Saara von Alten mit Fahrrad (Quelle: rbb)
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- Hehlerei: 'Das ist ja tatsächlich mein Fahrrad'

Monatskarten, Fahrräder, Kinderwagen, Fotoapparate – begehrtes Diebesgut. Das gern weiterverkauft wird. Besonders auf Kleinanzeigen-Portalen im Internet oder auf Flohmärkten.

Diebstähle nehmen in Berlin seit zehn Jahren zu. 2016 hat die Polizei Berlin 270880 Fälle erfasst, ein neuer Höchststand. Besonders beliebt bei Dieben  sind Taschen und Fahrräder. Auch das Fahrrad von Saara von Alten wurde gestohlen: „Ich bin nach der Arbeit raus gegangen, habe gesehen, dass mein Fahrrad nicht mehr da war. Mit allem, alles war weg ja! Er hat sogar den Kindersitz mitgenommen – das hat mich besonders geärgert.“ Sagt Saara von Alten.

Das Fahrrad erkannt

Sie will Anzeige erstatten, über das Internetportal der Berliner Polizei. Dafür googelt sie nochmal ihre Fahrradmarke, um es besser beschreiben zu können. Dabei ploppt eine ebay-Kleinanzeige auf. Saara von Alten schaut genauer hin: „Dann habe ich gesehen: Das ist ja tatsächlich mein Fahrrad. Ich habe die Leuchte erkannt, die Reifen, eine extra Klingel, die ich erst vor ein paar Monaten gekauft hatte.“

Für Oliver von Dobrowolski, Fahrraddiebstahl-Spezialist bei der Berliner Polizei, keine Seltenheit. Er rät dazu, auch selbst nach gestohlenen Fahrrädern zu suchen: „Entweder in der analogen Welt, auf dem Flohmarkt oder auch in anderen Verkaufsgeschäften. Aber auch im Internet, wo relativ viele Fahrräder als Ganzes oder auch in Teilen angeboten werden.“

Vor allem auch auf Kleinanzeigen-Portalen würden fast zu hundert Prozent gebrauchte Fahrräder angeboten. Dort zu suchen sei durchaus sinnvoll: „Denn die Leute wollen verkaufen, stellen auch Fotos ein und da kann man oftmals schon erkennen: Oh, sieht ja aus wie mein Rad, könnte mein Rad sein.“

nachgestellte Szene Fahrraddiebstahl (Quelle: rbb)
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„Geh ich mir das jetzt einfach holen“

Saara von Alten erkennt nicht nur ihr Fahrrad. Derselbe Verkäufer bietet auch noch ein anderes Rad an – mit ihrem Kindersitz samt der blauen Schutzfolie. Aber was macht man mit dieser Information? „Natürlich denkt man erst mal: Geh ich mir das jetzt einfach holen,“ sagt Saara von Alten.

Oliver von Dobrowolski rät ab: Auch wenn Diebe nicht grundsätzlich gewalttätig seien, könne es durchaus gefährlich sein sich das Fahrrad selbst zurückzuholen. Zudem bestehe die Gefahr, dass der Verkäufer einem die „die Tür vor der Nase“ zuschlage. „Oder das Rad in aller Ruhe auch noch zerlegt, wegwirft, verschrottet. Entsorgt ganz einfach.“

2016 hat die Polizei Berlin 1337 Fälle von Hehlerei erfasst, fast 500 Fälle weniger als 2015 – und die Aufklärungsquote ist gut, sie liegt bei über 90 Prozent.

Im Keller des Händlers

Saara von Alten fasst einen Plan: Sie ruft erst die Polizei an und dann den e-bay Verkäufer, vereinbart einen Besichtigungstermin für das Fahrrad. „Ich bin dann am nächsten Tag mit einer Polizistin in Zivil, die war nicht als Polizistin erkenntlich, zu dem Händler hingegangen.“

Saara von Alten erkennt ihr Fahrrad samt Kindersitz und Schutzfolie im Keller des Händlers wieder. Die beiden Frauen bitten den Verkäufer um Bedenkzeit und verabschieden sich. Danach informiert die Zivilpolizistin sofort ihre Kollegen. Die klingeln bei dem Händler. Wenige Minuten später sind sie mit dem Fahrrad und dem Kindersitz. „Der Händler hat offensichtlich sofort gestanden, dass das Fahrrad nicht wirklich ihm gehört hat“, sagt Saara von Alten.

Der Händler bekommt eine hohe Geldstrafe. Er ist bereits mehrfach vorbestraft wegen Diebstahl und Hehlerei. Eigentlich könnte der Fall jetzt abgeschlossen sein, doch den Verkäufer findet man immer noch bei Ebay-Kleinanzeigen - und immer noch bietet er Fahrräder an...