Marcel Proust © picture alliance / Heritage-Images
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- Lesen und hören Sie mit uns!

Wir haben uns vorgenommen, mit Ihnen zusammen Prousts "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit" zu lesen, denn besonders große Vorhaben bewältigt man am besten gemeinsam. Schreiben Sie uns!

Sie wollten schon immer "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit" lesen? Besonders große Vorhaben bewältigt man am besten gemeinsam. Deswegen haben wir uns vorgenommen, mit Ihnen zusammen Prousts "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit" zu lesen bzw. zu hören.

Wir begleiten die Lesung mit einer wöchentlichen Kolumne der Autorin und Journalistin Doris Anselm, die einerseits die großen Momente dieses Romanzyklus feiert und andererseits zum Durchhalten und Dranbleiben anfeuert, denn dieses Werk ist wie eine Gipfeltour: herausfordernd aber jede Mühe wert!

Darüber wollen wir auch mit Ihnen ins Gespräch kommen. Kommentieren und tauschen Sie sich aus. Schreiben Sie uns eine Mail an proustlesen@rbbkultur.de.

Oder treten Sie unserer Facebook Gruppe "Proust lesen mit rbbKultur" bei: www.facebook.com/groups/4824467260960056

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Antwort auf [Martin Reimann] vom 23.06.2021 um 10:16
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816 Kommentare

  1. 816.

    zu 808/809: Bild er Tänzerin
    Wir sollten unterscheiden: Jedes Gemälde dieser Art, von Degas bis zu Rubens, Caravaggio, Fra Angelico (z.B.)hält den Augenblick fest und weist zugleich darüber hinaus - entweder in die Geschichte davor/danach oder allg. in den Zusammenhang der Bewegung(en). Was Elstir offenbar macht, ist 'Konstruktion' im Gefolge von Cézanne - eine Linie, die bis zur Abstraktion à la Picasso reichen kann, deren Verankerung im Realen, im Gegenständlichen oder Figürlichen ja immer greifbar bleibt.

  2. 815.

    Anm. zu 814:
    Der Erzähler vor den Bildern Elstirs im Haus Guermantes':
    „(...) hatte ich wieder die Fragmente dieser Welt mit ihren unbekannten Farben vor mir, die nur die Projektion gemäß der ganzen Sehweise des großen Malers waren“ ( in meiner TB-Ausgabe, Guerm. II/S.555) –
    >> Beispiel für das Zusammenspiel / Ineinandergreifen beider ‚Methoden’

  3. 814.

    ... Reflexion. Die eingeschobenen farbigen Glasscheiben sind bereits fertige (innere) Bilder. Sie gleichen überraschenden, wunderbaren Zauberbildern (wie für Kinder und alle, die neu! sehen; >> Elstirs fertige Gemälde). Am ‚Schneidetisch’ aber setzt ein Fotograf (oder Text-Monteur) seine ‚Fragmente’, die Momentaufnahmen wie ‚Fundstücke’ zusammen, im Bewusstsein seiner jeweiligen Gegenwart und auch konfrontiert mit Erinnerung. In/aus der Erinnerung wiederum können scheinbar verschollene Bilder wie ‚Zauberbilder’ wieder auftauchen, zufällig hervorgereizt durch irgendwelche ‚Madeleines’ ...
    Mir scheint, Proust wendet in seinem Schreiben beide ‚Methoden’ an.

  4. 813.

    ... dass Roberts „Körper“ die Momente des Denkens, die „höheren Dingen“ zugewandt waren, „absorbiert“ hatte, so dass er „Schwere“ bereits abgeworfen hatte und als Adliger, als „Reitergeneral“ ganz er war – aber von außen betrachtet auch ganz „Kunstwerk“ werden konnte [siehe Bild vom Reiterfries, analog dem Fries der Mädchen (Balbec)]. Wichtig dabei die psychologische Seite, die in die Adels-Studie einfließt: Saint-Loup wird qualifiziert durch „Vorzüge, die hinter seinem Leib, der nicht undurchlässig und dunkel war wie der meinige, (...) aufschimmerten: „klar und reizvoll“ war er in den Augen des Erzählers. Hier haben wir sicherlich Vorgriffe auf Späteres. –
    Noch ein Wort zu den ‚Sinnbildern’, die wir hilfsweise benutzen: Die ‚Laterna magica’ hatte ich mir notiert, aber noch für später aufgehoben. Ich denke, die ‚Kamera’ oder ‚Dunkelkammer’ und andererseits diese ‚Laterna’ lassen sich komplementär gebrauchen. Beide bezeichnen Verfahren der optischen (Re-)Präsentation und ...

