Marcel Proust © picture alliance / Heritage-Images
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- Lesen und hören Sie mit uns!

Wir haben uns vorgenommen, mit Ihnen zusammen Prousts "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit" zu lesen, denn besonders große Vorhaben bewältigt man am besten gemeinsam. Schreiben Sie uns!

Sie wollten schon immer "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit" lesen? Besonders große Vorhaben bewältigt man am besten gemeinsam. Deswegen haben wir uns vorgenommen, mit Ihnen zusammen Prousts "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit" zu lesen bzw. zu hören.

Wir begleiten die Lesung mit einer wöchentlichen Kolumne der Autorin und Journalistin Doris Anselm, die einerseits die großen Momente dieses Romanzyklus feiert und andererseits zum Durchhalten und Dranbleiben anfeuert, denn dieses Werk ist wie eine Gipfeltour: herausfordernd aber jede Mühe wert!

Darüber wollen wir auch mit Ihnen ins Gespräch kommen. Kommentieren und tauschen Sie sich aus. Schreiben Sie uns eine Mail an proustlesen@rbbkultur.de.

Oder treten Sie unserer Facebook Gruppe "Proust lesen mit rbbKultur" bei: www.facebook.com/groups/4824467260960056

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432 Kommentare

  1. 432.

    Großes Vergnügen macht mir die erste wissenschaftlich-ichthyologische Abhandlung Prousts, als er den Speisesaal mit einem Aquarium und die Gäste mit seltenen Fischen vergleicht und soziologisch in die Nahrungskette einordnet ;-). Neben der anatomischen Unterscheidung zwischen Süß- und Salzwasserfischen anhand der Kinnbacken bzw. -lappen von Ungetümen und Serbinnen, lerne ich etwas über Genetik und Verhaltensbiologie. Nur wie man "Salat wie eine La Rochefaucault verspeist" bleibt unklar.

  2. 431.

    27/Ergänzung
    Köstlich ist Proust manchmal und hinreißend komisch. Da braucht es keinen Gernhardt, wenn er die gnadenlose Francoise-Diktatur über die beiden Urlauber beschreibt, die mit kalten Füßen eine Stunde auf ihre 'aristokratische' Dienerin warten müssen, weil die gerade einen Kaffee spendiert bekommt.
    Ganz herrlich beobachtet und mir sehr sanfter Ironie beschrieben...

  3. 430.

    27. Folge.
    Obgleich der Erzähler in der Hotelgesellschaft keinen Anschluss findet, ergeht er sich in ebenso detaillierten wie schematischen Beschreibungen ihres gesellschaftliches Verhalten, das von der Bemühung des gehobenen Bürgertum aus der Provinz geprägt wird, mit dem Adel der Umgegend in Beziehung zu treten. Er selbst verhält sich ähnlich, wenn ihn der bloße Anblick von Mlle. de Stermaria im Speisesaal in seine gewohnte Sehnsucht nach unbekannten jungen Frauen versetzt. Erst schreibt er ihre erotische Anziehungskraft ihrer adligen Herkunft zu, dann vergleicht er einen ersehnten gemeinsamen Spaziergang in ihrem Schlosspark mit dem Vorspiel beim Begattungsakt in der Natur. Diese Fantasie aus der Distanz bestätigt einmal mehr die Abgehobenheit des subjektiven Erlebens von der Teilnahme an der Wirklichkeit.

  4. 429.

    26. Folge .
    Das Mittagsmahl im Speisesaal des Grand Hotel ist die zweite ausführliche Beschreibung einer Gesellschaft im Roman nach der Soirée bei Mme. de Saint-Euverte im ersten Band. einer vorwiegend bürgerlichen im Unterschied der des Adels dort. Ihr literarischer Widerspruch besteht darin, dass der Erzähler die Personen charakterisiert, ohne sie zu kennen, ja in dem Bewusstsein, dass er keinen Zugang zu ihnen erhalten wird. Er tritt in dem satirisch übertriebenen Schematismus der Beschreibung zutage. Die Sympathie des Erzählers gehört der vornehmen älteren Dame in Schwarz, die ihr eigenes Personal und ihr eigenes Mobiliar ins Hotel mitgebracht hat, um dort ihre altvertraute Umgebung herzustellen. Sie hat die Phobie vor dem fremden Hotelzimmer, die den Erzähler bei seiner Ankunft in Balbec befallen hat, auf ihre Weise vermieden.

