Nackte Füße von unten gesehen (Bild: imago images/imagebroker)
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Wenn Laufen zur Qual wird - Fußballen: Schmerz von unten

Eigentlich ist es kein Wunder, dass sie ab und zu schmerzen - immerhin lastet auf ihnen das ganze Körpergewicht: die Füße. Jeder zweite Erwachsene klagt über Fußschmerzen. Häufig ist der vordere Bereich, der Fußballen, betroffen. Die rbb Praxis hat mit Andreas Kieselbach über Ursachen und Folgen von Beschwerden am Ballen gesprochen.

Welches Areal ist  genau  gemeint, wenn man vom Fußballen spricht?

Grundsätzlich ist mit dem Fußballen der Vorfußbereich gemeint. Über den rollt oder stößt man sich auch ab, wenn man auf den Zehenspitzen geht. Kurz gesagt: Es ist der vordere Fußbereich.

Was sind die häufigsten Beschwerden im Zusammenhang mit dem Fußballen?    

Die häufigste Ursache für Beschwerden ist die Fehlstellung der Großzehe, das ist dann der sogenannte Hallux valgus. Es gibt auch noch die Fehlstellung der kleinen Zehe, gerade beim Spreizfuß ist dies häufig. Diese steht dann in die andere Richtung und guckt zur großen Zehe hin, hierbei handelt es sich um einen sogenannten Digitus quintus varus. Der prominente Kleinzehenballen, auch Schneiderballen genannt, findet sich hierbei ebenfalls.

Darüber hinaus gibt es noch die sogenannte Metatarsalgie, den "Mittelfußkopfschmerz". Dieser tritt meistens unter der zweiten oder dritten Zehe, im Bereich des Ballens, auf.
Es können auch Nervenirritationen vorliegen, das sogenannte Morton Neurom. Durch zu hohen Druck und Überlastung im Ballenbereich kann es dazu kommen, dass die Nerven, die an der Fußsohle entlanggehen und dann in diesem Mittelfußballenbereich nach oben an den Fußrückenbereich ziehen, einem erhöhten Druck ausgeliefert sind. Dann kann es zu einer Schwellung dieser Nerven kommen. Das Morton Neurom kann elektrisierende Schmerzen machen, bis in die Zehen hinein, oder auch Taubheitsgefühle.

Kann ich bei Schmerzen im Fußballen selbst etwas tun?

Was immer hilft, sind fußgymnastische Übungen. Zudem ist zu überprüfen, wie es mit den Schuhen aussieht: Helfen mir weiche oder harte Sohlen? Das muss man einfach mal austesten und an die Beschwerdesymptomatik anpassen. Als erste Selbsthilfe kann man auch schauen, ob es besser wird, wenn man barfuß läuft, oder muss der Fuß in "Watte gepackt werden"?

Ansonsten helfen Fußgymnastik und Übungen für die Zehen, denn grundsätzlich macht man einfach zu wenig mit der Fußmuskulatur. Eine einfache Übung wäre zum Beispiel ein Handtuch auf den Boden zu legen und zu versuchen, dieses mit den Zehen zu greifen oder man macht andere Übungen, wie zum Beispiel auf einem Bein stehen und das andere dabei anzuwinkeln. Hierbei wird die Fußmuskulatur aber auch die Becken- und Hüftmuskulatur gefordert. Wenn die Beschwerden aber nicht besser werden, sollte man zum Arzt gehen [Anm. d. Red.: In Coronazeiten einen Arzt telefonisch kontaktieren, um z.B. eine Telesprechstunde zu vereinbaren].

Nach welcher Beschwerdezeit sollte man zum Arzt gehen?
 
Grundsätzlich ist es wichtig, bei Fußbeschwerden nicht zu lange zu warten. In der Praxis sehe ich viele Patienten, die von jahrelangen Beschwerden berichten und nie beim Arzt waren. Da ist dann teilweise die Operation die einzige Behandlungsmöglichkeit. Wenn also die Patienten sensibilisiert wären und mit Beschwerden, die nach einigen Wochen noch nicht weg sind, zum Arzt gingen, dann könnte man meistens noch etwas retten.

Gibt es eine Art Standardbehandlung für Probleme am Ballen?

Nein. Die Behandlung ist immer abhängig von der Diagnose, und die kann  vielschichtig sein. Die erste Stufe der Behandlung sollte natürlich immer konservativ sein. Zum Beispiel mit Einlagen, damit man bestimmte schmerzhafte Bereiche wegpolstert oder den Fuß entlastet.

Welche Folgeerkrankungen muss ich denn erwarten, wenn ich Schmerzen im Fußballen  auf Dauer ignoriere?

Durch eine Fehlstellung der Großzehe kommt es zu einem erhöhten Gelenkverschleiß. Ist dieser ausgeprägt kann eine Arthrose vorliegen. Diese müsste dann eventuell versteift werden. Die Schmerzen im Fußbereich führen natürlich auch zu einem veränderten Abrollverhalten. Das heißt: Liegen beispielsweise Schmerzen am Großzeh, im Großzehengrundgelenk, bei einer Arthrose vor, wird die Belastung beim Abrollen von der Großzehe auf den Fußaußenrand verlagert. Dies führt zu einer veränderten und vermehrten Belastung des inneren Bereiches des Kniegelenks. Infolge der Überlastung kommt es dann zu Knieschmerzen.

Zudem kann es durch die falsche Belastung zu Schmerzen im Bereich des Rückens insbesondere im Kreuz-Darmbein-Gelenk kommen. Hier liegen dann sogenannte Verkettungssyndrome vor, die dann auch mitbehandelt werden sollten.

Gibt es spezielle Symptome, die darauf hindeuten, dass man einfach nur die falschen Schuhe trägt?

Das wäre dann im Selbstversuch zu testen. Ziehen Sie einfach mal ein Paar andere an und gucken, ob sich etwas verbessert. Wenn man die Füße über Jahre in die falschen Schuhe sperrt, ist das natürlich nicht gut.

Man sollte schon beim Schuhkauf auf den eigenen Fuß achten. Das hat viel mit Körper- und Eigenwahrnehmung zu tun. Also, wie man auf seinen Körper achtet. Wenn man beim Schuhkauf die Schuhe anzieht und es drückt da schon irgendwas, dann sollte man sich für ein anderes Paar entscheiden. Drückt der Schuh, dann stimmt da etwas nicht. Ein passender Schuh ist dann vielleicht manchmal nicht der Schuh, der der optische "Burner" ist.
Mein Tipp: Einfach da ein bisschen mehr auf den Körper beziehungsweise den Fuß hören.

Herr Dr. Kieselbach, vielen Dank für das Gespräch!
Das Interview führte Laura Will

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