Marcel Proust © picture alliance / Heritage-Images
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- Lesen und hören Sie mit uns!

Wir haben uns vorgenommen, mit Ihnen zusammen Prousts "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit" zu lesen, denn besonders große Vorhaben bewältigt man am besten gemeinsam. Schreiben Sie uns!

Sie wollten schon immer "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit" lesen? Besonders große Vorhaben bewältigt man am besten gemeinsam. Deswegen haben wir uns vorgenommen, mit Ihnen zusammen Prousts "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit" zu lesen bzw. zu hören.

Wir begleiten die Lesung mit einer wöchentlichen Kolumne der Autorin und Journalistin Doris Anselm, die einerseits die großen Momente dieses Romanzyklus feiert und andererseits zum Durchhalten und Dranbleiben anfeuert, denn dieses Werk ist wie eine Gipfeltour: herausfordernd aber jede Mühe wert!

Darüber wollen wir auch mit Ihnen ins Gespräch kommen. Kommentieren und tauschen Sie sich aus. Schreiben Sie uns eine Mail an proustlesen@rbbkultur.de.

Oder treten Sie unserer Facebook Gruppe "Proust lesen mit rbbKultur" bei: www.facebook.com/groups/4824467260960056

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1030 Kommentare

  1. 1030.

    Liebe und Eifersucht: Begriffsverwirrung oder Begriffserhellung durch Proust?
    Das Erzähler-Ich ist dermaßen erfüllt vom Verfügenwollen, die Ich-Perspektive so sehr in Szene gesetzt und ausgestattet mit gleichsam energetischen Eigenschaften eines Mittelpunkts oder Kraftzentrums, das anzieht und abstößt, dass Gefühl(sbegriff)e wie Liebe und Eifersucht in äußerste Relativität gerückt erscheinen (sophistisch?).
    Der Erzählbewegung folgend, werden die Gefühle kaleidoskopartig wahrgenommen und in steter Bewegung gehalten. Nie erreicht die Bewegung ein Stadium des Amorphen, weil stets (auch ausgelöst durch äußere Anstöße) neue Vergleiche, Spiegelungen, Schichtungen erfolgen, welche Form annehmen und anbieten: ein Erzählen in Metamorphosen sozusagen.

  2. 1029.

    Scheuklappen haben den Vorteil, unbeirrtes Selbstdenken zu fördern? Ihr Ernst? Unbeirrtes Denken?
    Und ja, alles lässt sich philosophisch und als Philosophie lesen. Ich schaue aus dem rechteckigen Fenster und schaue auf rechteckige Fenster und in der Pizza steckt die Sehnsucht nach Harmonie...grins.
    Und woher nehmen Sie Ihr Urteil, dass Frau Anselm so wenig Sinn für Sprach- und Klangkunst hat?
    Und ein durchgehendes platonisches Denken habe ich Proust nicht unterstellt; das gibt es auch wohl auch nicht., Aber es gibt ein motivisches,an Fragestellungen orientiertes Denken. Und dann steht die Frage, ob wir überhaupt die richtigen Fragen stellen. Und da hilft Sprachverliebtheit ein wenig, aber nicht viel..

  3. 1028.

    Schade, dass Frau Anselm so wenig Sinn für die Sprach- und Klangkunst hat, die in der besprochenen Passage geradezu ‚entfesselt‘ wird. Hier ist die Lesung durch Peter Matic jeder Lektüre des geschriebenen Textes haushoch überlegen. Dank gebührt auch der Übersetzerin, die Melodie, Rhythmus und Klang bewahrt , indem sie vieles in der Originalsprache belassen und die deutschen Übersetzungen diskret in den Text eingeflochten hat.

  4. 1027.

    Sie schreiben: "Die Liebe würde ich zur (gelebten, geträumten und imaginierten) Erinnerung rechnen."
    >> Kann ich nachvollziehen, und ist eine Lesart, denke ich, die ihre Berechtigung findet im Obsessiven, das schon so oft zur Sprache kam.
    Und doch scheint mir, verweist das Obsessive auf mehr als Erinnern: auf das durchgängig spürbare Begehren. Der Roman ist doch ein großes Bekenntnis zum Eros! Lieben als Aneignenwollen (wie vergänglich und schwankend auch immer). Und gerade die Wiederaufnahme der Urszene Mutterkuss (Lesung vom 24.11.) offenbart die Grundspannung oder auch den Grundwiderspruch hinsichtlich der Liebe: Der Erzähler sucht kein Du (vgl. Nr.1001), aber weiß sich als „Du der Mutter“ und sucht diesen Halt.

