Präsidentschaftswahl in Russland - Nawalnaja und Chodorkowski bei Protesten vor russischer Botschaft in Berlin

So 17.03.24 | 21:35 Uhr
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Politikerin Julija Nawalnaja am Sonntag vor der russischen Botschaft in Berlin (Bild: dpa/ Monika Skolimowska)
Video: rbb24 Abendschau | 17.03.2024 | Nachrichten | Bild: dpa/ Monika Skolimowska

An der von Betrugs- und Manipulationsvorwürfen überschatteten russischen Präsidentenwahl haben am Sonntag auch in Deutschland lebende Russen teilnehmen können. In Berlin demonstrierten prominente Oppositionelle gegen Putin.

Anlässlich der Präsidentenwahl in Russland, an der sich auch in Deutschland lebende russische Staatsbürger beteiligen konnten, hat es Proteste in Berlin gegeben. Vor dem Gebäude der russischen Botschaft Unter den Linden demonstrierten nach Polizeiangaben zeitweise bis zu 2.000 Menschen. Die russische Präsidentenwahl ist von Betrugs- und Manipulationsvorwürfen überschattet.

Auch prominente Oppositionelle beteiligten sich an dem Protest in Berlin-Mitte. Unter den Demonstrierenden war auch die Witwe des Oppositionspolitikers Alexej Nawalny, Julija Nawalnaja. Nawalny war nach russischen Behördenangaben Mitte Februar in einem
Straflager in der Polarregion gestorben.

Der scharfe Kritiker von Kremlchef Putin war durch einen Giftanschlag im Jahr 2020 und ständige Einzelhaft im Lager körperlich sehr geschwächt. Seine Unterstützer und auch viele internationale Beobachter sind sich deshalb einig, dass von einer "natürlichen" Todesursache, wie es auf dem Totenschein heißen soll, nicht die Rede sein kann.

Außerdem zeigte sich der im britischen Exil lebende Geschäftsmann Michail Chodorkowski bei den Protesten. Der 60-Jährige hat zehn Jahre in russischer Haft verbracht.

Wartezeit auch durch Protestaktion

Die russische Opposition betrachtet die Abstimmung als Scheinwahl und rief dazu auf, als Zeichen des Protests massenhaft am Sonntag um 12 Uhr zur Wahl zur gehen, damit sich Schlangen bilden. Auch an der russischen Botschaft in Berlin bildete sich gegen Mittag eine lange Schlange.

Protestierende in Berlin schwenkten weiß-blau-weiße Fahnen, ein Symbol gegen den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Sprechchöre forderten in russischer und deutscher Sprache ein
Russland ohne Putin.

Zu der Protestaktion in Berlin aufgerufen hatte nach Angaben der Polizei die Gruppe "Demokratie-JA". Sie ist nach eigenen Angaben 2021 von russischen Einwandern gegründet worden, die den kürzlich in russischer Haft gestorbenen Dissidenten Nawalny unterstützte und den Krieg gegen die Ukraine ablehnt.

Teilnehmer der Demonstration «Schluss mit Putin, mit Krieg, Lüge und Repressionen» des Bündnisses «Demokratie - Ja» protestieren einen Monat nach dem Tod von Kreml-Kritiker Nawalny gegen die Politik von Präsident Putin, Lügen und Repressionen in Russland vor der Russischen Botschaft. (Quelle: dpa/Koall)
Nawalnaja bei Protesten vor russischer Botschaft in Berlin. | Bild: dpa/Koall

Am Abend betrat Julia Nawalnaja dann die russische Botschaft in Berlin. Sie reihte sich am Sonntagnachmittag zunächst überraschend in die Schlange der Menschen ein, die dort ihre Stimme abgeben wollten. Am frühen Abend betrat sie dann nach Reporterangaben das Botschaftsgelände.

Im Anschluss sagte sie, sie habe in der russischen Botschaft den Namen Nawalnys auf den Wahlzettel geschrieben. Es könne nicht sein, dass der Hauptgegner von Amtsinhaber Wladimir Putin einen Monat vor der Wahl getötet werde, so Nawalnaja. In Reaktion darauf, dass Demonstrierende ihr dankten, sagte Nawalnaja: "Sie müssen mir nicht danken." Die Demonstranten müssten sich selber danken - "jedem Einzelnen, der gekommen ist", sagte die 47-Jährige.

