Marcel Proust © picture alliance / Heritage-Images
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- Lesen und hören Sie mit uns!

Wir haben uns vorgenommen, mit Ihnen zusammen Prousts "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit" zu lesen, denn besonders große Vorhaben bewältigt man am besten gemeinsam. Schreiben Sie uns!

Sie wollten schon immer "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit" lesen? Besonders große Vorhaben bewältigt man am besten gemeinsam. Deswegen haben wir uns vorgenommen, mit Ihnen zusammen Prousts "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit" zu lesen bzw. zu hören.

Wir begleiten die Lesung mit einer wöchentlichen Kolumne der Autorin und Journalistin Doris Anselm, die einerseits die großen Momente dieses Romanzyklus feiert und andererseits zum Durchhalten und Dranbleiben anfeuert, denn dieses Werk ist wie eine Gipfeltour: herausfordernd aber jede Mühe wert!

Darüber wollen wir auch mit Ihnen ins Gespräch kommen. Kommentieren und tauschen Sie sich aus. Schreiben Sie uns eine Mail an proustlesen@rbbkultur.de.

Oder treten Sie unserer Facebook Gruppe "Proust lesen mit rbbKultur" bei: www.facebook.com/groups/4824467260960056

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Antwort auf [Axel Stellmann] vom 13.06.2021 um 15:34
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801 Kommentare

  1. 801.

    Was verehre ich meinen Oberstufenlehrer und meinen Publizistikprofessor, die immer nur gefragt haben, was könnte dieser Text, diese Nachricht mit ihnen zu tun haben?

  2. 799.

    ... den ‚Botaniker’: Wie ein Präparator beugt sich das ‚Ich’ über seine ‚eingefangenen’ bzw. jetzt ‚toten’ „Exemplare“. Oder wenn man den ‚Fotografen’ bemühen will, so bearbeitet er zwecks Präsentation seine ‚Negative’. Dem würde entsprechen, dass für all die Szenen, in denen der Erzähler seine ‚Liebe’ ausbreitet, bereits ein retrospektiver Zeitpunkt erreicht ist, zu dem die ‚Liebe’ ernüchtert ist und distanziert betrachtet werden kann. So immer wieder explizit hinsichtlich der Frauen (Gilberte, Albertine, Madame Guermantes, Mme de Stermaria). Was nicht ausschließt, dass künftige Wendungen anhand neuer ‚Negative’ in Szene gesetzt werden können. Für die Blicke auf die Gesellschaft, die Facetten von Distinktion und Dünkel, die Usancen im sexuellen Verhalten, das Verhältnis von Freundschaft etc., gilt bestimmt die (kalte) Distanz-Perspektive. Auch scheint zur Konstruktion zu gehören, dass Mutter und Großmutter eine Sonderrolle spielen ... –
    Bin gespannt auf die angekündigten ‚Schocks'

  3. 798.

    ... soll wohl mehr sein: Medium (Sprachrohr) einer Ich- und Welt-Wahrnehmung (und –Deutung?). Ein solches ‚Programm’ lässt sich nicht einer ‚Person’ aufbürden. Es kann nur ‚verteilt’ werden auf eine Vielzahl von Protagonisten, und ihr Zusammenhang kommt zustande dadurch, dass sie in der Erzähler-Werkstatt/Dunkelkammer in einen ‚Erzähl-, Beschreibungs- und Reflexions-Apparat’ eingespannt werden. Das dirigierende, erzählende Ich agiert a u c h als - auf Generalisierungen zielender - Repräsentant, als (erlebendes) Ich u n d als Stellvertreter/Agent - eines Ensembles von Wahrnehmungs- und Wiedergabemöglichkeiten, deren Bandbreite sich bestimmt auch durch die Summe der technischen und wissenschaftlichen Erkenntnisweisen der Zeit. – Anknüpfend an ...

  4. 797.

    Ja, die ‚Vorgriffe' bei Proust! In der Balbec-Szene (vgl. 796), nachgelesen, sind mir in zahlreichen Passagen solche raffinierten Vorgriffe auf die Szene mit Albertine vor dem erhofften Rendevouz mit Madame de Stermaria in die Augen gesprungen. - Nun gehören, nüchtern betrachtet, Vor- und Rückgriffe zu allen gut gewebten literarischen Texten, auch wenn Proust darin Virtuose ist - allerdings auf besondere Weise >>
    Entsprechungen/Spiegelungen dieser Art werfen ein Licht auf die von Proust vorgenommene Konstruktion nicht nur der Erzählung , auch des Erzählers!
    Ich denke, die Sache wird zunehmend kompliziert, weil allein die Annahme einer leitenden Retrospektive nicht ausreicht. Das (auf sein Leben) zurückblickende, erinnernde Erzähler-Ich will vermutlich gar nicht individueller oder psychologischer Plausibilität (in den Augen der Leserschaft) genügen. (Sprünge, ja Widersprüche werden womöglich in Kauf genommen.) Das konstruierte Ich ...

