Eingewachsener Zehennagel: Große Zehen mit rot markierten Entzündungen am Übergang Nagel / Nagelbett (Bild: imago/Panthermedia)
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Wenn Laufen zur Qual wird - Eingewachsener Zehennagel: Symptome & Behandlung

Eingewachsene Zehennägel lösen Schmerzen durch Entzündung aus, meist am großen Zeh. Bei chronischer Entzündung oder Eiter kann die OP nötig sein.

Beweglich und mobil zu sein, ist ein wichtiger Teil unseres Alltags. Doch Schmerzen an den Zehen schränken diese Freiheit ein. Oft werden sie verursacht durch eingewachsene Nägel an den Zehen, Fachleute sprechen von Unguis incarnatus. Hintergrund ist meist eine Entzündung am Nagelwall bzw. im Nagelbett, gekennzeichnet durch Schwellung und das umgebende Gewebe ist gerötet, fühlt sich warm an und ist druckempfindlich.

Die gute Nachricht: Die Entzündung am Zehennagel können wir häufig durch richtigen Umgang mit der Haut am Fuß und der richtigen Fußpflege vermeiden und damit in den allermeisten Fällen eine Operation umgehen. Die kann allerdings nötig werden, wenn die Entzündung am eingewachsenen Zehennagel chronisch wird und sich Eiter bildet.
 
Was Sie zu Ursachen, Symptomen und der Behandlung von eingewachsenen Zehennägeln wissen sollten und was man selber tun kann, erfahren Sie hier.

Ursachen: Was passiert beim eingewachsenen Zehennagel?

Der häufigste Grund für eingewachsene Zehennägel (Unguis incarnatus) ist ein zu hoher Druck des Nagels auf die Nagelfalz, also die um den Nagelrand liegende Haut, genauer: den Nagelwall. Seltener beginnt auch die Nagelhaut dem Nagel "entgegen zu wuchern". Aber ob der Nagel der Nagelhaut oder umgekehrt zu sehr entgegen kommt: Für beide Ursachen gilt, dass die Reibung zwischen diesen Nachbarn die Wahrscheinlichkeit für das Eindringen von Bakterien erhöht und das führt häufig zu sehr schmerzhaften Entzündungen mit Schwellungen, Rötungen und auch der Bildung von Eiter.
 
Die Entzündung der Nagelhaut ist dann nicht nur Einfallstor für weitere gefährliche Keime, sondern der Heilungsprozess kann das Problem auch noch verschlimmern, da der Körper junges Bindegewebe gegen die Wunde bildet, Mediziner sprechen von Granulation. Granulation ist eigentlich nicht ungewöhnlich oder gefährlich, sondern Teil des Heilungsprozesses. Das kann in diesem Fall allerdings den Druck erhöhen und eine normale Heilung eben noch weiter verzögern - ein Grund dafür, warum unser Körper mit eingewachsenen Zehennägeln schwerer "allein" fertig wird und eingewachsene Zehennägel immer wieder auftreten.

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Auslöser: Was erhöht das Risiko für eingewachsene Zehennägel?

Selten ist der eingewachsene Zehennagel ein rein genetisches Phänomen, aber er tritt häufig gehäuft in einer Familie auf, was durch vererbte anatomische Aspekte bedingt ist, beispielsweise ein breiteres Nagelbett. Also: Nicht der eingewachsene Nagel selbst wird sozusagen vererbt, sondern anatomische Risikofaktoren.
 
Meist sind aber die eigene Fußpflege und der Umgang mit unseren Füßen schuld daran, dass es immer wieder zum eingewachsenen Zehennagel (vor allem am großen Zeh) kommt: durch zu schmales Schuhwerk oder falsche Nagelpflege. Nicht selten wirken beide auch zusammen.
Bei der Nagelpflege begehen viele Menschen den Fehler den Fußnagel - ähnlich dem Fingernagel - oval zu schneiden. Die Rundung macht es dem Nagel bei äußerem Druck einfacher, sich in das seitliche Gewebe des Nagelbetts zu schieben.
Auf Dauer oder durch besondere Belastung kann genau das zu Reibung und zur ursächlichen Entzündung führen. Der Teufelskreis: Wer dann die Entzündung und damit den Schmerz hat, reagiert oft, indem er oder sie den Nagel in gleicher Weise noch tiefer bzw. noch kürzer abschneidet. Dies kann das Problem verstärken, außerdem aber auch dazu führen, dass durch die Nagelschere noch mehr Bakterien an die Entzündungsstelle getragen werden.
 