  5. 812.

    ... in Sachen ‚Liebe’ oder ‚Freundschaft’ und andererseits von individuellem Vermögen (Schöpferkraft, Genie ... – allgemein auch ‚Modernität’) und dem, was er - hier - bei Saint-Loup „Patrimonium“ nennt , genauer: „Patrimonium in seinem Körper“. Diesen Punkt spielt er im weiteren Verlauf immer wieder durch (Salon der Guermantes); so die lange Reihe der Beobachtungen und Reflexionen zu Herzog und Herzogin Guermantes. Variationen über das ‚Kryptogramm’. Zum Muster des spiralförmigen Erzählens gehört das Spannungsverhältnis von Anziehung und Abstoßung , von Ver- und Entzauberung usw. Auch Namen werden auf ihre Tauglichkeit hin durchleuchtet (der magische ‚Name Guermantes’. ...). Immer wieder das Abgleichen von Geistigem etc. und ‚dem Körper’, ohne den augenscheinlich nichts wirklich vollständig verstehbar wird. Vgl. die vielen Passagen zum Körper der Protagonisten. Im Hinblick auf Saint-Loup ist die Quintessenz des Erzählers, ...

  6. 811.

    Ich freue mich, dass es mit der Diskussion jetzt wieder weiter geht. Ja, die ‚Jahresringe’, Frau Windeck – Ihr Beispiel (Rückgriff auf die Szene mit Saint-Loup, Thema Freundschaft) ist bemerkenswert, für mich aber noch aus einem andern Grund als dem Umstand, dass der Erzähler aus einem „Heute“ zurückdenkt. Wenn ich es richtig sehe, befinden wir uns in einem Abschnitt des Romans, in dem der Erzähler seine Erfahrungen/Einstellungen ‚abklopft’/‚bedenkt’ im Rahmen von Szenen im Milieu der ‚Aristokratie’. Er erlebt eine ‚Konfrontation’: hier er selbst, noch unfertig, aber im ‚Anlauf’, als Künstler zu ‚arbeiten’ - dort der zutiefst verankerte ‚fertige’ Adel (den es um 1900 immer noch gibt und von dem sich der Erzähler extrem angezogen fühlt, an dem er sich reiben muss; er prüft die Verhaltensweisen dieser Leute auf ihre Eigenart und ihren ‚Wert’ und ist offenbar begierig, sich in der besagten Reibung Klarheit zu verschaffen über das Verhältnis einerseits von Sein und Schein ...

  7. 810.

    Sehr geehrte Herren Werckmeister, Stellmann und Buchwald, es ist sehr schade, dass Sie sich nach mehr als die Hälfte des Opus aus der Diskussion über die "Suche nach der verlorenen Zeit" zurückziehen. Ich fand Ihre Kommentare und das Gespräch untereinander erhellend, spannend und bereichernd und habe gern aus diesem erlesenen Zirkel geschöpft, denn es ist ja offensichtlich, dass Sie drei und Frau Windeck sich professionell mit Literatur beschäftigen. Mir, als von der Lektüre gefesselte "nur" Leserin, fällt es viel schwerer, meine Eindrücke so auf den Punkt zu bringen, wie Sie es tun. Trotzdem löst das Buch Assoziationen, Gefühle, Erinnerungen, Übereinstimmungen und Gegenwehr auch bei mir aus; will sagen, Sie sprechen mir oft aus der Seele.
    Vielleicht überlegen Sie es sich doch nochmal, wieder einzusteigen, ich würde mich freuen. Und Herr Stellmann, warum tut es Ihnen Leid, für Frau Anselm zu sprechen? Ich finde ihre Statements erfrischend, witzig und sehr persönlich.

  8. 809.

    verweist das Werk auf die Flüchtigkeit des Augenblicks: das unaufhaltsame Vergehen der Zeit wird im Kunstwerk für den Betrachter spürbar. Die erlebten Momente sinken im Laufe der Zeit immer tiefer ins Unbewusste, wo sie für den Menschen „verloren“ sind,meint Proust. Sie „heraufzuholen“ (vgl die Madeleine-Episode) und ihnen im Kunstwerk neue Gegenwart zu verleihen, die eine ganze versunkene innere Welt umfassen kann, war Prousts Anliegen.