  5. 796.

    Ergänzung zu 792:
    In diesem Zusammenhang Rückblick auf die Szene der Mädchenschar an der Strandpromenade Balbec (in ‚Mädchenblüte’): Der Ich-Erzähler tut so, als würde er all die Eindrücke, die er ausbreitet, realiter wahrgenommen haben (können). Dargeboten wird aber, denke ich, eine Bildfolge wie am Schneidetisch zusammengestellt, in variabler Nah- und Fernsicht und mit zahlreichen Überblendungen. Das Ich suggeriert eine unmittelbare Subjektivität der Perspektive. Es ist aber eher das Ich eines Fotografen, der die Möglichkeiten seiner Technik, seines Seh-/Aufnahmeapparats nachträglich nutzt und die gewünschte Folge der Einstellungen dann zusammenstellt. Mit Imaginationen des Wünschens/Begehrens/’Besitzens’ wird die Bildfolge (psychologisch) aufgeladen. Am Ende der Passage erklärt sich der Erzähler zufrieden mit seiner Auswahl/Komposition der „in taufrischen Exemplaren vertretenen Blüten“ – er konstatiert die/(seine) „Genugtuung eines Botanikers“.

  6. 795.

    das auf dem Vorverständnis des Erzählers (und des Lesers) beruht, auf die Erzählebene übertragen werden. Das ist ein Vorgriff; aber Proust verfährt in der gesamten Recherche so. Da man beim Hören auf das gegenwärtig Erzählte fokussiert ist, bemerkt man nicht, dass vielleicht gerade jetzt etwas als raffinierte Spiegelung vorweggenommen wird, das erst viele Kapitel später als solche erkannt werden kann. Als Leser muss man eigentlich ständig zurückblättern und schon Gehörtes „neu“ lesen, um auf solche Entsprechungen aufmerksam zu werden.

  7. 794.

    ...an der Vivonne zu einem…
    undurchsichtigen Abgrund, oben und unten lassen sich in diesem gespiegelten „Bildausschnitt“ nicht mehr unterscheiden. Kennzeichnend für solche Erlebnisse –z.B. Blicke aus dem Fenster im Zug nach Balbec(v o r der Begegnung mit Elstir),Spiegelungen auf den verglasten Regalen im Hotelzimmer- ist die Wahrnehmung von Fragmenten (auch akustischen), die im Bewusstsein neu zusammengesetzt werden. Dabei wird gleichzeitig die „Denkbewegung“ nachgezeichnet, die nicht linear verläuft. Die Entdeckung des „neuen“ Autors markiert den Beginn einer Entwicklung, in deren Verlauf der Bruch mit dem Gewohnten immer verstörender, immer schockierender wird, weil die Orientierungspunkte selbst zunehmend fragwürdig werden. Darin kann man eine Vorausschau auf künftige Geschehnisse (Sodom und Gomorra) sehen, wo die sich steigernden Schockwirkungen, die aus dem Bruch mit allem Gewohnten und zu Erwartenden entstehen,…

  8. 793.

    Noch zu 786: ich habe mich gefreut, dass jemand den Blick wieder auf die Perspektivverschiebungen in der Recherche lenkt. Der „neue“,offenbar ziemlich revolutionäre Autor, der in Denken und Wahrnehmung des Erzählers Bergottes Werke ablösen wird, bricht in seiner literarischen Komposition semantische Regeln, die seinen Text zunächst absurd scheinen lassen. In einem literarischen Text wird ein solcher bewusster Bruch besonders sinnfällig; das Phänomen selbst hat Proust schon häufiger vorgeführt. Mir sind in diesem Zusammenhang vor allem die direkten und indirekten Beschreibungen von Werken der Malerei aufgefallen.Proust „beschreibt“ sie nicht, er ahmt sie in Sprache nach, symbolistisch, impressionistisch, surreal, à la Whistler, Turner… Das gilt nicht nur für die Beschreibungen der Werke Elstirs und die nachfolgenden gravierenden Wahrnehmungsverschiebungen des Erzählers. Durch die umgebende Waldlandschaft wird z.B. der Himmel auf der Wasseroberfläche der Seerosenbecken ...

  9. 792.