In Sachen Schuhwerk erhöht alles das Risiko für eingewachsene Zehennägel, was den Druck zwischen den Nachbarn Zehennagel und Haut am Nagelbett verstärkt - also gerade enge oder sehr schmal geschnittene Schuhe. Auch dicke Socken in sonst passenden Schuhen können den gleichen Effekt zur Folge haben.
 
Auch dauerhafte Feuchtigkeit am Fuß und den Zehen, meist durch starkes Schwitzen, erhöht die Wahrscheinlichkeit für einwachsende Zehennägel und auch Entzündungen. Wer also stark an den Füßen schwitzt sollte aufpassen und seinen Füßen immer wieder "Atempausen" und vielleicht sogar Schuhe mit besserer Belüftung gönnen. Zu enges Schuhwerk zu meiden hilft nicht nur in Sachen Druck, sondern auch für das "Raumklima im Schuh".

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Was tun bei eingewachsenem Zehennagel?

Zuerst einmal sollte man bei einem eingewachsenen Fußnagel versuchen den unmittelbaren Druck von der Grenze zwischen Nagelrand und Nagelbett zu nehmen - zum Beispiel indem man möglichst häufig die Schuhe weglässt oder lässiges und bequemes Schuhwerk wählt, während der Fuß heilt.
 
Damit das passiert, muss man aber vor allem an die Entzündung ran und hier können Betroffene durchaus erstmal viel selber tun: zum Beispiel mit Jodsalbe oder anderen entzündungshemmenden Salben oder Gels. Ein Wattetupfer hilft, sie aufzutragen.
Wem es gelingt, der kann auch eine sogenannte Tamponade ansetzen: ein dünner Streifen steriler Kompresse, der zwischen Nagelrand und Haut geklemmt wird. Normalerweise spüren Betroffene die Druckentlastung auch gleich.
 
In manchen Apotheken off- und online gibt es auch Kunststoffspangen zu kaufen, die denselben Zweck erfüllen - sie werden wie eine Art Kufenschoner beim Schlittschuh seitlich auf den Nagel geschoben. Allerdings braucht man dafür manchmal die Hilfe z.B. eines Podologen bzw. einer Podologin.
 
Ein vorangehendes Bad für den Fuß hilft in jedem Fall und für jede Behandlung, die Haut um den Zeh "aufzuweichen", damit man sie besser etwas vom Nagelrand wegschieben kann und an die zentrale Entzündungsstelle rankommt.
 
Wichtig: Alles was in Kontakt mit der entzündeten Stelle kommt, sollte unbedingt desinfiziert sein!

Welcher Arzt ist für einen eingewachsenen Zehennagel zuständig?

Wer sich unsicher ist, kann natürlich erst einmal seinen Hausarzt um Hilfe bitten. Das ist gerade bei Menschen sinnvoll, die ohnehin mehrere gesundheitliche Probleme haben, die auch die Füße betreffen - beispielsweise Diabetikerinnen und Diabetiker. Bei dieser Patientengruppe ist außerdem die Sensibilität in den Füßen oft irgendwann eingeschränkt, so dass es Betroffenen vielleicht schwerer fällt einzuschätzen, ob das Problem eines Podologen oder Facharztes bedarf.
 
Bei leichteren Entzündungen, die man aber alleine und z.B. mit Salben und Tapes binnen ein paar Tagen nicht in den Griff bekommt, kann man einen Podologen bzw. eine Podologin aufsuchen. Das sind nichtärztliche medizinische Heilfachkräfte in Sachen Fuß. Podologen können präventive und kurative therapeutische Maßnahmen vornehmen - und für die meisten Betroffenen wird das Problem am Zeh so zu beheben sein.
 
Seit Juli 2022 kann auch die Behandlung mit Nagelkorrekturspangen in Podologie-Praxen erfolgen, wenn sie von einem Arzt verordnet wurden. Die Kosten übernimmt dann also auch die Kasse.
 
