Beckenbodensenkung: Symbolbild zeigt Frau im roten Kleid, die beide Hände als Dreieck geformt vor den Schritt - Beckenboden - hält (Quelle: imago images /ruigsantos)
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Beckensenkung & Inkontinenz - Beckenbodensenkung: Symptome, Ursachen & Behandlung

Erfahren Sie die Ursachen & Symptome einer Beckenbodensenkung und wie die Behandlung einer Beckenbodensenkung aussehen kann.

Wie kann ich testen, wie stark mein Beckenboden ist?

Es ist nicht wichtig, dass der Beckenboden super stark ist. Selbst nur die Stärke testen ist also weder nötig, noch sinnvoll (testen, ob man den Beckenboden anspannen kann, hingegen schon): "Es geht nicht darum, einen Wettbewerb wie beim Armdrücken zu machen a la 'Ah, mein Beckenboden ist stärker als deiner'. Wenn man keine Probleme und gar nicht an seinen Beckenboden denkt, dann ist alles in Ordnung", sagt Urogynäkologin Dr. Juliane Marschke.

Beckenboden, was ist das eigentlich?

"Der Beckenboden ist wie ein stabiles Netz, das gleichzeitig durchlässig ist", so Juliane Marschke. Er besteht vor allem aus Muskel-, aber auch Bindegewebe, welches genauso wichtig sei – jedoch beim Thema Beckenboden oft vergessen werde, so die Urogynäkologin. Übrigens haben alle Menschen einen Beckenboden, auch Männer.

Wie fühlt sich ein schwacher Beckenboden an?

"Bei einem schwachen Beckenboden hat Frau das Gefühl, dass alles nach unten rausfällt, alles weit ist und offen", sagt Juliane Marschke. Das gelte vor allem bei körperlicher Belastung. "Im Liegen oder im Handstand muss der Beckenboden nichts halten, da gibt es keine Probleme. Aber wenn man steht, geht oder läuft. Klassischerweise werden die Beschwerden bei Frauen im Laufe des Tages mehr", so die Urogynäkologin weiter.

Was passiert, wenn der Beckenboden schwach ist?

Der Beckenboden hat drei Hauptfunktionen: anspannen, entspannen und Gegendruck erzeugen, als Reaktion auf z.B. Niesen oder Hüpfen. Ein schwacher Beckenboden kann verschiedenes mit sich bringen: "Einerseits, dass sich die Blase gar nicht mehr entleeren kann, und – viel häufiger – ist Inkontinenz ein Thema. Dann tröpfelt der Urin raus, z.B. bei körperlicher Belastung oder beim Husten, Niesen und Lachen", sagt Juliane Marschke. Oder es kommt zu einer Senkung von Organen.

Symbolbild schwacher Beckenboden (Quelle: unsplash/Victor Serban)
Wie schlimm ist eine Beckenbodensenkung?

"Wenn sich Organe durch einen schwachen Beckenboden nach unten senken, kann das ein Senkungs- oder Druckgefühl verursachen. Zum Beispiel können Gebärmutter, Darm oder Blase durch die Scheide rausrutschen", sagt Juliane Marschke. "Das klingt schlimm und dramatisch, ist aber in den aller aller seltensten Fällen medizinisch ein Notfall. In der Regel ist es nicht gefährlich", erklärt die Urogynäkologin.

Wann muss ich zum Arzt?

Alle, die ihren Beckenboden unangenehm spüren oder nicht ansteuern können, Druck, Schmerzen, ein Fremdkörpergefühl oder Probleme mit Inkontinenz haben. Ansprechpartnerin ist die Gynäkologin bzw. der Urogynäkologen oder die Urologin.

Warum haben oft Frauen einen schwachen Beckenboden?

Wer eine Vagina hat, hat eine Art Extra-Öffnung, "diese ist für den Beckenboden quasi eine Schwachstelle und sorgt dafür, dass innere Organe nach außen rutschen können (Senkung)", so Juliane Marschke.
 
Auch die Belastungsinkontinenz ist etwas, das klassischerweise Frauen haben: "Das kommt häufig durch Schwangerschaft und Geburt, weil sich dadurch der gesamte Beckenboden aufweitet und die Muskulatur und das Bindegewebe kein gutes Widerlager mehr darstellen", sagt die Urogynäkologin.