Das Auswärtige Amt sprach unterdessen auf X, vormals Twitter, von "Pseudowahlen" in Russland, die "weder frei noch fair" seien, das Ergebnis überrasche niemanden. "Putin herrscht autoritär, er setzt auf Zensur, Repression und Gewalt. Die 'Wahlen' in den besetzten Gebieten der #Ukraine sind null und nichtig & ein weiterer Bruch des Völkerrechts", erklärte das Außenministerium. Unabhängige Beobachter haben die internationale Gemeinschaft aufgerufen, das Ergebnis nicht anzuerkennen.

Laut ersten Teilergebnissen der staatlichen Wahlkommission vom Sonntagabend ist Wladimir Putin ist klarer Sieger der Präsidentschaftswahl und steht damit vor einer weiteren sechsjährigen Amtszeit an der Spitze Russlands (tagesschau.de).

87,47 Prozent der Wähler hätten für Putin gestimmt, erklärte Wahlkommissions-Chefin Ella Pamfilowa am Sonntagabend nach Auszählung von 36,3 Prozent der Wahllokale im Staatsfernsehen.

Putins Sieg bei der dreitägigen Wahl galt von vornherein als ausgemacht. Alle bekannteren Kritiker des Kreml-Chefs sind entweder tot, inhaftiert oder im Exil.

Eine Figur, die den russischen Präsidenten Putin in einer Badewanne darstellen soll, steht bei einer Kundgebung. Teilnehmer einer Demonstration «Schluss mit Putin, mit Krieg, Lüge und Repressionen» des Bündnisses «Demokratie - Ja» protestieren einen Monat nach dem Tod von Kreml-Kritiker Nawalny gegen die Politik von Präsident Putin, Lüge und Repressionen in Russland vor der Russischen Botschaft. (Quelle: rbb/Materla)

Sendung: rbb24 Abendschau, 17.03.2024, 19:30 Uhr

 

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82 Kommentare

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  1. 82.

    Die Rede war von Journalisten- Plattformen nicht von demokratischen Plattformen. Sie wissen doch was da gemeint ist ?

  2. 81.

    Dass Menschen, darunter einige russische Oppositionelle, vor der russischen Botschaft friedlich ihren Unmut äußern, kann man verstehen. Entsprechende Aktionen in Moskau scheinen ja, wie man so hört, die dortige Sicherheit und Ordnung aufs Heftigste zu gefährden. Im Übrigen ist die Organisation ihres staatlichen Zusammenlebens durch, nunja, "Wahlen" selbstverständlich die ureigenste Angelegenheit der russischen Bevölkerung. Nur diese kann, unabhängig von diesen "Wahlen", darüber befinden, ob sie weiterhin von ihrer Geheimdienstkleptokratie regiert werden möchte. Das Ausland kann sich höchstens wundern und versuchen, den Opfern dieses Systems Asyl zu bieten. Die russische Bevölkerung allerdings, wenn sie weiterhin eine Politik toleriert, die ungebetene Besuche benachbarter Länder für normal hält, braucht sich dann nicht zu wundern, wenn ihrem Land mit Misstrauen und Verachtung begegnet wird.

  3. 80.

    Hm, eigentlich einfach, es gibt nur einen TV-Sender. Das reicht Ihnen nicht? Immerhin - das ist das Russland! Das von Putin.
    A. Nawalny hat die Zustände in russischen Gefängnissen öffentlich gemacht. Reichte Ihnen dieses - m.E. fraglich schaurige Abbild aus Rossia - nicht? Oder der 16. Februar d. J. , und den haben Sie -- wie -- verbracht. Nichts los in diesem sch... Februar.
    Ansonsten hielt heute die Kamera auf die Straße an/hinter der Botschaft.
    Es wurden Leute interviewt.
    Nicht hingesehen? Sendung verpasst?
    Sorry, ich kann Ihnen da wenig helfen.
    Schönen Abend.

  4. 77.

    Dass sich der 'Capo dei Capi" nicht mit einer Wahl- Farce entmachten lässt, ist klar. Umso wichtiger ist es, dass so viele Menschen wie möglich ihre Meinung dazu sagen. Der Kampf der Demokratie gegen diese Sorte 'Führer" ist weltweit nötig, nicht nur in Europa. Und sie müssen unterstützt werden. Nicht nur mit Sonntagsreden und warmen Worten. Autokraten und Diktatoren sind einzig für 'Sich" und ihre Gang zugange. Sonst für niemanden. Utopie? Menschlich? Klingt konservativ, sehr...

  5. 76.

