Marcel Proust © picture alliance / Heritage-Images
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- Lesen und hören Sie mit uns!

Wir haben uns vorgenommen, mit Ihnen zusammen Prousts "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit" zu lesen, denn besonders große Vorhaben bewältigt man am besten gemeinsam. Schreiben Sie uns!

Sie wollten schon immer "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit" lesen? Besonders große Vorhaben bewältigt man am besten gemeinsam. Deswegen haben wir uns vorgenommen, mit Ihnen zusammen Prousts "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit" zu lesen bzw. zu hören.

Wir begleiten die Lesung mit einer wöchentlichen Kolumne der Autorin und Journalistin Doris Anselm, die einerseits die großen Momente dieses Romanzyklus feiert und andererseits zum Durchhalten und Dranbleiben anfeuert, denn dieses Werk ist wie eine Gipfeltour: herausfordernd aber jede Mühe wert!

Darüber wollen wir auch mit Ihnen ins Gespräch kommen. Kommentieren und tauschen Sie sich aus. Schreiben Sie uns eine Mail an proustlesen@rbbkultur.de.

Oder treten Sie unserer Facebook Gruppe "Proust lesen mit rbbKultur" bei: www.facebook.com/groups/4824467260960056

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Antwort auf [Martin Reimann] vom 09.10.2021 um 19:50
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1042 Kommentare

  1. 1042.

    Nun, ich gebe ja schmunzelnd zu, dass die 'richtigen' Fragen stets die sind, die man sich selbst stellt. Eine der für mich wichtigen Fragen ist z. B. die nach der Funktion des Selbstgesprächs im Text, im Leben. Die Recherche - da vermesse ich mich jetzt vielleicht - ist ja doch auch eine Robinsonade, ein Erforschen der Einsamkeit unter der Schädeldecke, ein Ausloten der subjektiven, vielleicht sogar nicht dialogisierbaren Erkenntnismoglichkeiten. Das ginge dann in Richtung Scheuklappenproblematik.
    Eine andere Frage wäre: Kann Kommunikation zwischen Menschen eigentlich gelingen und wie sähe ein solches Gelingen aus. In der Recherche scheint mir Kommunikation per se zum Scheitern verurteilt, weil im Untergrund immer die Machtfrage und der Wille zur Über'zeugung' steht. Am Ende kommt immer etwas heraus, was niemand gewollt hat. Kann man dem entkommen...?

  2. 1041.

    Ein Beispiel (Proust dt):
    „Sehr verschieden darin von der Gesellschaft Albertines, half mir die Musik, in mich selbst hinabzusteigen, dort Neues zu entdecken: das Anderssein nämlich (...) Um ein zweifaches Anderssein handelt es sich dabei (...) die Essenz und Empfindungen eines andern kennenzulernen, in welche die Liebe zu einem Wesen uns nicht einzudringen erlaubt. (...)
    Das ist schon ziemlich erschütternd, oder?
    Und: Diese Textstelle, vollständig genommen, ist noch um einiges reicher.
    So – nun wäre es schön, wenn wir darüber diskutieren könnten.
    Die Devise: Fasse dich kurz und präzise ... könnte allerdings ein Hindernis sein ... –
    Vielleicht noch was zum Reinwerfen von Begriffen: Was mich die ganze Zeit beschäftigt, ist die Suche nach Ausdrücken, die das Komplexe, den Reichtum der inneren Bezüge im Proust’schen Text irgendwie (metaphorisch/begrifflich) auf den Punkt bringt. Meine Wortwahl ist ein Angebot. Und vorläufig.

  3. 1040.

    Gleich welche Interessen uns leiten: Gerade bei einer Beschränkung auf 1000 Zeichen sollte man vielleicht die alte Journalisten'weisheit' (Sorry, Herr Buchwald für die Anführungszeichen und die Klammern, hier sind sie angebracht) beherzigen : Fasse dich kurz und präzise.

  4. 1039.

    Lieber Herr Reimann, ich will Sie doch in keiner Weise angreifen, und Ihr Erkenntnisinteresse an der Lektüre der Recherche verstehe ich durchaus. Und glauben Sie mir, ich möchte Sie auch verstehen. Doch nun eingestanden: Es fällt mir bei Ihnen meistens schwer. Ich bin ein Anhänger ganzer und klarer Sätze, aus denen hervorgeht, was der Schreiber denkt. Was ich nicht teile, aber durchaus respektiere, ist eine akademische Auseinandersetzung mit Texten, die die eigene Erschütterung außen vorlässt und sich darauf beschränkt, das Handwerkszeug des Autors zu begreifen. Das soll man halten, wie man will.

