Kulturradio Rezensionen Buch

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Alex Ross: Die Welt nach Wagner; Montage: rbbKultur
Rowohlt

Musiktheorie - Alex Ross: "Die Welt nach Wagner"

Wagners Einfluss ist unbestritten: Musik, Literatur, Philosophie, Dramaturgie bis hin zur Politik wurden und werden von seinem Schaffen bis heute geprägt. Das alles aber einmal systematisch zusammenzutragen, ist das Verdienst dieser umfangreichen Arbeit.

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Helmut Lethen: Denn für dieses Leben ist der Mensch nicht schlau genug; Montage: rbbKultur
Rowohlt

Autobiografie - Helmut Lethen: "Denn für dieses Leben ist der Mensch nicht schlau genug"

Mit einem Zitat aus Brechts "Lied der Unzulänglichkeit des menschlichen Strebens" aus der Dreigroschenoper hat Helmut Lethen seine Erinnerungen überschrieben: "Denn für dieses Leben ist der Mensch nicht schlau genug". Der mit dem Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnete Germanist und Kulturwissenschaftler Lethen ist schlau. Oder besser: sehr klug. Und doch deutet er allein mit diesem Titel an, dass alle Klugheit womöglich nicht reicht, um das eigene Leben in Gänze zu verstehen, dessen Irrungen, Wirrungen und Zufälle.

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Susan Sontag: Wie wir jetzt leben; Montage: rbbKultur
Hanser Verlag

Erzählungen - Susan Sontag: "Wie wir jetzt leben"

Es waren nicht ihre Romane und Kurzgeschichten, die Susan Sontag bekannt gemacht haben, sondern ihre Essays und Sachbücher – "Krankheit als Metapher" zum Beispiel, der berühmte Essay "Anmerkungen zu Camp" oder ihre Texte über Fotografie. Dabei war ihr die Prosa selbst sehr wichtig und sie hätte sich dafür mehr Aufmerksamkeit gewünscht.

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Ian McEwan: Erkenntnis und Schönheit; Montage: rbbKultur
Diogenes

Essay-Band - Ian McEwan: "Erkenntnis und Schönheit. Über Wissenschaft, Literatur und Religion"

Seine Bücher sind Weltbestseller und die Verfilmungen seiner Romane werden - wie "Abbitte" mit Keira Knightley oder "Kindeswohl" mit Emma Thompson in den Hauptrollen - zu großen Kinoerfolgen. Jetzt hat der britische Autor Ian McEwan, der immer wieder auch als Kandidat für den Literaturnobelpreis gehandelt wird, ein Buch mit dem Titel "Erkenntnis und Schönheit. Über Wissenschaft, Literatur und Religion" veröffentlicht.

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Clarice Lispector: Aber es wird regnen; Montage: rbbKultur
Penguin Verlag

Sämtliche Erzählungen in zwei Bänden - Clarice Lispector: "Aber es wird regnen"

In Lateinamerika war sie schon zu Lebzeiten eine Legende, im Rückblick gilt sie als die Ikone der brasilianischen Moderne schlechthin: die 1977 verstorbene brasilianische Schriftstellerin Clarice Lispector. In Europa sind ihre Romane und Erzählungen hauptsächlich in feministischen Insider-Kreisen bekannt. Der Penguin Verlag macht sich seit ein paar Jahren daran, ihr Werk neu zu übersetzen – jetzt sind ihre sämtlichen Erzählungen erstmals alle auf Deutsch erschienen.

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Emma Becker: La Maison © rowohlt
rowohlt

Roman - Emma Becker: "La Maison"

Am Ende kommen noch Janus, Olaf und Gerd zu Justine ins "La Maison", wie das Wilmersdorfer Bordell in Emma Beckers gleichnamigen Roman heißt. Sie bevorzugen SM-Praktiken, sind im sogenannten Studio des Freudenhauses der Dominus, der fesselt, peitscht und würgt, während Justine die Sklavin darstellt, die gefesselt, gepeitscht und gewürgt wird. "La Maison" ist Beckers dritten Roman, der in Frankreich für einiges Aufsehen sorgte.

