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- Lesen und hören Sie mit uns!

Wir haben uns vorgenommen, mit Ihnen zusammen Prousts "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit" zu lesen, denn besonders große Vorhaben bewältigt man am besten gemeinsam. Schreiben Sie uns!

Sie wollten schon immer "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit" lesen? Besonders große Vorhaben bewältigt man am besten gemeinsam. Deswegen haben wir uns vorgenommen, mit Ihnen zusammen Prousts "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit" zu lesen bzw. zu hören.

Wir begleiten die Lesung mit einer wöchentlichen Kolumne der Autorin und Journalistin Doris Anselm, die einerseits die großen Momente dieses Romanzyklus feiert und andererseits zum Durchhalten und Dranbleiben anfeuert, denn dieses Werk ist wie eine Gipfeltour: herausfordernd aber jede Mühe wert!

Darüber wollen wir auch mit Ihnen ins Gespräch kommen. Kommentieren und tauschen Sie sich aus. Schreiben Sie uns eine Mail an proustlesen@rbbkultur.de.

Oder treten Sie unserer Facebook Gruppe "Proust lesen mit rbbKultur" bei: www.facebook.com/groups/4824467260960056

Kommentar

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97 Kommentare

  1. 97.

    Wenigstens hat das Proframm meinen Beitraag an Sie umgeleitet, und das gleich zweimal, nachdem es sie vorher überhaupt nicht bringen wollte!

  2. 96.

    13. Folge
    Zum ersten Mal wird hier in drei aufeinander folgenden Episoden die überraschende Aufdeckung bisher verborgener problematischer Charakterzüge scheinbar harmloser Personen vorgeführt, die im weiteren Verlauf des Romans viele Hauptpersonen in detektivischem Misstrauen einander begegnen lässt, allen voran den Erzähler selbst: Tante Léonies und Françoises Katz- und Mausspiel um den Verdacht des Diebstahls; Françoises Schwanken zwischen grausamer Härte im Umgang mit Tier und Mensch und tränenreicher Trauer über Kalamitäten, von denen sie liest; und Legrandins gesellschaftliches Doppelleben als uneitler Freigeist und verschlagener Snob.

  3. 95.

    13. Folge
    Zum ersten Mal wird hier in drei aufeinander folgenden Episoden die überraschende Aufdeckung bisher verborgener problematischer Charakterzüge scheinbar harmloser Personen vorgeführt, die im weiteren Verlauf des Romans viele Hauptpersonen in detektivischem Misstrauen einander begegnen lässt, allen voran den Erzähler selbst: Tante Léonies und Françoises Katz- und Mausspiel um den Verdacht des Diebstahls; Françoises Schwanken zwischen grausamer Härte im Umgang mit Tier und Mensch und tränenreicher Trauer über Kalamitäten, von denen sie liest; und Legrandins gesellschaftliches Doppelleben als uneitler Freigeist und verschlagener Snob.

  4. 94.

    Nein, lieber Herr Stellmann, außer Luzius Kellers Proust-Enzyklopädie lese ich keine Kommentarliteratur. Einer meiner Professoren hat mir im Alter von 22 Jahren einmal gesagt, man müsse den ganzen Roman jedes Jahr einmal zur Gänze durchlesen; diese Regel konnte ich zwar nicht befolgen, aber immerhin habe ich in meinem langen Leben das ganze Werk fünfmal, einzelne Bände sogar sieben Male gelesen.

  5. 93.

    Lieber Herr Stellmann, auch ich habe meine „Boah Ausrufe“und das Alltägliche was Proust so zauberhaft beschreibt, verzaubert auch mich immer wieder .Ja, der Hinweis auf die „lost places“ gefällt mir.Beim Hören der beschriebenen Straßen, Plätze,der Kirche habe ich immer Stahlstiche oder Radierungen vor Augen....
    Vielleicht wollte ich mich nur bei mir selbst entschuldigen, daß ich dieses Werk früher immer wieder weggelegt habe, wo ich doch sonst sehr viel an Weltliteratur gelesen habe, die in meiner Generation so dran war ...
    Freue mich weiter auf das Hören und vielleicht greife ich doch mal zum Buch.... Nein, sicher sogar, aber erst nach den Lesungen

  6. 92.

    13. Folge

    Ein erstes kleines Gruselkabinett. Tante Leonie peppt ihren durch und durch langweiligen Alltag durch boshafte Psychospielchen auf ( auch hier noch mal der Hinweis auf die Tansaktionsanalyse, Dramadreick, Rollen etc. )
    Wenn man mit Menschen spricht, die Leidtragende eines Mobbings waren, kann man Francoises Gefühlslagen und Verhaltensweisen in den Begegnungen mit Leonie exakt wiederfinden.
    Auch Francoise - eben noch so etwas wie der gute Geist des Hauses - wird in ihren dunklen Seiten gezeigt. Die archaische, brutale Wut beim Schlachten, Gehässigkeiten gegenüber dem Hausmädchen bis hin zur Körperverletzung durch Spargeleinsatz, mitleidsvoll, nur solange das Ziel des Mitleids ja nicht das eigene Leben beeinträchtigt etc.
    Hinter den Fassaden lauert das Grauen, und niemand ist, was er scheint....
    Was der Ich-Erzähler bei anderen entdeckt, wird er an sich ebenso entdecken müssen....

  7. 91.

    Wirklich schade, dass die Kommentarfunktion so ihre technischen Macken hat...

  8. 90.

    Manchmal sind es einfach nur Halbsätze, die mir bei Proust ein 'Boah' entlocken. Im ersten Auftauchen von Bloch heißt es z.B.: "..., da wir noch nahe an dem Alter waren, da man zu schaffen glaubt, was man benennt."
    Ich finde es schön, wie mit wenigen Worten die Hoffnungen, der Tatendrang, der Glaube an die eigene, selbstbestimmte Zukunft der Jugend beschrieben wird und gleichzeitig die Melancholie der Desillusionen schon mitschwingt....

  9. 88.

    Liebe Frau Lethaus,

    Ich denke, das Bild des scheinbar verfallenen Telegraphenbüros ist auch dem Erschöpfungszustand des Erzählers am Ende des Spziergangs zu verdanken. Das diffuse Mondlicht verwandelt die Szenerie in ein Bild, das an die Gemälde Hubert Roberts erinnert, der ja durchaus eine starke Affinität zu Ruinen, heute sagt man wohl 'lost places', hatte.