  5. 1026.

    Ich würde mich freuen, wenn Musik-Kenner sich in diesem Forum zu Wort meldeten. Die Lesekapitel dieser Woche sind insbesondere dem Hören von Stimmen gewidmet, ihrer Folge und Schichtung - gerade dies auch hineingenommen in die Schilderung der Phasen des Aufwachens; und dass Proust seinen Roman hier wie ein Musikstück komponiert, sprachlich Klangfarben spielen lässt usw. liegt für meine Begriffe auf der Hand. Kann jemand etwas beitragen zur Erhellung dieser Proust-Partitur?

  6. 1025.

    Nun sind wir also unversehens in der Philosophie gelandet :-). Ich denke, fast jeder neuzeitliche Roman lässt sich in dem von Ihnen skizzierten Sinn als „philosophische Erzählung“ lesen. Die Haltung des Erzählers in der Recherche scheint mir in Ihrer Schlussbemerkung gut gekennzeichnet: er möchte sich „durch Kunst und Erinnern“ vom Vergänglichen so viel wie möglich aneignen.Die Liebe würde ich zur (gelebten, geträumten und imaginierten) Erinnerung rechnen.

  7. 1024.

    Auf den zweiten Blick erscheinen mir die Parallelen zu Platon eher als Echo von Prousts klassischer Bildung, die damals jeder Absolvent einer höheren Schule intus haben musste. Sie betreffen Grundkonstellationen, die zu Gemeinplätzen geworden sind (so wie wir heute Freud ‚kennen‘, ohne ihn genau gelesen zu haben). Genuin „platonisches Denken“ habe ich bisher in der Recherche nicht gefunden. Trotzdem haben Sie zweifellos Recht mit der Vermutung, dass es zu dem Thema meterweise Sekundärliteratur gibt. Auf die Suche danach werde ich mich sicher nicht begeben. Bei allen Nachteilen, die die erwähnten Scheuklappen mit sich bringen, haben sie den Vorzug, unbeirrtes Selbstdenken zu fördern.

  8. 1023.

    Ich stimme dem zu, dass man Prousts Roman als philosophische Erzählung lesen kann. Schopenhauer hätte seine Freude daran.
    Die „Recherche“ erzählt von den Schwierigkeiten, das Ich auszuloten, ich-glücklich zu sein, Liebe zu empfinden. Die Welt als ein Ensemble von Reizen (schön und hässlich), die Mitwelt der Menschen Anstoß und Hindernis, Zumutung, Täuschung – lauter Ungewissheit und Kränkung. Die „Recherche“ erzählt von den Anstrengungen des Ich, diesen Fesseln seinen Ich-Willen entgegenzusetzen ... sich selbst zu verstehen, Liebender zu sein, sich nicht täuschen zu lassen, im stetigen Wechsel und Wandel Wahrheit festzuhalten.
    Daher „Gefangennahme“ (Musterfall Albertine) als Reaktion auf das Gefangensein. Liebe und Kunst und Erinnern: Notwehr im ego-istischen Verlangen, für sich vom Ungewissen und Vergänglichen so viel wie möglich in Aneignung zu verwandeln.

  9. 1021.

    Lach, es ist wohl eher Prousts Blick, der so weite Bogen spannt.
    Ich habe keine Ahnung, ob es in den stehenden Metern der Sekundärliteratur Untersuchungen gibt, die dem Einfluss der antiken Philosophie von den Vorsokratikern bis Aristoteles auf die Recherche nachgehen. Die Einflüsse sind jedenfalls da, von Denkbildern, Methodik bis hin in die inneren Dialoge des Erzahlers. Falls es dazu keine Untersuchung gibt – was ich mir nicht vorstellen kann–, wäre es eine Masterarbeit oder eine Dissertation wert..

  10. 1020.

    Das Bild der Laterna magica hat mich seit Beginn der Lesung fasziniert; aber die Parallele zum Höhlengleichnis ist mir weder auf- noch eingefallen. Danke für Ihren Blick, der so weite Bogen spannt. Ich lese wohl manchmal mit einer Art ‚Proust-Scheuklappen‘, die viel zu eng anliegen…

  11. 1019.

    Über den dreiseitigen Zuspruch freue ich mich sehr. Das hat mir wieder klargemacht, wie wichtig Reaktionen und ‚Rückmeldungen‘ in diesem Forum sind. Vielleicht war ich schon dabei, mir eine Schere in den Kopf zu montieren, ohne es selbst recht zu merken.

