Melonen auf Tablett (Bild: imago/Westend61)
Bild: imago/Westend61

Forschung - Schlank durch Wassermelone?

Es klingt ziemlich verlockend: Leckere Melone knabbern und dabei auch noch schlank werden. Das verspricht eine aktuelle Studie. Demnach könnte die Melone beim Abnehmen helfen - und das liegt nicht nur an ihrer geringen Kalorienzahl ...

Wenn es heiß ist, ist die Melone ein beliebter Snack für zwischendurch: schmeckt, löscht den Durst und erfrischt. Und tatsächlich kann die Melone beim Blick auf die Ernährungstabelle punkten: Pro 100 Gramm hat sie gerade mal 38 Kalorien, 0 Gramm Fett, und acht Gramm Kohlenhydrate. Außerdem enthält die Wassermelone Lycopin. Lycopin gehört zu den Antioxidantien, die freie Radikale im Körper neutralisieren.

Doch hilft die Melone auch beim Abnehmen? Genau das haben Wissenschaftler in den USA versucht, herauszufinden. Das Ergebnis: Wenn übergewichtige Menschen über vier Wochen lang jeden Tag zwei kleine Schalen Wassermelone statt Keksen mit dem gleichen Kaloriengehalt aßen, nahmen sie ab. Die Wissenschaftler sehen den Erfolg unter anderem darin, dass Melonen länger satt machen, als Kekse. "Einen Snack wie Kekse durch eine Portion Obst, z.B. Melone zu ersetzen, ist in jedem Fall gut. Durchschnittlich essen die Deutschen zu wenig Obst und Gemüse", sagt Dr. Stefanie Gerlach, Sprecherin der Deutschen Adipositas Gesellschaft.

Nur ein Kurzzeiteffekt

Dennoch greift die Studie für die Sprecherin der Deutschen Adipositasgesellschaft zu kurz. "Das Studiendesign scheint seriös, ist aber so angelegt, dass positive Ergebnisse vorprogrammiert werden – zum Beispiel gibt es ein Missverhältnis zwischen der Messgenauigkeit und einer nur sehr groben Kontrolle der Ernährung. Solche Marketing-Studien werden häufig von Werbeorganisationen in Auftrag gegeben. Hier ist es - wenig überraschend - das National Watermelon Promotion Board", sagt Dr. Gerlach.

Jede Diät habe erst einmal einen kurzfristigen Erfolg. Das bezeichnet man als Halo-Effekt: "Das Konzept Diät ist jedoch für eine langfristige Gewichtsabnahme ungeeignet, denn sie hat ein Anfang und ein Ende. Erfolgreich sind nur eine dauerhafte Umstellung hin zu einer gesünderen Ernährung und zu einem aktiveren Alltag", so Stefanie Gerlach.

Sorry, nichts lässt Fett von allein schmelzen

Auch ein gängiges Argument für eine Melonendiät: Die Melone enthält die Aminosäure Citrullin. Diese sei optimal für die Fettverbrennung. So soll Citrullin dafür sorgen, dass kein neues Fett gespeichert und gleichzeitig die Fettverbrennung angeregt wird. "Es gibt keine Superfoods, die das Fett schmelzen lassen", sagt Stefanie Gerlach.

Schaden kann die Melone allerdings nicht. "Wenn man bei dem Wetter viel Melone ist, und dem Körper dabei hilft, zusätzlich Wasser aufzunehmen, ist das gut. Auch mal einen Melonentag einzulegen, kann gut sein. Allerdings muss man zum Abnehmen die gesamte Ernährung umstellen", ergänzt Veronika Wrobel, Beraterin für Lebensmittel und Ernährung bei der Verbraucherzentrale Brandenburg.

Extreme Diäten führen in die Mangelernährung

Gerade in den Sommermonaten werben viele Frauenzeitschriften mit Diäten, durch die man schnell abnehmen kann – zum Beispiel mit der Ananasdiät. Eine Methode, bei der jeden Tag ausschließlich Ananas gegessen wird. Experten sehen darin Gefahr für eine Mangelernährung. Auch mit der Melone sei so ein Vorgehen nicht sinnvoll.

"Ich würde von einer längerfristigen Diät, bei der man ausschließlich Melone ist, abraten. Das ist zu einseitig. Der Körper braucht noch andere Nährstoffe", sagt Veronika Wrobel.

Beitrag von Laura Will

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