Fußball-Bundesliga - So realistisch sind Unions Ab- und Herthas Aufstieg

So 14.04.24 | 18:29 Uhr | Von Ilja Behnisch
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Trauer bei Union, Jubel bei Hertha (imago images/ActionPictures & Nordphoto)
Bild: imago images/ActionPictures & Nordphoto

So manchem Anhänger schwant schon wieder ein Hauptstadtderby in der kommenden Spielzeit. Wahlweise. Denn sowohl ein Abstieg von Union ist aktuell denkbar, als auch ein Aufstieg von Hertha. Doch wie realistisch sind die beiden Szenarien? Von Ilja Behnisch

Je länger Nenad Bjelica, Trainer des Fußball-Bundesligisten Union Berlin, nach der 0:2-Niederlage beim FC Augsburg am ARD-Mikrofon redete, desto harscher wurde sein Ton. Und so dauerte es keine zwei Minuten, ehe der Kroate von "sehr gut gearbeitet" zu "wer das nicht kapiert, wird nicht weiter spielen" gelangt war. Man sei "dick im Abstiegskampf", sagte Bjelica dann noch. Es fällt schwer ihm zu widersprechen. Ganze drei Punkte liegt Union aktuell vor dem Relegationsplatz 16, vor Mainz 05. Wobei die Rheinhessen eine um drei Treffer bessere Tordifferenz haben und zuletzt zwei Siege bei 8:1-Toren feierten. Also wie unheimlich ist den Köpenickern das Abstiegsgespenst?

Nur vier Punkte aus den letzten fünf Spielen

Form schlägt Klasse, heißt es im Sport häufig. Sollte das stimmen, dürften die Union-Anhänger vor lauter Anspannung momentan gar nicht mehr rauskommen aus dem Nägelkauen. Gerade einmal vier Punkte haben die Köpenicker aus den letzten fünf Bundesliga-Spielen holen können. Damit liegt man in diesem Zeitraum auf Rang 13 und ganze zwei Punkte vor einem fiktiven Relegationsrang. Verfolger Mainz hingegen liegt im selben Zeitraum auf Rang sechs und scheint drauf und dran, durchzustarten.

Allerdings fielen unter die letzten fünf Union-Begegnungen auch Duelle gegen Stuttgart und Leverkusen. Zwei der Über-Mannschaften der Saison, gegen die schon ganz andere Teams verloren haben. Der Heimsieg gegen Werder Bremen und der Punktgewinn in Frankfurt dürfen hingegen als erfreulich in Erinnerung bleiben. Und dass die Berliner in Augsburg verlieren, ist nach nur einem Sieg in 14 Duellen fast schon so etwas wie Folklore.

Wichtiges Spiel gegen Bochum

Richtet man den Blick nach vorn, wird relativ schnell klar: Vier Punkte noch, und die Punktlandung Klassenerhalt sollte realistisch sein. Dabei ist wohl vor allem das Heimspiel gegen den VfL Bochum von enormer Bedeutung. Der aktuell 15. der Tabelle aus dem Ruhrgebiet wartet seit sieben Spielen auf einen Sieg und hat ein kompliziertes Restprogramm mit gleich drei Auswärtsspielen. Sollte Union das direkte Duell am 32. Spieltag (5. Mai) für sich entscheiden, dürften die Bochumer auch am Saisonende hinter Union stehen - sofern die Berliner mindestens einen Punkt aus den Auswärtsspielen in Mönchengladbach oder Köln holen.

Das kommende Heimspiel gegen den FC Bayern bietet allerdings auch Gelegenheit zum punkten. Zum einen, weil der Rekordmeister in dieser Saison insgesamt alles andere als stabil agiert. Zum anderen, weil er nach dem Rückspiel im Champions-League-Viertelfinale gegen den FC Arsenal entweder auf Wolke sieben schweben oder im Tränenmeer baden wird. Auch Unions abschließendes Heimspiel gegen den SC Freiburg bietet noch realistische Chancen auf Kurskorrektur.

Sportlich müsste bei Union gar nicht viel anders laufen als zuletzt. Oder um es mit Kapitän Christopher Trimmel zu sagen: "Wir müssen konzentrierter bleiben und offensiv genauer spielen." Das ist der Mannschaft allerdings absolut zuzutrauen. Auch wenn vom spielerischen Selbstverständnis der vergangenen Jahre momentan wenig zu spüren ist, zeigte sich Union zuletzt trotz der Rückschläge insgesamt als belastbares Konstrukt.

