Füße einer Frau beim Wassertreten in Waldbach (Bild: imago images/Jochen Tack)
Bild: imago images/Jochen Tack

Kneipp 2020 - Die stärkende Kraft des Wassers

Fit und gesund bleiben wollen alle. Ein wichtiger Unterstützer dabei kann Wasser sein. Das hat der Theologe und Bäderarzt Sebastian Kneipp schon vor über 100 Jahren herausgefunden. Er entwickelte eine Wassertherapie, bei der durch kurze Reize mit kaltem Wasser der Organismus gestärkt wird - das funktioniert damals wie heute.

Wie ein Storch durch kaltes Wasser waten, den Arm rein tunken oder das Knie mit kaltem Wasser übergießen – klingt erst mal unangenehm. Doch wer sich überwindet und regelmäßig Wasseranwendungen macht, kann seinen Körper stärken. Denn die Therapieansätze, die der Priester Sebaastian  Kneipp vor über 100 Jahren entwickelte dienen vor allem dazu, Krankheiten vorzubeugen.

Bis heute gilt die sogenannte Hydrotherapie als Grundlage der Kneipp-Therapie. "Wasseranwendungen steigern die Abwehr, stabilisieren das vegetative Nervensystem und das Hormonsystem", sagt Tatjana Drewnick. Sie ist ausgebildete Kneipp-Gesundheitsreferentin für Kinder - unter anderem im Barfußpark Beelitz-Heilstätten.

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Körper fordern - Immunsystem trainieren

Die Wirkung ist simpel: "Durch einen Kältereiz wird dem Körper Wärme entzogen, die er wieder selbst bilden muss, das löst einen Selbstheilungsprozess aus und stärkt das Immunsystem", sagt Drewnick. Unter "kalt" verstand Kneipp übrigens 0 - 18 Grad Celsius.

Die Wirksamkeit von Wassergüssen auf das Immunsystem haben z.B. Wissenschaftler der Universität Jena nachgewiesen. In ihrer Doktorarbeit konnte Katrin Goedsche schon 2005 signifikante Verbesserungen der Infektanfälligkeit von Probanden nachweisen. Konkret hatte die Forscherin über mehrere Monate hinweg die Wirkungsweise der sogenannten Kneippschen Obergüsse auf das Immunsystem von Patienten mit chronischer Bronchitis untersucht. Auch Studien aus Halle bestätigen den positiven Effekt auf das Immunsystem und laut NDR bringen Forscher aus Essen in einer Arbeit die Wassergüsse mit steigernden Effekten für Immunglobulin Typ A (IgA) in Verbindung. Das ist ein zum Immunsystem gehörendes Eiweiß,  das u.a. an den Schleimhäuten eine Schutzbarriere gegen Krankheitserreger bildet, damit diese weniger leicht in den Körper eindringen können.

Wissenschaftler der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) in Zusammenarbeit mit dem Kneippkurort Füssen fanden darüber hinaus heraus, das kneippsche Anwendungen auch den Schlaf verbessern können. In einer ersten Studie untersuchten das die Forscher mit Probandengruppen über insgesamt zwei Jahre, jeweils drei Wochen lang machten die Teilnehmer der Studie mit. Bei ca. 30 Prozent der Probanden mit Schlafstörungen verbesserte sich deren Schlaf nach Befragung nachhaltig. Mittlerweile ist 2019 eine zweite Untersuchungswelle gestartet und auf Basis der Ergebnisse beider Studien wird an einem medizinischen Präventionsprogramm gearbeitet.

Außerdem sind Anwendungen mit kaltem Wasser ein richtiges Herzkreislauftraining. "Kältereize wirken sich auf das Herzkreislaufsystem aus, die Unterschiede kann man bei den Anwendungen sogar mit einer Pulsuhr messen", so die Kneipp-Gesundheitsreferentin.

Vorsicht: Kein Kaltes Wasser auf kalte Haut

Wer regelmäßig "kneippt" und zum Beispiel durch kaltes Wasser watet wird feststellen: Der Kopf wird frei, mentale Entspannung setzt ein. "Durch den Kältereiz entsteht eine Störstelle im Gehirn und der Körper schickt alles Verfügbare, zum Beispiel viel Blut, hinunter in die Füße, dadurch wird der Kopf frei", die Kneipp-Gesundheitsreferentin, Tatjana Drewnick.

Eine Voraussetzung gilt bei allen Anwendungen: Niemals ein Kältereiz auf kalte Haut geben. Das heißt: Wer beispielsweise kalte Füße hat, sollte diese auf keinen Fall in kaltes Wasser tauchen. Zudem ist eine Aufwärmphase nach jeder Anwendung wichtig. Auch direkt vor oder nach einer Mahlzeit ist eine Wasseranwendung nicht geeignet.

Bei Vorerkrankungen anders Kneippen

"Kneippanwendungen können gesunde Menschen zur Vorbeugung bedenkenlos machen", sagt die Kneipp-Gesundheitsreferentin, Tatjana Drewnick. Wer eine Vorerkrankung hat, sollte sich vorher allerdings von einem Arzt beraten lassen. So müssen zum Beispiel Menschen mit Bluthochdruck oder Durchblutungsstörungen genaue Temperaturanweisungen beachten.

Beitrag von Laura Will

Die rbb Praxis Kneipp-Serie

Frau beim Wassertreten im See (Bild: rbb)
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Serie - Kneipp - Wassertreten

Schreiten wie ein Storch im Wasser: Das Wassertreten ist die mit Abstand bekannteste Kneipp-Anwendung. Der ungewohnte Gang soll die Wadenmuskeln zusätzlich animieren die Venen "auszupressen" und somit den Kreislauf noch besser in Schwung zu bringen.

Die Beine einer Frau im Wasser (Quelle: imago/viennaslide)
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Serie - Kneipp – Knieguss

Der Kneipp-Knieguss hilft, wenn die Beine geschwollen und müde sind. Günstig ist er bei venösen Durchblutungsstörungen, Krampfadern oder ständig kalten Füßen. Aber er wirkt, wie jeder Kneipp-Guss, auch stärkend auf das Immunsystem.

Frau kniet im Bach und lässt Wasser über ihre Hand fließen (Quelle: imago/viennaslide)
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Serie - Kneipp - Armguss

Der Armguss macht munter und fördert die Durchblutung. Er regt das Immunsystem an und steigert damit die Abwehrkräfte - vorausgesetzt man kneippt regelmäßig, am besten jeden Tag. 

Kneipp (Quelle: rbb)
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Serie - Geschichte: Sebastian Kneipp und seine Wasserkur

Zum Weiterlesen

Rennender Mann aus der Untersicht (Quelle: colourbox.de)
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