Ampullen mit COVID-19-Impftstoff-Ettiketten in Reihe (Bild: imago images/Fotoarena)
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Forschung unter Zeitdruck - COVID-19-Impfstoff: Suche mit Hoffnung

SARS-CoV-2 breitet sich weiter aus. Und der wirksamste Weg, das Virus einzudämmen, wäre ein Impfstoff. Doch den gibt es noch nicht. Zwar laufen inzwischen erste klinische Studien mit möglichen Impfstoffen, doch bis es einen flächendeckenden Impfstoff gibt, sind noch einige Schritte nötig. Die rbb Praxis erklärt, welche das sind.

Gerade hat der Tübinger Arzneimittelhersteller CureVac mit einer klinischen Prüfung eines Impfstoffs gegen COVID-19 grünes Licht bekommen - das Paul-Ehrlich-Institut hatte das genehmigt. Das heißt: Der Wirkstoff kann an Menschen getestet werden. Schon im April hatte das Mainzer Unternehmen BioNTech so eine Genehmigung erhalten.

Erfahrung könnte Jahre "sparen"

Im Vergleich zur üblichen Impfstoffherstellung ist man mit diesem Schritt schon sehr weit. Sonst dauert es Jahre, bis überhaupt erste präklinische Studien abgeschlossen sind. Der Vorteil bei COVID-19 war, dass man auf Erfahrungen aus der Entwicklung von Impfstoffkandidaten gegen MERS-Coronaviren zurückgreifen konnte.
 
Das hat einige Jahre gespart, so das Paul-Ehrlich-Institut (PEI). Von Impfstoffen gegen die MERS-Coronaviren wusste man, dass es auf ein Eiweiß-Protein, das sogenannte Spike-Protein, ankommt. Dieses Spike-Protein ähnelt sich bei den verschiedenen Coronaviren und verleiht dem Virus übrigens seine zackenartige Hülle.

PEI: Beschleunigte Verfahren sind sicher

Bis ein Impfstoff letztendlich entwickelt ist, sind mehrere Schritte nötig: Nach der präklinischen Phase geht es unter anderem darum zu prüfen, ob der Impfstoff sicher ist (Phase 1). In Phase 2 und 3 geht es erneut um die Sicherheit des Impfstoffs, also ob er unbedenklich ist. Zu einem späteren Zeitpunkt wird zum Beispiel die Dosierung getestet und nach möglichen Impfschemata geschaut.

Aktuell geht es bei einem Impfstoff gegen COVID-19 um die klinischen Prüfungen. Die Beschleunigung ist laut Paul-Ehrlich-Institut (PEI) möglich – und zwar unter anderem durch erhöhten Personaleinsatz, häufige Beratung vor der Antragstellung oder der Kombination von Prüfungsphasen (1 mit 2 oder 2 mit 3) sowie mehr Probanden pro Phase. Von der Beschleunigung des Verfahrens gehe allerdings keine Gefahr aus, so das PEI. Demnach steht die Sicherheit auch bei beschleunigten Verfahrensabläufen an erster Stelle.

2020 vermutlich noch kein "Impfstoff für alle"

Wenn alle Daten vorhanden sind, beantragen die Unternehmen die Zulassung des Impfstoffs. Das Paul-Ehrlich-Institut in Frankfurt am Main geht davon aus, dass in diesem Jahr noch nicht mit einem Impfstoff "für alle" gerechnet werden kann.
 
Allerdings könnten durch den Beginn klinischer Prüfungen der Phase 2 und 3 weltweit "dann tausende, wenn nicht zehntausende von Testpersonen teilnehmen und vor allem auch Angehörige von Risikogruppen – sowohl medizinisch wie auch beruflich", teilnehmen, so das Paul-Ehrlich-Institut. Tatsächlich zugelassene Impfstoffe wären dann ab 2021 wahrscheinlich.

Beitrag von Laura Will