Burg Beeskow (Oder-Spree) - Ausstellungsbesucher zerstören Skulpturen - und basteln neue

Di 21.11.23 | 18:10 Uhr
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Die "zerstörte" Skulptur in Beeskow: Das Original rechts und der Umbau eines Unbekannten links eingeklinkt (Quelle: Anja Lange/Burg Beeskow und Sven Gatter)
Video: rbb24 Brandenburg aktuell | 21.11.2023 | Material: Philipp Gerstner | Bild: Anja Lange/Burg Beeskow und Sven Gatter

Kunst in Bauklötzchen-Form scheint auf manche magisch zu wirken: Auf Burg Beeskow wurde eine Klötzchen-Kaskade eines Künstlers von Besuchern "umdekoriert". Die Burg und der Künstler reagieren nach dem anfänglichen Schock gelassen.

Auf Burg Beeskow (Oder-Spree) ist eine Architektur-Ausstellung von bislang Unbekannten völlig umgebaut worden. In einer Mitteilung vom Montag spricht die Burg Beeskow sogar von einer teilweisen Zerstörung der Kunstwerke.

"Vor einer Woche hat mir das eine junge Kollegin von der Aufsicht, die noch nicht lange bei uns ist, mitgeteilt", erklärte Mitarbeiterin Kristina Geisler am Dienstag. Sie sei sehr aufgelöst gewesen. "Ich war auch perplex", so Geisler weiter. Sie habe sofort Kontakt zum Künstler Sven Gatter aufgenommen, der sich derzeit in Kassel (Hessen) aufhält.

Besucher basteln mit Skulpturen

Der Fotograf und Künstler widmet sich in der seit Oktober laufenden Ausstellung "Echo Tektur" dem architektonischen Wandel im ländlichen Raum Ostdeutschlands. Neben Videos und Fotos sind in einem Ausstellungsraum auch Entwürfe aus aufgestapelten und sortierten Styrodur-Quadern zu sehen, die Architektur-Fragmente darstellen sollen.

Allerdings hatten einige Besucher die Kunst wohl missverstanden und in den vergangenen Tagen die gelben und rosafarbenen Steine eigenmächtig "zerstört" und zu neuen Gebilden arrangiert, erklärte Geisler. Die Kunstwerke erinnern den Fotos der Burg Beeskow zufolge an Klötzchen-Häuser, die völlig neu aufgebaut wurden.

Künstler und Museum sehen "Umbau" gelassen

Zwar sei die Ausstellung, die Gatter als "raumbezogenes Gesamtkunstwerk" bezeichnet, nun stark beschädigt. Dennoch bleibt der Künstler gelassen: "Ich hatte natürlich gehofft, dass die Ausstellung auf Resonanz stößt, dass sie zum Nachdenken anregt und zur Projektionsfläche für die Besucherinnern und Besucher wird. Dass sie nun diese ganz handfeste Kreativität auslöst, finde ich aber im Grunde noch viel spannender", sagte Gatter der Ausstellungsleiterin Geisler, "offenbar trifft die spielerische Formensprache der Installation einen Nerv. Mir gefällt die Vorstellung, dass meine künstlerische Idee vom Publikum aufgegriffen und weiterentwickelt wird."

Die zerstörte Skulptur in Beeskow (Quelle: Anja Lange/Burg Beeskow und Sven Gatter)Kunst, vorher oder nachher? So sah das Werk original aus. (Quelle: Sven Gatter)

Die Burg Beeskow wird nach Rücksprache mit Gatter alles vorerst so belassen, "auch weil wir nicht in der Lage sind, alles wieder zurückzubauen", sagte Geisler dem rbb. Der Berliner Gatter sei zurzeit hauptsächlich in Kassel unterwegs und könne den Originalzustand kurzfristig auch nicht wiederherstellen. Er habe sogar angeboten, noch einige Quader mehr heranzuschaffen. Dann könnte man an dem Objekt weiterarbeiten. "Genau das ist die sehr schöne Idee, auf die wir gemeinsam gekommen sind", so Kristina Geisler, man wolle damit sehr gelassen umgehen.

Burgherr gegen mehr Überwachung

Das ist auch die Maxime von Arnold Bischinger, Burgherr und Kulturamtschef von Oder-Spree. Den Aufbau einer größeren Überwachungsanlage werde es als Reaktion auf den "eigenmächtigen Umbau" nicht geben. "Das ist nicht nötig. Es gelten die Konventionen, dass man im Museum Abstand hält und nicht zu nah an die Kunst herangeht", betonte Bischinger. Dafür werbe die Burg selbst. "Wir wissen, wie das in den großen Museen ist. Da geht gleich eine Alarmanlage los und der Wachschutz steht gleich hinter einem", so Bischinger, "und das glaube ich, brauchen wir in Beeskow nicht:"

Natürlich müsse das künstlerische Wirken Gatters unantastbar bleiben. Daher habe man den Künstker umgehend angerufen. "Und zusammen haben wr eine gute Löung gefunden", so Bischinger.

