Keine Neuanschlüsse - In Oranienburg wird der Strom knapp

Di 16.04.24 | 19:19 Uhr
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Symbolbild: Ein Stromverteilerkasten steht vor dem Schloss Oranienburg. (Quelle: dpa/Paul Zinken)
Video: rbb24 Brandenburg aktuell | 16.04.2024 | D. Azzam / I. Alboga | Bild: dpa/Paul Zinken

Wer in Oranienburg bauen will, muss wohl vorerst auf Akkus setzen. Die Stadtwerke können derzeit keine Neuanschlüsse bereitstellen. Ein Grund dafür ist das schnelle Wachstum der Stadt. Die Bundesnetzagentur mahnt vorausschauendes Handeln an.

  • Oranienburg fehlen Kapazitäten für weitere Anschlüsse an Hochspannungsnetz
  • Stadtwerke genehmigen vorübergehend keine Anmeldungen von Hausanschlüssen
  • besonders betroffen sind Kernstadt und Ortsteil Sachsenhausen
  • Bundesnetzagentur prüft, warum Netz nicht vorausschauend ertüchtigt wurde
  • auch Bundesregierung hat sich inzwischen in den Fall eingeschaltet

Wer einen neuen Stromanschluss in Oranienburg (Oberhavel) benötigt, wird sich wohl gedulden müssen. Denn die Stadtwerke haben bekannt gegeben, dass Anmeldungen von Hausanschlüssen vorübergehend nicht mehr genehmigt werden können. Grund dafür ist eine fehlende Kapazität für weitere Anschlüsse an das Hochspannungsnetz in Oranienburg. Es erfolgte demnach außerdem eine Meldung an die Bundesnetzagentur sowie den Landkreis Oberhavel.

"Die Versorgungsmöglichkeiten in der Stadt Oranienburg [sind] ausgeschöpft", sagte Peter Grabowsky, Geschäftsführer der Stadtwerke laut Mitteilung am Mittwoch. Bereits vor mehr als einem Jahr habe man nach eigener Aussage zusätzliche Kapazität am Umspannwerk des vorgelagerten Hochspannungsnetzbetreibers – dem Stromnetz in Oranienburg – angefragt. Diese konnten jedoch nicht bereitgestellt werden.

Oranienburg wächst schnell

"Um das Stromnetz in Oranienburg weiter stabil zu halten, können die Stadtwerke ab sofort keine Neuanmeldungen oder Leistungserhöhungen von Hausanschlüssen mehr genehmigen", heißt es in der Mitteilung. Das betreffe beispielsweise auch die Anschlüsse für Wärmepumpen und Autoladesäulen, sowie neu geplante Gewerbe- und Industrieflächen. Besonders betroffen seien die Kernstadt sowie der Ortsteil Sachsenhausen.

Die Folgen spüren schon jetzt Firmen vor Ort. "Das ist schon ein herber Einschnitt für den Wirtschaftsstandort, wenn in naher Zukunft nicht angesiedelt werden kann", sagte Christian Streege vom Regionalcenter Oberhavel der Industrie- und Handelskammer (IHK) dem rbb. Viele Unternehmen wollen sich ansiedeln, bestehende Firmen erweitern. "Eine Stromknappheit, wie sie gerade ausgegeben wurde, ist ein Totschlagargument für den Standort", so Streege.

Wer bereits einen laufenden Vertrag mit den Stadtwerken hat, brauche sich aber keine Sorgen machen. Der aktuelle Bedarf könne gedeckt werden, für weitere Bedarfe sei man im Gespräch mit dem Netzbetreiber Edis. "Der Strombedarf unserer wachsenden Stadt hat sich enorm entwickelt, schneller, als es in der Vergangenheit vorausgesehen wurde", sagte Bürgermeister Alexander Laesicke (parteilos), der an den Gesprächen mit Edis beteiligt war.

Oranienburg zählt derzeit knapp 47.700 Einwohner, im Jahr 2000 waren es noch knapp 30.000 Einwohner, 2010 etwas mehr als 40.000. In den kommenden Jahren will und wird die Stadt auf 50.000 Menschen anwachsen. Neue Bauprojekte wie etwa die "Weiße Stadt" sollen dazu beitragen.

Bundesnetzagentur prüft mögliche Versäumnisse

Die Bundesnetzagentur erklärte auf Nachfrage von rbb|24 am Montag, für Netzbetreiber bestehe grundsätzlich die allgemeine Pflicht, Anschlussbegehrende an ihr Netz anzuschließen. Sie dürften nicht mit dem Verweis auf mangelnde Kapazität im Netz abgelehnt oder der Anschluss verzögert werden.

