Kommunalwahlen - Polnische Bürgerkoalition ist stärkste Kraft in Brandenburg-nahen Raum

Di 09.04.24 | 18:13 Uhr
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Symbolbild: Wahlbüro bei der Kommunalwahl in Polen. (Quelle: dpa/Sopa)
Audio: Antenne Brandenburg | 09.04.2024 | Maximilian Devantier und Stefanie Fiedler | Bild: dpa/Sopa

Die liberalkonservative Bürgerkoalition (KO) des polnischen Regierungschefs Donald Tusk ist im Brandenburg-nahen Raum im Westen des Landes als stärkste Kraft aus den Regionalwahlen hervorgegangen. In der direkt an Brandenburg angrenzenden Wojewodschaft Lubuskie erhielt die Bürgerkoalition 34,7 Prozent der Stimmen. Das geht aus den amtlichen Endergebnissen hervor, die die Nationale Wahlkommission [www.wybory.gov.pl] am Dienstag bekanntgegeben hat.

Weiter nördlich in der Wojewodschaft Westpommern kam die Bürgerkoalition bei den Wahlen am Sonntag auf 38,9 und die nationalkonservative Partei "Recht und Gerechtigkeit" PiS auf 25 Prozent.

Gemeinsam mit dem bäuerlich-konservativen Dritten Weg und der Partei Neue Linke (pol. Lewica), die zusammen auch die aktuelle polnische Regierung stellen, könnten die Tusk-Anhänger zukünftig auch in zehn von 16 Landtagen die Mehrheit führen.

Konservative im Osten stark

Die PiS erhielt bei den Wahlen in den 16 Landesparlamenten insgesamt 34,3 Prozent der abgegebenen Stimmen. Damit konnte die Partei sich als stärkste politische Kraft in Polen behaupten. Die Bürgerkoalition kam landesweit auf 30,6 Prozent.

Besonders erfolgreich war sie im Osten des Landes. Das gilt trotz des Machtverlustes bei den Parlamentswahlen im vergangenen Oktober und den darauffolgenden Reformen der neuen Regierung um Regierungschef Donald Tusk. Durch ihn hatte die PiS unter anderem den Zugriff auf die staatlichen Medien verloren.

Bürgermeister in Grenznähe

Bei den Bürgermeisterwahlen liegen vor allem viele parteilose Bürgermeister vorn. In Slubice, der Nachbarstadt von Frankfurt (Oder), muss etwa der Amtsinhaber Mariusz Olejniczak (47,80 Prozent) in die Stichwahl gegen die ebenfalls parteilose Marzena Słodownik (29 Prozent).

In Zielona Góra treten der amtierende Bürgermeister Janusz Kubicki (parteilos; 35,9 Prozent) und Herausforderer Marcin Pobierowski von der Bürgerkoalition (42,7 Prozent) ebenfalls in einer Stichwahl gegeneinander an.

In Kostrzyn wurde Andrzej Kunt (parteilos) mit 51,6 Prozent in seinem Amt bestätigt. In Gubin erhielt der parteilose Szymon Naglik als einziger Kandidat 81,5 Prozent der Stimmen. In Szczecin bleibt Piotr Krzystek (parteilos) mit 60,4 Prozent Stadtpräsident und damit Rathauschef.

Bei der Wahl zum Stadtpräsidenten in der Hauptstadt Warschau setzt sich der Kandidat der Bürgerkoalition Rafal Trzaskowski durch, er bleibt somit in seinem Amt. Der 52-Jährige war bei der Präsidentenwahl 2020 nur knapp dem Amtsinhaber Andrzej Duda unterlegen.

Stimmungstest vor Europa-Wahl

Die Kommunalwahlen galten als ein erster Stimmungstest für die Mitte-Links-Koalition von Tusk, die Polen seit vier Monaten regiert - auch in Hinblick auf die Europawahl im Juni. Die gut 29 Millionen Wahlberechtigten entschieden über die Bürgermeister aller Gemeinden und Städte. Außerdem wählten sie die Mitglieder für alle 16 Regionalversammlungen, 380 Kreisräte und 2.477 Gemeinderäte.