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Meral Kureyshi: Fünf Jahreszeiten © Limmat Verlag
Limmat Verlag

Roman - Meral Kureyshi: "Fünf Jahreszeiten"

Direkt mit ihrem ersten Roman hat Meral Kureyshi ins Schwarze getroffen: ihre Migrationsgeschichte "Elefanten im Garten" wurde in mehrere Sprachen übersetzt und hat einige Preise gewonnen. In diesem Jahr war die Schweizerin zum Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb eingeladen. In ihrem neuen Roman "Fünf Jahreszeiten" geht es um Liebe zwischen den Stühlen und die Flüchtigkeit des Moments.

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Ralf Rothmann: Hotel der Schlaflosen; Montage: rbbKultur
Suhrkamp

Erzählungen - Ralf Rothmann: "Hotel der Schlaflosen"

Kann es als Qualitätsbeweis gelten, wenn man einen Erzählband am Stück verschlingt wie einen saftigen Thriller? Sicher ist: Die Erzählungen in "Hotel der Schlaflosen" sind voll von Leben und Tod, Angst und Gewalt, Liebe und Schmerz. Allein die Geschichte, die dem Band den Titel gibt!

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Der legendäre Musiker wäre 80 Jahre alt geworden - John Lennon: Zwei neue Biografien

Eigentlich könnte der 9. Oktober 2020 ein Tag der Freude sein: Denn der legendäre Song-Writer und Friedensaktivist John Lennon hätte seinen 80. Geburtstag gefeiert. Doch ein psychisch verwirrter Attentäter feuerte am 8. Dezember 1980 in New York mehrere Kugeln auf den ehemaligen Beatle, der gerade sein Comeback plante. Nun sind gleich zwei neue Biografien erschienen.

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Alice Schwarzer: Lebenswerk © Kiepenheuer & Witsch
Kiepenheuer & Witsch

Autobiografie - Alice Schwarzer: "Lebenswerk"

Nach "Lebenslauf" folgt "Lebenswerk": Im zweiten Teil ihrer Autobiografie nimmt sich Alice Schwarzer ihre Arbeit der letzten 50 Jahre vor. Die großen Debatten und Themen, von Abtreibung über Prostitution, Pornografie und Sexismus bis zum Islamismus und der #MeToo-Debatte. Selbstkritik liegt der Ikone des Feminismus dabei fern.

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Michael Kleeberg: Glücksritter © Galiani-Berlin
Galiani-Berlin

Biografie - Michael Kleeberg: "Glücksritter. Recherche über meinen Vater"

Bücher über den eigenen Vater haben Konjunktur. Andreas Meier wäre da zu nennen oder aktuell Kurt Drawert mit "Dresden. Die zweite Zeit". In Deutschland geht es dabei meist um die Rolle der Väter im Nationalsozialismus oder in der DDR, doch es sind immer auch Erkundungen der eigenen Herkunft, der Familiengeschichte, Bücher, die, indem sie von Vätern handeln, der Frage nachgehen, wie man der geworden ist, der man ist.

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Stefan Kutzenberger: Jokerman; Montage: rbbKultur
Berlin Verlag

Roman - Stefan Kutzenberger: "Jokerman"

Die "Dylanologie" ist ein nichtakademisches, gleichwohl weltweit praktiziertes Fachgebiet, das zwischen Wissenschaft und Esoterik anzusiedeln ist. Dylanologen sind Nerds, die die Texte aller Dylan-Songs jederzeit parat haben und auf die aktuelle Weltlage anzuwenden wissen. In diesem Grenzbereich zwischen Wissen und Wahnsinn ist Stefan Kutzenbergers Roman "Jokerman" angesiedelt.

