterhand schein gut mit Muskeln bepackt zu sein. Und in der Sonne sehe ich ein leicht glänzen schimmer auf dem Fell. Nun auf dem Foto! Und nicht die beiden Tiere mit ihren ganzen Charakter und Ausstrahlung in Realität und lebendig. Ist dann so.

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