  9. 808.

    zu 798:Über Ihren Kamera-Vergleich habe ich nachgedacht, kann mich aber nicht ganz damit anfreunden. Proust hätte er vielleicht sogar gefallen, da er sich nach eigener Aussage bemühte, „objektiv“ und unbestechlich zu sein. Bei der Betrachtung der Werke Elstirs im Hause Guermantes verwendet er ein Sinnbild, das mir besser zu passen scheint: die Laterna magica (die als Leitmotiv immer an entscheidenden Stellen des Romans auftaucht). Die Persönlichkeit des Künstlers Elstir ist einzigartig, lässt aber keineswegs auf Rang und Eigenart seiner Werke schließen; sie entstehen erst durch seine besondere Sichtweise, symbolisiert in den farbigen Glasscheiben. Auf diese ihm eigene Weise gelingt es dem Künstler,den Augenblick, als die erhitzte Tänzerin zu tanzen aufhört, so festzuhalten, als hielte er die vergehende Zeit an. Die Szene auf der Leinwand ist unveränderlich und unbeweglich fixiert. Gleichzeitig aber…

  10. 807.

    seine Unfähigkeit zur Freundschaft und die Gründe dafür an.Der Unterschied liegt darin, dass der Erzähler in Balbec das Werk, zu dem er sich berufen fühlte, noch nicht geschrieben hatte, während er in der zuletzt gehörten Passage auf das beendete Werk voraus- und zurückweist, den Text nämlich, den der Leser vor sich hat. Es ist dieses Geflecht ineinander verwobener Zeitschichten, es sind die Denkbewegungen, die immer wieder neu ansetzen (und die so viel schon Gedachtes enthalten), um gleichsam in konzentrischen Kreisen (oder ineinandergreifenden Spiralen)das Wahrgenommene und die davon nicht mehr zu trennenden Gedanken und Vorstellungen in Sprache nachzuformen, die es so schwer machen, bei der Chronologie zu bleiben.

  11. 806.

    zu 797: Obwohl ich mir am Anfang der Lesung vorgenommen hatte, mich nur auf die einzelnen Hörfolgen zu konzentrieren, fällt es mir zunehmend schwer; wenigstens will ich versuchen,mich auf „Rückgriffe“ zu beschränken. An den mit St Loup verbrachten Tag schließt der Erzähler eine längere Reflexion über Freundschaft an. Man kann hier ein Grundmuster der Recherche erkennen: dem Erzähler widerfährt mehrmals das Gleiche auf unterschiedlichen „Stufen“, die jeweiligen Reaktionen und Überlegungen des Erzählers ähneln sich. Sie selbst haben dafür einmal das Bild der Jahresringe eines Baumes benutzt. Ein zutreffendes Bild, wie ich finde, denn die nie ganz ebenmäßigen Muster der Ringe wiederholen sich in fast unmerklichen Abwandlungen. Bald nachdem der Erzähler St Loup in Balbec kennengelernt hatte, stellte er ganz ähnliche Überlegungen über….

  12. 805.

    Aber Herr Stellmann – Sie formulieren seit einiger Zeit recht giftig!? Im Unterschied zu mir kennen Sie die gesamte „Recherche“. Ich tue mich schwer, mir ‚den Proust’ vorzustellen und muss mich an den ‚Erzähler’ halten, wie er bis heute (rbb-Lesung) auftritt. Soll ich da nicht zögern, die ins Auge springende „umfassende Sensorik“ nicht nur zu bewundern, sondern den Widerhaken zu folgen, die ich ebenso spüre. Auch aus eigener Lebenserfahrung. Sentenzen über menschliche (Ich-)Abgründe, ok (Montaigne hoch zwei) – aber ich habe keine Lust, mir einen neuen Guru zu entdecken. Das ist die Art, wie ich mit der Frage umgehe, was der Text mir sagt, was er mit mir zu tun hat.
    Was ich mir wünsche, sind weniger die allgemeinen Einwürfe, sondern eine Diskussion über die Passagen des Romans, die wir vorgelesen bekommen. Dann kann sich was zusammensetzen. Mein Urteil, meine Einstellung steht noch lange nicht fest.

  13. 804.

    Ooops, jetzt habe ich gerade eine kleine Lanze für Frau Anselm gebrochen...lach tut mir leid..grins

  14. 803.