  12. 1018.

    ... und im übrigen, Frau Windeck: mit dem 'Beflügeln' oder 'Flügel verleihen' hat's Proust auch. Er modifiziert das sokratische Verhältnis allerdings im Sinne seiner Ich-Setzungen - werden wir nachvollziehen können, wie ich beim neugierigen Weiterlesen festgestellt habe.

  13. 1017.

    Warum, Frau Windeck, sollte denn jemand Häme ausschütten? Proust ist doch voll von Anspielungen auf Platon/Sokrates. Das beginnt sinnigerweise schon in seiner Kinderhöhle in Combray mit dem Lichtzauber der laterna magica...

  14. 1016.

    Das passt doch aber sehr, Prousts Text bietet ja gerade auch an vielen Stellen Assoziationen in ganz unterschiedliche Richtungen...

  15. 1015.

    Ich glaube nicht, dass Sie ungenau gelesen haben, lieber Herr Reimann. Ich kann keine „plausibleren“ Alternativen zu Ihren Formeln und Thesen aufstellen. Mein Kommentar (1001-03) enthält alles, was ich derzeit zu dem Thema zu sagen habe, auch zur „obsessiven besitz-/machtheischenden Haltung des Erzählers“.

  16. 1013.

    Schön, dass Sie sich einmal wieder einschalten. Durch die Erwähnung von Neuenfels und Ihre Formulierung hatte ich unwillkürlich eine Assoziation, die bis in die Antike zurückreicht: in Platons „Phaidros“ heißt es, der Liebesgott sei in und mit dem Liebenden, nicht dem Geliebten. Sokrates erzählt, wie die Seele des Liebenden durch die Gegenwart des Geliebten buchstäblich „beflügelt“ wird und er ohne den geliebten Menschen nicht mehr leben zu können glaubt … dies gesagt auf die Gefahr, dass Kommentarleser, die lieber das Handfeste sehen, nun kübelweise Häme ausgießen über einen so ‚weltfremd‘ schöngeistigen Assoziations-Exkurs, der noch dazu ein gutes Stück von Proust wegführt. In Zeit und Raum näher bei Proust steht dagegen sein Schriftstellerkollege Montherlant, der in „Die jungen Mädchen“ den Romanhelden erklären lässt, es sei das Ideal der Liebe, …

  17. 1012.

    Liebe Frau Windeck, es ist komisch: Auch ich halte wenig von derartigen Kurzschlüssen vom Autor auf den Erzähler – aber: Wenn ich die obsessive besitz-/machtheischende Haltung des Erzählers gerade im Abschnitt „La prisonnière“ vor mir habe, gemünzt immer wieder auf Frauen!, frage ich mich doch, was im Autor dabei vorgegangen ist. Welche Alternative zu meiner These/Hypothese wäre denn plausibler oder ausgewogener?
    Meine Formel „Schwäche-Stärke“ (994) findet wohl Bestätigung im Wort Angst, das nun gehäuft auftritt. -
    Es ist übrigens bei Ihnen (Nr. 1003) auch vom Autor und dessen Innenwelt (Sie nennen: Wunschvorstellungen, Erfahrungen, Träume, Ängste und Albträume) die Rede. Oder habe ich ungenau gelesen? -

    Noch ein Wort zum Festhalten in zweierlei Hinsicht (Nr. 1011): Ihre Unterscheidung ist treffend.

  18. 1011.

    Lieber Herr Stellmann, es war nicht meine Absicht, eine Diskussion darüber anzuzetteln, was heutige Leser/Leserinnen wohl unter ‚Liebe‘ verstehen. Ich habe einen Minimalkonsens vorausgesetzt in Hinblick auf den Grad von Eigenständigkeit, den die Partner einander zugestehen, ohne dass Zeichen von ‚Eigenleben‘ als Bedrohung empfunden werden. – „Nichts lässt sich festhalten“. Das mag schon so sein. Nur hat Proust die „Recherche“ erklärtermaßen nicht zuletzt geschrieben, weil er sich genau damit nicht abfinden wollte und konnte. Die ‚Liebe‘ allerdings würde in dem Augenblick enden, da ein „Festhalten“ möglich wäre. Das Sich-Entziehen, die Unerreichbarkeit ist eine ihrer Voraussetzungen.In der Erinnerung aber ist das Erlebte aufbewahrt und festgehalten; es kann – unter günstigen Umständen – ‚heraufgeholt‘ und ‚neu erschaffen‘ werden.