Der Wahlkampf drehte sich hauptsächlich um lokale Themen wie Verkehr, Wohnungsbau und die Stärkung der lokalen und regionalen Regierungen nach Jahren der von der PiS vorangetriebenen Zentralisierung. Er war aber auch geprägt von den Protesten der Landwirte, die gegen die Umweltvorgaben der EU und billige Getreideimporte aus der Ukraine auf die Straße gingen.

Sendung: Antenne Brandenburg, 09.04.2024, 16:10 Uhr

10 Kommentare

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  1. 10.

    Zitat: "Polen ist erwachsen geworden und damit scheint so manch deutscher Politiker ein Problem zu haben."

    Sie unterstellen also, dass Polen lange Zeit unmündig war und am Gängelband Deutschlands hing? Damit propagieren Sie das Narrativ der PiS, die im letzten Wahlkampf Deutschland u. a. als "Henker des Opfers Polen" bezeichnete und keine Gelegenheit ausließ, den polnischen Wählern Deutschland als Wurzel allen Übels weiszumachen, um die Tusk Koalition zu verhindern. Denn diese hatte der PiS Propaganda zufolge ja vor, nach einem Wahlsieg Polen vollends den Deutschen auszuliefern. Mir zumindest sind weder solche Bestrebungen der Polnischen Regierung, noch die unterstellte Erwartungshaltung der dt. Politik bekannt.

    https://www.dw.com/de/mit-antideutscher-stimmung-auf-w%C3%A4hlerfang-in-polen/a-67054916#

  2. 9.

    Ja, das ist richtig. Nun, wenn die Freunde die Regeln(hier die Eu-Regelungen im Sinne des Rechtsstatus, der ja dann das höherrangige Recht zu den Nationalen Gesetzgebungen einnimmt)einhalten, u. auf dieser Basis verhandeln und sich einigen - also Kompromisse schließen können, was in manchen Fragen eben nicht ganz einfach sein dürfte, weil z.B. im Freundesland am Kohlebergbau z.B. festgehalten wird, wird's gehen. Der Kompromiss heißt hier, dass die tödl. wirkenden Richtwerte der Abwässer eben prinzipiell nicht überschritten werden dürfen, sondern alles zu tun ist, die Toxizität zu senken! D.berühmte Kanalzuführung, in der man schon einiges machen kann, um die Abwässer zu behandeln. Denn ein nochmaliges tote Fische abfischen? in Größenordnungen?, kann ich mir nicht vorstellen, dass das den polnischen Fischern oder Naturschutzorganisierten, die es ja auch dort gibt, gefallen würde..? Denn die Oder ist unser Fluss."Oder kieken",bummeln gehen, jetzt(ü70)kann ich mir das leisten, o.Pkw, klar

  3. 8.

    Ein sehr schöner Spruch!
    Ich fand das gegenüber dem rrb24-Team, das sich hier wirklich mühte, die Rechtschreibung des Polnischen hinzukriegen (3 Fehler sind 3 Fehler und die Note 3! - Versteht ihr das? -czy rozumiesc?) - ganz schön hochnäsig.
    Aber wir sollten uns von diesem User @1 und @3 nicht das Aufatmen über die Wahlergebnisse in der Grenzregion vermiesen lassen. Ich befand schon damals, dass Herr Tusk im EU -Parlament einen prima Job gemacht hat.

  4. 7.

    Tak!
    Aber das alles ist nicht nur von PO oder PiS abhängig sondern eben auch von der deutschen Regierung. Polen ist erwachsen geworden und damit scheint so manch deutscher Politiker ein Problem zu haben. Oberlehrerhaftes Gehabe ist dort nicht gerne gesehen. In der Realpolitik sind PO und PiS gar nicht mal so verschieden, aber während die einen als Schwefel betrachtet werden, machen die anderen angeblich keinerlei Fehler. Bei derartiger Voreingenommenheit darf man sich über die entsprechende Reaktion nicht wundern. Das absolut wichtigste ist doch, immer vorurteilsfrei miteinander zu reden und die Argumente auszutauschen und nicht nur stur auf dem eigenen Standpunkt zu beharren. Die Interessen kollidieren nun mal gelegentlich. Egal wer in Polen gerade an der Regierung ist, wird nicht mehr nach Deutschlands Pfeife tanzen.

  5. 6.

