Softdrink Flaschen liegen aufeinander (Quelle: Colourbox)
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Ernährungsforschung - Ungesunde Softdrinks: Die Gefahr steckt nicht nur im Zucker

Softdrinks gehören zu den zehn beliebtesten Getränken in Deutschland. Dass zuckerreiche Brause nicht gut für die Gesundheit ist, wissen dabei natürlich die meisten. Doch neue Studien zeigen: Auch unabhängig vom Zucker kann der regelmäßige Softdrinkkonsum der Gesundheit auf Dauer schaden. Internationale Forscherteams fanden sogar einen statistischen Zusammenhang zwischen der Häufigkeit des Softdrinkkonsums und einem erhöhten allgemeinen Sterblichkeitsrisiko.

Limo, Cola, Soda - für viele Menschen gehören Softdrinks schon zur Kindheitserinnerung. Und schon damals galt: Trink nicht zu viel davon! Das hatte meistens mit dem Zucker in den Getränken zu tun, später (bei denen, die solche Getränke trinken durften) dann auch mit dem Koffein. Die Nahrungsmittelindustrie macht seit Ende des 19. Jahrhunderts kohlensäurehaltige Erfrischungsgetränke in breiter Masse verfügbar. Und auch heute sind Softdrinks weiter beliebt: Laut einer Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach (IfD Allensbach) landeten zwischen 2017 und 2019 Colas auf Platz vier, Limos auf Platz zehn der meistkonsumierten Getränke in Deutschland - Colas werden also sogar häufiger konsumiert als das klassische Pils. Die Studie "Trink Was(ser) Deutschland!" der Techniker Krankenkasse (TK) von 2019 zeigte: 26 Prozent der Befragten zwischen 18 und 39 Jahren trinkt täglich oder mehrmals in der Woche Softdrinks. Bei den 40-59-Jährigen sind es noch 13 Prozent und 9 Prozent bei den Befragten ab 60 Jahren.

In Verruf waren natürlich gesüßte Softdrinks schon lange wegen ihres hohen Zuckergehaltes. Mehrere europäische Länder haben inzwischen - nicht nur, aber auch aufgrund des Zuckers in Getränken - Zuckersteuern eingeführt. Doch mehrere aktuelle große Metastudien haben jüngst gezeigt, dass nicht nur natürlich, sondern auch künstlich gesüßte und damit kaum zuckerhaltige Softdrinks der Gesundheit insofern gefährlich werden können, als dass sie bei gewissen Mengen das allgemeine Sterberisiko erhöhen. Unter diesen Studien war auch eine große europäische Kohortenstudie aus Lyon, die unter anderem auch Daten aus Deutschland analysierte.

Mit oder ohne Zucker steigt das Gesundheitsrisiko

Ein Team um Neil Murphy von der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC) in Lyon, Frankreich, hatte die Daten aus einer Befragung zu Ernährungs- und Lebensgewohnheiten von knapp einer halben Million Menschen ausgewertet. Die Teilnehmer hatten ein Durchschnittsalter von 50 Jahren, stammten aus zehn Ländern und wurden im Schnitt über 16 Jahre begleitet, also immer wieder befragt. Ursprünglich sollte nur der Zusammenhang von Ernährung und der Häufigkeit von Krebserkrankungen untersucht werden. Aber weil dem Team um Murphy etwas auffiel, rechneten sie nach und stießen auf eine J-förmige Assoziation - der Name leitet sich von der Form der Kurve ab, die entsteht, wenn man die Zahlen grafisch darstellt.