    Angeregt durch Ihren Kommentar (786), Herr Eckhardt, habe ich die Beobachtung gemacht, dass der Erzähler (hochsensitiv wie immer) in den Passagen des beschreibenden Erzählens - abgesehen von vielen Beispielen einer Personifikation von Dingen etc. - zeitweilig wie ein Medium wirkt, unpersönlich, wie eine Kamera, wie ein Erzähl’apparat’ ausgestattet mit einem (panästhetischen) Sensorium. Also nicht nur inhaltsbezogen ‚dokumentarisch’, sondern auch optisch-sensorisch. Wahrnehmung dabei aber mit Imagination im Wechselspiel, mit fließenden Übergängen, sich überlagernd/durchdringend (‚osmotisch’). Auffällig auch das Auswählen von Sinneseindrücken (Bildern, Tönen, Geräuschen, Gerüchen), herausgegriffen aus einem Kontinuum, parzelliert und montiert zu neuen Einheiten; gerade auch im Dienst der Vergleiche (‚wie’-Sequenzen). >> Ständiger Wechsel der ‚Einstellungen’ auf ‚die Welt’. Erzählen nach der Methode Elstir. Changierend zwischen Impression, Konstruktion, Surrealem.

  10. 791.

    ...
    Anmerkung: die Eigenliebe als ‚Schlüssel’ im Auge behalten – als Motor/Motivator, Energiequelle und Bildgeber ...

  11. 790.

    Dem Erzähler scheint seine Macht über die Bilder das Wichtigste zu sein! Daher das ästhetisierende Reden über sein Begehren, wenn er über die Erwartung sexuellen „Vergnügens“ die „Wiederbegegnung mit lauter schönheitsgetränkten Bildern“ stellt und wenn er auf seiner Skala des „Vergnügens“ (Küssen) die Möglichkeit über der Wirklichkeit rangieren lässt. Befriedigt registriert er, dass das Leben ihm „immer wieder andere optische Instrumente“ zum „Sehen“ geliefert habe. Eingestreut Reflexionsinseln zu moderner Kunst (Schriftstellerei, Photographie, Malerei). Dominant aber das Bedürfnis nach Selbstrechtfertigung: die Überlegenheit des bilderseligen Wünschens gegenüber bloß körperlichem Verlangen (ideologische Konstruktion eines höherwertigen ‚Überbaus’ des banalen Trieberlebens), nicht zuletzt zum Zweck der Etablierung von ‚Überlegenheit’ - des Erzählers, insbesondere gegenüber den Frauen (Körper u. Intellekt). -

  12. 789.

    ... ihn Albertine. Es folgt (37f.) eine Inszenierung des „Küssens“ zwecks sexueller (Selbst-)Befriedigung, allerdings mit reflektierendem ‚Überbau’; zunächst Ingangsetzung eines Bilder-Spiels der Erinnerung, bevor sich der Erzähler in eine Haltung hineinsteigert, die man als gekünstelt-geistreiches Aufgeilen bezeichnen könnte - Stil frühreife Altherrenmanier (passend dazu seine Sehnsucht: „Frauensammlung“). Ein von purer (?) Eigenliebe bestimmtes ‚Frauenbild’ schlägt durch. Ich konstatiere, dass das (Leit-)Motiv des Kusses, insbesondere die „Überempfindlichkeit“ (siehe Sterben der Großmutter) hier ins Billige (tendenziell pornographisch) gewendet worden ist - gewollte Ego-Entblößung? Auffällig jedenfalls die wiederholte Betonung des Besitzen-Wollens (des weiblichen Körpers, der Frau) und das Hohelied des genussreiche(re)n Besitzes von Wunschvorstellungen und einem „Gefilde der Erinnerungen“. Ohne das die Lust weniger als die Hälfe wert. ...

  13. 788.

    Ich wollte mir mit meinem Kommentar zum Auftakt des Zweiten Kapitels (Lesung 36-38) etwas Zeit lassen, denn ein neues, stärkeres Unbehagen kündigte sich bei mir an.
    Also vorweg: Seien wir auf der Hut, uns vom Proust-Sound vereinnahmen zu lassen ...
    > (36f.) Erster Eindruck: nach der Passage zum Tod der Großmutter ein sehr scharfer Schnitt; keine Trauer. Das Ich findet wie selbstverständlich zurück zu seiner Egozentrik. Sein Erzählen wird ungebremst bestimmt von erotischem Begehren; Wünschen, Reflexion und Imagination gewinnen sofort Dynamik, das Erzählen setzt aufs neue an zu einer mäandernden Bewegung, die Vergangenes aufsaugt und mit sich trägt:
    Mit dem „Wetterwechsel“ erlebt der Erzähler eine „Neuerschaffung von Welt und uns selbst“, fühlt in sich Kraft und Lust, da Wünschen und Handeln nicht mehr durch „zentrifugale“ Impulse abgelenkt seien, also: Adam sucht Eva. Anlass die Aussicht auf den ‚Besitz’ von Frau de Stermaria. In der Wartezeit besucht ...