  5. 1038.

    Wie es scheint, nehmen die Missverständnisse kein Ende: die ‚Scheuklappen‘ sind ein selbstironisches Bild für die ausschließliche, hartnäckige Konzentration auf den geschriebenen/gehörten Text; das ‚unbeirrte Selbstdenken‘ meint die grundsätzliche Skepsis gegenüber jeglicher „Sekundärliteratur“ (Selbstzeugnisse Prousts sowie biographische und zeitgeschichtliche Hintergründe rechne ich nicht dazu). – Die Anmerkung zu Frau Anselm bezieht sich auf den Text von Kolumne 47. - In der Kunst, die „richtigen Fragen“ zu stellen, könnten Sie uns vielleicht gelegentlich mit ein paar Beispielen auf die Sprünge helfen?

  6. 1037.

    Nach 1029 die nächste heftige Reaktion, Herr Stellmann. Sie haben zu Recht angemahnt, wir sollten uns fragen, ob wir die richtigen Fragen stellen.
    Nun habe ich mich einfach gefragt, WIE in der „Recherche“ erzählt wird und was sich nach und nach ZUSAMMENFÜGT, und diesen Fragen bin ich weiter nachgegangen. Auf die Textstellen/Gedanken Prousts, auf die sich das sog. Geschwurbelte bezieht, sind Sie wahrscheinlich auch gestoßen. Ich würde mich freuen, wenn Sie, bitte, sich dazu inhaltlich äußerten. Und auch den Wortlaut des Romans dabei aufgreifen.
    Vergessen Sie auch nicht das 1000-Zeichen-Limit, das Argumentation und Satzbau Fesseln anlegt. Gruß vom Stakkato.

  7. 1036.

    Zu 1030 - 1033. Aaahja! Danke für die Schlüssel...aber ich finde leider nicht die Tür. Bitte, bitte hören Sie auf mit diesem verschwurbelten Jargon. Fassen Sie mir zurliebe einen Gedanken in klaren Sätzen, ohne ständig Ihren Wortschatz präsentieren zu müssen. Reingeschmissene Begriffe sollten vielleicht mal erklärt und stakkatohaftes Rumgedudel vermieden werden.

  8. 1035.

    Noch einmal ein Filmtipp, wieder in der Arte Mediathek: Die Welt des Marcel Proust.

  9. 1034.

    Wieso kann man die Kolumne https://www.rbb-online.de/rbbkultur/radio/programm/schema/sendungen/der_tag/archiv/20211129_1930/kultur_aktuell_1945.html
    DIE GEFANGENE (15 - 19) zwar lesen aber nicht hören? Schade!
    M.f.G.
    Hans Bissem

  10. 1033.

    ... mit den „Holz“ des Bildhauers). –
    Nachträgliche Reflexion (Vorrede) und Zyklus-Findung (oder auch die Atelierarbeit Elstirs) sind weitere Stichworte zur Selbstdeutung des Romans: Proust integriert nachträgliche Reflexion in Form des rückschauenden, erinnernden Erzählers, in Form der Etablierung einer doppelten Erzähler-Ebene, die es ermöglicht, Wahrnehmung und Imagination, Bilder, Töne ... zu reihen oder zu spiegeln, übereinanderzulegen – bildhaft gestaltet/gestaffelt in der Reihe der ‚Skope’ von der Laterna magica aufwärts über die Bellevue-Ansichten bis zu den Werken Elstirs.
    Wobei P. darauf Wert legt zu betonen, dass echte Einheit (des Werkes) am Anfang nichts von sich wisse, lebendig, nicht logisch entstehe, aus Eingebung geboren sei ... >> Freude, Jubel, Beflügeltsein des Schaffenden und: Rückbindung an „unermüdliche Arbeit“ und „stoffgebundene Apparate“.


  11. 1032.