  10. 87.

    Lieber Herr Werkmeister,

    Ich glaube auch nicht, dass die Kolumnen von Frau Anselm für Sie geschrieben sind, sondern sich an Leser richten, die sich zum ersten Mal und wieder einmal an Proust versuchen möchten... sie sind wohl mehr als Appetitanreger und Hilfe zur Selbstmotivation gedacht....Und die Proust-Spezialisten? Nun ja, die brüten ohnehin, so glaube ich, eher über den Publikationen der Marcel-Proust-Gesellschaft...

  11. 86.

    Ich habe die Kolumne gefunden. Sie gibt mir nichts.

  12. 85.

    Ich fände es auch sehr ansprechend wenn die Kolumnen direkt im Podcast erscheinen könnten oder zumindest einen eigenen Podcast-Feed erhalten würden. So gehen sie für den reinen Digitalnutzer unter.

  13. 84.

    Wo finde ich DorsAnselms Koolumne?

  14. 83.

    Wo finde ich Doris Anselms Kolumne?

  15. 82.

    Eine Anregung h#tte ich: Da sich die Kolumnen von Doris Anselm ja auf das Vorwärtskommen im Buch beziehen - wäre es nicht sinnvoll, sie jeweils nach fünf Folgen in den Podcast einzubauen. So sind sie nur schwer zu finden auf den Seiten

  16. 81.

    12. Folge
    Vier Episoden illustrieren die eingeschliffene, teilweise illusionäre Monotonie gutbürgerlicher Lebensführung. (1) Die täglich wiederholte scheinheilige Abwehrgeste, mit der Eulalie das erwartete Geldstück von Tante Léonie empfängt; (2) die Vorverlegung des samstäglichen Mittagessens um eine Stunde; (3) Vinteuils Selbstbescheidung, Prüderie und liebende Sorge für seine Tochter; (4) der längere Spaziergang samstags, bei dem alle außer dem Vater vom Weg abkommen. Die angedeutete Doppelgeschlechtlichkeit von Vinteuils Tochter wird wenig später dessen Selbstdarstellung als Selbsttäuschung erweisen.

  17. 80.

    Ja, dann will ich mich heute auch nochmal wieder mit meinenGedanken melden....ich weiß nun ,warum ich es früher nicht geschafft habe dieses Werk zu lesen, jetzt wohldosiert eine halbe Stunde bei dieser angenehmen Vorlesestimme ,auf meinem Sofa liegend mit Zeit ist es natürlich köstlich zu hören, welche Wichtigkeit es für Tante Leonie ist zu hören, ob denn Madame...vor dem Meßopfer in der Kirche war.Auch die Beschreibung des Spaziergangs, bei dem die Mutter noch immer orientierungslos ist,obwohl sie diesen ja wohl öfter machen...also, ja, ich kann mich kopfschüttelnd durchaus darüber freuen.Die Beschreibung des Vom Mond beschienenen Telegraphenamtes ist mir allerdings etwas rätselhaft...macht nichts, ich halte durch

  18. 79.

    Lieber Herr Stellmach, lieber Herr Werckmeister,
    über Ihre positiven Anmerkungen freue ich mich sehr. Das hilft auch beim Kampf mit den nach wie vor bestehenden technischen Problemen bei der Eingabe. :-) Ich versuche, ganz nahe am Text zu bleiben und mich nach Möglichkeit nur auf das zu beziehen, was wir bereits gehört haben. Wir werden uns bei fortschreitender Lesung ohnehin früh genug in einem Dickicht aus Vor- , Quer- und Rückverweisen verheddern...

  19. 78.

    11. Folge
    Der Erzähler erfährt, dass Swann Bergotte gut kennt und seine Bücher gelesen hat. Swanns distanzierte Urteile lassen aber seine Begeisterung vermissen. Er selbst schätzt ihn wegen seiner stilistischen Brillanz und die Treffsicherheit seiner Charakterisierungen, die jedoch nicht in seiner Lebenserfahrung und Lebenserfahrung verwurzelt sind. Daher dient er auch nicht—pace Axel Stellmann—als Vorbild für seine eigenes, späteres Schreiben. Im fünften Band gesteht Bergotte sich dann vor einem Bild Vermeers im Louvre ein, dass er dessen Sensitivität für die Innervation des Erleben—die Proust aus der Erinnerung wiederherzustellen sucht—nie erreicht hat. Frau Windeck hat diese Unterschiede treffen benannt.

  20. 76.

    Die Begeisterung des Erzählers für Bergotte wird nicht, wie er zunächst annimmt, durch eine Verwandtschaft des Denkens oder eine in den Büchern verborgene Philosophie ausgelöst, sondern durch den Klang ("Harfenton") der Sprachbilder, die ihm "erhaben" scheinen. Es ist das "musikalische Überströmen", das ihn bezaubert. Wir haben schon in der Laterna-magica-Episode gehört, dass der Klang bestimmter Namen ("Brabant") ganze Welten in seiner Vorstellung aufsteigen lässt. Er geht also mit Bergottes Texten ziemlich 'impressionistisch' um. Bezeichnend, dass er nach 'schönen Stellen' sucht, bei denen er verweilen möchte und enttäuscht ist, wenn der Handlungsfaden wieder aufgenommen wird.

  21. 75.

    Lieber Herr Werckmeister,
    Da muß ich widersprechen. Die erwähnte Ausgabe enthält wirklich den Text der ursprünglichen Übersetzung von Frau Rechel-Mertens. Ich habe jetzt schon etliche Folgen gehört und mitgelesen und wirklich überhaupt keine Abweichungen bemerkt. So ist das ein großer Genuss, und die schnelle Auskunft des Hörverlages hat mir zur passenden Buchausgabe verholfen. Ich war bei der Suche nach der geeigneten Ausgabe zunächst auch verwirrt. Eine online-Leseprobe der „nachgebesserten“ Übersetzung (ebenfalls Suhrkamp) wich schon ab dem ersten Satz stark von dem Matic- schen Text ab. Aber jetzt bin ich bestens bedient und freue mich schon auf die nächsten Folgen. Viele Grüsse!

  22. 74.

    Liebe Damen und Herren von der Redaktion, bitte beseitigen Sie die technischen chwierigkeiten bei der Eingabe der Kommentare!

