Behandschuhte Hand hält Ellenbogen mit Schuppenflechte (Bild: imago/agefotostock)
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Hintergrund: Immer wieder entzündete Haut - Schuppenflechte: mehr als eine Hautkrankheit

Die Haut schuppt sich, ist rot und entzündet: Psoriasis, umgangssprachlich Schuppenflechte genannt, ist die häufigste chronische Entzündungskrankheit in Deutschland. Mehr als 1,5 Millionen Menschen sind betroffen. Auch Kinder und Jugendliche erkranken, das wird aber oft nicht rechtzeitig erkannt. rbb Praxis informiert über Versorgungslücken und neue Therapiemöglichkeiten.

Bei der Psoriasis spielt die körpereigene Abwehr verrückt; das eigene Immunsystem entfacht eine Entzündung und beschleunigt die Erneuerung der Hautzellen, was zu den schuppenden Hauterscheinungen führt.
 
Wenn die Schuppen im Gesicht, am Kopf oder an den Händen zu sehen sind, haben Betroffene oft mit Ablehnung und Vorurteilen zu kämpfen. Vielen Menschen wissen nicht, was dahinter steckt und halten die Erkrankten für ungepflegt oder meinen sogar, die Krankheit sei ansteckend - was natürlich nicht stimmt, denn es geht um eine Autoimmunerkrankung.
Daher ist es wichtig, über die Psoriasis immer wieder aufzuklären und die Betroffenen gut zu behandeln, damit sich ihr Hautbild bessert.

Ursache, Auslöser & Erscheinungsformen

Die Entwicklung einer Psoriasis ist genetisch bedingt; häufig kommen aber bestimmte Auslöser ins Spiel, bevor die Erkrankung tatsächlich ausbricht. Das können Infektionen, zum Beispiel Mandelentzündungen sein, aber auch bestimmte Medikamente, sowie Stress, Rauchen und Übergewicht.
 
Generell können neben Haut und Nägeln auch Gelenke oder Organe von der Erkrankung betroffen sein. Bei etwa jedem fünften Schuppenflechte-Betroffenen kommen Schmerzen in Gelenken und Sehnenansätzen hinzu; sie leiden unter der so genannten Psoriasis-Arthritis.

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Kinder und Jugendliche

Jeder dritte Patient mit Psoriasis erkrankt bereits im Kindes- und Jugendalter. Allerdings sind die schuppenden Hautveränderungen bei ihnen oft nicht so typisch ausgebildet wie bei Erwachsenen. "Häufig haben sie zusätzlich eine bakterielle Superinfektion dieser Hautstellen", sagt Dr. Sandra Philipp, Leiterin der Psoriasis-Sprechstunde der Universitätsklinik der Charité. Dadurch kann die Schuppenflechte schnell mit einer Neurodermitis verwechselt werden. Expertinnen und Experten gehen davon aus, dass rund ein Drittel der Kinder und Jugendlichen mit Psoriasis nicht richtig diagnostiziert und behandelt werden.
 
Hinzu kommt, dass viele Medikamente, die für Erwachsene zur Verfügung stehen, für Kinder nicht zu gelassen sind. Erst 2020 sind mit Secukinumab und Ixekizumab zwei weitere Antikörper für Kinder zugelassen worden.
Neben Adalimumab, Ustekinumab und Etanercept gibt es daher jetzt insgesamt mindestens fünf Präparate aus der Gruppe der so genannten Biologika, die auch bei Kindern und Jugendlichen eingesetzt werden können.
 
Diese Biologika unterdrücken den Entzündungsprozess im Körper und werden in der Regel unter die Haut gespritzt. Solche Medikamente kommen zwar nicht gleich zu Beginn der Erkrankung zum Einsatz. Aber gerade bei schweren Verläufen und auch bei einer Gelenkbeteiligung, wie sie bei Kindern gar nicht so selten ist, sind Biologika sinnvoll und hilfreich.
Eine gute Behandlung der Schuppenflechte ist gerade für die jungen Patienten besonders wichtig, weil sie häufig aufgrund ihrer Hauterscheinungen sozial ausgegrenzt werden, sich isolieren und zum Beispiel nicht mehr am Sportunterricht teilnehmen.

Therapie

Die Schuppenflechte ist eine chronische Erkrankung, so dass Betroffene lebenslang Medikamente einnehmen, beziehungsweise äußerliche Therapien anwenden müssen.
Die äußerliche Behandlung hat das Ziel die Hautschuppen zu lösen, was mit Salicylsäure, Harnstoff oder Milchsäure geschieht.
Der Wirkstoff Dithranol hemmt übermäßiges Zellwachstum und Entzündungsvorgänge.
Das gilt auch für die von Vitamin D abgeleiteten Wirkstoffe wie etwa Calcipotriol oder Tacalcitol. Diese werden häufig auch mit Cortisonsalben kombiniert, deren Einsatz aber vorsichtig dosiert werden sollte, weil durch das Cortison die Haut dünner und Infektionsanfälliger wird.
 
Bei schweren Verläufen wird systemisch behandelt, das heißt mit Medikamenten, die innerlich verabreicht werden. Sie unterdrücken die überschießende Immunreaktion des Körpers. Hier kommen Präparate aus der Rheuma- beziehungsweise Transplantationsmedizin zum Einsatz, wie Methotrexat , Ciclosporin oder Fumarsäureester.
 
Eine immunsuppressive Wirkung haben auch die bereits genannten Biologika, die unter die Haut gespritzt werden müssen. "Hier gibt es neue Entwicklungen, so genannte 'small molecules'", weiß Dr. Philipp von der Psoriasis-Sprechstunde der Charité. Sie müssen zum einen nicht mehr gespritzt werden, sondern können als Tablette eingenommen werden.
Zum anderen greifen sie direkt in den Entzündungsprozess innerhalb der Zelle ein und nicht, wie bei den "älteren" Biologika, über Rezeptoren der Zelle und deren Botenstoffe (Zytokine). Mit solchen neuen Behandlungsmöglichkeiten kann Patienten geholfen werden, die bisher auf die gängigen Therapien nicht angesprochen haben.

Versorgungsnetze

Die Behandlung mit Biologika kostet pro Jahr bis zu 25.000 Euro pro Patient/Patientin. Auch wenn nicht jeder Schuppenflechte-Betroffene diese Behandlung braucht, ist es dennoch wichtig, dass diejenigen, die sie brauchen, sie auch bezahlt bekommen.
 
Bei den äußerlich anzuwendenden Salben ist es zum Beispiel so, dass viele Krankenkassen diese als "Kosmetik" einstufen und nicht übernehmen. Um die Versorgung der Patienten und Patientinnen zu verbessern, sind deutschlandweit inzwischen viele regionale Versorgungsnetze, wie das "Psoriasisnetz Berlin Brandenburg" entstanden.
In diesen Netzen arbeiten Ärzte und Ärztinnen zusammen, die sich auf die Behandlung von Schuppenflechte spezialisiert haben. Sie wollen die leitliniengerechte Behandlung ohne Zusatzkosten für die Betroffenen umsetzen und bieten auch eine fachübergreifende Zusammenarbeit verschiedener Disziplinen an.

Beitrag von Ursula Stamm

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