Demonstration gegen die Corona-Maßnahmen vor dem Brandenburger Tor © Kay Nietfeld/dpa 
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Die Debatte mit Natascha Freundel, Herfried Münkler und Roman Widder - Wir sind das Volk! - Wer ist "das Volk"?

Herfried Münkler: "Wie schaffen wir es, die Bevölkerung in die Lage zu versetzen, Volk sein zu können, also im bürgerschaftlichen Sinne Verantwortung zu übernehmen?"

"Volk", "Bevölkerung" oder besser: "Bürgerinnen und Bürger"? Die Protestparole "Wir sind das Volk" fordert zur Begriffsklärung heraus. Der Germanist Roman Widder hat die Diskursgeschichte des "Pöbels" erforscht und plädiert für eine radikale Veränderung der repräsentativen Demokratie: Losen statt Wählen. Der Politologe Herfried Münkler glaubt nicht an die Vernunft des Volks ohne Erziehung zu politischer Urteilskraft.

Wie organisiert man Lernprozesse, um dieses Volk zu befähigen, politische Urteilskraft und Weitsicht zu entwickeln und nicht zu glauben, weil es das Volk ist, ist es a priori gut? Das ist eine der großen Illusionen.

Herfried Münkler

Ich plädiere mit dem Losverfahren für radikale Lösungen, die die Bedingungen, unter denen politisches Leben stattfindet, fundamental verändern.

Roman Widder
Herfried Münkler (© Gregor Baron) und Roman Widder (© privat) 
Bild: Gregor Baron | privat

Herfried Münkler, geboren 1951, ist emeritierter Professor für Politische Theorie und Ideengeschichte an der Berliner Humboldt-Universität. Er ist weit über die akademische Welt bekannt als Autor maßgeblicher Bestseller über alte und neue Kriege, Imperien, "Die Deutschen und ihre Mythen" (2009) sowie – mit seiner Frau, der Literaturwissenschaftlerin Marina Münkler – über die deutsche Gegenwart und Zukunft. Zusammen verfassten Herfried und Marina Münkler "Die neuen Deutschen" (2016) und "Abschied vom Abstieg. Eine Agenda für Deutschland" (2019).

www.rowohlt.de

Roman Widder, geboren 1985 in Heidelberg, ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für deutsche Literatur an der Humboldt-Universität zu Berlin. Seine Dissertation zur Diskursgeschichte des "Pöbels" erschien 2020 unter dem Titel "Pöbel, Poet und Publikum. Figuren arbeitender Armut in der Frühen Neuzeit" bei Konstanz University Press. In einem Essay in der Zeitschrift "Merkur" favorisiert er das Losverfahren anstelle des Wählens als radikale Lösung für mehr politische Beteiligung in der Demokratie.

www..merkur-zeitschrift.de

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Podcast | Der zweite Gedanke © rbbKultur

Debatte mit Natascha Freundel & Gästen - Der Zweite Gedanke

Hier geht es um alles, was unser Miteinander betrifft: Bildung, Demokratie, Freiheit, Klima, Städtebau - Themen und Fragen unserer Zeit. rbbKultur-Redakteurin Natascha Freundel spricht mit zwei Gästen, die wissen, wovon sie reden. Philosophisch und persönlich. Kritisch und konstruktiv. Immer auf der Suche nach dem zweiten, neuen Gedanken.

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Antwort auf [Michael Harzen] vom 21.01.2021 um 21:38
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2 Kommentare

  1. 2.

    Sehr geehrter Herr Harzen,

    danke für Ihren Kommentar und den Hinweis auf das GG. Ich hätte den Satz selbstverständlich nennen können. Wir haben ja davon gesprochen, dass das Volk die Legitimation, also Grundlage und Begründung, der Demokratie ist. Das ist nicht deckungsgleich mit dem GG-Satz "Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus", aber eng damit verbunden. Gerade im Zusammenhang mit der Frage zu Wahlen versus Losverfahren wäre der ganze Artikel 20(2) des GG ein konkreter Bezug gewesen. Keine Sendung kann alle Details, auch nicht alle grundlegenden, unterbringen. Natürlich haben wir den Satz nicht bewusst unterschlagen. Wieso glauben Sie das, wie Sie im Nebensatz andeuten? Tatsächlich dachte ich mir, der GG-Satz sei den meisten Hörerinnen und Hörern bekannt.

    Herzliche Grüße
    Natascha Freundel

  2. 1.

    Völlig gefehlt hat(was mich aber in einem öffentlich-rechtlichen Programm nicht wundert) Artikel 20 unseres Grundgesetzes: "Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus." (Was übrigens auch der Grund ist, warum Urteile "Im Namen des Volkes" ergehen). "Sie wird vom Volke in Wahlen und Abstimmungen und durch besondere Organe der Gesetzgebung, der vollziehenden Gewalt und der Rechtsprechung ausgeübt."