Frau riecht an Blume (Quelle: imago/Panthermedia)
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Geruch(ssinn) und Parkinson - Nase schlecht, alles schlecht?

Erst wenn der Frühling nicht mehr nach Flieder duftet und das Erdbeereis fad schmeckt, verstehen wir, wie wichtig das Riechen für uns ist. Neue Studien zeigen: Der Verlust des Geruchssinns im Alter ist nicht nur lästig, er ist oft auch mit einem früheren Tod verbunden - und mit neurodegenerativen Krankheiten wie Morbus Parkinson.

Manchmal wünschen wir uns, gar nichts riechen zu müssen. Zum Beispiel, wenn uns der faulige Geruch eines alten, mit weißem Fell überzogenen, und lange vergessenen Kühlschrankfunds ekelt. So unangenehm solche Geruchserlebnisse sind: lieber eine gute Nase, als eine schlechte.

Geruchssinn und Gesundheit

Denn neuere Studien deuten darauf hin, dass es einen Zusammenhang gibt, zwischen schlechtem Geruchssinn im Alter und einem erhöhten Sterberisiko. So zeigt eine Studie der Michigan State University ein um 46 Prozent erhöhtes Sterberisiko in den nächsten zehn Jahren für Proband*innen mit schlechtem Geruchssinn – gegenüber denen, deren Geruchssinn noch gut funktionierte.
 
Bei den Teilnehmer*innen mit schlechtem Geruchssinn, die zu Beginn der Untersuchung ansonsten sehr gesund waren, war das Risiko zu sterben sogar um 62 Prozent erhöht. Faktoren wie Geschlecht oder Lebensstil hatten den Forschern zufolge dagegen kaum Einfluss auf die Ergebnisse.

Neurodegenerativen Krankheiten als Ursache

Der Zusammenhang zwischen Riechstörung und erhöhter Mortalität sei zwar schon seit längerem bekannt, sagt die Ärztin und Wissenschaftlerin Prof. Antje Hähner – neu sei jedoch, dass sich in dieser Studie die neurodegenerativen Krankheiten als eine Ursache herauskristallisiert haben.

Neurodegenerative Krankheiten wie Parkinson oder Demenz gehen mit dem Sterben von Nervenzellen einher. "Krankhafte Veränderungen in den Riechstrukturen treten bei diesen Krankheiten schon sehr früh auf. Noch früher als an den Stellen im Gehirn, die für Bewegungen zuständig sind – und sich in Symptomen, wie beispielsweise dem, für Parkinson typischen, Schütteln, dem Tremor, zeigen", sagt Antje Hähner. Das könne, sagt sie weiter, eine Erklärung dafür sein, warum diese Patient*innen so zeitig ihr Riechvermögen verlieren. Dazu werde derzeit intensiv in verschiedenen Studien geforscht.

Durch Riechtests Parkinson erkennen

Eine Studie der University of Auckland kommt zu dem Ergebnis, dass ein nachlassender Geruchssinn bei über 90 Prozent der Parkinson-Patient*innen im Anfangs-Stadium vorkommt.
 
Auch der Zusammenhang zwischen dem Verlust des Geruchssinns und Parkinson ist schon länger bekannt: "In vielen Kliniken wird die Riechtestung daher bereits als Früherkennung für Parkinson-Erkrankungen in der Diagnostik eingesetzt", sagt Antje Hähner.

Wenn das Essen nach nichts schmeckt

Betroffene merken allerdings oft selbst nicht, dass ihr Geruchssinn nachlässt. Diese Erfahrung machen die Ärztin und ihr Team in der Sprechstunden: "Die Patient*innen werden häufig von ihren Ehepartner*innen geschickt. Denen fällt zum Beispiel auf, dass ihre Partner*innen nicht mehr bemerken, wenn irgendetwas anbrennt, sie merken nicht mehr wenn es irgendwo stinkt oder sagen, das Essen würde ihnen nicht mehr schmecken."

Aber woran liegt das? "Vielen war vorher gar nicht bewusst, wozu man das Riechen braucht. Wenn es dann fehlt, schmeckt das Essen nicht mehr, man wird sozial unsicher, weil man nicht mehr weiß, ob man selbst unangenehm riecht, man weiß nicht, wie der andere Mensch riecht – das hat ganz viele Auswirkungen", sagt Antje Hähner.

