Grafik eines Gehirns mit Zahnraadsystem (Bild: Colourbox)
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Erkrankung mit vielen Gesichtern - Stille Epilepsie

Vom leichten Zucken über Sprachstörungen bis hin zu Krämpfen und Bewusstlosigkeit - Epilepsie kann sich ganz unterschiedlich bemerkbar machen. Wenn Betroffene, Angehörige oder Anwesende nahezu nichts von einem Anfall mitbekommen, sprechen Experten von der "stillen Epilepsie". Nach wenigen Sekunden ist alles wieder normal - und doch ist das Leben stiller Epileptiker anders.

Verbreitet sind diese Symptome bei Kindern: Eine plötzliche Geistesabwesenheit und Reaktionslosigkeit für mehrere Sekunden kann Hinweis auf eine sogenannte Absence-Epilepsie sein - gern wird diese Form der stillen Epilepsie als Tagträumerei missgedeutet.

Bei genauerer Beobachtung fällt auf, dass das Gesicht ausdruckslos und starr wirkt. Bei manchen Kindern sind die Augen nach oben gerichtet, der Kopf leicht nach hinten geneigt und/oder sie blinzeln leicht. Kinder reagieren während einer Absence nicht, wenn man ihren Namen ruft.

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Amerikanische Forscher weisen in einer aktuellen Studie darauf hin, dass bei etwa 80 Prozent der Kinder mit Absence-Anfällen die Episoden normalerweise in der Pubertät aufhören.
Bei anderen Patientinnen und Patienten dauern sie bis ins Erwachsenenalter an. So kommt es nicht selten vor, dass auch viele ausgewachsene Patienten und Patientinnen solch stille Anfälle schon seit der Kindheit im Verborgenen haben - die Epilepsie dann aber erst im Erwachsenenalter diagnostiziert wird.
 
Bestätigt die Diagnostik zum Beispiel mit Hilfe der Elektroenzephalographie den Verdacht auf eine Absence-Epilepsie, kann sie erfolgreich medikamentös behandelt werden.

Infotext: Beate Wagner

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