Fahndungsfotos des im Zusammenhang mit dem Terroranschlag von Berlin gesuchten Tunesiers Anis Amri (Quelle: dpa)

Anschlag in Berlin - Was wir über Anis Amri wissen

Wer war der mutmaßliche Attentäter von Berlin? Und wieso konnte sich Anis Amri den Behörden entziehen, obwohl sie ihn monatelang überwachten? Der Tunesier ist nach seiner Flucht inzwischen in Mailand erschossen worden. Eine Chronologie der wichtigsten Stationen.

  • 1992 wird Anis Amri in Oueslatia im Nordosten von Tunesien geboren.

  • Ende 2010 verlässt er sein Elternhaus. Tunesischen Medienberichten zufolge wird Amri in Abwesenheit wegen eines bewaffneten Raubüberfalls zu fünf Jahren Haft verurteilt.
  • Um sich der Strafe zu entziehen kommt er Anfang 2011 über Lampedusa nach Italien. Gemeinsam mit Freunden soll er dort in einer Flüchtlingsunterkunft Feuer gelegt haben - weil man sie nicht schnell genug aufs Festland brachte.

  • In Italien gibt er an, 17 Jahre alt zu sein und besucht zunächst eine Schule. Er wird im Oktober 2011 wegen Brandstiftung, Körperverletzung, Bedrohung und Diebstahl zu vier Jahren Gefängnis verurteilt, die er in verschiedenen Jugendhaftanstalten absitzt. Die italienische Regierung versucht erfolglos, Amri zurück nach Tunesien abzuschieben. Sein Heimatland nimmt ihn nicht auf. Nach dem Ende der Haftstrafe schickt die italienische Gefängnispolizei dem Anti-Terror-Zentrum einen Bericht über Amris "Radikalisierung und Bereitschaft zu islamistischem Terror".
  • Im Sommer oder Herbst 2015 reist Amri nach Deutschland und wird dort zunächst als Flüchtling registriert.
  • Im April 2016 beantragt er Asyl in Deutschland. Dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) ist er unter mindestens fünf verschiedenen Identitäten bekannt.

  • Zuerst lebt er in Freiburg, dann in Emmerich in Nordrhein-Westfalen. Dort lernt er Dschihadisten kennen.

  • Angeführt wird die Gruppe von dem 32-Jährigen Ahmad Abdelazziz A., der sich "Abu Walaa" nennt. Nach Informationen eines V-Mannes, den die Süddeutsche Zeitung zitiert, radikalisiert A. Muslime in einem Hinterzimmer einer Hildesheimer Moschee. Er will sie demnach als Nachwuchs für die Terrormiliz "Islamischer Staat" gewinnen. Im November wird "Abu Walaa" festgenommen.

  • Amri soll Teil dieser Gruppe gewesen sein, er habe mehrmals davon gesprochen, Anschläge begehen zu wollen, so der V-Mann. Mit der Gruppe soll sich Amri in Niedersachsen auf einen "IS"-Einsatz in Syrien vorbereitet haben, unter anderem, indem er Märsche mit schwerem Rucksack unternahm.
  • Im Februar 2016 kommt Amri nach Berlin.

  • Ab März 2016 ermittelt der Generalstaatsanwalt in Berlin gegen Amri wegen des Verdachts der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Straftat. Er wird als einer von derzeit 549 sogenannten Gefährdern geführt.
  • In der Datei der Sicherheitsbehörden heißt es im März über ihn: Der Verdächtige werbe im gesamten Bundesgebiet "offensiv bei anderen Personen darum, gemeinsam mit ihm islamistisch motivierte Anschläge zu begehen". Zum gegenwärtigen Zeitpunkt sei davon auszugehen, dass A. seine Anschlagsplanungen "ausdauernd und langfristig" verfolgen werde.
  • Das Telefon von Anis Amri wird deshalb seit 5. April 2016 überwacht, sagte Innensenator Geisel der Abendschau. Er tut jedoch nichts, was nach außen hin auf die Vorbereitung einer Straftat hindeuten würde - entgegen der Erwartungen der Justizbehörden. Nach Informationen der SZ verkauft er Drogen und gerät in eine Schlägerei.