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Richard Ford: Irische Passagiere; Montage: rbbKultur
Hanser Verlag

Kurzgeschichten - Richard Ford: "Irische Passagiere"

Sie alle haben irgendwie einen Knacks abbekommen, einen Bruch im Leben: Die Protagonisten aus Richard Fords neuen Kurzgeschichten werden älter und müssen diese Brüche irgendwie verarbeiten. "Irische Passagiere" heißt das neue Buch des Pulitzerpreisträgers, denn Irland ist der rote Faden in diesen verschiedenen Biografien.

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Wolfram Eilenberger: Feuer der Freiheit; Montage: rbbKultur
Klett-Cotta

Sachbuch - Wolfram Eilenberger: "Feuer der Freiheit"

Dass ein Philosoph dem Denken von Frauen ein ganzes Buch widmet, ist noch immer selten. Für den Berliner Autor Wolfram Eilenberger sind Hannah Arendt, Simone de Beauvoir, Ayn Rand und Simone Weil sogar "Prophetinnen": so wollte er sein neues Buch ursprünglich nennen. Dass es nun unter dem Titel "Feuer der Freiheit" erschienen ist, passt gut zu Eilenbergers Weltbestseller "Zeit der Zauberer" (2018) und markiert eine Fortsetzung.

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Philip Norman: "Jimi. Die Hendrix-Biografie"; Montage: rbbKultur
Piper

Die Hendrix-Biografie - Philip Norman: "JIMI"

Im "Club 27" sind sie versammelt, die Ikonen der Pop-Musik, die mit nur 27 Jahren den Gefahren des Rock´n´Roll-Lebensstils erlagen - Brian Jones, Jim Morrison, Janis Joplin, Kurt Cobain, Amy Winehouse sind illustre Mitglieder im Rock-Walhalla. Und einer ist ihr Präsident und überragt sie alle: James Marshall - "Jimi" - Hendrix. Zum 50. Todestag des legendären Musikers, dessen virtuoses Gitarren-Spiel bis heute unerreicht ist, erscheint eine neue Biografie mit dem schlichten Titel "Jimi".

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Christoph Peters: Dorfroman; Montage: rbbKultur
Luchterhand

Bundesrepublikanische Coming-of-Age-Geschichte - Christoph Peters: "Dorfroman"

Christoph Peters begibt sich in seinem neuen Roman auf eine Zeitreise in sein eigenes Leben, zurück in die 1970er Jahre. Er lässt sein jugendliches Ich im fiktiven Ort Hülkendonck wieder aufleben, das sich gegen die Enge des ländlichen Elternhauses in Norddeutschland wehrt und sich der Anti-Atomkraftbewegung anschließt. Zugleich muss sich sein heutiges Ich mit den gealterten Eltern auseinandersetzen. Anne-Dore Krohn stellt Christoph Peters "Dorfroman" vor.

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Paul Maar: Wie alles begann; Montage: rbbKultur
S. Fischer

Autobiografie - Paul Maar: "Wie alles kam"

Er ist der Erfinder des Sams – dieses seltsame freche Wesen mit roten Haaren und blauen Punkten im Gesicht, das in das triste Leben des ängstlichen Herrn Taschenbier platzt. Paul Maar hat noch viele andere Kinderbücher geschrieben und selbst illustriert. Nun erzählt er den Roman seiner Kindheit.

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Monika Maron: Artur Lanz © S. Fischer Verlag
S. Fischer Verlag

Roman - Monika Maron: "Artur Lanz"

Der Roman zur Zeit: Ein Plädoyer für Unterschiede und Debatten, gegen ideologische Rechthaberei und Identitätspolitik. Ein zentraler Satz in diesem ebenso provokanten wie unterhaltsamen Buch lautet: "Ist es nicht auch ein Recht, unrecht zu haben?"