    ... auf einer Meta-Ebene die unbedingte Ich-Setzung des Romans. Daneben soll gelten die Skepsis gegenüber jeder Art von Du- oder Wir-Illusion. Allein die Hervorbringung von Kunst, Musik, Literatur ... soll die Ich-Widersprüche aufheben und eine wirkliche Ich-Hervorbringung=Individualität erzeugen können.
    Der Erzähler kann dieser Idee zufolge - sich am Klavier in die Musik vertiefend – in sein Innen eintauchen und darin sogar ein „Anderssein“ wahrnehmen, die Grenzen nur ich-bezogener Individualität überschreiten. Die Passage öffnet, erweitert das Erzähler-Ich zum Autor, zu sich selbst wie zum Anderssein. – Die anschließenden Reflexionen zur Handhabung der Motive in der Musik Wagners sollen wahrscheinlich auf die Erzählstrukturen der „Recherche“ hindeuten. Die Leistungen und Formen des Erinnerns bilden die ‚Partitur’ heraus, in der jeweils Aneignung, Festhalten und Wiedergabe der Motive sich erzählend vollziehen, deren je eigenen „Klang“ respektierend (Vergleich ...

  12. 1031.

    Heute einige ‚Schlüssel’ zum Verständnis der Romankonzeption.
    Die Depesche Albertines an ‚Marcel’ wie eine Fermate im Erzählkontinuum. Der Erzähler findet Momente der Entspannung und nutzt sie - am Klavier – zur Meditation.
    Zunächst wird à la Hegel ein ‚dialektischer’ Umschlag: Herr/Sklave intoniert: die Ich-Spannung, der innere Widerspruch des begehrenden Ich (Vergnügen, Lust gegen Leiden, Kummer, Eifersucht). Die ‚Aufhebung’ soll nicht in der Liebe möglich sein. -
    Die Erzählung bietet uns eine andere Art/Form/Sphäre dafür an - eine ‚Lösung’ mit Hilfe der Musik (oder allgemein der Kunst): Nach Proust soll maßgeblich sein die Verwandlung des Ich, hier exemplifiziert am Erzähler-Ich; das Eingangssignal ist der Name Marcel, eine Erzählwendung, die das Erzähler-Ich öffnet zum Autor und beider Ich füreinander durchlässig macht. Dieser Kunstgriff muss von Proust entschieden gewollt gewesen sein, denke ich. Er manifestiert ...

  13. 1030.

    Liebe und Eifersucht: Begriffsverwirrung oder Begriffserhellung durch Proust?
    Das Erzähler-Ich ist dermaßen erfüllt vom Verfügenwollen, die Ich-Perspektive so sehr in Szene gesetzt und ausgestattet mit gleichsam energetischen Eigenschaften eines Mittelpunkts oder Kraftzentrums, das anzieht und abstößt, dass Gefühl(sbegriff)e wie Liebe und Eifersucht in äußerste Relativität gerückt erscheinen (sophistisch?).
    Der Erzählbewegung folgend, werden die Gefühle kaleidoskopartig wahrgenommen und in steter Bewegung gehalten. Nie erreicht die Bewegung ein Stadium des Amorphen, weil stets (auch ausgelöst durch äußere Anstöße) neue Vergleiche, Spiegelungen, Schichtungen erfolgen, welche Form annehmen und anbieten: ein Erzählen in Metamorphosen sozusagen.

  14. 1029.

    Scheuklappen haben den Vorteil, unbeirrtes Selbstdenken zu fördern? Ihr Ernst? Unbeirrtes Denken?
    Und ja, alles lässt sich philosophisch und als Philosophie lesen. Ich schaue aus dem rechteckigen Fenster und schaue auf rechteckige Fenster und in der Pizza steckt die Sehnsucht nach Harmonie...grins.
    Und woher nehmen Sie Ihr Urteil, dass Frau Anselm so wenig Sinn für Sprach- und Klangkunst hat?
    Und ein durchgehendes platonisches Denken habe ich Proust nicht unterstellt; das gibt es auch wohl auch nicht., Aber es gibt ein motivisches,an Fragestellungen orientiertes Denken. Und dann steht die Frage, ob wir überhaupt die richtigen Fragen stellen. Und da hilft Sprachverliebtheit ein wenig, aber nicht viel..

  15. 1028.