Während geringe Mengen laut der Studie keinen negativen Effekt auf das Sterberisiko  hatten, stieg es ab einer Menge von 100-200 ml pro Tag mit zunehmender Dosis stetig an - und zwar sowohl beim Konsum von zuckerhaltigen, als auch künstlich gesüßten, also eigentlich kalorienarmen Softdrinks. Der negative Unterschied zwischen den Vergleichsgruppen der Softdrink-Trinker und Nicht-Trinker (zwei Gläser a 250 ml pro Tag gegenüber weniger als einem Glas pro Monat) war bei den künstlich gesüßten Getränken sogar noch größer, als bei den mit Zucker gesüßten. Allgemeines Ergebnis des direkten Vergleichs dieser Untergruppen: Bei den häufigen Softdrink-Trinkern lag das Sterberisiko 17 Prozent höher, als bei den Menschen, die maximal ein Glas pro Monat tranken - und das unabhängig (rechnerisch bereinigt) von anderen gesundheitskritischen Faktoren wie Body-Mass-Index, Ernährung, körperlicher Aktivität oder Rauchverhalten.

Zuckerfreie Softdrinks könnten anders schaden

Zwar erhöhten sich mit oder ohne natürliche Süße die Sterberisiken, allerdings fanden die Forscher auch Unterschiede: Die Zero- oder Light-Softdrinks konnten mit einem erhöhten Sterberisiko durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen assoziiert werden. Dagegen erhöhten Softdrinks mit "echtem" Zucker eher das Risiko für tödliche Verdauungserkrankheiten. Ein erhöhtes Risiko für Krebserkrankungen, nachdem die Forscher bei der Kohortenstudie ursprünglich auf der Suche gewesen waren, fanden sie aber nicht. Die Ergebnisse der IARC-Studie, veröffentlicht 2019, stehen nicht allein, sondern kommen zu ähnlichen Ergebnissen, wie auch große US-Studien.

Hinweise - aber keine klare Ursache-Wirkung-Verbindung

Allerdings: Die Frage nach dem Warum bleibt bisher von der Forschung unbeantwortet - es geht um statistische Beobachtungen. Was genau die Softdrinks wie bewirken, um zum höheren Sterberisiko beizutragen, oder ob es einen anderen, dritten Faktor gibt, der vielleicht tatsächlich dieses Risiko erhöht, aber nur bei Softdrinkkonsumenten häufiger ebenfalls vorkommt - das könnten nur klar randomisierte Studien zeigen, die es so aber bisher nicht gibt und die über lange Zeiträume gerade im Bereich Ernährung und Lebensstil auch extrem schwierig wären.

Die Studien zu Softdrinks liefern also nur Indizien dazu, dass diese Getränke einen negativen Einfluss haben können, aber keine klare Ursache-Wirkung-Verbindung. Damit bleibt auch offen, ob es an einer speziellen Art der Getränke, bestimmter Inhaltsstoffe bzw. Süßstoffe liegt, oder z.B. einer Vorliebe der Befragten für Süßes, die sich aber nicht im BMI niederschlägt, die zu den erhöhten Risiken führen. Sicher ist nur: Für den häufigen Konsum von Softdrinks - mit oder ohne Zucker - spricht gesundheitlich nichts.

Süßstoff-Wissen lückenhaft

Dass nicht nur zuckerhaltige, sondern auch künstlich gesüßte Softdrinks sich in großer Menge negativ auf die Gesundheit auswirken könnten wirft auch mal wieder die Frage nach dem Gesundheitseinfluss von Süßstoffen auf. Und die Antworten aus der Forschung sind leider immer noch lückenhaft. Entlastung gibt es relativ klar und vielfach bei der  Frage, ob künstliche Süßstoffe im Zusammenhang mit einem erhöhten Krebsrisiko stehen: Zum Beispiel für Aspartam konnte schon 2006 eine Studie der Europäischen Lebensmittelbehörde bei verzehrüblichen Mengen klare Entwarnung geben. Auch die aktuelle europäische Studie zu Softdrinks fand keine Hinweise zu einem Krebsrisiko bei Getränken mit künstlicher Süße. Auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) sieht "kein statistisch signifikant erhöhtes Krebsrisiko beim Menschen" im Zusammenhang mit Süßstoffen.