  14. 787.

    Ich werde morgen meinen Kommentar zu den aktuellen Folgen der Lesung abgeben - betr. den Übergang vom Sterben der Großmutter zu dem, was im 'Zweiten Kapitel' (Guermantes)zu Beginn erzählt wird.

  15. 786.

    Die Scheite verschieben sich: Prousts Modernität – das ist eine neue Weise von Erfahrung und Wahrnehmung. Irritiert ist er selbst vom neuen Schriftsteller, der „die Dinge auf ganz andere Weise zueinander in Beziehung“ setzt, bis dass er die Perspektiven umdreht. Die Dinge selbst blicken rätselhaft auf uns: „Die Wasserschläuche bewunderten die Unterhaltung der Straßen, die alle fünf Minuten von Briand und Claudel ausgingen.“ Verschiebung, Verrückung, Faltung: Das sind die Prinzipien des surrealistischen Wahrnehmungs- und Visionstrips, den wir vom Zauberzimmer Saint-Loups kennen: „Das Ticktack wechselte ...fortwährend den Platz,...kochende Milch...hebt sich schräg in die Höhe,...der Rahm faltig aufgeworfen,...von der milchigen Springflut überschüttet,...lautloses Weiterrücken von Gegenständen, [die] Feuer fangen an sich selbst...“ – und vom zweiten Zauberreich, dem Hotel, diesem „System von Räumen, die alle die Wirklichkeit von Personen besaßen“...

  16. 785.

    Bin raus, muss mich um meine Frau kümmern...

  17. 784.

    ... Höhepunkt der Formulierungen: beim letzten Kuss des Erzählers – Assoziation mit dem Gutenachtkuss der Mutter – die Formel einer vielleicht existierenden „Überempfindlichkeit“ des zärtlichen Gefühls, den Sinnen überlegen und deshalb sogar „durch den Schleier der Unbewußtheit“ hindurch das Geliebte erkennend, liebend. –

    Bemerkungen zum Übergang >> Zweites Kapitel später.

  18. 783.

    Lesung der Woche: Sterben der Großmutter
    Tief berührende, großartige Beschreibung, Zärtlichkeit des Nachvollzug des stufenweisen inneren Versinkens und Aufbäumens des Lebens/der Sterbenden (erzählt in der Beimischung von Physiologie, Psychologie und Medizin), Verstummen, Versteinern des Dialogs, Flucht der Bilder des Antlitzes der Großmutter: Metamorphose wie zurück zur Materie (dazu analog die Vergleiche zur Kunst: Porträt, Zeichnung, Skultpur), am Ende Paradox der Neubelebung und Verjüngung durch den ‚Bildhauer Tod’. Trauer von Mutter und Sohn; Rahmung durch scharfe Kontraste: Defilee der Ärzte fast wie eine Buffo-Szene; ein Priester-Inquisitor, der Herzog als selbstverliebter Zeremonienherr, die mit dem Tod bäuerlich-vertraute Françoise, herrisch und bestrebt, ihre Erschütterung zu verbergen (sie darf das unmittelbare Sterberitual beschließen: die Haare der Toten kämmen). Für mich ein ...

  19. 782.

    Danke, Frau Windeck, alles ganz in meinem Sinne.
    Wenn ich zitiere oder mich eng auf die eine oder andere Passage beziehe (v.a. letzte Woche auf die umfangreiche Salon-Szene), will ich durchaus den Proust-Text beim Wort nehmen. 'Ausschöpfen' ist ein anspruchsvolles Wort, da assoziiert jeder Leser (und Gesprächspartner im Forum) je nach eigenem Horizont, also Wissen, Werten, (Lebens-)Erfahrung usw.
    Insofern würde ich mir mehr konkrete Anmerkungen/Austausch zum (Inhalt des) Erzählten wünschen.
    Für Sie und Herrn Stellmann scheint mir das insofern mit einer komplizierten Rolle verknüpft zu sein, als der jeweilige Stand der Lesung den Rahmen abgeben und niemand 'spoilern' soll. -
    Und ach, Ihr zorniger Stoßseufzer, Herr Stellmann - wenn wir mit Bezug auf den Text einander mitteilen, worin wir Großartiges oder auch Problematisches im Werk sehen oder was uns/mich rüttelt, irritiert, aufschreckt (wenn ich mich selbst erkenne), dann sind wir doch auf einem guten Weg auch zum Begreifen.