  5. 428.

    25. Folge.
    Die Hypernervosität des Erzählers angesichts der ungewohnten Umgebung und der Hotelangestellten, die nur durch die Fürsorge seiner Großmutter beruhigt werden kann, weicht einer ästhetischen Sensibilität beim Anblick des bewegten Meeres am Morgen. Oder vielmehr scheint es, als bedinge die Hypernervosität dies Sensibilität. Der Erzähler bleibt mit seinen Eindrücken allein. Er verklärt den Liftboy zum Leiter eines Aufstiegs in einen Kirchenturm, aber es gelingt ihm nicht, ein Wort mit ihm zu wechseln; er sieht den Zimmermädchen auf den Etagen verlangend nach, ohne dass sie seinen Blick erwidern.

  6. 427.

    Sie haben recht, auch im französischen Original ist offenkundig Beethovens Werk gemeint ... während ich bei Clair de lune sofort an Debussy dachte. Auch die Bezeichnung "sonate" hat mich nicht davon zurückgehalten an Debussys Werk zu denken, schließlich ist das von mir vermutete Clair de lune Teil einer Suite und die ist ja eine Schwester der Sonate. Sie jedoch haben richtig beobachtet - und Eva Rechel-Mertens hat korrekt übersetzt :-) - was ich wiederum ziemlich beruhigend finde.

  7. 425.

    ... in meinen Augen umso wirkungsvoller macht. Auch hier wird etwas, das leblos schien (die konventionelle Gleichsetzung
    Frau/Sonne) in unerwarteter Weise mit Leben erfüllt und "neu erschaffen".

  8. 424.

    Folge 24
    Die unerreichbare Frauengestalt oder ferne Geliebte mit den Gestirnen zu vergleichen, hat in der Dichtkunst eine jahrhundertealte Tradition. Dabei bildeten sich Normen, feste Metaphernverbindungen und Konventionen heraus, die uns solche Dichtungen heute fremd und gekünstelt erscheinen lassen. Wie es Proust gelingt, den Erzähler das Mädchen mit der Milchkanne, das sich kurz nach Sonnenaufgang dem Zugfenster nähert, buchstäblich und unspektakulär als Göttin der Morgenröte wahrnehmen zu lassen – das ist schon beeindruckend. Einen Augenblick meint der Erzähler, im Gesicht des Mädchens die Sonne selbst anzuschauen, die seine Lebenskräfte euphorisiert und steigert. Proust vermeidet hier mit peinlicher Sorgfalt jede abgegriffene Wendung, jede poetisierende Metapher, was diese Passage ...

  9. 423.

    24. Folge.
    Der zufällige Anblick eines jungen Mädchens, das auf einem Zwischenhalt den Fahrgästen Milchkaffee verkauft, löst eine weitläufige Fantasie des Erzählers über ein hypothetisches Zusammenleben mit ihr aus, die er sich auf seinen Spaziergängen in Combray gebildet hat (nur das Wort ,Liebe‘ fällt hier nicht). Der langersehnte Anblick der Kirche von Balbec fällt hinter das Bild zurück, das er sich anhand ihrer Fotografien und der Abgüsse ihrer Skulpturen gebildet und mit dem Namen des Ortes, wo sie steht, verbunden hat. In beiden Fällen wird die vorgebildete Vorstellung von der Erfahrung der Wirklichkeit enttäuscht.
    Beim Empfang im Grand Hotel von Balbec wird zum ersten Mal der Zusammenhang von Geld und Klassentrennung thematisiert, allerdings durch den Mund des Direktors, der meint, finanzielles Verhalten hänge nicht von Besitzverhältnissen ab, sondern vom Geiz als Charaktereigenschaft.

  10. 422.