    Das ist wohl mehr eine Frage, die an Proust selbst zu stellen ist, aber für seine umfassende Sensorik, seine menschlich-seismographischen Fähigkeiten konnte er nichts...die waren ihm gegeben und er hat sie weitergegeben....Adorno hat mal zu Alexander Kluge gesagt, er solle nicht schreiben, weil nichts an Proust heranreichen könnte. Dem Himmel sei Dank, dass Kluge nicht auf seinen Lehrer gehört hat...
    Noch einmal: der Gebrauchswert von Literatur besteht in Erfahrungarbeit...alles andere ist schöngeistige Sprechblasenproduktion

  15. 802.

    Worin besteht die Besonderheit des Ich-Erzählers, dass er derart ‚intimen’ sozialen Zugang findet zu den Kreisen/Salons der Aristokratie und sich männliche und weibliche ‚Beispiele’ Schritt für Schritt zurechtlegen kann für seine Studien und Urteile ? - die Herzogin, Robert (und Foix), der Herzog, die Prinzessin von Parma - Der Erzähler erwähnt seine „Art von Überlegenheit“ ...

  16. 801.

    Was verehre ich meinen Oberstufenlehrer und meinen Publizistikprofessor, die immer nur gefragt haben, was könnte dieser Text, diese Nachricht mit ihnen zu tun haben?

  17. 799.

    ... den ‚Botaniker’: Wie ein Präparator beugt sich das ‚Ich’ über seine ‚eingefangenen’ bzw. jetzt ‚toten’ „Exemplare“. Oder wenn man den ‚Fotografen’ bemühen will, so bearbeitet er zwecks Präsentation seine ‚Negative’. Dem würde entsprechen, dass für all die Szenen, in denen der Erzähler seine ‚Liebe’ ausbreitet, bereits ein retrospektiver Zeitpunkt erreicht ist, zu dem die ‚Liebe’ ernüchtert ist und distanziert betrachtet werden kann. So immer wieder explizit hinsichtlich der Frauen (Gilberte, Albertine, Madame Guermantes, Mme de Stermaria). Was nicht ausschließt, dass künftige Wendungen anhand neuer ‚Negative’ in Szene gesetzt werden können. Für die Blicke auf die Gesellschaft, die Facetten von Distinktion und Dünkel, die Usancen im sexuellen Verhalten, das Verhältnis von Freundschaft etc., gilt bestimmt die (kalte) Distanz-Perspektive. Auch scheint zur Konstruktion zu gehören, dass Mutter und Großmutter eine Sonderrolle spielen ... –
    Bin gespannt auf die angekündigten ‚Schocks'

  18. 798.

    ... soll wohl mehr sein: Medium (Sprachrohr) einer Ich- und Welt-Wahrnehmung (und –Deutung?). Ein solches ‚Programm’ lässt sich nicht einer ‚Person’ aufbürden. Es kann nur ‚verteilt’ werden auf eine Vielzahl von Protagonisten, und ihr Zusammenhang kommt zustande dadurch, dass sie in der Erzähler-Werkstatt/Dunkelkammer in einen ‚Erzähl-, Beschreibungs- und Reflexions-Apparat’ eingespannt werden. Das dirigierende, erzählende Ich agiert a u c h als - auf Generalisierungen zielender - Repräsentant, als (erlebendes) Ich u n d als Stellvertreter/Agent - eines Ensembles von Wahrnehmungs- und Wiedergabemöglichkeiten, deren Bandbreite sich bestimmt auch durch die Summe der technischen und wissenschaftlichen Erkenntnisweisen der Zeit. – Anknüpfend an ...

  19. 797.

    Ja, die ‚Vorgriffe' bei Proust! In der Balbec-Szene (vgl. 796), nachgelesen, sind mir in zahlreichen Passagen solche raffinierten Vorgriffe auf die Szene mit Albertine vor dem erhofften Rendevouz mit Madame de Stermaria in die Augen gesprungen. - Nun gehören, nüchtern betrachtet, Vor- und Rückgriffe zu allen gut gewebten literarischen Texten, auch wenn Proust darin Virtuose ist - allerdings auf besondere Weise >>
    Entsprechungen/Spiegelungen dieser Art werfen ein Licht auf die von Proust vorgenommene Konstruktion nicht nur der Erzählung , auch des Erzählers!
    Ich denke, die Sache wird zunehmend kompliziert, weil allein die Annahme einer leitenden Retrospektive nicht ausreicht. Das (auf sein Leben) zurückblickende, erinnernde Erzähler-Ich will vermutlich gar nicht individueller oder psychologischer Plausibilität (in den Augen der Leserschaft) genügen. (Sprünge, ja Widersprüche werden womöglich in Kauf genommen.) Das konstruierte Ich ...