  23. 73.

    Nein, lieber Herr Eckhardt, die dreibändige Ausgabe, die bei Suhrkamp erschienen ist, gibt nicht den Text der Lesung wieder, sondern dessen Revision von Luzius Keller.

  24. 72.

    Nein, lieber Herr Eckhardt, die dreibändige Ausgabe bein Suhrkamp bietet nicht den Text der Lesung, sondern die Revision der Rechel-Mertensschen Übersetzung von Luziiuns Keller.

  25. 71.

    Ein Tip für alle, die mitlesen wollen und unsicher sind, welche Ausgabe geeignet ist.

    Auskunft vom Hörverlag: „Die Lesung von Herrn Matiç entspricht den Einzelausgaben von Marcel Proust „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ (Band 1-7), die im Suhrkamp Verlag erschienen sind, Übersetzung von Eva Rechel-Mertens. Anbei hänge ich Ihnen hier einen Link zu den Ausgaben von Suhrkamp an: https://www.suhrkamp.de/werkausgabe/auf_der_suche_nach_der_verlorenen_zeit_frankfurter_ausgabe_broschur_88.html. Suhrkamp verlegt die Werke von Marcel Proust zudem auch in einer Gesamtausgabe https://www.suhrkamp.de/buecher/auf_der_suche_nach_der_verlorenen_zeit-marcel_proust_39709.html (ISBN: 978-3-518-39709-1).“

    Ich habe die zuletzt genannte Taschenbuchausgabe in drei Bänden erworben (68 €, besorgt jede Buchhandlung über Nacht), diese gibt den Text der Lesung 1:1 wieder.

  26. 69.

    10. Folge
    Das vollkommene literarische Erlebnis vermittelt keine objektive Erfahrung, sondern verbindet die gelesene Passage mit einer seelischen Empfindung des Lesers. Als der Erzähler kurz darauf die Bücher Bergottes kennen lernt, bewundert deren rhetorischen Stil, obwohl er einer derart subjektiven Lektüre in keiner Weise entgegenkommt. Die Karikatur eines solchen Stils führt ihm sein neuer Freund Bloch vor, der ihm Bergotte empfohlen hat.

  27. 68.

    Noch einmal zur 9. Folge

    Hier ein Link zu den beiden Fresken Giottos, auf die sich Proust in der 9. Folge bezieht

    https://matthewrochon1.wordpress.com/2018/02/16/excerpt-giottos-virtues-vices/

  28. 66.

    Sorry für die Verdoppelungen. Ich erhielt ständig Eingabefehler-Meldungen.

  29. 65.

    Folge 9 2
    In diesem Forum wurde schon davon gesprochen, dass Prousts berühmte Beschreibungen der Weißdornhecke, der Lindenblütenblätter etc den Blick des Lesers verändern, erweitern, vertiefen können, wenn er der Betrachtung nur etwas von der Aufmerksamkeit schenkt, die Proust ihnen widmet. Ganz in ein Buch versunken zu sein, gelingt Kindern meist besser als Erwachsenen, denen oft die innere und äußere Ruhe zum Lesen fehlt, wie sie meinen. Lesen ist oft nur Zeitvertreib, Ablenkung von Alltagssorgen. Man zieht sich mal eben einen Krimi rein. Dieser Haltung kann man Prousts in Literatur aufgelöste Darlegung des (Zeit-)Gewinns, den das Lesen schenkt, entgegensetzen. Ein glücklicher Kompromiss ist nach meiner Erfahrung das Hören von Literatur. Peter Matic trägt den Hörer mit seiner einfühlsamen Interpretation über Momente der Unaufmerksamkeit hinweg, ohne dass man den Faden verliert und zurückblättern muss.

  30. 64.

    Folge 9 2
    In diesem Forum wurde schon davon gesprochen, dass Prousts berühmte Beschreibungen der Weißdornhecken, Lindenblütenblätter etc den Blick des Lesers/Hörers verändern, erweitern, vertiefen können , wenn er der Betrachtung nur etwas von der Aufmerksamkeit schenkt, die Proust ihnen widmet. Beim Lesen ganz in ein Buch versunken zu sein, gelingt im allgemeinen Kindern eher als Erwachsenen, denen oft die innere und äußere Ruhe zum Lesen fehlt, wie sie meinen. Lesen bedeutet oft nur Zeitvertreib, Ablenkung von Alltagssorgen. Man zieht sich mal eben einen Krimi rein. Dieser Haltung kann man Prousts in Literatur aufgelöste Darlegung des (Zeit-)Gewinns, den das Lesen schenkt, entgegensetzen. Ein glücklicher Kompromiss ist in meinen Augen das Hören von Literaturlesungen. Peter Matic trägt den Hörer mit seiner einfühlsamen Interpretation über Momente der Unaufmerksamkeit hinweg, ohne dass er den Faden verliert und zurückblättern muss.

  31. 63.

    Folge 9 1
    Die Passage, in der der Erzähler die Sommernachmittage schildert, die er im halb abgedunkelten Zimmer oder einem Winkel des Gartens mit Lesen verbringt, enthält in dichterischer Form das schönste und eindringlichste Plädoyer für das Lesen, das ich kenne. In Prousts Beschreibung taucht Marcel förmlich ein in das Buch, er erlebt die dramatischen Ereignisse, die dem Helden zustoßen, als intensiviertes, komprimiertes Leben, an dem er teilnimmt und das sein eigenes Leben um unbekannte Dimensionen erweitert. Ein Menschenleben, überlegt er, würde kaum hinreichen, um die im Buch ausgebreiteten Erfahrungen selbst zu machen. Bezeichnend ist auch, dass Marcel die durch Sprache vor seinem inneren Auge hervorgerufene fiktive Landschaft als 'wirklicher' erlebt als den Garten, den er sieht, wenn er von seinem Buch aufschaut.

  32. 62.

