Grafik Schlaganfall (Bild: imago/Science Photo Library)
Bild: imago/Science Photo Library

Risikofaktoren und deren Minimierung - Dem Schlaganfall vorbeugen

Der Schlaganfall ist nach Herzinfarkt und Krebs die dritthäufigste Todesursache in den Industrieländern. Über 250.000 Menschen erleiden ihn jährlich in Deutschland. Und: In Europa ist er die häufigste Ursache für dauerhafte Behinderungen. Nicht jeder Schlaganfall kann verhindert werden, aber Experten gehen davon aus, dass rund 70 Prozent vermeidbar wären.

Wichtigster Risikofaktor: Bluthochdruck

Es gibt Faktoren, die wir nicht beeinflussen können, das sind zum Beispiel das Alter, das Geschlecht – Männer haben ein größeres Risiko als Frauen – und genetische Faktoren. Der wichtigste Risikofaktor für die Entstehung eines Schlaganfalles ist Bluthochdruck. Generell gilt ein Grenzwert von 140 zu 90 mmHg. Bei älteren Menschen wurde diese Grenze in der Vergangenheit immer mal wieder gelockert und von einem oberen Wert von 100 plus Lebensalter ausgegangen. Die aktuelle SPRINT-Studie ("Systolic Blood Pressure Intervention Trial") legt allerdings nahe, diesen Wert wieder deutlich niedriger anzusetzen.

An der Studie hatten mehr als 9.000 Hochdruckpatienten über 50 Jahre teilgenommen, allerdings keine Diabetiker. Bei der Hälfte der Teilnehmer wurde eine Blutdrucksenkung auf 120 mmHg angestrebt, bei der anderen Hälfte waren 140 mmHg der Zielwert. Die Ergebnisse zeigen, dass die intensivere Blutdruckkontrolle auf 120 mmHg einen besseren präventiven Effekt hat: Bereits nach wenigen Jahren reduzierte sich das Risiko einen Herzinfarkt zu erleiden um 25 Prozent, das Risiko einen Schlaganfall zu bekommen um 11 Prozent. "Dies wird in den USA und sicherlich auch in Deutschland zu einer Veränderung der Empfehlungen führen", meint Prof. Joachim Röther, Chefarzt der Neurologischen Abteilung der Asklepios Klinik Altona in Hamburg.

Andere Risikofaktoren

Ein Schlaganfall ist letztlich die Folge einer Gefäßerkrankung. Durch verschiedene Risikofaktoren bilden sich Ablagerungen an den Gefäßinnenwänden, die sich ablösen können oder direkt das Gefäß verstopfen. Solche Blutpfropfen (Thromben) gelangen dann über den Blutstrom ins Gehirn (Schlaganfall) oder die Lunge (Lungenembolie)bzw. verstopfen die Herzkranzgefäße (Herzinfarkt). Daher ist es wichtig, alle Risikofaktoren zu vermeiden, die zu einer vorzeitigen Gefäßverkalkung (Arteriosklerose) führen. Und das sind vor allem erhöhte Blutfette, Rauchen, Bluthochdruck und Diabetes.

Darüber hinaus gibt es auch bestimmte Herzrhythmusstörungen wie das Vorhofflimmern, die das Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden, wesentlich erhöhen. Beim Vorhofflimmern, kommt es zu einer unregelmäßigen Erregung der Herzkammern. Die Folge ist ein verlangsamter Blutfluss im linken Vorhof, welcher die Bildung von Gerinnseln befördert. Und diese wiederum können mit dem Blutfluss zum Gehirn gelangen und dort einen "Hirninfarkt" auslösen. Ein Vorhofflimmern wird in der Regel mit gerinnungshemmenden Medikamenten wie Marcumar oder Falithrom behandelt, die das Blut "flüssig" halten und das Risiko für ein Gerinnsel verringern.

Wie kann ich mein Schlaganfallrisiko testen?

Am besten ist es natürlich, sein persönliches Schlaganfallrisiko zu kennen, in dem man zum Beispiel die "Check-up" Vorsorgeuntersuchung ab 35 nutzt, bei der es vor allem auch um die Früherkennung von Herz-Kreislauferkrankungen geht - oder regelmäßig seinen Hausarzt aufsucht. Doch nicht alle Menschen haben Zeit dafür und so gibt es zahlreiche Tests im Internet, die das Schlaganfallrisiko einschätzen sollen. Dabei gibt es allerdings große Unterschiede. So melden jüngst Forscher der Universität Kyoto in Japan, dass man sein Risiko daran erkennen kann, ob man in der Lage ist, 20 Sekunden auf einem Bein zu stehen. Dies gäbe Aufschluss darüber, ob es bereits zu Mikroblutungen oder unbemerkten Infarkten im Gehirn gekommen sei "Das ist ein Orientierungstest, der ganz allgemein etwas über Gleichgewicht und die körperliche Fitness aussagt. Aber ich würde diesen nicht als einen zuverlässigen Test ansehen, der Auskunft darüber gibt, wie hoch das persönliche Schlaganfallrisiko ist", so Prof. Joachim Röther, Pressesprecher der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft.
 
Wesentlich seriöser sind da Selbsttests der Deutschen Schlaganfallhilfe, der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft oder der PROCAM-Test der Assmann Stiftung für Prävention (siehe Anhang). Darin wird zum Beispiel nach Alter, Gewicht, Blutdruck,- Zucker- und Blutfettwerten sowie familiären Vorbelastungen und Lebensstil gefragt. "Das sind Tests, in die wichtige Risikofaktoren eingehen und die sagen tatsächlich etwas darüber aus, ob man ein erhöhtes Schlaganfallrisiko hat, und mit diesen Befunden muss man dann zum Hausarzt gehen", sagt Prof. Röther. 

Wie kann ich mein Schlaganfallrisiko reduzieren?

An erster Stelle steht konsequenterweise die Senkung eines erhöhten Blutdrucks. "Es gibt Zahlen, dass eine gute Blutdruckbehandlung das Schlaganfallrisiko um fast 30 Prozent senken kann, weiß Neurologe Prof. Joachim Röther. Den Blutdruck senken kann man zum einen durch sinnvoll eingesetzte Medikamente.

Doch am Anfang jeder Hochdruck-Therapie steht der Blick auf die Lebensumstände: Rauche ich und wieviel? Welche Rolle spielt Alkohol, und wie ausgewogen ernähre ich mich? Bin ich übergewichtig? Bewege ich mich ausreichend, und wie sieht es mit dem alltäglichen Stress aus? Eine aktuelle Analyse, die im Fachblatt "Lancet" veröffentlich wurde, zeigt, dass Überstunden das Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden, deutlich erhöhen. Schon wer mehr als 40 Stunden pro Woche arbeitet, hat ein zehn Prozent höheres Risiko. Ab 55 Stunden liegt es sogar bei 33 Prozent. Zwar ist nicht eindeutig geklärt, warum Überstunden so schädlich sind. Doch langes Sitzen, ungesunde Ernährung und Schlafmangel gehen häufig mit Mehrarbeit einher und wirken sich auf jeden Fall negativ auf die Gesundheit aus.

Beitrag von Ursula Stamm