    Sollten wir hier bitte um eine Hochsprache streiten?Das Wichtigste, Pan Breczysczykiewicz - prosze bardzo - ist doch, dass die Akteure in den Euro-Regionen, die doch schon sehr erfolgreich arbeiten, mit ihren bekannten Partnern beherzt sich neuen Projekten zuwenden können u. nicht von einem Kollegen d.PiS-Partei dann etwa mit seltsamen Gedankengängen o. Ablehnungen konfrontiert werden. Ich kenne mehrere Grenzregionen in Europa u.weiß, wie schwer es "die Landstriche beiderseits der Grenzen" haben. Durch diese Regions-Entwicklungs-Modelle haben wir doch wirkl. etwas Vorzeigbares: Einen wunderschönen Fluss, von dem ich mir wünsche, dass er bald wieder Heimstatt sehr vieler Fische sein darf, friedl. geschäftiges Treiben in den kleinen Orten, die sich unter die alten Baumkronen ducken, mal ein Winken dem Radfahrenden über den Fluss hinweg, rauschende Wälder, über den Fluss, noch immer Ziemia Lubuska, die ja auch grenzüberschreitend die tolle Auszeichnung "Landschaft des Jahres" trug. Tak?

  6. 5.

    Naja - Erbsenzählen scheint einer der Kernkompetenzen des Herrn zu sein und auf allem mit einer Art und Weise herumzuhacken, was nicht dem exakten Duktus zu entsprechen scheint.
    @ Herrn Breczysczykiewicz: schon Schopenhauer sagte: "Freundlichkeit ist wie ein Luftkissen: es mag nicht viel drin sein, aber es miildert die Stöße des Lebens"
    Wir sind sicherlich alle gerne für Informationen und Richtigstellungen offen - wenn der Ton stimmt.

  7. 4.

    Sorry, aber ich verstehe Ihr Gemecker hier nicht. Zachodniopomorski liegt doch wohl unstrittig nördlich von Lebuskie, oder? Auch wenn es "Westpommern" ist, liegt es nicht automatisch westlich von allem anderen. Und dass es deutliche Unterschiede im Wahlverhalten im westlichen und östlichen Polen gibt, ist auch nichts Neues, auch wenn manchmal durchaus auch im westlichen Teil die PiS deutliche Wahlerfolge erzielen kann/konnte. Insgesamt war aber deutlich zu erkennen, dass die PO bei den Kommunalwahlen nicht an den vorherigen Erfolg anknüpfen konnte und vor allem Richtung Osten der Zuspruch deutlich stärker abnahm. Man hat es halt nur schöner formulieren wollen.

  8. 3.

    Vorher LESEN was Ihnen geschrieben wurde könnte hilfreich sein.

    Man hätte ja jetzt denken können, dass das beim Wegzensieren um die eigenen massenhaften Fehler zu verschleiern bereits getan wurde.

    "Besonders erfolgreich war sie im Osten des Landes."

    Immer noch falsch. Könnte man auch am dem Abschnitt "Weiter nördlich in der Wojewodschaft Westpommern " merken. Zachodniopomorski heißt so (Zachod - Westen), weil es im Westen liegt und nicht im Osten.

    Meine Güte, ALLE hier begangenen Fehler (mindestens ein halbes Dutzend) müsste man nach dem Rahmenlehrplan für Berlin nach dem Abschluss der 4. Klasse ausschließen können - und Berlin gilt nun wahrlich nicht als Land der Bildung...

  9. 1.

    "In der direkt an Brandenburg angrenzenden Wojewodschaft Lebuskie"

    Wo konkret liegt Lebuskie?

    Das kommt von der ehemaligen Bischofsstadt Lebus, die Wojewodschaft liegt aber in Polen, heißt also Lubuskie.

    Wenn das nicht mal wieder einer der haarsträubenden Fehler der rbb-Redaktion (so es die geben sollte, Artikel mit dermaßen vielen Fehlern deuten eher auf einen Schülerpraktikante hin) sein sollte, sonder den Versuch einer Ünersetzung (wie schon die nicht existierenden "Landtage") wäre dies das "Lebuser Land".

    Ansonsten vielleicht mal jemanden beauftragen, der im Deutschunterricht aufgepasst hat.

    "Gemeinsam mit dem bäuerlich-konservativen Dritten Weg und die Linksallianz Lewica" tut schon beim Lesen weh.

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