Herthas Konkurrenz schwächelt nicht (genug)

Beim Stadtrivalen Hertha BSC hingegen zeigt die Formkurve aktuell steil nach oben. Drei Siege und zehn Punkte aus fünf Spielen bedeuten Platz drei in diesem Zeitraum. Allein: Die Konkurrenz schwächelt nicht (genug). Bei 13 Punkten Rückstand auf den FC St. Pauli, aktuell Tabellenzweiter, ist ohnehin nur noch Platz drei halbwegs realistisch - also der Weg in die Relegation.

Der allerdings wird belegt von Fortuna Düsseldorf, die auch in der Formtabelle noch vor der Hertha liegen (fünf Siege aus zuletzt fünf Spielen). Sollte Düsseldorf, derzeit acht Punkte und 16 Tore vor den Berlinern, doch noch schwächeln, wären zunächst der Hamburger SV auf Rang vier (fünf Punkte vor Hertha) und Hannover 96 auf Rang fünf (ein Punkt vor Hertha) die natürlichen Profiteure.

Schwung holen für die nächste Saison

Mit den nächsten Duellen in Karlsruhe (Tabellen-Siebter) und bei Hannover stehen der Mannschaft von Trainer Pal Dardai zwei äußerst schwere Prüfungen bevor. Immerhin: Danach hat der Spielplan mit Elversberg (10., auswärts), Kaiserslautern (17. heimwärts) und Osnabrück (18. auswärts) scheinbar lösbare Aufgaben parat. Doch auch wenn der Berliner Weg in nächster Zeit zu fünf Siegen aus den fünf verbleibenden Partien führen würde, scheint Tabellenplatz drei nahezu ausgeschlossen.

Da mutet die Wahrscheinlichkeit, dass Hertha mindestens in einem der Duelle in alte, spielerisch krampfige Muster verfällt, schon höher an. Zwar hat die Mannschaft im letzten Spiel gegen Hansa Rostock begeistert wie lange nicht. Ob diese Leistungsfähigkeit nachhaltig ist, darf aber noch bezweifelt werden. Wobei die Zweifel angesichts der zweitjüngsten Mannschaft der Liga (24,7 Jahre im Schnitt aller eingesetzter Spieler in allen Spielen) durchaus ihre Gründe haben.

Und so darf der womöglich furiose aber sehr späte Schlussspurt der Hertha vor allem als eines gedeutet werden: Als Schwung holen für die Mission Aufstieg im kommenden Jahr.

Sendung: rbb24 Inforadio, 14.04.2024, 17:15 Uhr

Beitrag von Ilja Behnisch

14 Kommentare

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  1. 14.

    Hertha wird nicht auf- und Union wird nicht absteigen. Für die nächste Saison mache ich mir, als Herthaanhänger und -mitglied, "nur" wegen des Investors Sorgen. Hertha ist finanziell eben leider weiterhin auf Fremdbeatmung angewiesen, und die diesbezüglichen Probleme können die ganze gute Entwicklung im sportlichen Bereich und in der Beziehung zu den Fans gefährden. Nun ja, langweilig war die alte Dame selten in den letzten Jahrzehnten, und das wird wohl auch so bleiben. Hoffen wir mal, dass die nächsten Aufreger weitgehend positiver Natur sein werden.

  2. 13.

    Bei Hertha bin ich optimistisch: Saison war als Übergangs-Saison geplant und dafür war es gut. Viele Eigengewächse wurden eingesetzt und haben zum Teil sich gut entwickelt. Daraus kann kommende Saison eine Aufstiegsmannschaft erwachsen.
    Union muss zittern: Fußball ist auch eine Kopfsache. Die Mannschaft wurde für die CL zusammengestellt und nun kämpft Union gegen den Abstieg. Falls Bayern mit Wut im Bauch gewinnt und der Abstand zum Relegationsplatz schrumpft, könnte erneut die Angst größer werden - auch gegen Bochum ist es Kein Selbstläufer. ...
    Die Relegation kann die Zweitligamannschaft gewinnen.

  3. 12.

    Leider spielt hertha zwischendurch nicht so gut wie am Wochenende. Dazu Diskussionen um einen neuen Trainer und schon ist weiterhin Unruhe vorprogrammiert. Lasst sie sich in Ruhe finden mit dem jetzigen Trainer und dann drücken wir die Daumen für die nächste Saison.

  4. 11.