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Ray Bradbury: Fahrenheit 451; Montage: rbbKultur
Diogenes

Neuübersetzung des Romans - Ray Bradbury: "Fahrenheit 451"

Er war ein Multitalent, schrieb Gedichte, Kinderbücher, Theaterstücke, Erzählungen und Film-Skripte - zum Beispiel für John Hustons Kino-Version von "Moby Dick". Doch wirklich berühmt wurde Ray Bradbury für seine Science-Fiction-Fantasie über das Leben in einer totalitären Zukunft: "Fahrenheit 451". Anlässlich seines 100. Geburtstags am 22. August erscheint jetzt eine Neuübersetzung des 1953 in Amerika und 1955 auf deutsch erschienenen Romans.

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Lisa Eckhart: Omama © Zsolnay
Zsolnay

Roman - Lisa Eckhart: "Omama"

Ihr Namen war in den letzten Tagen in aller Munde, und wer bislang nicht wusste, was "Cancel Culture" ist, der hat es jetzt an ihrem Beispiel gelernt: Die Kabarettistin Lisa Eckhart wurde von einem Hamburger Literaturfestival ausgeladen, weil Unbekannte für den Fall ihres Auftritts mehr oder weniger handfeste Proteste angedroht hatten. Vorwürfe des Antisemitismus und des Rassismus standen im Raum.
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Davis Grossmann: Was Nina wusste © Hanser Literaturverlage
Hanser Literaturverlage

Roman - David Grossman: "Was Nina wusste"

Mit seinem neuen Roman "Was Nina wusste", stilsicher übersetzt von Anne Birkenhauer, erweist sich David Grossman einmal mehr als leidenschaftlicher Romancier: Drei Frauen aus drei Generationen, Großmutter Vera, Tochter Nina und Enkelin Gili gibt er eine eigene, markante Gestalt und Stimme.

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Nicolas Mathieu: Rose Royal © Hanser Berlin
Hanser Berlin

Roman - Nicolas Mathieu: "Rose Royal"

Der französische Schriftsteller Nicolas Mathieu ist zweiundvierzig Jahre alt und hat bislang zwei Romane veröffentlicht. Bereits sein zweiter Roman wurde mit dem renommierten Prix Goncourt ausgezeichnet, letztes Jahr ist er unter dem Titel "Wie später ihre Kinder" auch auf Deutsch erschienen. Nach dem umfangreichen Werk folgt nun sehr schnell ein überraschend schmaler Band, der ebenfalls wieder abseits der mondänen metropolitanen Frankreichs spielt: "Rose Royal" heißt die neue Erzählung, und sie bringt kaum mehr als neunzig Seiten auf die Waage.

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Robert Seethaler, Der letzte Satz
Hanser Berlin

Roman - Robert Seethaler: "Der letzte Satz"

April 1911. Der Komponist Gustav Mahler reist per Schiff nach Europa. In New York hat er ein letztes Konzert dirigiert; er ist schwer herzkrank und weiß, dass er nicht mehr lange zu leben hat. Eingehüllt in wärmende Decken blickt er übers Meer und erinnert sich: an die Zeit in Wien, als er das Direktorenzimmer der Oper bezog, an das Landhaus in Toblach, wo er in seiner Komponistenhütte arbeitete, an Reisen nach Sankt Petersburg, Berlin oder nach Paris.

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DiAngelo Wir muessen ueber Rassismus sprechen © Hoffmann und Campe
Hoffmann und Campe Verlag

Sachbuch - Robin DiAngelo: "Wir müssen über Rassismus sprechen"

Man kann ja über den Titel dieses Buches noch hinwegsehen und sich sagen: Über Rassismus sprechen, das machen wir doch schon die ganze Zeit, gerade jetzt mal wieder, da vor einigen Wochen in den USA der Schwarze George Floyd von mehreren weißen Polizisten so brutal festgenommen wurde, dass er dabei zu Tode kam. Und was es bedeutet weiß zu sein, wie es der Untertitel verspricht, nun denn: Das braucht uns nun wirklich niemand zu erklären in einer Gesellschaft wie der bundesrepublikanischen.

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