Berlin - Mietshaus in Schöneberg wegen Rissen in Häuserwand teilweise gesperrt

Mi 10.04.24 | 20:30 Uhr
  8
Eine Häuserwand in Schöneberg droht möglicherweise einzustürzen. (Foto: rbb)
Video: rbb24 Abendschau | 10.04.2024 | F. Drescher/U. Wichert | Bild: rbb

Ein Ruck geht durchs Haus, sichtbare Risse in der Fassade: Die Bauaufsicht muss Teile eines Gebäudes in Schöneberg wegen Einsturzgefahr sperren. Die Mieterinnen und Mieter mussten ihre Wohnungen verlassen. Zurück können sie vorerst nicht. Der Verkehr wird umgeleitet.

Ein fünfstöckiges Mehrfamilienhaus in Berlin-Schöneberg ist am Mittwoch teilweise gesperrt worden, mehrere Mieter mussten laut Feuerwehr vorübergehend ausziehen. Laut der Bauaufsicht ist ein Teil des Gebäudes einsturzgefährdet.

Die Feuerwehr war am Mittwoch gerufen worden, nachdem in der Fassade des Gebäudes in der Grunewaldstraße/Ecke Goltzstraße starke Risse aufgetreten sind. Am Morgen soll es Anwohnern zufolge einen spürbaren Ruck gegeben haben. Es habe aber schon länger Risse im Haus gegeben. In einem Geschäft im Erdgeschoss finden gerade Bauarbeiten statt.

Dauer noch unklar

Das Haus gehört dem Heimstaden-Konzern. Das Unternehmen sagte auf Anfrage des rbb, dass die Hausverwaltung die Risse seit vergangenen Dezember durch einen Statiker regelmäßig beobachten lasse. Bei einer Prüfung des Hauses am Mittwoch habe man eine Ausdehnung der Rissentwicklung festgestellt. Danach habe man die Bauaufsicht in Kenntnis gesetzt, die eine Teil-Sperrung des Gebäudes (Erkerbereich/Eckhaus) und von Teilen der Grunewaldstraße angeordnet hat.

Neun Mieterinnen und Mieter seien aufgefordert worden, ihre Wohnungen zu verlassen. Ihnen sei die Unterbringung in Hotels angeboten worden, alle seien aber bereits anderweitig bei Freunden oder Verwandten untergekommen. "Einen Zeitraum zu nennen, wie lange die Wohnungen nicht genutzt werden können, ist aktuell leider nicht möglich", teilte Heimstaden mit. Eigentümer und Bezirksamt beraten nun über das weitere Vorgehen, hieß es von der Polizei.

Die Bauaufsicht des Bezirks habe am 20. Februar von äußerlich sichtbaren Schäden am Gebäude an der Kreuzung Goltzstraße/Grunewaldstraße erfahren. Am 9. April dann habe der Eigentümer festgestellt, dass das Ausmaß der Schädigung der Bausubstanz größer als ursprünglich angenommen und darum eine Räumung der Wohnungen erforderlich sei.

Nachtbus wird umgeleitet, U7 fährt langsamer

Die Kreuzung bleibt bis auf Weiteres gesperrt. Autofahrer müssen in dem abgesperrten Bereich mit Einschränkungen rechnen. Nach Angaben der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) wird der Nachtbus N7 zunächst umgeleitet, andere Busse fahren dort nicht. Die U-Bahn-Linie 7 fahre vorsichtshalber zwischen Kleistpark und Eisenacher Straße mit deutlich verringerter Geschwindigkeit, teilte ein Sprecher mit.

Mieterin: Damaliger Eigentümer hat schon vor Jahren nicht reagiert

Die zuständige Bezirksstadträtin Eva Majewski (CDU) zeigte sich erstaunt darüber, dass dem Unternehmen offensichtlich schon länger Probleme bekannt sind. "Ich höre das jetzt das erste Mal, dass das offensichtlich seit Jahren bekannt ist", sagte Majewski dem rbb.