    Aus finanzieller Sicht heraus wäre es in der Tat gut direkt wieder aufzusteigen, es war aber mit Sicherheit nicht die wichtigste Option.
    Erste Liga ist doch nicht gleich finanzielle Unabhängigkeit oder noch besser, plötzliche Schuldenfreiheit. Klar hat der Verein höhere Einnahmen, aber natürlich auch höhere Ausgaben, wenn man wettbewerbsfähig sein möchte.
    Daher war die einzig wichtige Option, sich zu konsolidieren und wenn dies gelingt, ist nämlich noch nicht abgeschlossen, dann kann etwas entwickelt werden.
    Und die Geschichte mit dem Investor muss abgewartet werden, ich hoffe die nächste Rate wird pünktlich gezahlt, sonst sieht es mau aus.

  5. 10.

    Hertha sollte ein erneuter Umbruch erspart werden. Dann sind die Chancen für das kommende Jahr durchaus da. Rechnerisch wäre natürlich diese Saison auch ein Relegationsderby noch drin.

  6. 9.

    Allein schon aus der finanziellen Situation heraus war der direkte Wiederaufstieg die wichtigste Option. Nur wollte man es nicht öffentlich erklären! Nun zeigen sich mit dem neuen Investor wohl auch wieder neue Probleme! Welcher solide Investor investiert in eine kaputte Firma? Momentan wird es auch in der nächsten Saison für den Aufstieg schwer werden.
    Und Union wird wohl auch wieder gegen den Abstieg spielen. Es deuten sich keine wirklichen Veränderungen an.
    Eisernes HaHoHe

  7. 8.

    Danke, endlich mal einer der genau das schreibt wie es realistisch ist.
    Von Anfang an hat keiner von einem sofortigen Wiederaufstieg gesprochen. Nur die Medien wußten dies wieder einmal besser.
    Was mich aber am meisten nervt, sind diese ständigen negativen Berichte über einen Verein der versucht diese ganzen Seuchen der vergangenen Jahre hinter sich zu lassen. Laßt der Alten Dame doch diesen Weg in Ruhe weiter gehen und sucht euch andere Themenbereiche wo eure Sensationsgier befriedigt wird.

  8. 7.

    Gute 5 Restspiele zeigen. Dann Truppe inkl Trainer halten und noch ne Saison weiter einwickeln. Aufstieg 2025 und endlich wieder BuLi Fußball zeigen… alles andere ist Träumerei und zu früh.

  9. 6.

    Aus Sicht eines Unioners geht es erstmal um die drei Punkte gegen Bayern unabhängig ihrer Wahrscheinlichkeit also um Tore.

  10. 5.

    Union fehlen die immer sicheren 6 Punkte von Hertha. Sollten sie es diesmal noch schaffen, werden die leider auch nächstes Jahr fehlen. Frage mich sowieso, an welcher Stelle Union so falsch abgebogen ist, daß die nun offenbar irgendwie im Koma sind. Da geht doch kaum noch was… mit oder ohne Urs ist da der „Wurm“ drin. Wie lange noch?

  11. 4.

    Vereine, die nach einem Abstieg aus der 1.Liga nicht sofort wieder aufsteigen, verbleiben oft lange Jahre in der 2.Liga und darauf sollte Hertha sich am besten einstellen.

    Für die Zuschauer ist die 2. Liga derzeit sehr attraktiv und es gibt nächste Saison nicht weniger ernsthafte Aufstiegskonkurrenten. Hauptsache Liga 3 vermeiden.

    5 Jahre sind ein realistischerer Aufstiegszeitrahmen als jedes Jahr aufs neue frustriert zu sein. (siehe HSV)

    Geht es schneller mit dem Aufstieg umso besser.

  12. 3.

    Wie bitte, Union soll den Sprung (CL etc) vergessen und bodenständig Zukunft planen. BSC ? Na ja, es ist nicht schlecht was sich sportlich entwickelt, aber New York Times uns Sportschau berichten, dass 777 Partners sehr unsolide und mit Ihnen Geschäften mindestens geheimnisvoll sind. Standard Liege aus Belgien ist bereits hart betroffen. Was passiert mit Hertha finanziell ? Hat in Deutschland oder Europa niemand Interesse Sie zu unterstützen?

  13. 2.

    Aus Sicht eines Herthaners ist dem nichts hinzuzufügen.

    Hoffentlich noch tolle und begeisternde Spiele und dann Angriff in der kommenden Saison.

    Ha Ho He

  14. 1.

    Ich als Herthafan wünsche mir nicht den Aufstieg. Da würde Hertha nur der Hintern versohlt werden. Um in der 1. Liga zu bestehen muß noch ne Menge passieren. Sollte die Mannschaft in der nächsten Saison zusammen bleiben, könnte es evtl klappen.

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