Frau hält einen deutschen und einen iranischen Pass in der Hand © Gregor Baron
Gregor Baron
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Wenn das Auswandern in eine Diktatur vor der Tür steht - Auf Wiedersehen Deutschland — Salam Iran?

Sie, im kommunistischen Polen aufgewachsen, steht vor der Frage, wieder in eine Diktatur auszuwandern. Welche Zukunfts-Perspektive haben die Menschen im Iran? Wie frei können Frauen sich wirklich bewegen? Ein Einblick in den Alltag der Islamischen Republik hinter der Fassade.

Um den Anstand zu wahren, muss sie als Alleinstehende bei ihren Geschwistern leben. Im Iran, wo Kinder das höchste Gut sind, ist Kinderlosigkeit eine Schande.

Vor Kurzem hat mir mein Mann offenbart, dass er wahrscheinlich bald zurück in den Iran gehen muss – seine Mutter ist 90 Jahre alt und braucht Hilfe. Die deutschen Behörden sind nicht willig, meiner Schwiegermutter eine Aufenthaltsgenehmigung zu erteilen.

Für mich, gebürtige Polin, die in der Zeit des Kommunismus aufgewachsen ist, würde die Auswanderung einen kompletten Wandel bedeuten. Ich würde meinen Job an den Nagel hängen müssen. In der fremden Kultur, die Frauen von vielen Lebensbereichen ausschließt, wäre ich von meinem Mann absolut abhängig. Und obwohl ich ihn liebe, ist das eine grauenhafte Vorstellung.

Unseren Aufenthalt im Iran will ich nutzen, um zu erkunden, ob das Land für mich als zukünftige Heimat überhaupt vorstellbar wäre. Ich versuche, mehr über die Islamische Republik zu erfahren. Und die Familie meines Mannes ist überraschenderweise das erste Mal bereit, offen mit mir zu reden. Sie lässt mich teilhaben an der anderen Seite des Iran. Am iranischen Alltag hinter der Fassade.

Von Magdalena Delir

Regie: Andrea Getto
Produktion: rbb 2020
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