Ist die Entzündung und das Problem mit dem eingewachsenen Nagel am Zeh schwerer, kann ein Fußchirurg zu Rate gezogen werden.

Nagelkorrekturspange gegen eingewachsenen Zehennagel (Bild: imago/Panthermedia)
Behandlung: Was macht der Arzt gegen einen eingewachsenen Nagel?

Wird der Schmerz zur Qual, ist professionelle Hilfe gefragt, um die Entzündung effektiv zu bekämpfen. Erste Anlaufstellen können dabei die medizinische Fußpflege (Podologen) oder ein Hautarzt sein.
 
In aller Regel bietet die konservative Behandlung die besten Heilungschancen. Hier ist auch die Gefahr von Folgeerkrankungen gering. In der Regel wird dafür auf eine Tape-Methode zurückgegriffen: Der Nagel und sein Gewebe, zwischen Nagelrand und Nagelwall, werden durch ein wattiertes Tape voneinander getrennt, dieses wird also dazwischen geschoben.
Anschließend wird das Tape außen so um den Zeh geführt, dass möglichst viel Luft an die entzündete Stelle gelangen kann. Für den Patienten kann das Tapen oft spürbar sofortige Linderung bringen.
In der Regel ist dann binnen sechs bis acht Wochen die Entzündung verheilt. Um das zu fördern, kommen meist entzündungshemmende Salben zum Einsatz.
 
Eine weitere effektive Methode ist der Einsatz einer Nagelspange, oder auch Nagelkorrekturspange genannt. Meist ist sie heute aus Kunststoff und wird auch vor allem da verwendet, wo es durch eine genetisch bedingte runde Nagelform besonders oft zum Einwachsen von Nägeln kommt. Die Spange wird dabei wie der Schuh einer Schlittschuhkufe um den Nagelrand gelegt. In der Mitte des Nagels wird die Spange fixiert. Dadurch werden Nagel und umliegendes Gewebe getrennt und auch die Nagelform kann korrigiert werden. Solche Spangen können ebenfalls von medizinischen Fußpflegern, den Podologen und Podologinnen, angebracht werden (Seit Juli 2022 zahlt das auch die Kasse).
Die Nagelkorrekturspange bleibt in der Regel zwischen sechs und zwölf Monate am Zeh bzw. auf dem Nagel. Die Dauer hat damit zu tun, dass die Nagelkorrekturspange wie eine Ausrichtungsschiene für das Wachstum hilft. Der Zehennagel bekommt eine ganz andere Wachstumslinie, wächst in neue Form – das dauert.
 
Seltener und bei sehr heftigen Entzündungsreaktionen kann eine OP nötig sein, bei der Nagelteile und umliegendes, wucherndes bzw. entzündetes Gewebe entfernt werden. Manchmal muss sogar auch der ganze Nagel entfernt werden. Allerdings birgt diese Methode eine statistisch höhere Wahrscheinlichkeit für wieder auftretende Beschwerden.
Hintergrund sind dann oft entweder eine genetische Veranlagung, die das Einwachsen des Nagels begünstigt oder Vorerkrankungen. Bedeutet im Zusammenhang: Gerade weil eine konservative Behandlung wenig Erfolg verspricht, wird die OP überhaupt erst nötig und Zusatzfaktoren erschweren deshalb ohnehin die Heilung.

Eingewachsene Nägel verhindern: Vorsorge schützt den Zeh

Ob nach einer Behandlung oder davor: Vorsorge kann das Einwachsen von Nägeln erschweren oder sogar eingewachsene Zehennägel ganz verhindern. Besonders wichtig ist das bei Menschen, deren sensorische Fähigkeiten eingeschränkt sind, zum Beispiel durch Erkrankungen wie Diabetes oder arterielle Mangelversorgung. Diese Menschen spüren Beschwerden am Zeh oft deutlich später - würden also den eingewachsenen Nagel und seine Folgen erst verspätet bemerken.
 
Wichtig ist allgemein die Gesundheit der Zehen im Blick zu haben und bei der Nagelpflege möglichst nicht rund zu schneiden, sondern gerade.
Im Hinblick auf Socken und Schuhe gilt auch im kalten Winter: dem Zeh Platz lassen, damit dem gesunden Auftritt nichts im Wege steht.

Beitrag von Lucia Hennerici

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