  • Amri wird von den Sicherheitsbehörden als "hochmobil" eingeschätzt, er ist in ganz Deutschland unterwegs. Im Sommer 2016 wird er laut NDR, WDR und SZ in Friedrichshafen bei einer Polizeikontrolle mit einem gefälschten Ausweisdokument festgenommen. Das Amtsgericht Ravensburg bestätigt die Festnahme - warum Amri danach wieder aus der Abschiebehaft entlassen wurde, sei nicht bekannt. Später stellt sich heraus, dass Amri während seiner Zeit in Deutschland acht verschiedene Identitäten benutzt haben soll.

  • Im Juni 2016 wird sein Antrag auf Asyl abgelehnt, Amri soll daraufhin abgeschoben werden. Die tunesische Regierung aber bestreitet, dass Amri Tunesier sei. Außerdem hat er keine Ausweispapiere - ohne die aber dürfen ihn die deutschen Behörden nicht abschieben.  
Anis Amri / Fahndungsfot0 (Bild: dpa/Bundeskriminalamt)
Mit diesem Fahndungsfoto sucht die Polizei öffentlich nach Amri.
  • Am 21.September wird laut Innensenator Geisel die Überwachung beendet. Der Grund: Für den Verdacht aus Nordrhein-Westfalen, Amri könnte durch einen Einbruch Geld für einen möglichen Anschlag beschaffen wollen, gibt es keine Anhaltspunkte. Danach taucht Amri ab.
  • Im November 2016 lässt der Generalbundesanwalt nach Hinweisen des LKA Nordrhein-Westfalen "Abu Walaa" und Mitglieder der Gruppe verhaften. Amri bleibt auf freiem Fuß, weil er inzwischen in der deutschen Hauptstadt lebt und der Generalbundesanwalt die Ermittlungen gegen Amri dorthin weitergegeben hat.
  • Andere Berliner Moschee-Vorstände sollen das Haus in Moabit wörtlich "Moschee der ISIS-Leute in Berlin" genannt haben, so zeigen es Telefonüberwachungsprotokolle, die dem rbb bekannt sind.

  • Am 19. Dezember soll Amri nach Angaben der Sicherheitsbehörden in Berlin einen LKW einer polnischen Spedition entführt haben. Der Laster steht am Friedrich-Krause-Ufer in Moabit. Den 37-jährigen Fahrer Lukasz U. hat der Täter gezwungen haben, mitzufahren. Den ausgewerteten GPS-Daten zufolge setzt sich der LKW um 19:34 Uhr in Bewegung.
  • Gegen 20 Uhr steuert der Täter den 36 Tonnen schweren Sattelschlepper bewusst auf den Weihnachtsmarkt vor der Gedächtniskirche. Bei dem Attentat auf dem Breitscheidplatz sterben zwölf Menschen, 56 werden verletzt.

  • Einer der Toten ist der polnische LKW-Fahrer Lukasz U. Er wird später im Cockpit mit einer tödlichen Schusswunde in der Stirn und mehreren Stichverletzungen gefunden. 
  • Der Täter flieht aus der Fahrerkabine. Kurz darauf nimmt die Polizei einen pakistanischen Asylbewerber fest. Der 23-Jährige bestreitet die Tat, es gibt keinerlei Hinweise, dass er mit dem Verbrechen zu tun haben könnte. Am nächsten Tag wird er wieder freigelassen.

  • An der Fahrertür und der Karosserie des LKWs finden die Ermittler später Fingerabdrücke von Anis Amri. Im Cockpit liegen unter anderem Duldungspapiere, die auf Amris Namen ausgestellt sind. Am gleichen Tag bekennt sich der selbsternannte "IS" zu dem Attentat.

  • Am Mittwoch, den 21. Dezember, wird die Suche nach Amri durch Medienberichte bekannt, samt Foto und vollem Namen des Verdächtigen. Die Sicherheitsbehörden sind überrumpelt - sie hatten zu diesem Zeitpunkt noch nicht entschieden, ob sie öffentlich nach Amri fahnden lassen wollen. Jetzt bleibt ihnen nichts anderes übrig.
  •  
  • Um 17:35 Uhr veröffentlicht die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe den Fahndungsaufruf: Jetzt wird Anis Amri per Haftbefehl europaweit öffentlich gesucht - die Behörden setzen 100.000 Euro Belohnung aus.

Am 21. Dezember zeichnen ihn Kamera im Bahnhof Niwegen gegen 11.30 Uhr auf - 13.30 Uhr dann in Amsterdam. In Nimwegen wurden an diesem Tag Gratis-Sim-Karten verteilt, von denen eine später bei Amri gefunden wurde.