    Folge 9 1
    Die Passage, in der der Erzähler die Sommernachmittage schildert, die er im halb abgedunkelten Zimmer oder einem Winkel des Gartens mit Lesen verbringt, enthält in dichterischer Form das schönste und eindringlichste Plädoyer für das Lesen, das ich kenne. In Prousts Beschreibung taucht Marcel förmlich ein in das Buch, er erlebt die dramatischen Ereig-nisse, die dem Helden zustoßen, als intensiviertes, komprimiertes Leben, an dem er teilnimmt und das sein eigenes Leben um unbekannte Dimensionen erweitert. Ein Menschenleben, überlegt er, würde kaum hinreichen, die im Buch ausgebreiteten Erfahrungen selbst zu machen. Bezeichnend ist auch, dass er die durch Sprache vor seinem inneren Auge hervorgerufene fiktive Landschaft als 'wirklicher' empfindet als den Anblick des Gartens, den er sieht, wenn er von seinem Buch aufschaut.

  33. 61.

    Danke für Ihren kleinen feinen Kommentar, er macht mir diese wie auch manche anderen Szenen, die mich ratlos hinterließen, etwas zugänglicher bzw. erträglicher. Und ich werde neugierig wie es weiter geht... Gute Nacht.

  34. 60.

    9. Folge 2

    Die Passagen mit der Analogie vom namenlos bleibenden Dienstmädchen und der Caritas Giottos sowie mit seinen Reflexionen über den Roman muss ich wirklich noch einmal lesen...das ist schon stärkerer Tobak als manches, was im Plauderton daherkommt. Hier beginnt die intensive Auseinandersetzung des Erzählers mit den vielfältigen Wechselwirkungen von Leben und Kunst, die in einer Ästhetik münden werden.

  35. 59.

    9. Folge 1

    Die Kokotte treibt ein kokettes Spiel mit alt und jung. Davor ist auch der Knabe nicht gefeit. Und ihn erwischt es, ohne dass er das Spiel zu durchschauen vermag... Aber ach, ein Handkuss muss genügen; das genügt auch in dem Alter..... Doch er ist tief fasziniert von der Erscheinung der Dame in Rosa, von der er nichts weiß... doch auch bei ihm gilt schon: Man verliebt sich nicht in einen Menschen, sondern in das Bild, das man sich von ihm macht... und das ist meist idealisiert. Der Grad der Idealisierung gibt die Fallhöhe vor, aus der man stürzt, wenn Alltag, Erkennen, Verlustängste, Gewöhnung und anderes mehr den hormonellen Unsinn der Verliebtheit zu durchdringen beginnen. Wir werden es sehen.
    ------------
    Das Kapital der Kokotte ist keinesfalls der Körper allein, sondern ebenso die Fähigkeit, oft schon vorhandene Illusionen zu wecken und zu bedienen.

  36. 58.

    Ich habe mich erstmalig auf diese ungewöhnliche Reise des Proustschen Werkes begeben und komme langsam in dien Rhythmus. Die Anmerkungen und Kommentare hier sind ausgesprochen erhellend. Vielen Dank dafür.

  37. 57.

    9. Folge.
    Diese Folge, eine der dichtesten bisher, besteht aus drei Teilen: (1) Mit seiner Idealisierung der ‚Kokotte‘ setzt sich der halbwüchsige Erzähler über die Moralvorstellungen seiner Eltern hinweg, denen seine Beziehung zu seinem Großonkel dann doch zum Opfer fällt. (2) Der Vergleich des schwangeren Küchenmädchens mit Giottos Figur der Caritas führt ihn zu Spekulationen über physiognomische Ausdruckskraft. (3) Seine obsessive Lektüre von Romanen ruft eine Reflexion über deren Wirklichkeitsgehalt hervor, die auf die subjektive Begründung der Erfahrung—nicht als Einschränkung, sondern als Rechtfertigung—hinausläuft. Die Behauptung der Anmoderation, der Junge habe von Anfang an den Ehrgeiz, Schriftsteller zu werden, stimmt nicht. Vielmehr nähert er sich der Literatur als Leser.

  38. 56.

    Kurz zu Ihrer Anmoderation: 40 Jahre später... - es sind eher 30 Jahre zurück zum 10jährigen Marcel, 40 dann zu Swann und Odette.

  39. 55.

    Liebe Frau Windeck.
    Offenbar ist meine Antwort auf ihre Bemerkung irgendwo auf der Strecke geblieben. Daher noch einmal: Danke für Ihre Rückmeldung!

  40. 54.

    Vielen Dank für Ihre Anmerkung über Legrandin... Das war mir nicht mehr gegenwärtig... Die letzte Lektüre ist doch schon etwas her.... Im Proustschen Universum hat fast alles und jede(r)seinen Platz und seine Funktion

  41. 53.

    Warten Sie nur, Herr Stellmann, ein paar Folgen später wird sich Legrandin zum ersten Mal als der eingebildetze Snob entpuppen, als der er sich im Fortgang des Romans immer krasser erweist. indem er seine Zuhörer über seine gesellschaftlichen Ansichten und Ambitionen in die Irre führt. So khert er ausführlih im dritten Bande wieder. Erst im sechsten Bande findet der Erzähler heraus, dass er so homosxuell wie Charlus ist und sich als 'Grafen von Meseglise ausgibt. In siebentan Bande spürt dann auch Francoise die Wesensverwandtschaft dieser beiden.

  42. 52.

    Kommentar 48 12.01.
    Lieber Herr Stellmann,
    mit diesem Kommentar sprechen Sie mir aus dem Herzen. Ich denke, auf ihn werden wir noch oft zurückkommen, denn Sie haben damit bereits ganz am Anfang unserer Hör-/Lesereise die Frage überzeugend beantwortet, warum wir heutzutage - und vielleicht gerade heutzutage - Proust lesen sollten. (Viele Leser möchten ja im voraus wissen, "was sie davon haben".) Mir schwebte Ähnliches als Zwischenbetrachtung vor, wenn die Lesung von 'Combray' (die erste Etappe) abgeschlossen ist. Ihr Beitrag wird viele zum "Durchhalten" ermuntern, hoffe ich.

  43. 51.

    7. Folge.
    Dass die Beschreibung der Kirche von Combray einmal mehr die Programmatik des ganzen Romanwerks vorwegnimmt, so wie es der letzte Satz des siebenten Bandes bestätigt, ist oft bemerkt worden. Die synästhetische Erinnerung, die dieser Beschreibung zugrunde liegt, wird in der unmittelbar vorausgehenden Evokation von Tante Léonies Lindenblütentee vorexerziert.

  44. 50.

