Frau beim Frühjahrsputz, Foto: colourbox
Frau beim Frühjahrsputz, Foto: colourbox | Bild: colourbox

Gefährliche Reinigungsmittel - Putzen? Wie ätzend!

Die Frühlingssonne strahlt – und setzt den Dreck auf der Fensterscheibe gekonnt in Szene. Zeit für einen Frühjahrsputz! Doch Vorsicht: einige Putzmittel können Haut und Lunge stark schaden. rbb Praxis hat Tipps, wie man sauber und sicher putzt.

Die gute Nachricht für Putzmuffel lautet: zu viel Putzen ist gesundheitsschädlich. Eine Studie der Universität Brüssel hat gezeigt, dass das Sterberisiko von Reinigungskräften gegenüber Büroangestellten deutlich erhöht ist.

Putzen ist wie Rauchen

Wissenschaftler der Universität Bergen in Norwegen haben zudem festgestellt, dass Menschen, die sehr viel putzen, eine deutlich schwächere Lunge haben als die, die nie putzen. Die negativen Auswirkungen von Stoffen aus Reinigungsmitteln auf die Lunge seien sogar vergleichbar mit starkem Rauchen.

So verlockend diese Studienergebnisse nun für Putzmuffel klingen mögen – zu glauben, dass man der Gesundheit zuliebe besser auf die Reinigung der eigenen Wohnung verzichtet, wäre ein Trugschluss. Denn die Chemie alleine ist nicht Schuld, es kommt auch darauf an, wie sie eingesetzt wird. Daher empfiehlt es sich, die vorrätigen Reiniger und deren Inhaltsstoffe einmal genauer zu betrachten und beim Putzen gewisse Schutzmaßnahmen zu treffen.    

Vorsicht bei Sprühnebel

Putzmittel zum Sprühen führen oft zu Problemen mit den Atemwegen. Die reizenden Mittel werden als kleine Tröpfchen eingeatmet, gelangen so in die Bronchien und führen dort zu einer Schädigung der Schleimhaut – und mitunter zu Asthma.

Die Asthma-Gefahr ist bei Mitteln mit Sprühfunktion wesentlich höher, als bei anderen Reinigern. Wer trotzdem nicht auf Reinigungssprays verzichten will, sollte versuchen, beim Sprühen möglichst nicht einzuatmen und anschließend gut zu lüften. Die Brüsseler Forscher empfehlen auch zuhause das Tragen einer Maske, wenn gesprüht wird.

Hallo Handschuh

Auch die Haut kann von aggressiven Reinigern schnell gereizt werden. Viele Putzmittel sind bei direktem Hautkontakt auch schon in geringen Mengen schädlich, weil sie den natürlichen Säureschutzmantel der Haut angreifen. Um rissige, gereizte Hände – oder im schlimmsten Fall sogar Verätzungen – zu vermeiden, sollte man beim Putzen daher unbedingt Handschuhe tragen.

Gefährliche Mischung

Besonders gefährlich wird es, wenn verschiedene chemische Reiniger miteinander kombiniert werden und reagieren. Wenn zum Beispiel Chlorreiniger mit einem Entkalker zusammengemischt wird, kann Chlorgas entstehen, das die Lungenbläschen verklebt. Das Einatmen von Chlorgas kann zu lebenslangen Lungenschäden führen bis hin zum Tod aufgrund einer Wasseransammlung in der Lunge, an der man qualvoll erstickt.

Um sicher zu gehen, dass sich kein Chlorgas bildet, sollten die Mittel nur mit sehr viel Zeitabstand und reichlichem Lüften benutzt werden: da die Partikel lange in der Luft bleiben, können sie nämlich auch dann reagieren, wenn die Reiniger nacheinander angewandt werden.

Sanft und sauber

Generell sollte man vorsichtig sein mit Spezialreinigern. Einige enthalten Ameisensäure, Natronlauge oder eben Chlor, die nicht nur zu Kopfschmerzen und Atembeschwerden, sondern auch zu Allergien führen können – sie stehen sogar in Verdacht, Krebs auszulösen.

In der Regel ist es auch gar nicht nötig, mit solchen aggressiven Substanzen sauberzumachen. Oberflächlicher Schmutz kann oft mithilfe von Wasser und einem Mikrofasertuch entfernt werden, es kann auch noch ein Schuss Neutralreiniger in das Wasser hinzugegeben werden – der ist pH-neutral und somit gut hautverträglich.

Sauer macht kalkfrei

Auch Essig ist ein umweltfreundliches, traditionelles Putzmittel. Wer Kalk, Wasserflecken und Seifenreste loswerden will, hat mit Essig gute Chancen. Zudem wirkt er desinfizierend gegen Bakterien. Eine Allzweckwaffe ist Essig trotzdem nicht: Fett lässt sich damit nicht gut lösen, aber da hilft dann auch normales Spülmittel. Außerdem kann die Säure des Essigs Naturstein, Gummi oder Silikon angreifen – und auch die menschliche Haut kann durch die Essigsäure gereizt werden, wenn keine Handschuhe getragen werden.

Gleiches gilt für Zitronensäure, die ebenfalls gut gegen Kalk hilft und biologisch vollständig abbaubar ist. Besonders geeignet ist sie auch zum Entkalken von Wasserkochern, da sie im Gegensatz zu Essig keinen Geschmack in den Geräten hinterlässt.

Putzen mit Kartoffelwasser?

Wer im Internet nach natürlichen Putzmitteln sucht, stößt schnell auf Kartoffelwasser. Dieses ist zwar vollkommen unbedenklich, aber leider ebenso ungeeignet. Denn, die Stärke der Kartoffeln geht in das Wasser über und sorgt beim Putzen vor allem für eines: Schlieren auf Oberflächen – und eine unnötige zweite Putzrunde.

Wie man sauber und sicher putzt – auf einen Blick

Alternativ zu aggressiven chemischen Reinigern kann man

·         ein mit Wasser befeuchtetes Mikrofasertuch verwenden

·         mit pH-Wert freundlichem Neutralreiniger putzen

·         mit Essig und Zitronensäure reinigen

Tipp: Wer Putzhandschuhe trägt, schützt die Haut der Hände vor dem Austrocken – Handschuhe sind daher selbst bei der Verwendung milder Reinigungssubstanzen sinnvoll.  

Wenn man mit aggressiven chemischen Substanzen putzt, sollte man in jedem Fall

·         die Informationen und Warnhinweise auf der Verpackung gut durchlesen

·         darauf achten, die empfohlene Menge an Reiniger nicht zu überschreiten

·         Putzmittel auf keinen Fall vermischen

·         Handschuhe und Mundschutz tragen, eventuell sogar eine Schutzbrille

·         beim und nach dem Putzen gut lüften

Beitrag von Ariane Böhm