25 Prozent der Bevölkerung haben eine Riechstörung

Wenn die eigenen Nase oder die des Partners oder der Partnerin nicht mehr so gut arbeitet wie früher, sollte man einen Termin in einer HNO-Praxis oder einem spezialisierten Riech-und-Schmeck-Zentrum ausmachen, um die Ursachen abzuklären. Grund zur Panik ist ein schlechter Geruchssinn aber nicht:
 
"Man muss wissen, dass 25 Prozent der Bevölkerung eine Riechstörung haben, wenn man sich alle Altersgruppen anschaut. Bei den Über-80-Jährigen ist es schon jeder Zweite. Riechstörungen können sehr, sehr viele unterschiedliche Ursachen haben, daher sollte man sich als Patient nicht verrückt machen."

Der Brotduft, den es nicht gibt

Riechstörungen haben unterschiedlichste Ursachen, dazu gibt es auch verschiedene Arten von Riechstörungen: Die einen verlieren den Geruchssinn, andere Menschen entwickeln dazu olfaktorische Halluzinationen, sogenannte Phantosmien. Dann nehmen Patient*innen auf einmal den Geruch von beispielsweise frisch gebackenem Brot wahr - obwohl es kein Brot gibt und auch keine andere Reizquelle. So beschreibt es der amerikanische Neurologe Dr. Daniel Gibbs, der in einem Artikel über seine beginnende Alzheimerdemenz schreibt.

Gibt es einen Zusammenhang zwischen Phantosmien und Alzheimer?

"Phantosmien wurden lange als Frühzeichen von neurodegenerativen Krankheiten diskutiert. Wir haben das selbst untersucht und dazu über 40 Patient*innen mit Phantosmien über einen längeren Zeitraum nachverfolgt - von denen hat kein einziger Alzheimer oder Parkinson entwickelt," so Antje Hähner.

Auch eine größer angelegte Studie mit über 400 Patient*innen habe keinen Zusammenhang von Phantosmien mit der Entwicklung von neurodegenerativen Krankheiten gezeigt. "Das kann sicherlich vorkommen, aber es gibt nachgewiesener Weise kein höheres Risiko für Alzheimer oder Parkinson", sagt Prof. Antje Hähner.

Phantosmien treten vor allem bei Patient*innen auf, die ein Trauma hatten und dabei ihr Riechen verloren haben - zum Beispiel durch einen schweren Verkehrsunfall oder auch bei Menschen, die einen Virusinfekt hatten.

Morbus Parkinson hat einen Signatur-Duft

Bei der Parkinson-Krankheit lässt aber nicht nur der Geruchssinn der Patient*innen nach – Betroffene entwickeln mitunter auch einen, für die Krankheit charakteristischen, Körpergeruch. Genauer gesagt steckt dahinter der Hauttalg, der bei Betroffenen vermehrt produziert wird. Forscher des Manchester Institute of Biotechnology in England konnten in einer Studie nun erstmals zeigen, dass der Hauttalg von Parkinson-Patient*innen andere Biomarker enthält, als der gesunder Proband*innen.

Aber warum? Die englischen Forscher halten es für möglich, dass die Stoffe durch die vermehrte Talgproduktion besser auf der Haut festgehalten werden. Aber auch die veränderte Hautflora der Parkinson-Patient*innen könnte dazu führen, denn viele Betroffene leiden unter Hautkrankheiten und auf ihrer Haut finden sich vermehrt Hefepilze der Gattung Malassezia.

Nasentiere und Nichtnasenmenschen

Die verschiedenen Erklärungsmodelle müssen zunächst in weiterführenden Studien geprüft werden. Als nächste Schritte schlagen Trivadi und seine Kolleg*innen Duftanalysen bei größeren Proband*innengruppen sowie Schnüffeltests mit Hunden vor.
 
Die Nase von Hunden ist wesentlich sensibler als die menschliche. Denn Hunde sind sogenannte Makrosmatiker, also "Nasentiere" und haben bis zu 230 Millionen Riechzellen – Menschen dagegen nur rund zehn Millionen. Vielleich ein bisschen tröstlich: Im Vergleich zu Hunden sind unsere Nasen alle ziemlich schlecht ausgestattet.

Beitrag von Ariane Böhm

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