Angehobener nackter Fuß zeigt Fußsohle (Bild: imago images/agefotostock/staras)
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Was schmerzhafter Bodenkontakt verrät - Hornhaut: Alarmsignale von der Fußsohle

Hornhaut unter den Füßen ist nicht gerade ein beliebtes Thema. Doch die Hautverdickung unter den Fußsohlen ist wichtiger Schutz für unsere Füße. Und: Sie kann z.B. durch Schmerz oder Druck Alarmsignale für Fußfehlstellungen oder bestimmte Erkrankungen senden.

Die Füße sind verdammt weit weg von unserem Kopf und vielleicht liegt es auch daran, dass wir ihnen so wenig Aufmerksamkeit schenken. Hinzu kommt: Nur wer recht gelenkig ist, ist auch in der Lage, sich seine Fußsohlen mal genauer anzuschauen.
 
Daher beschäftigen wir uns in der Regel erst dann mit der Hautbeschaffenheit unserer Füße, wenn es schmerzt. Das ist zum Beispiel dann der Fall, wenn sich Hornhautschwielen an Stellen gebildet haben, wo sie nicht hingehören. Oder wenn Risse in der Hornhaut entstehen, so genannte Rhagaden. Auch Hühneraugen sind Hornhautschwielen, die teilweise sehr tief gehen können und eine Art Kegel bilden, der bei Druckbelastung schmerzt.

Wie Hornhaut entsteht

Zunächst einmal: Die Bildung von Hornhaut ist eine gesunde und natürliche Schutzfunktion der Haut bei Belastung. Sie kann auch an anderen Stellen entstehen, zum Beispiel an den Händen. Wer Gitarre spielt und länger pausiert hat, kennt das; es braucht einige Zeit, bis die schützende Hornhaut an den Fingerkuppen sich wieder gebildet hat.
 
An den Füßen entsteht Hornhaut in einem Zusammenspiel von trockener Haut, Druckbelastung und Reibung. Die Haut bildet dann vermehrt ganz bestimmte Hautzellen, die Korneozyten. Die Hornhautschicht selbst besteht aus abgestorbenen Hautzellen, weshalb sie auch schmerzfrei entfernt werden kann. Dennoch bedarf sie sorgfältiger Pflege, sagt Podologin Sonja Ben Lassoued aus Berlin-Wilmersdorf: "Ich vergleiche das immer sehr gerne mit einer schönen Lederjacke oder einer Ledertasche. Irgendwann, wenn man sie nicht pflegt, wird sie porös und reißt ein."
 
Die Einrisse in der Hornhaut, so genannte Rhagaden, können zu Eintrittspforten für Keime werden, was dann im schlimmsten Fall sogar zu einer Blutvergiftung führen kann. Vor allem Diabetiker und Diabetikerinnen, die solche Verletzungen der Fußsohle nicht mehr richtig spüren, sind hier gefährdet.

Fußsohle gut gepflegt

Nicht jede Hornhautschwiele muss gleich entfernt werden. Durch Fußbäder, die man mit basischem Badesalz anreichern kann, wird die Hornhaut geschmeidig gehalten. Das Fußbad sollte allerdings nicht länger als 10 - 15 Minuten dauern, bei Diabetikern sogar eher nur fünf Minuten.
 
Anschließend die Füße gut abtrocknen, vor allem zwischen den Zehen. Wer möchte, kann die Füße danach eincremen, zum Beispiel mit einer Creme, die Sheabutter enthält. Für Menschen mit sehr trockener Haut und auch für Diabetikerinnen eignen sich pflegende Schaumprodukte für die Füße.
 
Vor zu intensiver Hautpflege an den Füßen rät Podologin Sonja Ben Lassoued aber ab: "Manchmal ist weniger mehr. Nicht die Füße zum Beispiel mit Vaseline zukleistern, dann kann die Haut nicht atmen. Zu feucht sollte die Creme aber auch nicht sein, denn das begünstigt unter Umständen dann wieder Fußpilz."

Verdächtig viel Hornhaut ...

Wer gesunde Füße hat, bei dem entsteht die Hornhaut vor allem an den Fersen und an den Ballen. Denn dort entsteht der meiste Druck, wenn die Füße richtig abrollen. Hornhautschwielen an anderen Stellen, zum Beispiel an der Außenseite des Fußes oder auf den Zehengelenken, können einen Hinweis auf Fußfehlstellungen geben.
 
Häufige Fehlstellungen, die zu Hornhautschwielen führen können, sind ein Ballenzeh (Hallux Valgus), ein Senk-Spreizfuß, ein Hammerzeh oder auch Fehlbelastungen, weil zum Beispiel einseitig das Knie oder die Hüfte weh tun. "Angenommen jemand hat rechts eine starke Verhornung unter der Fußsohle, dann frage ich: Haben Sie Schmerzen, links am Knie oder an der Hüfte? Und dann sind viele ganz erstaunt, dass ich das an den Füßen erkenne", berichtet Podologin Sonja Ben Lassoued.