"Netzbetreiber haben ihr Netz vorausschauend zu ertüchtigen, um grundsätzlich Problemen mit mangelnder Kapazität vorzubeugen", so die Bundesnetzagentur. Warum das in Oranienburg anscheinend nicht geschehen sei, solle nun aufgeklärt werden. Die Bundesnetzagentur habe die Stadtwerke um weitere Informationen gebeten. "Daher kann derzeit noch keine Stellungnahme in dieser Sache abgegeben werden", heißt es in der Antwort.

In der Zwischenzeit suchen die Stadtwerke gemeinsam mit dem Netzbetreiber Edis nach Möglichkeiten, um das Netz vorübergehend zu entlasten. Außerdem wollen sich die Stadtwerke am Dienstag erstmals mit der Bundesnetzagentur dazu beraten.

Bundesregierung hat Arbeitsgruppe eingerichtet

Unterdessen hat sich inzwischen auch die Bundesregierung in den Fall eingeschaltet. Der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz, Michael Kellner (Grüne), sagte dem rbb am Dienstag, dass es dazu eine Arbeitsgruppe gebe.

Für Kellner sei es absolut inakzeptabel, dass Privathaushalte und Unternehmen in Oranienburg nicht mehr ans Stromnetz angeschlossen werden können. Er wisse deutschlandweit von keinem weiteren Fall. Es liege, so Kellner, nicht daran, dass es zu wenig Strom gebe. Was fehle, sei eine Verbindung vom Stromnetz zu den betreffenden Abnehmern.

Dafür würde jetzt nach Lösungen gesucht. Ein neues Umspannwerk werde zwar gebaut, das wäre aber erst 2026 fertig, für Kellner sei das zu lange hin. Er sagte weiter, dass der Fehler wohl bei der Stadt Oranienburg liege. Kommunen seien zu einer vorausschauenden Planung verpflichtet. Das scheint bei den Stadtwerken Oranienburg nicht der Fall gewesen zu sein.

Neues Umspannwerk wird gebaut

Oranienburg hat bereits im vergangenen Jahr mit dem Bau eines eigenen Umspannwerks begonnen. Das wird voraussichtlich 2026 fertiggestellt werden und soll "eine deutlich erhöhte Stromabnahme aus dem Hochspannungsnetz ermöglichen", teilten die Stadtwerke mit. Für den Neubau habe die Stadtverordnetenversammlung in ihrem Haushaltsbeschluss 13,8 Millionen Euro Eigenkapital zur Verfügung gestellt.

Neubauprojekte für Privat- oder Geschäftshäuser könnten sich in den zwei betroffenen Ortsteilen allerdings in den kommenden zwei bis drei Jahren dennoch verzögern. Burkhard Wilde, Aufsichtsratsmitglied der Stadtwerke, zeigte sich aber optimistisch: "Ich denke, wir werden auch Möglichkeiten finden, um den Kapazitätsengpass zu beseitigen", sagte er laut Mitteilung.

Sendung: rbb24 Brandenburg aktuell, 15.04.2024, 19:30 Uhr

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52 Kommentare

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  1. 51.

    Gut erkannt. War aber auch nicht so schwer, wurde ja oft genug erklärt, dass es ein lokales Problem von Wachstumsschmerz in Oranienburg ist.

  2. 50.

    Hat selbstverständlich alles nix mit der grünen Energiewende zu tun.

  3. 49.

    "Innerhalb von zehn Jahren ist der Preis damit um über 32 Prozent angestiegen."
    Das würde ja in etwa dem Zielwert der EZB für die Inflationsrate entsprechen.
    Da ich ohne Probleme seit Januar 2024 nur 31ct/kWh bezahle würde ich in meinem Fall fast von Deflation sprechen. Die 31 ct/kWh könnte ich am Markt sicher noch einiges senken, will ich aber nicht, Bin mit dem Service meines Anbieters sehr zufrieden. 2023 war heftig aber wer in 2024 noch 37ct bezahlt sollte sich mal umschauen.

  4. 48.

    Und Oranienburg trotzdem nicht ein einziges Watt mehr anschliessbare Leistung.
    Ihre Bemerkung hat also null Komma nix mit dem Artikel zu tun.

  5. 47.