Für ein Ladenlokal in dem Eckhaus, eine Boutique, gibt es seit dem 3. April Sicherungsmaßnahmen, der Eingang wurde verlegt. Die Betreiberin der Boutique, Fabienne Grüneke, sagte dem rbb, ihr seien bereits vor rund zehn Jahren bei Renovierungsarbeiten Schäden an der Bausubstanz aufgefallen. Der damalige, andere Hauseigentümer habe auf ihre Hinweise aber nicht reagiert. Weil sie ihr Geschäft nun wegen der Baumängel auf unbestimmte Zeit schließen müsse, drohe ihr die Insolvenz. "Ich muss meine Mitarbeiter weiter bezahlen, habe Ware für 100.000 Euro eingekauft. Die kann ich jetzt nicht verkaufen", sagte Grüneke dem rbb.

Sendung: rbb24 Abendschau, 10.04.2024, 19:30 Uhr

8 Kommentare

Wir schließen die Kommentarfunktion, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. Bei älteren Beiträgen wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen.

  1. 8.

    Zum Glück hat Frau G. noch andere Filialen in denen Sie Ihre Waren feilbieten kann. Um den dortigen Kundinnenansturm zu bewältigen kann Sie Ihre Angestellten bestimmt dort einsetzen. #schuhbidu

  2. 7.

    Das ist das bisherige Kalkül, die Häuser stützen einander. (Zwinkerzwonker)
    Wehe es entsteht eine Baulücke oder jmd will entkernen. Das kommt weil billig nun mal nicht immer gut ist, der geneigte Facharbeiter kann es sicher nachvollziehen Ob daraus gelernt wird? Haha, nee ne. Weil billig immer noch zu schön ist.

  3. 6.

    Versteh ich nicht.
    Ein so altes Haus hatte sich schon lange gesetzt. Ergo sind neu auftretende Risse am Gebäude sehr wohl zu beobachten. Vom Eigentümer nicht vom Amt, denn Wohneigentum verpflichtet zur Beachtung der Verkehrsfähigkeit. Einen Schaden am öffentlichen Raum oder gar an Menschen möchte der Eigentümer sicher nicht noch bezahlen müssen. Daher, warum gegen das BA klagen, mit welcher Begründung? Die Sorgfaltspflicht obliegt dem Eigentümer.

  4. 5.

    Was sind 'Starke' Risse? Ob Bauarbeiten nebenan div. Risse u. Fensteraustausch - aber BA sagt alles ok (naja, wird ja jetzt v. Nebengebäude gehalten) und der Vermieter meint bei Rissen - Peanuts - Im Rahmen IHRER Schönheitsreparuren müssen SIE die beseitigen (aber vom Neubauheerren Entschädigung eingeklagt!) - Ob hier dann nicht der Eigentümer gegen das BA klagen wird? Wir werden's lesen?

  5. 4.

    >"die Rohrleger stemmen in die 70-er Brandmauern 20 x 100 Durchbrüche, ich wunderte mich schon immer, warum die Häuser nicht umkippen!"
    Das hat mich seinerzeit auch gewundert mit den Durchbrüchen bei Brandmauern, wo diese Brandmauern doch das Übergreifen eines Brandes auf das Nachbarhaus verhindern sollen... ;-)

  6. 3.

    Ja, genau, die Rohrleger stemmen in die 70-er Brandmauern 20 x 100 Durchbrüche, ich wunderte mich schon immer, warum die Häuser nicht umkippen!

  7. 2.

    ja ja... tragende Wände haben so ihre Tücken bei der Statik. Erst Recht, wenn diese eingerissen werden ;-))

  8. 1.

    Ob dort mal wieder eine Baustelle entstanden ist bei der ein Statiker noch nie gefragt wurde?
    Ich erinnere an den beseelten Zahnarzt mit der Eisensäge vom Kurfüstendamm 100, 10711. Das Haus wurde dann abgerissen und jetzt steht dort ein Neubau. ;-)

Nächster Artikel