Sendung: rbb24 Brandenburg aktuell, 21.11.2023, 19:30 Uhr

15 Kommentare

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  1. 15.

    Kinder haben ein Gefühl für Komposition, Hell- Dunkel, Farben und Ausdruck...nach 12 Jahren Schule ist ihnen das relativ gründlich ausgetrieben worden. Der durchschnittliche Erwachsene verwechselt infolge dessen Kunst mit der Nachbildung von Realität!

  2. 14.

    Kunst liegt im Auge des Betrachters.
    Was genau diese Kunstrichtung mit Brandenburgs Architektur zu tun hat, irgendwer wird es verstehen, ich jedenfalls nicht, da fehlt mir das Kunstverständnis. Ich bin demütig, reuig schamerfüllt. Beachtlich immer jene, die anscheinend hinter aufgestapelten pinken Steinen eine künstlerische Kreativität zu vermuten scheinen. Meine Kinder sind also künstlerisch begabt, meine Erkenntnis aus dem Baukastenspiel.
    Aber sicher dachte man an die vielen Windräder und Solarfelder im ländlichen Raum, an die moderne Umgestaltung des Brandenburger Landes. Passt schon.

  3. 13.

    Schöne Legende, schöne Werbung. So macht man das heute wohl...

  4. 12.

    Sehr coole, positive Reaktion des Künstlers!

  5. 11.

    Ich finde das Ganze hoch interessant. Eine ganz andere Form miteinander zu reden. Vielleicht überraschend für die Künstler , aber sie wollte was bewegen. Und.. es hat geklappt. Kein Polizeieinsatz, kein großes Geschrei. Miteinander und Fragen: Wieso, Weshalb , Warum ! Finde ich Suppa. Miteinander ! Über alles Andere können wir ja diskutieren.
    Schönen Abend noch

  6. 10.

    Also, ich find's irgendwie witzig, zumal das Werk ja auch nicht zerstört im Sinne von umgeschubst, sondern kreativ umgestaltet wurde. Und sowohl Künstler als auch Kuratoren scheinen den Vorfall nach kurzem Schock ja auch recht interessant zu finden.

  7. 9.

    Woher kommt die Annahme, dass die "neuere Generation" der Übeltäter gewesen sei? Solch Verhalten kann man doch in jeder Altersgruppe vorfinden.

  8. 8.

    Naja. Es gibt auch buchstäblich sowas wie "Mitmachkunst" (Partizipation).
    Den Rezipienten in das Kunstwerk miteinbeziehen, eigentlich ne coole Sache.

  9. 7.

    Wenn ich nicht erkennen kann, daß da Hinz und Kunz da einfach dran gehen kann, behalte ich meine Hände und Finger bei mir!!! Was ist denn mit der neueren Generation los? Kein Respekt vor fremdem Eigentum bzw. Kunst?
    Lassen Eltern Ihre Kindern unbeaufsichtigt?
    Ist der ganze Raum unbeaufsichtigt?
    Ich versteh es nicht.

  10. 6.

    Ich bin ehrlich gesagt fassungslos. Es ist ja schön, dass der Künstler offenbar Humor hat aber ich frage mich, ob es künftig dann auch anders gestaltete Baselitz oder Picasso Bilder gibt, wenn Ausstellungsbesucher meinen, sie müssten etwas umgestalten. Ich möchte das nicht. Auch wenn ich mich hier wohl im Abseits befinde.

  11. 5.

    Sieht man es positiv, haben Kreative etwas nach ihrem Gusto verändert. Lego Steine. Damit sind alle Jüngeren groß geworden. Ich seh das jedenfalls positiv.

  12. 4.

    Zum Nachdenken hat es angeregt. Nur anders und auf einen ganz anderem Level. Das ahnt man nicht...

  13. 3.

    :-) tja, da stand vermutlich nicht, dass man's bitte nicht umbauen soll ;-) aber die spontane Kreativität gefällt mir - selbst der Künstler ist positiv überrascht!

    Erinnert mich ein bisschen an Fack ju Göhte und Danger, der eigentlich Arschitekt werden will und dessen Kreativität förmlich explodiert, als er vor Eimern mit Farbe stand...

  14. 2.

    Eine super Idee und schöne Lösung!! =D

  15. 1.

    "Mir gefällt die Vorstellung, dass meine künstlerische Idee vom Publikum aufgegriffen und weiterentwickelt wird." Dem Künstler gefällt es. Also ist doch der Verlauf der Ausstellung ganz in seinem Sinne und nicht zerstört.

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