Offen dagegen ist seit langem die Frage, wie sich starker Süßstoffkonsum auf den Appetit und den Stoffwechsel auswirkt. Eine These: Sie vermeiden zwar erst einmal die Zuckeraufnahme, befriedigen aber auf Dauer nicht die Lust auf Süßes und führen so zu einer insgesamt "süßeren" oder wenigstens kalorienreicheren Ernährung - und so am Ende zur Gewichtszunahme. In diese Richtung gehen auch Vermutungen von US-Forschern die 2017 neue Analysen aus der berühmten Framingham-Heart-Studie veröffentlichten. Grundsätzlich ist das eine der größten systematischen Untersuchungsreihen der Welt, die im Jahr 1948 in Framingham, Massachusetts, begann.

Henne-Ei-Problem der Süßstoff-Forschung

Die zwei neuen Analysen der US-Forscher aus dieser Framingham-Heart-Studie kommen einerseits zu dem Schluss, dass Menschen, die oft zu Lightgetränken greifen, später etwa dreimal so oft Schlaganfälle und Demenzen erleiden. Andererseits belegen sie u.a. auch für ältere Menschen, die viele Getränke mit natürlichem Zucker konsumieren eine schlechtere Gedächtnisleistung. Ob aber letzten Endes die Gewichtszunahme (auch oder trotz Lightgetränken) der gemeinsame Faktor ist, der z.B. Demenz begünstigt oder ob es im Fall der Süßstoffe umgekehrt ist - dass also Menschen mit Vorerkrankungen wie Diabetes oder Risikofaktor Übergewicht öfter zu Diätgetränken greifen, aber eben zu der Gruppe derer mit Gefäßschäden gehören, die öfter Schlaganfälle erleidet oder an Demenz erkrankt - das alles ist bisher weiter unklar.

An Süßstoffen forscht seit langem auch das Deutsche Institut für Ernährungsforschung (DIfE) in Potsdam. 2017 sagte der dortige Studienarzt Dr. Stefan Kabisch der rbb Praxis in einem interview: "Viele Fragen sind noch offen. Ziemlich sicher beantwortet ist, dass Süßstoffe in üblicher Dosis weder akut toxisch sind, noch langfristig zu Krebserkrankungen führen. Weniger gut wissen wir, inwieweit das komplexe menschliche Hormonsystem auf Süßstoffe reagiert. Und auch der Darm bzw. die Darmbakterien verändern ihre Aktivität möglicherweise unter dem Einfluss von Süßstoffen."

Säuren in Softdrinks und Schorlen schaden den Zähnen

Sicher ist dagegen, dass Colas, Limonaden, aber auch Schorlen und Säfte beispielsweise den Zähnen schaden können - auch wenn kein Zucker drin steckt. Der Grund: Säuren in den Getränken. Sinkt der pH-Wert unter vier, wird der Zahnschmelz stark angegriffen. Es können sich Mineralien lösen und den Zahnschmelz angreifbar machen, z.B. für Karies. In Limos oder Eistees spielt vor allem Zitronensäure eine solche schädliche Rolle. In der Cola steckt dagegen Phosphorsäure, hat aber einen vergleichbaren Effekt. Und: Je gesünder das Produkt angeblich sein soll, desto schlechter kann es für die Zähne sein - zumindest wenn auch noch Vitamin C, also Ascorbinsäure zugesetzt ist.

Was für die Zitronensäure zutrifft, stimmt natürlich auch für andere Fruchtsäuren und betrifft daher auch Fruchtsäfte oder -schorlen. Ein zusätzlicher Haken: In diesen Getränken steckt natürlich auch noch Fruchtzucker, der sich dann sofort auf den angegriffenen Zahn legen kann.

Was hilft? Säure loswerden: Das geht beispielsweise, wenn man nach dem Softdrink ein Glas Wasser hinterhertrinkt oder mindestens mal den Mund damit spült. Auch Kaugummis regen den Speichelfluss an und sorgen damit dafür, dass ein Teil der Säure "weggespült" wird. Und auch Milch kann den pH-Wert im Mund senken.

Beitrag von Lucia Hennerici

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