    8. Folge
    Der Erzählstrom ist assoziativ, folgt keiner Handlungstruktur. Da wird eine kurze Begegnung mit Herr Legrandin (vielleicht gibt es doch ein richtiges Leben im falschen) geschildert, von dem ich nicht erinnere, ob er noch einmal auftauchen wird, wir erfahren weiteres über das rein beobachtende Leben Tante Leonies, dann die Vorratskammer und was Francoise daraus zu zaubern vermag, dann wird von Combray nach Paris zum Onkel gesprungen.
    So entsteht keine Handlung, wohl aber eine Abfolge von Bildern, von kurzen Portraits, von Interaktionen, von Orten. Die Verknüpfung dieser Skizzen, Miniaturen, Momentaufnahmen, Erinnerungen ist nicht stringent. Zwar folgt eines immer irgendwie aus dem Vorhergehenden, aber nicht zwingend oder einer erkennbaren Logik folgend, sondern eher „hüpfend“. Alles hängt miteinander zusammen, ohne dass der Zusammenhang klar zu bezeichnen wäre. Proust montiert ein Bild lauter loser Enden... Avantgarde!

  45. 49.

    Lieber Herr Werckmeister,
    die von Ihnen angedachte Parallele ist reizvoll. Tante Leonie und ihre selbstgewählte Bettlägerigkeit werden von Proust durchaus einfühlsam beschrieben; doch eine feine Ironie schimmert stets durch. Führt man Ihre Parallele weiter, könnte man mutmaßen, Proust sei die Selbstironie (jenseits der Pose) nicht ganz fremd gewesen. Ein sympathischer Gedanke.

  46. 48.

    Nur eine Bemerkung en passant.
    Da geben Menschen hunderte von Euros aus, um an Achtsamkeitsseminaren teilzunehmen, in denen sie sich unter Anleitung verschrumpelte Rosinen anschauen und sich Gedanken darüber machen.
    Da lese ich doch lieber Proust, seine Beschreibungen von Lindenblütentee, Kircheninnenräumen, Weißdornhecken etc. pp. Das schult die Achtsamkeit genauso. Und wenn man dann ein wenig aufmerksamer durch die Welt zu gehen vermag, hagelt es Proustsche Erkenntnis- und Glücksmomente. Kleiner Tipp zum Anfang: Einfach mal eine Stunde im Treppenhaus seiner Kindheit sitzen, die Stufen betrachten, die Wände, die Wohnungstüren, Gerüche inhalieren und achten, was da mit der Seele und im Kopfkino passiert...

  47. 47.

    Die Antwort der Redaktion freut mich sehr, einen herzlichen Gruß an alle in der Sendeveratwortung... und ein Dankeschön

  48. 46.

    6. Folge

    Ich habe ähnlich wie Herr Werckmeister in dem Gespräch zwischen Tante Leonie und Francoise eine Anspielung auf die Haltung des Erzählers im weiteren Verlauf des Romans gesehen. Die Betrachtung der Personen, die Mutmaßungen über die Nachbarn, die Idee, unter dem Vorwand, einkaufen zu gehen, an Informationen zu kommen, die Behandlung des Kleinstadt-Tratsches.... all das werden wir wiederfinden – nicht nur bei den Personen des Romans, sondern ebenso beim Erzähler selbst.
    Darüber hinaus erinnert mich die Vertrautheit zwischen Tante Leonie und Francoise an das reale Verhältnis zwischen Proust und seiner Haushälterin Celeste Albaret. Celeste Albaret hat übrigens sehr lesenswerte Memoiren über ihre Zeit mit Proust verfasst. Sehenswert ist auch auf der diesen Memoiren basierende Film „Monsieur Proust“ von Percy Adlon.

    Ansonsten ähnelt die Ankunft in Combray sehr einer Ankunft in Buxtehude, grins

  49. 45.

    Liebe Frau Lethaus, die Redaktion möchte sich ebenfalls bedanken! Wir freuen uns riesig über das positive Feedback, das wir von Ihnen - und natürlich auch von allen übrigen schreibenden Hörerinnen und Hörern - erhalten haben. Zeigt es doch, dass wir mit diesem Projekt eine gute Wahl getroffen haben.
    Her Werckmeister, Herr Stellmann, auch Ihnen vielen Dank, dass Sie uns an Ihren Überlegungen und Analysen zu den einzelnen Folgen teilhaben lassen. Wir wünschen weiterhin viel Vergnügen!

  50. 44.

    6. Folge
    Die hypochondrische Tante Léonie, die Tag und Nacht im Bett verbringt und gleichwohl alles wissen will, was die Menschen in Combray machen, erinnert mich an den asthmakranken Autor, der, ebenfalls ans Bett gefesselt, die Lebensverhältnisse seiner fiktiven Personen bis in die letzten Einzelheiten zu erkunden sucht, um ihren gesellschaftlichen Lebenszusammenhang zu rekonstruieren. Bei dem programmatischen Charakter des ersten Bandes, der mir erst beim Hören dieser Lesung aufgegangen ist, its das denkbar, wenn auch nicht beweisbar.

  51. 43.

    ...noch einmal will ich hier schreiben.
    , denn ich weiß nun warum ich in früheren Jahren ,im Beruf,mit Kindern,mit Haushalt nie durchgehalten habe...die Geduld hatte ich damals nicht.Aber nun habe ich sie und Zeit dazu und genieße z.B. heute die Beschreibung um und in der Kirche, gestern die Lindenblütenteebetrachtungen und freue mich weiterhin auf jede nächste Lesung,schön dosiert und deshalb so kostbar...und nun begebe ich mich in die „Poesie des Winterschlafs „

  52. 42.

    ...noch einmal will ich hier schreiben.
    , denn ich weiß nun warum ich in früheren Jahren ,im Beruf,mit Kindern,mit Haushalt nie durchgehalten habe...die Geduld hatte ich damals nicht.Aber nun habe ich sie und Zeit dazu und genieße z.B. heute die Beschreibung um und in der Kirche, gestern die Lindenblütenteebetrachtungen und freue mich weiterhin auf jede nächste Lesung,schön dosiert und deshalb so kostbar...und nun begebe ich mich in die „Poesie des Winterschlafs „

  53. 41.

    Noch einmal danke! So macht der Lockdown Freude.

  54. 40.

