Thu Fandrich, vietnamesische Vertragsarbeiterin; Quelle: rbb Presse & Information
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Thu Fandrich kam als 19-jährige alleine als Vertragsarbeiterin | Bild: rbb Presse & Information

Reportage - Vergessene Frauen - Vertrags- und Gastarbeiterinnen heute

Über ein Drittel der Vertrags- und Gastarbeiter die nach Deutschland kamen, sind Frauen. So wie Thu Fandrich, die gegen ihren Willen aus Vietnam hergeschickt wurde, und Gül Ataseven-Özen, die als junge Frau allein aus der Türkei kam. Sie leben noch immer in Deutschland.

Fühlen sie sich akzeptiert und respektiert? Was möchten sie der Generation ihrer Kinder, die in hier geboren wurde, mitgeben?

Mehr als ein Drittel der Menschen, die als Vertrags- und Gastarbeiter nach Deutschland kamen, sind Frauen. Das öffentliche Bild ist noch immer stark geprägt vom Bild des männlichen Arbeiters, während die besonderen Probleme und Erfahrungen der Frauen größtenteils vergessen sind. Der Film möchte zwei Beispiele (aus West- und Ost-Berlin) herausgreifen und damit an die Situationen der Frauen erinnern.

Thu Fandrich wurde gegen ihren Willen aus Vietnam nach Deutschland geschickt, arbeitete hier als Näherin und half vielen anderen Vietnamesinnen bei ihrem Leben in Deutschland. Sie begleitete einige von ihnen zu Arztbesuchen und Behördengängen. Als eine ihrer Kolleginnen schwanger wurde, versteckte sie sie wochenlang in ihrem Kleiderschrank. Denn die offizielle Alternative hieß: Abtreibung oder Abschiebung. Was Thu Fandrich immer Halt gab: Musik. Auch heute singt sie mit ihrer Band aus Vietnamesischen VertragsarbeiterInnen.

Gül Ataseven-Özen, Gastarbeiterin aus der Türkei; Quelle: rbb Presse & Information
Gül Ataseven-Özen kam als 18-jährige Gastarbeiterin nach Deutschland.

Gül Ataseven-Özen ist heute Rentnerin. Sie kam 19-jährig aus der Türkei nach Deutschland, um Geld für ihre kranken Schwestern zu verdienen. Sie arbeitete in zwei Schichten am Fließband, hatte Heimweh und musste dann noch mit dem Krebstod ihres Ehemannes zurechtkommen.

Als alleinerziehende Mutter in einem fremden Land war sie damit besonders armutsgefährdet. Trotz allem schaffte sie es nach 10 Jahren in der Fabrik an eine Schule und wurde Erzieherin.
Wie leben die Frauen heute? Fühlen sie sich in Deutschland akzeptiert und respektiert? Wie blicken sie zurück auf ihre Rolle als Teil der deutschen Geschichte? Und was möchten sie der Generation ihrer Kinder, die in Deutschland geboren wurden, mit auf den Weg geben?

Ein Film von Melina Borcak

Erstausstrahlung: 21.03.2020/rbb