Der mutmaßliche Attentäter vom Breitscheidplatz in Berlin, Anis Amri, ist am 23.12.16 bei einer Polizeikontrolle in Mailand erschossen worden (Quelle: imago / Daniele Bennati/Starface).
Um 3 Uhr morgens am 23.12.erschießen italienische Polizisten Amri.
  • Lyon (Frankreich), Donnerstag, 22.12.: Am Nachmittag zeigen Aufnahmen der Videoüberwachung Amri im Bahnhof Lyon Part-Dieu. Von dort soll er französischen Medien zufolge einen Zug nach Chambéry genommen haben.

  • CHAMBÉRY (Frankreich), Donnerstag, 22.12.: Hier soll Amri in einen Zug Richtung Turin umgestiegen sein. Französische Medien berichteten, dass italienische Ermittler bei Amri nach seinem Tod Tickets für die Strecke von Lyon nach Italien gefunden hätten.

  • TURIN (Italien), Donnerstag, 22.12.: Im Bahnhof Porta Nuova filmt eine Überwachungskamera Amri um 22.14 Uhr. Unbestätigten Medienberichten zufolge blieb Amri etwa zwei Stunden in dem Bahnhof.
  • In der Nacht zu Freitag, dem 23. Dezember, wird Anis Amri gegen drei Uhr in Mailand erschossen. Der italienische Innenminister Marco Minniti sagt, bei dem Toten handele es sich "ohne jeden Zweifel" um den Gesuchten. Die Behörden sollen Amri durch dessen Fingerabdrücke identifiziert haben.
  • Minnitis Angaben zufolge hätten zwei Polizisten in der Nacht nahe des Mailänder  Hauptbahnhofes Anis Amris Ausweispapiere kontrollieren wollen. Amri habe sofort seine Waffe gezogen und auf die Beamten geschossen. Einer der beiden Polizisten wurde getroffen und kam in ein Krankenhaus. Der andere habe Amri erschossen.

Kommentar

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9 Kommentare

  1. 7.

    Die Überschrift des Artikelt klingt wie der Titel eine Helden-Epos ....

  2. 6.

    Hallo Rainer,
    glauben Sie etwa, die Richter hielten sich nicht an das geltende Recht oder einen evtl. vorhandenen Codex für die Behandlung von Asylanten? Ich sehe die Schuld bei den Politikern, explizit die CDU-Spitze , die SPD und vor allem die "Grünen". Auch die Kirchen tragen ihren Beitrag hierzu bei.
    Solange wir 17 verschiedene Verfassungsschutzorgane haben, solange wir kein für Deutschland fruchtbringendes Einwanderungsgesetz haben, solange wir keine Umsetzung des geltenden Rechts haben, solange wir den politischen Willen zur Bekämpfung des islamistischen Terrors (z.B. schon in den Moscheen) nicht wirklich erkennen können ,......
    solange werden wir wohl Tote durch diese nicht zu Deutschland gehörende Religion beklagen müssen.

  3. 5.

    Kinder? Wenn ich erinneren darf ein 12-jähriger plante Anschlag auf Weihnachtsmarkt in Ludwigshafen. 12 Jahre, für mich ein Kind.

  4. 4.

    Das es unter 1 000000 Flüchtlingen auch einige Verbrecher und kriminelle Fanatiker gibt kann man nicht ändern. Wirklich Angst macht mir die Arbeit unserer Ermittlungsbehörden, Richter und Abgeordneten und hier rede ich nicht von 1-2% sondern von 90%.
    Rainer

  5. 3.

    Mein Vorschlag: Ab sofort nur noch Frauen und Kindern Asyl gewähren. Das ist keine Diskriminierung, sondern eine Antwort auf die Ereignisse der Vergangenheit. Sollten die Frauen Ehemänner haben, kann man ihnen die Chance geben nach eingehender Überprüfung nachzureisen. Menschlichkeit ist eine großartige Sache, aber es müssen Grenzen gezogen werden.

  6. 2.

    Hier verstehen viele , vieles nicht mehr ! Damit steht du nicht allein.
    Es läuft eine ganze Menge falsch.
    Es war utopisch zu denken, ungesicherte Grenzen zu haben und die Kriminellen bleiben freiwillig draußen.

  7. 1.

    Ich verstehe nicht warum es zwei Tage gedauert hat bis die Polizei die Moschee durchsucht hat......Der Verdächtige hatte so ausreichend Zeit sich ins Ausland abzusetzen.

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