Was ist nach der Geburt für den Beckenboden gut?

Die Muskulatur kann sich nach der Entbindung wieder zurückbilden. "Gleichzeitig wird durch eine Geburt auch das Bindegewebe total überdehnt – auch das kann sich zurückbilden. Es bildet sich aber leichter zurück, wenn nicht ständig Druck darauf ist", sagt Juliane Marschke.
 
Schwer zu realisieren für Frauen, die bereits Kinder haben, erklärt die Urogynäkologin: "Sie sind unterwegs, tragen das eine Kind, heben das andere. Da kann ein Pessar helfen: Es stützt und entlastet Beckenbodenmuskulatur und Bindegewebe" und fördert so die Rückbildung.

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Ein schwacher Beckenboden beim Mann – wie äußert sich das?

"Auch Männer können inkontinent sein. Da ist es häufig so, dass sie zwar oft zur Toilette müssen, aber die Blase nicht leer bekommen", so Juliane Marschke.
 
Unmittelbar nach einer Prostata-Operationen z.B. kommt es bei Männern häufig zu einer Belastungsinkontinenz. Durch die OP wird der Schließmuskel irritiert und geschwächt, selten auch verletzt.

Was ist nicht gut für den Beckenboden?

Zu viel Sitzen und zu wenig Bewegung ist genauso schlecht, wie zu starkes Pressen beim Wasserlassen oder Stuhlgang. Aber auch "Schiefstände (z.B. Beckenschiefstände) sorgen dafür, dass der ganze Körper etwas schief wird – auch der Beckenboden. Dadurch entsteht eine höhere Spannung in einigen Bereichen im Beckenboden. Das macht es schwierig, noch einen draufzusetzen", erklärt die Urogynäkologin Juliane Marschke. Kann bei Daueranspannung nicht noch zusätzliche Muskelanspannung erfolgen, z.B. beim Niesen oder plötzlicher Bewegung, kann der Urin nicht mehr so gut gehalten werden.

Welcher Sport ist gut für den Beckenboden?

Ist mit dem Beckenboden alles in Ordnung, ist jede Art von Sport gut: Joggen, Schwimmen, Radfahren, Yoga oder Pilates… "Wenn eine Frau aber nicht merkt, wann der Beckenboden ent- und wann angespannt ist, bringt es nichts, wenn die Pilates-Trainerin sagt, man solle das Powerhouse aktivieren", so Urogynäkologin Juliane Marschke. In so einem Fall empfehle sie Biofeedback-Training.

Biofeedback-Training für den Beckenboden

Durch Biofeedback kann ein Bewusstsein geschaffen werden, wann der Beckenboden angespannt ist und wann er entspannt ist. Das Training dauert ein halbes bis ein Dreivierteljahr und wird von Ärztin und Physiotherapeutin begleitet.
 
"Danach sollte der Beckenboden aber wieder ins Unbewusste abwandern. Ziel des Trainings ist nicht, dass die ganze Zeit an den Beckenboden gedacht wird", so Juliane Marschke. Die Urogynäkologin empfiehlt außerdem Physiotherapie und / oder Cantienica-Training.

Beckenbodentraining: Was hilft?

"Entspannende Techniken sind mindestens genauso wichtig wie das Anspannen", betont Juliane Marschke. Das Entspannen werde bei Übungen für zuhause, wie Kegelübung oder dem Trainieren mit Kugeln, meist vergessen. Wer wirklich Probleme mit dem Beckenboden hat, sollte daher besser mit seiner Ärztin eine geeignete (Physio)Therapie besprechen.

Studioaktion mit Gefa Naegler (Quelle: rbb)
rbb
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Beckenbodentraining mit Vibrationsgeräten

Mit elektrischen Vibrationsgeräten lässt sich gezielt die Beckenbodenmuskulatur stärken. Solche Geräte finden sich in Fitnesscentern und Rehaeinrichtungen, neuerdings gibt es auch bezahlbare Modelle für zuhause. Gezieltes Training ist wichtig. Physiotherapeutin Gefa Naegler informiert.

Beitrag von Ariane Böhm

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