Sie sind hier:
rbbonline | Nachrichten | Politik


Nach 28 Tagen und fast 600 Kilometern Fußweg hat der Protestmarsch von Asylbewerbern am Freitag sein Ziel Berlin erreicht.
Auf dem Oranienplatz in Kreuzberg wollen sie nun ein Protestcamp aufschlagen, um für bessere Lebensbedingungen zu protestieren, sagte ein Sprecher am Freitag. Die Nacht zum Samstag wollte der Flüchtlingszug in Zelten am Otto-Suhr-Institut der Freien Universität Berlin in Dahlem verbringen. Als letzter Höhepunkt ist am 13. Oktober eine Demonstration vor dem Bundestag geplant.
Die etwa 70 Aktivisten und zahlreiche Flüchtlingsvereine und Sympathisanten fordern unter anderem einen Abschiebestopp, die Abschaffung oder wenigstens Verbesserung der Lebensbedingungen in den Sammelunterkünften und die Aufhebung der so genannten Residenzpflicht - dem Zwang, sich nur in einer bestimmten Region Deutschlands aufhalten zu dürfen.
Demonstranten übergeben Forderungen an Landtagspräsidenten
Der Berliner Flüchtlingsrat solidarisierte sich mit den Forderungen der Asylbewerber. Sprecherin Martina Mauer sagte am Freitag dem rbb, es sei ein "wichtiges und mutiges Zeichen", dass die Flüchtlinge mit ihren Forderungen an die Öffentlichkeit treten.
Am Freitagvormittag war der auf rund 200 Menschen angewachsene Zug durch Potsdam gezogen und hatte dem Präsidenten des Landtages, Gunter Fritsch, ein Memorandum mit Forderungen übergeben. Die Aktion in der Brandenburger Landeshauptstadt wurde vom Flüchtlingsrat Brandenburg und dem Bündnis "Potsdam bekennt Farbe" begleitet. Dies sollte vor allem auch ein Zeichen gegen eine zeitgleich angemeldete Kundgebung der rechtsextremen NPD sein, zu der nur zehn Personen erschienen.
Bei einer Informationsveranstaltung hatten die Teilnehmer bereits am Donnerstag eine Verbesserung ihrer Lebenssituation gefordert. Die Residenzpflicht führe in die soziale Isolation, sagte der Vorsitzende des Flüchtlingsprojekts "Refugee Emancipation", Chu Eben. In Brandenburg ist die Regelung zwar gelockert und ermöglicht den rund 3000 Asylbewerbern oder geduldeten Ausländern eine größere Mobilität. Die Betroffenen fordern jedoch eine uneingeschränkte Bewegungsfreiheit.
Auslöser war Selbstmord eines iranischen Asylbewerbers
Anfang September waren rund 20 Asylsuchende in Würzburg losmarschiert. Anlass war der Selbstmord eines iranischen Asylbewerbers zu Jahresbeginn in einem Würzburger Flüchtlingsheim. Danach war es zu Demonstrationen, einem Hungerstreik von Asylbewerbern und schließlich dem Fußmarsch nach Berlin gekommen.
Wie eine Sprecherin der Aktion berichtete, nahmen zuletzt rund 70 Menschen an dem Protestlauf teil. Auf dem Weg in die Bundeshauptstadt machten sie auch in Erfurt, Leipzig, Lutherstadt Wittenberg und Potsdam Station.
© Rundfunk Berlin-Brandenburg