    5. Folge.
    Die Großmutter des Erzählers wählt die Antiquitäten, die sie als Geschenke kauft, als ästhetische Zeugnisse vergangener Zeiten ohne heutigen Gebrauchswert aus, und lässt sogar die Abbildungen vergangener Denkmäler nur in künstlerischer Umsetzung gelten. Die Mutter des Erzählers macht George Sands Roman beim Vorlesen für ihren Sohn mit ihrer sensitiven Stimme lebendig, unterdrückt aber alle erotischen Stellen, so dass ihm die Handlung unverständlich wird. Unter dem Eindruck diesen beiden überzeugungsstarken Frauen kann er sich auf keine eigene Imagination konzentrieren und hängt der Assoziationswirkung unwillkürlicher Erlebnisse nach—bis hinunter zum Geschmack von Tee mit Gebäck. Diese intellektuelle Willensschwäche hält ihn sein halbes Leben lang vom Schreiben ab, bis ihm schließlich aufgeht, dass er es aus eben jener unwillkürlichen Erinnerung entwickeln kann.

  55. 39.

    Hallo, Herr Werckmeister,

    Vielleicht sind die Proust-Liebhaber mit Tee und Madeleine durch und sitzen nun bei einem Glas Tullamore Dew über Finnegans Wake..... Wer weiß...

  56. 38.

    5. Folge

    Da blitzen bei mir Erinnerungen an Gelesenes auf. Die Geschenke der Großmutter, die Bilder an der Wand, die Unterschiede und Überlagerungen von Malerei, Stichen, Photografien....hat Walter Benjamin sich hier u.a. von Proust zum „Kunstwerkaufsatz“ inspirieren lassen? Die geistige Verwandschaft der beiden ist für mich hier spürbar....

    Ist die erzählerische Nähe von Gedanken zu Bildern ( der festgehaltene Augenblick ) und dem gleichmäßigem Lesestrom ( die fortschreitende Handlung, der ‘Lauf der Zeit’ ) der Mutter auch eine Anspielung auf Lessings Laakoon?
    Fragen über Fragen....

    Und dann dieses unglaubliche Kabinettstückchen, ausgelöst durch Tee und Madeleine, eine der schönsten Geburtsszenen der Literatur, ein „big bang“.

  57. 37.

    Ich schließe mich der Begeisterung der Vorredner an. Peter Matic schafft es auch bei mir, dass ich mit voller Aufmerksamkeit dabei bleibe und Proust genieße. Das Hörbuch hat mir die restliche Scheu vor der Lektüre genommen und bewegt mich fast dazu, doch direkt zum Geschriebenen zu greifen. Wenngleich die Stimme so verlockend ist. :)
    Vielen Dank; das Hörbuch versüßt auf jeden Fall den Start ins neue Jahr.

  58. 36.

    Dem, was Herr Mittelstädt geschrieben hat kann ich mich nur mit Begeisterung anschließen.Eine wunderbare Sache, besonders ,weil ich das Werk bisher nie geschafft habe, bei etlichen Versuchen und Einlassungen...vielleicht mußte ich auch so alt werden, nächste Woche 77 . Diese besondere Zeit, auch wettermäßig ist gut ausgesucht.Ich freue mich schon auf die Wiederholung heute Abend und Die Vorlesestimme
    Der Redaktion auch ein großes Dankeschön






  59. 35.

    Angesichts der expaniven Vermarktung der beiden Ausgaben von Rechel-Mertens, revidiert von Luzius Keller, und Fischer erstaunt mich, dass deren Käufer bisher kaum teiilnehmen! An Ihrem Programm kann es doch nicht liegen!

  60. 34.

    Ich bin immer wieder begeistert, von dieser wunderbaren Sprache und der Umsetzung durch Peter Matic.Jedeh Tag freue ich mich auf die Lesung. Nicht umsonst sind diese Bücher Weltliteratur.

  61. 33.

    4. Folge 3
    Der Konflikt zwischen Mutter, Sohn, Vater ist ein Musterbeispiel für ein Drama-Dreieck in reinster Form. Mutter und Sohn nehmen wechselnd die Rollen von Täter und Opfer ein, der Vater tritt als Retter auf. Gleichzeitig kann man hier ansatzweise die unterschiedlichen Ausbildungen von Eltern-Ich, Erwachsenen-Ich und Kind-Ich der handelnden Personen erkennen.
    Diese Kommunikationsmuster werden im Roman immer wieder auftauchen, gerade in den Beziehungen von Liebenden, aber auch in den Gesprächen der Soirees, Salons etc pp.
    Proust bietet ein unerschöpfliches Reservoir an Mustern von Psycho-Spielchen. Spiele, die uns sehr vertraut sind – vielleicht fühlen wir uns deshalb bei Proust schnell daheim.

  62. 32.

    4. Folge 3
    Der Konflikt zwischen Mutter, Sohn, Vater ist ein Musterbeispiel für ein Drama-Dreieck in reinster Form. Mutter und Sohn nehmen wechselnd die Rollen von Täter und Opfer ein, der Vater tritt als Retter auf. Gleichzeitig kann man hier ansatzweise die unterschiedlichen Ausbildungen von Eltern-Ich, Erwachsenen-Ich und Kind-Ich der handelnden Personen erkennen.
    Diese Kommunikationsmuster werden im Roman immer wieder auftauchen, gerade in den Beziehungen von Liebenden, aber auch in den Gesprächen der Soirees, Salons etc pp.
    Proust bietet ein unerschöpfliches Reservoir an Mustern von Psycho-Spielchen. Spiele, die uns sehr vertraut sind – vielleicht fühlen wir uns deshalb bei Proust schnell daheim.

  63. 31.

    Es freut uns, dass sich mit Ihnen schon Proust-Kenner und -Freunde gefunden haben. Wir machen heute Nachmittag nochmal im Programm auf diese Seite und auf die neu entstandene Facebookgruppe aufmerksam - vielleicht melden sich weitere Proust-Fans.
    Zur Facebook-Gruppe geht es hier entlang, wenn Sie mögen: https://www.facebook.com/groups/4824467260960056

  64. 29.

    Ich bin begeistert von diesem Hörbuch - vielen DANK - und merke beim Hören, wie viele Fäden schon ganz am Anfang gesponnen werden, die mir bei der Lektüre nicht aufgefallen waren. Und ich weiß nicht mehr, ob ich auch so gelacht habe beim Lesen oder ob die Obsessionen und Ängste des Erzählers mehr im Vordergrund standen.

  65. 28.