Hornhaut als Warnsignal

Die Dicke der Hornhaut ist nur bedingt ein Anhaltspunkt für die Schwere der zugrunde liegenden Fehlstellung. "Es gibt Patienten, die haben ausgeprägte Druckschwielen und keine Schmerzen und gehen deswegen natürlich auch nicht zum Arzt, sondern lassen das einfach nochmal vom Podologen behandeln. Und es gibt ganz leichte Druckschwielen, die wehtun und dahinter steckt vielleicht dann doch eine Fehlstellung", sagt Orthopäde und Fußchirurg Dr. Hubert Klauser vom Hand- und Fusszentrum Berlin. Klauser plädiert für eine enge Zusammenarbeit zwischen Orthopäden und Podologen. "Der Podologe macht alles richtig, um dem Patienten den Schmerz zu nehmen, das klappt ja auch. Aber vielleicht müsste man öfter oder früher dem Patienten empfehlen, dass er den Orthopäden aufsucht und dann auch ursächlich etwas gegen diese Fehlstellung unternimmt", so Hubert Klauser. Werde die Ursache einer Druckschwiele beseitigt, zum Beispiel durch bequemere Schuhe, Einlagen oder Fußgymnastik, so würde die übermäßige Hornhautbildung meist auch nach einiger Zeit verschwinden, sagt Orthopäde Hubert Klauser.
 
Auch Sonja Ben Lassoued versteht sich als Therapeutin, die möglichen Ursachen von Druckschwielen am Fuß auf den Grund geht. So sieht sie häufiger Patienten und Patientinnen, bei denen die trockenen Füße und die starken Druckschwielen auf eine beginnende Diabetes-Erkrankung hinweisen, die noch gar nicht diagnostiziert worden ist.

Hornhaut richtig entfernen

Die Expertin entfernt überschüssige Hornhaut mit einem kleinen Skalpell. "Das ist aber überhaupt nicht für den Privatgebrauch gedacht", sagt Sonja Ben Lassoued, "das ist nur etwas für Profis." Denn was auf keinen Fall passieren sollte ist, dass zu viel Hornhaut entfernt wird. "Leider trauen sich immer noch ein paar Leute mit einem Hobel an die Hornhaut. Und wenn man den mal falsch ansetzt, dann ist einfach auch eine dicke Schicht der Haut weg und das kann wirklich auch blutig werden."
 
Besser ist ein Bimsstein oder eine Hornhautfeile. Und die Podologin hat noch einen ganz besonderen Tipp zur sanften Entfernung der Hornhaut: "Ich kann auch Kaffeesatz nehmen und damit die Füße abrubbeln. Die Haut ist danach wirklich sehr zart und geschmeidig und man kann halt auch nichts zerstören durch so ein Peeling."
 
Zu häufig sollte man seiner Hornhaut allerdings nicht zu Leibe rücken - ein bis zweimal die Woche reicht völlig aus. Denn durch die Behandlung würde die Durchblutung der Haut verbessert, was wiederum zu einer gesteigerten Hornhautbildung führen würde, so Sonja Ben Lassoued: "Auch da ist weniger mehr."

Von Warzen, Hühneraugen und eingewachsenen Fußnägeln

Hornhautschwielen sind nicht immer so leicht von anderen Hautveränderungen zu unterscheiden. Sonja Ben Lassoued sieht in ihrer Praxis zuweilen auch Patienten und Patientinnen mit Schuppenflechte (Psoriasis), die sich an den Füßen bemerkbar macht. In solchen Fällen überweist sie an den Hautarzt oder die Hautärztin.
 
Hühneraugen sind im Grunde auch Hornhautschwielen; allerdings welche, die eher punktuell und in die Tiefe gehen. Sie können sehr schmerzhaft sein und müssen vorsichtig entfernt werden, was man auch eher der Expertin überlassen sollte. Hühneraugen, die sich in der Nähe von Gelenken gebildet haben, sollte man nicht selbst mit einem salicylsäurehaltigen Pflaster behandeln. Denn es besteht die Gefahr, dass das Pflaster verrutscht und die recht aggressive Säure umliegende Hautschichten angreift, was zu Verletzungen und Infektionen führen kann.
 
Punktuelle Hornhautschwielen können auch mit Dornwarzen verwechselt werden, die aber einen völlig anderen Ursprung haben, weil sie durch eine Infektion mit Humanen Papillom-Viren entstehen. Hier kann die Podologin die Oberfläche der Warze vorsichtig entfernen; die eigentliche Behandlung sollte aber beim Hautarzt erfolgen.
 
Eingewachsene Fußnägel entstehen häufig am großen Zeh. Zu viel Druck durch zu enge Schuhe oder ein falsches Schneiden der Nägel sind häufige Ursachen. Der Nagel sollte immer gerade und nicht zu weit nach unten abgeschnitten werden. Bei leichten Entzündungen helfen Fußbäder mit Kamillenextrakt oder das Einpinseln mit desinfizierenden Lösungen.
Pocht und schmerzt der Zeh, könnte das auf eine bakterielle Infektion hinweisen, die vom Arzt oder der Ärztin behandelt werden sollte.

Beitrag von Ursula Stamm

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