    Nee. Ich versuchs mal ganz einfach. Die Strömlinge sind vorhanden, der Trafo reicht nicht und die Strippen fehlen.

  6. 46.

    Beim Habeck beschweren. Liegt an der linksgrünen Klimapolitik.

  7. 45.

    Man hatte immer angenommen, Oranienburg schrumpft auf 20 000.
    ,,Konnte Niemand ahnen, das Oranienburg mal auf 50 oder 60 000 kommt,,.

  8. 44.

    "Hier hat, wie dem Artikel eindeutig zu entnehmen ist, die Verwaltung total gepennt. "
    Unsinn! Nochmal lesen.
    Der Hochspannungsnetzbetreiber ist nicht in der Lage zu liefern.
    Das wird sich erst ändern, wenn die 360KV-Trasse in den Norden fertiggestellt ist und weitere Einspeisemöglichkeiten geschaffen wurden. Darum auch der eigene Umspanner erst 2026.

  9. 43.

    Die grüne Energiewende ist wohl nicht hinreichend solide durchgerechnet. Die Netzanpassungsmaßnahmen zur Frequenzstabilisierung und der notwendige Ausbau der Hochspannungsleitungen schlagen mit weiteren Milliarden zu Buche. Ab 2024 verdoppeln sich die Netznutzungsgebühren für den Verbraucher, und die Gesamtkosten für den Netzausbau könnten bis 2045 auf 450 Milliarden Euro ansteigen. Die Energiewende, einst als Hoffnungsträger für eine grünere Zukunft gefeiert, erweist sich als finanzielle Bürde für die Bürgerinnen und Bürger. Die von der Bundesregierung propagierte Umstellung auf erneuerbare Energien führt zu einer beispiellosen Kostenexplosion, die letztendlich von den Steuerzahlern getragen werden muss.

  10. 42.

    Bundesumweltministerin Lemke sagte am Freitag, es handele sich bei der Atomkraft «um eine Hochrisikotechnologie». Deutschland sei mit Abschaltung seiner Meiler «sicherer» geworden. Es stimmt, Atomunfälle können katastrophale Folgen haben, wie sich vor allem 1986 in Tschernobyl zeigte. Betrachtet man allerdings nur die Zahlen, sieht es anders aus. Die Website «Our World in Data» hat einmal ausgerechnet, wie viele Menschen im Schnitt durch unterschiedliche Kraftwerke sterben. Die Todesrate bei einer TWh Strom aus einem Braunkohlekraftwerk beträgt 32,7. Die von Steinkohle liegt bei 24,6 pro TWh. Denn diese Kraftwerke lösen Atemwegserkrankungen aus, an denen jedes Jahr Tausende Menschen vorzeitig sterben. Die Atomkraft liegt bei 0,03 Todesfällen pro TWh Strom, alle Atomunfälle auf der Welt zusammengerechnet. Fazit: Wäre Deutschland nicht aus der Atomkraft ausgestiegen und hätte es die Erneuerbaren im gleichen Tempo ausgebaut, hätte es heute eine weitaus bessere Klimabilanz.

  11. 41.

    Das Problem sind hier nicht die fehlenden Handwerker, sondern dass man erst ein Jahr vor Ende der Fahnenstange angefangen hat. Die Bevölkerung hat sich nicht im letzten Jahr verdoppelt, der Trend ist seit langem absehbar. Man hätte mit Ruhe und Gemütlichkeit die Infrastruktur mitwachsen lassen können. Was wir hier sehen ist ein Totalversagen der Zuständigen. Ich hoffe die Betreffenden sind jetzt ihren Job los.

  12. 40.

    >"Habeck verwies jetzt auf angeblich fallende Strompreise, verriet jedoch nicht, wo er die sieht."
    Kann ich Ihnen verraten: An der euopäischen Energiemarktbörse. NUR: Da wird der Strom für Konzerne gehandelt. Nicht der an den Endverbraucher verkaufte Strom. In Deutschland wird der Strompreis nach dem teuersten am Markt verfügbaren Strom ermittelt - Kohle und Gas wegen den vielen Abgaben. Das ist der Lobby Energiekonzerne geschuldet. Kohle und Gas machen aber gerade mal nur noch so 10% unseres Stroms aus. Nun raten Sie mal, wo die hohe Gewinnspanne von biligerem EEG Strom zum teuren Verbrennerstrom bleibt? Jedenfalls nicht bei den Endverbrauchern in Deutschland. Und blöd auch: Daran kann die aktuelle Ampel auch nicht vorbei, weil dies Gesetzeskraft hat. Die CDU und FDP bekommt Schnappatmung bei nur Denken an einer Freigabe der Energieerzeugerpreise.