    Etwas mehr Geduld haben, liebe und sehr geschätzte Frau Windeck, haben Sie mir im Februar beigebracht.
    Nun, im April, ist es das aufmerksame Lesen eines kurzen Textes und Verstehen desselben.
    Da Sie bei Ihren 'Lektionen' nicht den schulmeisterlichen Zeigefinger heben, bin ich Ihnen erneut überaus dankbar!

  11. 421.

    Sie meinen, ich soll mich nicht aufregen und den Text genießen. Sie haben Recht, Herr Buchwald, das tue ich. Und die Fliege, trotz - oder vielleicht sogar wegen - ihrer Facettenaugen, knallt immer wieder gegen dieselbe Glasscheibe....und findet keinen Ausweg ;-)))

  12. 420.

    Folge 23 2
    ... zwischen den gegenüberliegenden Fenstern anschauen und dann in seiner Vorstellung zu einem Tableau zusammensetzen muss, das die Totalansicht erst erschafft. Ein hübsches Sinnbild nicht nur für die Tätigkeit des Künstlers, sondern eigentlich für jede Art schöpferischen Denkens.

  13. 419.

    Folge 23 1
    Der Erzähler, der im Zug nach Balbec den Sonnenaufgang erlebt (sehen wir ihm den unsäglichen Vergleich mit hartgekochten Eiern nach),sieht mit anderen Augen als Marcel in „Combray“. Was er jetzt wahrnimmt und beschreibt, sind oft überwältigende Schauspiele aus Farbe und Licht, wie sie in der modernen Malerei seiner Zeit behandelt wurden. Zunächst erscheint das matte Graurosa der Wolken leblos, wie von einem Aquarellmaler ein für allemal festgelegt. Doch dahinter sammeln sich ungeheure Mengen von Licht und lassen erkennen, dass diese sich am Himmel entzündende Farbe nicht nur lebendig, sondern in einem unmittelbaren Sinn mit der Tiefe des Lebens selbst verbunden ist. Die Streckenführung und der Fensterausschnitt zeigen ihm nur Fragmente davon, die er durch Hin- und Herlaufen ...

  14. 418.

    Wenn Sie genau hinschauen, geschätzter Herr Buchwald, erkennen Sie vielleicht, dass sich mein Vergleich ausschließlich auf die Erzählperspektive richtet und keine weiterführenden Parallelen zieht.

  15. 415.

    Danke für die Angabe der Stelle, Frau Menz - aber ich verstehe noch nicht... die "sonate Claire de lune" ist doch die Mondscheinsonate? Bei der "brave femme" stimme ich Ihnen zu, man bekommt einen verwischten Eindruck. Habe das auch schon an anderen Stellen bemerkt, ganz auffallend z.B. auch am Schluss des ersten Bandes - genre übersetzt mit Genre, "nicht sein Typ" wäre heute viel passender(zuletzt mir so noch in einem Rohmer-Film begegnet).

  16. 414.

    Bitte lassen Sie die Kirchen in den wunderbaren Mesegliser Gefilden, geschätzte Frau Windeck.
    Die "Recherche" neben den "Ulysses" zu stellen, hieße Nadia Comaneci 1975 im Ring gegen Muhammad Ali antreten zu lassen...

  17. 413.

    Der Marcel Proust, liebe Frau Krings, beobachtet die Welt offensichtlich aus den Augen eines Insekts, also durch vielerlei unterschiedlichste Facetten.
    Da wird die lesbische Liebe schnell mal zum allerschlimmsten Laster (im Februar sprachen wir darüber), während 10.000 Francs (= die chinesische Vase von Tante Léonie!) im Bordell zu verjubeln anscheinend gar nichts bedeutet.
    Ich lasse mich bei der Lesung nicht mehr von solcherlei - echten oder provozierenden - Dummheiten irritieren, wie auch von Perspektivwechseln oder Zeitsprüngen mitten in einem Satz. So ist er halt, der Proust, denke ich mir.
    Solange er Weißdornblüten verteilt, Kirchenglocken klingen lässt und den zartrosa Schein einer frühen Morgensonne mit dem noch ganz im Dunkel liegenden Dörfchen durch das andere Abteilfenster kontrastiert, soll's mir recht sein.
    Wie wir alle ist Proust auch nur ein Irrender und Suchender...