    Und die betreten dan extra dafür russische Hoheitsgebiet... Nachher kommen sie nicht mehr ganz vollständig wieder raus. Ja nee, is klaar.

  6. 75.

    Zitat: "Die USA haben der Welt den Frieden gesichert"

    Ich möchte noch hinzufügen: Und zwar selbstlos, im Rahmen der westlichen Werte.
    Dafür ein herzliches Danke schön.

  7. 74.

    "Unter den Demonstrierenden war auch die Witwe des Oppositionspolitikers Alexej Nawalny, Julia Nawalnaja." mit Verlaub, ihr Mann wurde recht geschwind beigesetzt.
    Nur, gab es da echt keine Obduktion (-sergebnisse)?

  8. 73.

    Schon irgendwie tragisch das Russland (UdSSR) mit zur Beendigung des 2. Weltkrieges beigetragen hat.

    Ja okay, Russland hat im nachhinein, nach 1990, zwar recht preiswert Öl und Gas geliefert, aber das wars dann auch schon.
    Die USA haben der Welt den Frieden gesichert, alle anderen Länder, selbst die mit Atomwaffen, sind doch nicht wirklich in der Lage dazu.
    Und wenn man betrachtet wo überall auf der Welt die USA ihr Millitär haben, sicherer kann man sich nicht fühlen.
    Schon alleine Obama hat die Welt dazu gebracht, und das in nur 8 Jahren, schöner, sicherer und lebensfreundlich zu machen.
    Da reichte auch schon die Exekution von Bin Laden.
    Rettet die Ukraine!!!
    Die Welt ist schließlich abhängig von deren Weizen, Honig, Sonnenblumenöl und Saisonarbeitern.

  9. 72.

    Anscheinend gab es genügend Stimmzettel, das ist ja heutzutage nicht selbstverständlich.

  10. 71.

    Selbstverständlich nur ein Zufall das der Untersuchende der Moskauer Terror Anschläge umgebracht wurde.
    Nix Wikipedia, aber die Polen haben ja auch den Sender Gleiwitz überfallen....

  11. 69.

    KI - hält überall einzug und ein Schutz wird nicht möglich.
    Bilder, Filme, Berichte - was ist noch zu glauben, wenn nicht selbst beobachtet/erlebt.

  12. 67.

    Mein Dank geht ausdrücklich an den rbb, dass Sie dieses Bild ausgewählt haben. Als ich den Wagen von Jaques Tilly beim Rosenmontagszug in Düsseldorf zum ersten Mal gesehen habe, dachte ich nur: Volltreffer, passt.

  13. 66.

    Nur mal so am Rande: wenn die Bundesregierung ganze Journalisten-Plattformen verbietet ist das Zensur und ein Verstoß gegen das Grundgesetz…..aber Zensur passiert ja angeblich in Deutschland nicht.

  14. 65.

    "Beim Betrachten der aktuellen Bilder im Artikel, kam mir die Frage, ob dieser Tenor des Betrags überhaupt mit einer neutralen und distanzierten Berichterstattung im ÖRR noch vereinbar ist."

    Sie werden mir immer unheimlicher. Kritisieren da ein bisschen und hier ein bisschen und loten haarscharf genau die Grenze aus, was Sie noch schreiben können und was wahrscheinlich nicht mehr veröffentlicht werden würde. Interessant, dass Sie auch jetzt wieder den rbb kritisieren, sich aber nicht scheuen, ihn immer und überall für Ihre Zwecke zu benutzen. Aber Respekt, Sie sind dabei sehr intelligent. Im übrigen ist dieser Wagen von Jaques Tilly und ich finde, er passt wie die Faust aufs Auge. Seine Wagen wurden schon in einige Länder verschickt, auch sein Wagen über den Brexit nach Großbritannien.

  15. 64.

    "Wie mutig."
    Würden sie gerne, wären sich aber sicher sofort weg gesperrt zu werden.
    Außerdem kommt noch die Gefahr dazu getötet zu werden und somit wäre jeder Protest erloschen. Demokratie und Rechtsstaat gibt es halt nur auf dem Papier und die russische Verfassung ist nur für den Machterhalt der Regierenden.
    Ist "schwer zu verstehen", wenn man sich damit nicht auseinandersetzen will.

  16. 63.

    Naja, für Sie sind RT und AlJazeera dann wohl die neutralsten Sender der Welt, oder? Wandern Sie aus, egal wohin, wenn Sie die ungeschminkte Berichterstattung nicht ertragen und es hier so doof finden.

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