Zeitumstellung von Winter- auf Sommerzeit (Quelle: imago/Kosecki)
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Biorhythmus - Zeitumstellung - Gefährliches Spiel mit der Uhr?

In der Nacht zum 25. März ist es wieder so weit: Zeitumstellung! Die Uhren werden eine Stunde nach vorn gedreht. Diese Stunde fehlt vielen Menschen im Alltag. Das sorgt nicht nur für Unmut, sondern auch gesundheitliche Probleme: Schlafstörungen, Stress und ein höheres Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall.

Die Ablehnung der Deutschen gegenüber der Zeitumstellung besteht seit Jahren und bestätigte sich jüngst auch 2017 wieder: Laut einer neuen Forsa-Umfrage im Auftrag der Krankenkasse DAK würden 74 Prozent der Menschen in Deutschland die Zeitumstellung am liebsten abschaffen. Doch sie bleibt - in der Nacht vom 24. auf den 25. März werden die Uhren wieder eine Stunde vor gestellt. Und das ist mehr als nur lästig, wie auch ein anderes Ergebnis der Umfrage zeigt: Demnach haben 27 Prozent der Menschen in Deutschland auch gesundheitliche Probleme, die sie speziell auf die Zeitumstellung zurückführen. Eine Annahme, die sich wissenschaftlich belegen lässt.

Die ersten Tage sind besonders gefährlich

Schwedische Forscher am Stockholmer Karolinska Institut stellten schon 2008 fest: In den ersten drei Tagen nach der Umstellung auf die Sommerzeit steigt das Risiko für einen Herzinfarkt um fünf Prozent an. Die Wissenschaftler führten das Phänomen insbesondere auf erhöhten Stress durch das frühere Aufstehen zurück, denn gerade morgens sei das Herz-Kreislaufsystem besonders anfällig für Stress.

Zwei neuere Studien kamen 2016 sogar zu noch drastischeren Ergebnissen. Deutsche Forscher im Auftrag der Krankenkasse DAK und finnische Wissenschaftler an der Universität Turku werteten jeweils hunderte Krankenhausdaten der vergangenen Jahre aus. Ergebnis: In den ersten drei Arbeitstagen nach der Zeitumstellung, stieg die Häufigkeit von Schlaganfällen und Herzinfarkten auffällig an - bei den Herzinfarkten sogar um bis zu 20 Prozent. Die Häufigkeit von Schlaganfällen erhöhte sich laut der finnischen Forscher um immerhin acht Prozent.

Stress für Herz & Hirn

Eine wesentliche Ursache für diese Gesundheitsgefahren liegt in den Auswirkungen der Zeitumstellung auf unser Herz-Kreislauf-System, denn das wird durch plötzliche Veränderungen des Biorhythmus gestresst. Folgen sind zum Beispiel der Anstieg des Blutdrucks und Pulses. Gleichzeitig leiden viele Menschen durch die Umstellung unter Einschlaf- und Durchschlafstörungen, fühlen sich müde und abgeschlagen. Das führt zum Beispiel zu Konzentrationsschwierigkeiten, aber auch das Immunsystem kann leiden - denn für unsere körpereigene Abwehr ist die Regeneration im Schlaf besonders wichtig. Für zusätzlichen Druck auf das Immunsystem sorgt der Umstand, dass schlechter Schlaf sich zum Beispiel auch auf die Blutgerinnung auswirkt.

Prof. Dr. Ingo Fietze, Leiter des Interdisziplinären Schlafmedizinischen Zentrums der Charité Berlin sieht darin ein höheres Risiko, insbesondere für Herzpatienten: "Wenn man schlecht geschlafen hat, dann leidet das Gerinnungssystem, das Blut wird etwas dicker, wir haben ein viel höheres Entzündungspotenzial im Körper. Und speziell die koronare Herzerkrankung - die hat auch etwas mit Entzündungen zu tun. Dazu kommt der erhöhte Stress, das erhöht an sich schon das Risiko für Herzkrankheiten. Diese Kombination kann wiederum die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass man nach einer schlechten Nacht mit einem vorgeschädigten Herzen tatsächlich ein höheres Risiko hat."

Mit Schlafmitteln gegen die Zeitumstellung

Wer sich nach der Zeitumstellung beim Einschlafen quält, kann auch in die Versuchung kommen nachzuhelfen. Das zumindest legt ein weiteres Ergebnis der DAK-Befragung zur Zeitumstellung nahe: Demnach gaben vier Prozent der Befragten an, bedingt durch die Zeitumstellung schon zu Schlafmitteln gegriffen zu haben. Frauen taten dies mehr als doppelt so häufig, wie Männer (Frauen: fünf Prozent; Männer: zwei Prozent).

Ohne ärztliche Begleitung kann die Einnahme von Schlafmitteln gefährlich werden, denn viele Schlafhelfer der Pharmaindustrie können schnell süchtig machen. Alternativen können pflanzliche Schlafmittel sein, die es zum Beispiel rezeptfrei in der Apotheke gibt. Allerdings helfen die nur, wenn sie auch richtig angewandt werden - und das braucht viel Zeit. Die Wirkung von Baldrian zum Beispiel zeigt sich in der Regel erst nach einer Einnahme von zwei bis drei Wochen.

Tipp: Langsam umstellen

Wer seine Gesundheit schützen und sich auf die Zeitumstellung vorbereiten will, kann allerdings einen einfachen Trick anwenden: Zeitumstellung in kleinen Schritten. Wer seine eigene Uhr zum Beispiel eine Woche lang jeden Tag selbst um zehn Minuten weiter nach vorn rückt, hat pünktlich zur offiziellen Umstellung eine Stunde Zeit behutsam verrückt. Das sorgt für weniger akuten Stress für den Körper. Besonders effektiv ist die Methode, wenn Sie das Tageslicht nutzen, also nicht in vollkommener Dunkelheit schlafen.

Schlechter Schlaf - bald gefährliche Volkskrankheit?

Nicht nur nach der Zeitumstellung ist schlechter Schlaf in Deutschland ein weit verbreitetes und ernstes Problem. Seit 2009 ist der Anteil an Menschen, die unter Problemen beim Ein- oder Durchschlafen leiden, um 66 Prozent gestiegen. Das ist das Ergebnis einer Sonderstudie im Rahmen des jährlichen Gesundheitsreports der DAK, die im März 2017 in Berlin präsentiert wurde. Über die Hälfte der Befragten hatte demnach sogar mindestens einmal wöchentlich Einschlaf- oder Durchschlafprobleme - hatte also auch im medizinischen Sinne echte Schlafstörungen.

Von solchen Störungen sprechen Schlafmediziner, wenn jemand deutlich über 30 Minuten zum Einschlafen oder Wiedereinschlafen braucht und das im Schnitt in mindestens drei Nächten pro Woche. Dauert dieser Zustand mehr als drei Monate an, sprechen Mediziner von einer chronischen Schlafstörung, der Insomnie. Betroffene sollten dringend medizinische Hilfe suchen, denn dauerhafte Schlafstörungen erhöhen nicht nur das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall, sondern stehen laut vieler Studien auch im Zusammenhang zum Beispiel mit Autoimmunerkrankungen wie Rheuma, Demenzerkrankungen wie Alzheimer oder Depressionen.

Beitrag von Lucia Hennerici

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