    Schade, dass Frau Anselm so wenig Sinn für die Sprach- und Klangkunst hat, die in der besprochenen Passage geradezu ‚entfesselt‘ wird. Hier ist die Lesung durch Peter Matic jeder Lektüre des geschriebenen Textes haushoch überlegen. Dank gebührt auch der Übersetzerin, die Melodie, Rhythmus und Klang bewahrt , indem sie vieles in der Originalsprache belassen und die deutschen Übersetzungen diskret in den Text eingeflochten hat.

  16. 1027.

    Sie schreiben: "Die Liebe würde ich zur (gelebten, geträumten und imaginierten) Erinnerung rechnen."
    >> Kann ich nachvollziehen, und ist eine Lesart, denke ich, die ihre Berechtigung findet im Obsessiven, das schon so oft zur Sprache kam.
    Und doch scheint mir, verweist das Obsessive auf mehr als Erinnern: auf das durchgängig spürbare Begehren. Der Roman ist doch ein großes Bekenntnis zum Eros! Lieben als Aneignenwollen (wie vergänglich und schwankend auch immer). Und gerade die Wiederaufnahme der Urszene Mutterkuss (Lesung vom 24.11.) offenbart die Grundspannung oder auch den Grundwiderspruch hinsichtlich der Liebe: Der Erzähler sucht kein Du (vgl. Nr.1001), aber weiß sich als „Du der Mutter“ und sucht diesen Halt.

  17. 1026.

    Ich würde mich freuen, wenn Musik-Kenner sich in diesem Forum zu Wort meldeten. Die Lesekapitel dieser Woche sind insbesondere dem Hören von Stimmen gewidmet, ihrer Folge und Schichtung - gerade dies auch hineingenommen in die Schilderung der Phasen des Aufwachens; und dass Proust seinen Roman hier wie ein Musikstück komponiert, sprachlich Klangfarben spielen lässt usw. liegt für meine Begriffe auf der Hand. Kann jemand etwas beitragen zur Erhellung dieser Proust-Partitur?

  18. 1025.

    Nun sind wir also unversehens in der Philosophie gelandet :-). Ich denke, fast jeder neuzeitliche Roman lässt sich in dem von Ihnen skizzierten Sinn als „philosophische Erzählung“ lesen. Die Haltung des Erzählers in der Recherche scheint mir in Ihrer Schlussbemerkung gut gekennzeichnet: er möchte sich „durch Kunst und Erinnern“ vom Vergänglichen so viel wie möglich aneignen.Die Liebe würde ich zur (gelebten, geträumten und imaginierten) Erinnerung rechnen.

  19. 1024.

    Auf den zweiten Blick erscheinen mir die Parallelen zu Platon eher als Echo von Prousts klassischer Bildung, die damals jeder Absolvent einer höheren Schule intus haben musste. Sie betreffen Grundkonstellationen, die zu Gemeinplätzen geworden sind (so wie wir heute Freud ‚kennen‘, ohne ihn genau gelesen zu haben). Genuin „platonisches Denken“ habe ich bisher in der Recherche nicht gefunden. Trotzdem haben Sie zweifellos Recht mit der Vermutung, dass es zu dem Thema meterweise Sekundärliteratur gibt. Auf die Suche danach werde ich mich sicher nicht begeben. Bei allen Nachteilen, die die erwähnten Scheuklappen mit sich bringen, haben sie den Vorzug, unbeirrtes Selbstdenken zu fördern.

  20. 1023.

    Ich stimme dem zu, dass man Prousts Roman als philosophische Erzählung lesen kann. Schopenhauer hätte seine Freude daran.
    Die „Recherche“ erzählt von den Schwierigkeiten, das Ich auszuloten, ich-glücklich zu sein, Liebe zu empfinden. Die Welt als ein Ensemble von Reizen (schön und hässlich), die Mitwelt der Menschen Anstoß und Hindernis, Zumutung, Täuschung – lauter Ungewissheit und Kränkung. Die „Recherche“ erzählt von den Anstrengungen des Ich, diesen Fesseln seinen Ich-Willen entgegenzusetzen ... sich selbst zu verstehen, Liebender zu sein, sich nicht täuschen zu lassen, im stetigen Wechsel und Wandel Wahrheit festzuhalten.
    Daher „Gefangennahme“ (Musterfall Albertine) als Reaktion auf das Gefangensein. Liebe und Kunst und Erinnern: Notwehr im ego-istischen Verlangen, für sich vom Ungewissen und Vergänglichen so viel wie möglich in Aneignung zu verwandeln.