Hörgerät-Modelle in der Auslage eines Hörgeräte-Akustikers (Quelle: imago/Ina Peek)

- Der Weg zum passenden Hörgerät

Wenn das Gehör nachlässt, ist ein gut angepasstes Hörgerät wichtig. Denn nur wer gut versteht, was er hört, ist gerne in Gesellschaft und kann richtig an Gesprächen teilnehmen. Trotzdem sind manche Patienten skeptisch, was Hörgeräte angeht. Sie haben vielleicht noch die beigen Ungetüme von früher vor Augen. Aber moderne Geräte sorgen heute nicht nur dafür, dass Sprache und Musik lange verständlich bleiben. Auch die Optik spielt eine immer größere Rolle. rbb Praxis mit Tipps für den Weg zum passenden Hörgerät.

Der Kauf eines Hörgerätes ist in der Regel mit einer Entscheidung für einen längeren Zeitraum verbunden. Sie sollten sich deshalb für die Auswahl und das Ausprobieren eines oder mehrerer Geräte Zeit lassen und keine vorschnellen Entscheidungen treffen. Es empfiehlt sich aber, die Anschaffung von Hörgeräten nicht zu lange hinaus zu zögern. Je früher Sie sich darum kümmern, desto eher können Sie Hörschwächen ausgleichen und den richtigen Umgang mit den Geräten erlernen. Je schlechter das Gehör bereits ist, desto schwieriger gestalten sich meist der Anpassungsprozeß und die Gewöhnung an die neue Hörsituation.

Die Voruntersuchungen

Lassen Sie sich zunächst von Ihrem HNO-Arzt gründlich untersuchen. Er stellt Ihren Grad der Schwerhörigkeit fest und stellt Ihnen eine Verordnung für ein Hörgerät aus. Lassen Sie Sich auch ein ärztliches Attest ausstellen, das den Grad der Schwerhörigkeit und eventuelle weitere Gründe für die Verordnung eines Hörgerätes festhält. Es empfiehlt sich, beim Arzt auch ein Audiogramm erstellen zu lassen, um in Hörgeräteakustikerläden ohne Zusatzkosten Preisauskünfte einholen zu können. Mit der Verordnung und dem Audiogramm suchen Sie dann einen Hörgeräteakustiker auf. Die Krankenkassen und die Hörgeräteakustiker haben Versorgungsverträge geschlossen. Diese verpflichten die Akustiker, mindestens ein Gerät zum Festbetrag, also ohne notwendige Eigenbeteiligung des Versicherten, bereitzuhalten. 

Wer zahlt was?

Sie können auch verschiedene Akustiker aufsuchen und Preise vergleichen, bevor Sie mit dem Test zur Anpassung des Hörgeräts beginnen. Wenn das Gerät zum Festbetrag nicht ausreicht, um Ihre Hörbehinderung auszugleichen und Sie ein teureres Modell auswählen möchten, können Sie einen Antrag auf Kostenübernahme bei Ihrer Krankenversicherung stellen. Beachten Sie aber, dass Annehmlichkeiten, wie ein besseres Tragegefühl oder eine Verbesserung der Optik durch ein unauffälligeres Hörgerät nicht zum Behinderungsausgleich gehören. Wenn Sie sich aufgrund dieser Gründe für ein teureres Hörgerät entscheiden, müssen Sie die Mehrkosten selber tragen. Ist ein teureres Hörgerät – etwa mit einem höheren Frequenzbereich – medizinisch notwendig, übernimmt die gesetzliche Krankenversicherung auch die Kosten qualitativ hochwertigerer Modelle. 

Die Auswahl des Modells

Die Funktionsweise ist bei den verschiedenen Hörgeräte-Systemen ähnlich: Sie geben über das Mikrofon empfangene und verstärkte Schallsignale an das Hörsystem des Patienten weiter. Je nach Art der Signalübertragung werden die Geräte allerdings unterschieden. Die Auswahl des Gerätes erfolgt anhand des individuellen Befundes, des subjektiven Höreindrucks und der Messungen von Frequenzgang und Verstärkungsleistung am Patienten. Dank moderner Digitaltechnik können die neuen Hörgeräte-Systeme störenden Lärm filtern. Dazu gehören Stimmengewirr im Café, Straßen- oder Baulärm und Geräusche wie Geschirrklappern. Außerdem spüren die Geräte nützliche akustische Signale wie die Stimme des Gesprächspartners oder die Klänge eines Orchesters auf und heben diese hervor.

Grundsätzlich unterscheiden Fachleute zwei Arten von Hörsystemen:

Im-Ohr-Hörgeräte
Im-Ohr-Hörgeräte werden - wie der Name schon impliziert - im Ohr getragen. Sie sind in verschiedenen Varianten erhältlich: Kleinere Modelle sitzen tief im Gehörgang und sind somit fast unsichtbar. Das etwas größere Gehörgangsgerät und das Concha-Gerät nehmen etwas mehr Platz in der Ohrmuschel ein. Jedes Im-Ohr-Hörgerät wird individuell nach entsprechender Ohrabformung hergestellt. Im-Ohr-Hörgeräte sind für leichte bis mittelgradige Schwerhörigkeiten geeignet.

Hinter-dem-Ohr-Hörgeräte

Das Hinter-dem-Ohr-Hörgerät besteht aus zwei Teilen. Das Ohrpassstück wird in der Ohrmuschel getragen und dient zur Befestigung am Ohr und zur Schallweiterleitung. Das Hörgerät selbst sitzt hinter dem Ohr. Beide sind durch ein transparentes, unauffälliges Röhrchen miteinander verbunden, so dass der Schall zum Trommelfell gelangen kann. Die Hinter-dem-Ohr-Hörgeräte sind für leichte bis hochgradige Schwerhörigkeiten geeignet.

Beitrag von Nadine Bader