    4. Folge.
    Dieses Wechselspiel zwischen hemmungsloser Sehsuch, die sich bis zu emotionaler Tyrannei versteigt, und durch pädagogischen Zwang zur Diszipln gefilterte Mutterliebe, die das Kind in panische Angst vor Strafe versetzt, führt zu einem Zusammenstoß zwischen Ränkespiel des Kindes und gnadenloser Strege der Mutter, der nur duch ein Machtwort des gefü+hllosen Vaters aufzulösen ist. Die Episode igibt das Paradigma führ die gigantischen Liebeskonflikte vor, die in den Verhältnissen zwischen Swann und Odette und zwischen Charlus und Morel ausgertagen werden, und in dem zwischen dem Erzähler und Albertine einen ganzen Band des Romans erfüllen werden.

  66. 27.

    ....und ansonsten fühle ich mich hier ziemlich einsam....grins

  67. 26.

    4. Folge 2
    Wie fein gesponnen die Ouvertüre des Romans ist, merkt man in diesem Abschnitt nicht daran, dass die Geühlslagen und Gedanken des Knaben mit denen Swanns verknüpft werden und das große Thema „Liebe und Leiden“ anklingt, das in weiten Teilen des Romans facettenreich wiederkehren wird. Das ist relativ deutlich ausformuliert.

    Die Feinarbeit erkennt man an einer anderen Stelle dieser Folge. Da heißt es, fast nebenbei gesagt:

    “ ‘Ich kann gar nicht sagen’, warf meine Großtante ein, ‘wie verändert ich Swann jetzt finde. Er ist so alt geworden!’ Meine Großtante hatte sich derart daran gewöhnt, in Swann immer den gleichen Jüngling zu sehen, daß sie jedesmal Mal staunte ihn weniger jung zu sehen, als sie ihn sich auch weiterhin vorgestellt hatte.“

    Welch ein Vorgriff auf den letzten Band, als der Erzähler die großen und kleinen Helden seines Lebens, alt geworden, in einer bizarren Abendveranstaltung wiedertrifft.

  68. 25.

    4. Folge 1

    Bei meiner ersten Proustlektüre hatte ich exakt an dieser Stelle das Gefühl, dass der Autor mich kennt. Die Gedanken des Icherzählers beim Warten auf den abendlichen Kuss der Mutter, insbesondere wenn Besuch im Hause war.. das kannte ich und es stieg im Augenblick des Lesens aus meiner Erinnerung empor.... Bei uns war es leider kein Swann, der uns besuchte, sondern z. B. die Skatbrüder meines Vaters nebst Gattinnen. Und statt Wein und edler Speisen gab's Currywurscht bei Bier und Korn, die Damen taten sich an dänischem Kirchlikör – zollfrei von der Butterfahrt mitgebracht – gütlich. Und ich lag im Bett und wartete – meist nicht vergebens.

  69. 24.

    2. Folge.
    hier wird, in einer zweiten Projektion des gesamten Werks, das Feld der gesamten Pariser Klassengesellschaft abgesteckt, in dem sich Swann als Leifigur des Romans als Teilnehmer bewegt, im Gegensatz zur gesellschaftlichen Selbstbescheidung, in der das Umfeld des Erzählers befangen bleibt. Der erzähler wird dieses Feld in aller Ausführlichkeit aussmessen, hallerdings nicht als Teilnehmer, sonder als Beobachter, der sich erst entschließen kann, dseine Beobachtugen aufzuzeichnen, als er sie aus der Erinnerung rekonsruieren muss.

  70. 22.

    3. Folge 2

    Dann im zweiten Teil der sich nach einem mütterlichen Kuss verzehrende Ich-Erzähler. Erste zarte Anklänge an das Liebesmotiv und an die Eifersucht. Anscheinend ein anderes Thema als das Erwachsenengepräch und doch gibt es Zusammenhänge. So wie im Erwachsenengespräch jeder um Aufmerksamkeit und Anerkennung heischt und dabei mehr oder weniger geschickt versucht, das Gespräch zu beeinflussen, so nutzt der Ich-Erzähler übelste Formen der Manipulation, um doch noch an die Aufmerksamkeit der Mutter und an den abendlichen Kuss zu kommen. Was sich hier an Dramatik und zwischen Kind und Mutter abspielt, wird sich später im Roman zu differenzierten Reflexionen über Liebe, Eifersucht und anderes menschliches Elend entfalten.
    Wir sind immer noch bei der Overtüre....

  71. 21.

    3. Folge 1

    Die Stelle, an der ich in der Recherche zum ersten Mal lachen muss. Proust mitunter böser Humor blitzt auf. Schön, wie der Erzähler mit wenigen Strichen die Einstellungen seiner Familienmitglieder zu Swann zeichnet und das Gespräch mit Swann als Jahrmarkt der Eitelkeiten entlarvt, auf dem jeder seinen eigenen Interessen folgt. Das Gespräch erinnert mich an Familienfeierlichkeiten in meiner Kindheit und Jugend. Ein jeder versucht, seine Themen und Gedanken an den Mann bringen, ohne dass sich ein wirkliches Gespräch entfalten kann. Fragen werden gestellt, an deren Beantwortung man eigentlich kein Interesse hat, Gespräche werden in andere Richtungen umgeleitet usw.usf. Ein Gespräch kommt nicht wirklich zustande, es ist mehr ein subtiler Machtkampf.
    Transaktionsanalytiker und Familienaufsteller hätten an dieser kleinen Szene große Freude. Diese Szene wird sich in ihrer Struktur im Verlauf des Romans wiederholen, allerdings in anderen personellen Zusammensetzungen.

  72. 20.

    So habe ich den Roman beimerstend und zweiten Male auch gelesen, Herr Stellmann. Ab dem driten Male wurde mein Widerstand gegen die verallgemeinernden Urteile, die Proust immer wieder abgibt ("wie...")immer stärker. Das tut der Größe des Romans keinen Abbruch.

  73. 18.

    2. Folge

    Klingel.