  13. 39.

    Habeck verwies jetzt auf angeblich fallende Strompreise, verriet jedoch nicht, wo er die sieht. Die Preise allerdings kennen nur eine Richtung: nach oben. Die Bilanz für Verbraucher sieht grausam aus. Das Portal Verivox analysiert:
    »Doch die steigenden Kosten für den Betrieb der Stromverteilnetze geben der Strompreisentwicklung neuen Auftrieb – zum Jahreswechsel 2023/2024 sind die Stromnetzgebühren im bundesweiten Durchschnitt um rund 25 Prozent angestiegen. Viele Stromversorger werden diese Kosten an ihre Kunden weiterreichen und das Strompreisniveau bleibt nach wie vor hoch.Im Januar 2024 liegt der durchschnittliche Preis für eine Kilowattstunde (kWh) Strom bei rund 37,37 Cent/kWh und gehört damit zu den höchsten weltweit (Quelle: Verivox-Verbraucherpreisindex Strom). Im Jahr 2014 lag der durchschnittliche Preis für eine Kilowattstunde Strom noch bei rund 28 Cent/kWh. Innerhalb von zehn Jahren ist der Preis damit um über 32 Prozent angestiegen.«

  14. 38.

    Was hat denn die Ampel damit zu tun, dass in Oranienburg seit über 10 Jahren gewolltes Bevölkerungswachstum zu verzeichnen ist und die lokale Infrastruktur nicht entsprechend mitgewachsen ist.
    Die Leute ziehen ja nicht nur dahin weil es so schön ist, sondern auch weil es seitens Stadt durch Wohnungsbau gefördert aber offensichtlich nur nicht hinreichend präzise geplant wird.
    Das Ziel der weitgehenden Sektorenkopplung sprich Elektrifizierung steht ja auch nicht erst seit September 2021 auf der Agenda jedes Unternehmens und jeder Stadt.
    Schon Lenin wusste, dass die Elektrotechnik die überlegene Technologie ist. Den Quatsch mit der Sowjetmacht und Kommunismus hätte er sich natürlich sparen können.

  15. 37.

    "Denn alles braucht nun einmal funktionierende Leitungen" So ist es. und die gibt es nicht, nicht in Oranienburg und nicht anderswo. Oranienburg hat jetzt die A-Karte gezogen und SOS gemeldet. Nur die dürftige Infrastruktur hat die Ampel-Regierung in Berlin zu verantworten. Fachleute haben die Linksgrünen Fachlaien schon vor Jahren gewarnt, für ihre hochfliegenden Pläne von massenhaftem Einsatz von Wärmepumpen und andere Stromfressern, wie E-Auto-Ladepunkten etc. gibt es keine Infrastruktur.

  16. 36.

    In Blankenfelde-Mahlow stemmt sich die FDP mit sehr fragwürdigen Argumenten aus noch fragwürdigeren Quellen gegen den schnellen Ausbau und die Ertüchtigung des Höchstspannungsnetzes. Die SPD hat sich schon davon anstecken lassen.

  17. 35.

    Bei einer sehr geringen Bevölkerungsdichte von 300 Einwohnern/Quadratkilometer in Oranienburg, wird jetzt schon der Strom knapp ???
    Da wurde ja richtig gepennt.

  18. 33.

    In Oranienburg haben die Grünen die Mehrheit und stellen den Bürgermeister?
    Hier hat, wie dem Artikel eindeutig zu entnehmen ist, die Verwaltung total gepennt. Atomstrom oder Strom aus Kohleverstromung könnte ebenso nicht eingespeist werden. Denn alles braucht nun einmal funktionierende Leitungen um Haushalte zu versorgen.
    Mal abgesehen davon dass Sie sicherlich keine Schachtel mit abgebrannten Brennstäben unter Ihrem Bett lagern möchten (Stichwort fehlendes Endlager) brauchen Atom- und Kohlekraftwerke Wasser. Deshalb musste Frankreich, das AKW-Eldorado) ja Strom einkaufen. Sicherer für die stetige Versorgung mit Strom sind die "Alternativen" denn schon.
    Unwahre Behauptungen werden nicht wahrer je öfter man sie wiederholt.

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