Veganes Gericht (Quelle: imago /Panthermedia)
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Verzicht auf tierische Produkte - Vegan für einen Monat

Gute Vorsätze fasst man immer wieder: Mehr Sport, weniger Alkohol, eine gesündere Ernährung. Eine Nichtregierungsorganisation aus Großbritannien rief zum Jahreswechsel 2021 Menschen weltweit dazu auf, einen Monat auf tierische Produkte zu verzichten. Was steckt hinter dem Konzept "Veganuary" und was sollte man bei veganer Ernährung beachten?

Einen veganen Januar einlegen, ganz ohne tierische Produkte - das ist der Ansatz des sogenannten "Veganuary" (veganuary setzt sich aus vegan und January, deutsch für Januar zusammen). Seit 2014 setzt sich eine britische Nichtregierungsorganisation mit einigen Unternehmen dafür ein, dass Menschen die vegane Ernährung eine Zeit lang testen. Nach Angaben der Organisation nahmen weltweit bislang über eine Millionen Menschen in 192 Ländern teil. Das Ziel der Organisation: Mehr Menschen dauerhaft von einer rein pflanzlichen Ernährung überzeugen. "Wir machen regelmäßig Umfragen, an denen bis zu 20.000 Leute teilnehmen. Mehr als die Hälfe geben an, nach einem Monat bei der veganen Ernährung zu bleiben. Andere wollen es zu einem späteren Zeitpunkt noch mal probieren", sagt die Geschäftsführerin von Veganuary Deutschland, Ria Rehberg. Natürlich wisse man aber nicht, wie viel im Endeffekt wirklich langfristig auf tierische Produkte verzichten.

Die Motivation der Veganuary-Teilnehmer*innen ist neben dem Tierschutz vor allem die Gesundheit. "38 Prozent der Befragten wollen ihre Gesundheit verbessern oder gesünder leben", sagt Ria Rehberg. Wobei vegan nicht automatisch bedeutet, dass die Ernährung gesünder ist. "Ich kann den ganzen Tag vegane Fertigpizza essen, das hat dann aber mit Sicherheit nicht den gewünschten Effekt", so Ria Rehberg.

Vegane Ernährung hat positive Effekte

Pflanzenbasierte Ernährung kann sich auf den Körper in der Tat positiv auswirken. "Veganer haben signifikant weniger mit Übergewicht und zu hohen Cholesterinwerten zu tun. Außerdem ist durch Studien belegt, dass eine pflanzenbasierte Ernährung das Krebsrisiko senkt, zum Beispiel haben Veganerinnen seltener Brust- oder Eierstockkrebs", sagt die Oecotrophologin, Vera Spellerberg. Auch Übersäuerungen, die zu Krankheiten wie Arthrose führen, seien bei Veganer*innen viel seltener.
 
Mitmachen ist beim Veganuary relativ simpel: Einen Monat auf Fleisch, Fisch, Eier und Milchprodukte verzichten. Wer sich auf der Veganuary-Website registriert bekommt kostenlos Tipps, Rezepte und Anregungen, wie man einen veganen Monat gut übersteht, ohne dabei auf wichtige Nährstoffe zu verzichten. "Wir haben die Rückmeldung bekommen, dass Menschen, die von uns täglich eine Mail bekommen besser und einfacher durchhalten und motivierter sind", sagt Ria Rehberg.

Den Körper auf vegane Ernährung vorbereiten

Wer sich allerdings länger vegan ernähren will, sollte ein paar Dinge beachten - zum Beispiel, dass der Körper genug Omega-3-Fettsäuren bekommt. "Allerdings nicht aus Lein- oder Nussöl sondern aus Algenöl. Das gibt es als Nahrungsergänzungsmittel und ist für Veganer eine super Variante", sagt Ernährungsexpertin Vera Spellerberg. Außerdem müsse dem Körper ausreichend Vitamin B1 und B12 zugeführt werden. "Eine weitere Herausforderung ist es, genug Eisen zu sich zu nehmen, das ist zum Beispiel in Sesam, Amaranth und Haferflocken enthalten. Verbessern kann jeder die Eisenaufnahme, in dem man die Mahlzeiten mit Vitamin-C-haltigem Obst kombiniert", sagt Oecotrophologin Vera Spellerberg.

Wie aufwändig die Vorbereitung für eine vegane Ernährung ist, ist individuell. In einer Stadt wie Berlin, wo es an jeder Ecke vegane Produkte gibt, ist es mit Sicherheit leichter als in einer kleinen Stadt auf dem Land. "Außerdem kommt es darauf an, wie ich vorher gelebt habe. Wenn ich vorher schon mal vegane Rezepte ausprobiert habe oder sogar Vegetarier bin, ist es mit Sicherheit einfacher", sagt Ria Rehberg.

Für die Oecotrophologin Vera Spellerberg ist beim Wechsel zu einer veganen Ernährung ein langsamer Übergang wichtig. "In der Regel empfehle ich keine Ernährungsumstellung von jetzt auf gleich. Gerade Menschen, die viel Fleisch gegessen haben, sollten sich langsam herantasten, sonst bekommen sie wegen des hohen Anteils an Ballaststoffen Verdauungsprobleme", sagt Spellerberg. Zunächst seien fleischlose Tage sinnvoll. Im Anschluss könne man langsam Milch- und Fleischprodukte ersetzen. Dafür sollte man sich bis zu drei Monate Zeit nehmen. Also über den Januar hinaus an der veganen Umstellung arbeiten.

Vegane Ernährung ist allerdings nicht für jeden geeignet: Kleinkinder, Schwangere oder ältere Menschen mit internistischen Erkrankungen sollten darauf verzichten. Wer sich unsicher ist und Vorerkrankungen hat, sollte sich beraten lassen.

Allerdings: "Eine deutlich pflanzenbasierte Kost kann signifikant den Anteil ernährungsbasierter Volkskrankheiten wie Diabetes oder Bluthochdruck senken", sagt Vera Spellerberg.

Beitrag von Laura Will

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