    Swann schlägt auf und mit ihm ein weiteres Thema: Die Beweglichkeit des Bürgers innerhalb und außerhalb der gesellschaftlichen Milieus.
    Swann deckt offenbar ein breites Spektrum ab: Die „nicht standesgemäße Ehe“ mit einer Frau, die, sagen wir, einem etwas zweifelhaften Lebenswandel frönt(e), gleichzeitig bewegt er sich souverän in der sog. besseren Gesellschaft des Adels, wie auch im Bürgertum, dem er selbst entstammt. Hier wird ein Spiel- und Spannungsfeld angedeuted und schemenhaft abgesteckt, das im weiteren Verlauf des Romans ausgearbeitet wird und auf dem sich der Ich-Erzähler abarbeiten wird. Hier wird die Recherche als Gesellschaftsroman vorbereitet.

    Falls meine Beiträge langweilen sollten, einfach Bescheid geben....

  74. 17.

    Dem Hörbuch liegt die 1953 - 1957 erschienene Suhrkamp-Ausgabe zugrunde. Sie werden sie wohl leider nur noch antiquarisch bekommen.

  75. 16.

    Ich habe Proust eigentlich nie kritisch im Sinne einer literaturwissenschaftlichen Perspektive gelesen. Für mich ist die Recherche oft "nur" ein alltagstaugliches Buch gewesen, das meinen inneren Diskurs beflügelt hat, das mir die Augen über manch eigene Befindlichkeiten geöffnet hat. Ich denke, ein naives Lesen ist nicht die schlechteste Herangehensweise an dieses Buch. Und ich muss einfach eingestehen, dass ich kaum Texte in der Sekundärliteratur gefunden habe, die mir verdeutlicht hätten, welche Magie Proust auf mich ausgeübt hat und manchmal immer noch ausübt. Ich denke ohnehin, dass jeder Leser und jede Leserin seinen und ihren eigenen Proust finden wird... Oder eben auch nicht.
    Also erst einmal darauf einlassen und sich zum Staunen bringen lassen...

  76. 14.

    Vielen Dank!
    Allerdings gibt es davon zwei verschiedene Ausgaben, beide von Eva Rechel-Mertens übersetzt und beide bei Suhrkamp erschienen: die ursprüngliche, erstmals 1957 erschienene und meines Wissens nur noch antiquarisch erhältliche, und die neuere, von Luzius Keller stark revidierte Fassung, die sog. "Frankfurter Ausgabe". Beide Ausgaben unterscheiden sich merklich voneinander.
    Ich vermute jedoch stark, dass dem Hörbuch die ursprüngliche Fassung zu Grunde liegt.

  77. 13.

    Ich bin gespannt, ob sich aud diesem Forum auch dLeser oder Leserinnen zu Wort melden, die diesen Roman nicht nur glorifizieren (was ich selbst nach den ersten bdeien Lektürn, als ich noch jung war, getan habe,) sondenn ihn auch kritisch lesen, wie es mir in späterten Jahen bei der driteen und vierten Lektüre ergangen ist!

  78. 12.

    Ja, es ist die erstze deutsche Übersetzung von Eva Rechel.Mertens, die später von Luzius Keller überarbeietet wurde, wobei auch die Titel der einzelnen Bände geädert wurden Was bei rbb noch als 'In Swanns Welt' vorgelene wird, heißt nunmehr, richtiger, 'Auf dem Wege zu Swann'. Ich habe diese reviderte Übersetzung mit der neuen Übersetzung von Klaus Jürgen Fischer verglichen und dieser sprachlich überlegen gefunden.

  79. 10.

    Ich freue mich, dass Sie die Lesung noch einmal bringen. 2010 war es das „Hörbuch des Jahres“, oder?

  80. 9.

    Liebe/r Lautergold, lieber Herr Stellmann,
    es handelt sich um die im Suhrkamp erschienene und aus dem Französischen von Eva Rechel-Mertens übertragene Ausgabe des Romans. Die Aufnahmen für das Hörbuch mit Peter Matic fanden von 2001 bis 2008 statt. Wir freuen uns, dass Sie mitlesen und -hören!

  81. 8.

    1. Lesung

    Ich bin erstaunt, wie viele Motive, die den Roman bestimmen werden, bereits auf den ersten Seiten angesprochen werden.
    Erinnerungen, die unwillentlich erscheinen, Erinnerungen, die herbeigeführt werden; Bewusstseinsströme, der keiner erkennbaren Logik zu folgen scheinen, das langsame Erwachen und Erkennen, die Perspektivenwechsel, die Wahrnehmungsveränderungen durch die Macht der Gewohnheit, die Diskrepanzen zwischen Vorstellungen und Wirklichkeiten, die vermeintlichen Fixpunkte, die durch geringe Veränderungen sich auflösen oder zu etwas Anderem werden, das Bruchhafte scheinbarer Kontinuitäten etc.pp. Das alles perlt ein wenig dahin wie eine freie Improvisation auf der Marimba, die die Töne sucht, die es für die Melodie braucht. Die Ouvertüre hat begonnen....und das Erwachen ebenso....

  82. 6.

    Ich denke, es ist die Übertragung von Frau Rechel-Mertens, die bei Suhrkamp erschienen ist. Ich habe gestern mitgelesen und keine Abweichungen festgestellt.

  83. 5.

    Liebe Herr Heße,
    toll, dass Sie dabei sind!
    Wir wünschen viel Freude mit der Lesung und senden beste Grüße aus der Redaktion.

  84. 4.

    Ich würde es ja gerne mitlesen, wenn ich nur genau wüsste, aus welcher der verschiedenen Ausgaben der Text stammt, aus dem vorgelesen wird. Bis jetzt habe ich keinen Hinweis darauf gefunden.

  85. 3.

    Es ist viele Jahre her, dass ich dieses große Werk der Weltliteratur gelesen habe. Und als ich dann endlich, es waren ca zwei Jahre ins Land gezogen, wenn mich meine Erinnerung nicht täuscht, den letzten Satz las, da klang dieses Lektüreerlebnis noch lange in mir nach. Nun freue ich mich, diesen Roman noch einmal neu, dieses Mal als Lesung, entdecken zu dürfen. Vielen Dank an den RBB für dieses großartige Projekt.

  86. 2.

    Grandiose Idee....herzlichen Glückwunsch. Das wird vielen, die bisher vor diesem Text zurückgeschreckt oder an ihm verzweifelt sind, den Einstieg in die wunderbare Gedankenwelt des M. Proust erleichtern. Ich empfehle allerdings, den Text mitzulesen. Ich glaube, Proust kann man letztlich nur in seinem je eigenen Tempo lesen...

  87. 1.

    so eine schöne Überraschung zum neuen Jahr