Geschnittenes Gemüse auf einem Schneidebrett neben Kochfeld (Bild: unsplash/Harry Grout)
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Diabetes Vorbeugen & Abwenden - Prädiabetes: Letztes "Halt!" vor der Zuckerkrankheit

"Prädiabetes" sagt fast alles: Ein Zustand, in dem Menschen noch nicht an Diabetes erkrankt sind, aber erhöhte Blutzuckerwerte haben. Schaffen Betroffene keinen Wechsel in Sachen Ernährung und Bewegung, verlassen sie die "letzte Grauzone" in Richtung Diabetes - mit allen Risiken für Herz-Kreislauferkrankungen, Gefäße und mehr.

Es ist noch nicht Diabetes, aber ohne angemessene Verhaltensänderung innerhalb von wenigen Jahren kann der erhöhte Blutzucker zu einer manifesten Diabeteserkrankung werden.
 
Von erhöhten Werten sprechen Ärzte, wenn der so genannte Nüchternblutzucker zwischen 106 und 126 Milligramm pro Deziliter liegt. Nach einer Mahlzeit liegt die Grenze bei 140 Milligramm pro Deziliter.

Aufschlussreich kann auch ein Glukosetoleranztest sein, bei dem eine zuckerhaltige Lösung getrunken und innerhalb von zwei Stunden dreimal der Blutzuckerwert bestimmt wird. Die Frage: Kommt die eigene Insulinproduktion noch "hinterher". Auch hier liegt die Schwelle zum Prädiabetes bei einem Blutzuckerwert von 140 Millilitern pro Deziliter.
 
Menschen, die Blutzuckerwerte in diesem "Graubereich" haben, können gegensteuern - um eine Krankheit mit vielen Risiken für Gesundheit und Lebensdauer zu verhindern: manifeste Diabetes.

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"Kenne Dein Risiko!"

"Diejenigen, die wissen, dass es in ihrer Familie Diabetes gibt, sollten zum Arzt gehen, um ihr persönliches Risiko abzuklären", sagt Diabetologin Dr. Kristina Pralle aus Berlin-Charlottenburg.
 
Das kann beispielsweise im Rahmen eines Gesundheits-Checks bei Hausarzt oder Hausärztin geschehen. Er oder sie sollte den Blutzucker bestimmen, allerdings nicht den Nüchternblutzucker, sondern Werte über den Tag verteilt oder durch einen Glukosetoleranztest ermittelt.
Der Hintergrund: Der Nüchternblutzucker eignet sich nicht besonders gut zur Aufdeckung eines Prädiabetes. Eine englische Forschergruppe hat im Rahmen einer großen Datenanalyse festgestellt, dass Prädiabetes nur bei jedem vierten Betroffenen durch die Bestimmung des Nüchternblutzuckers aufgedeckt werden konnte.

Lebensstil verändern!

Das heißt in erster Linie: gesünder essen, Gewicht reduzieren und sich mehr bewegen. Sinnvoll ist es, die Bewegung in den Alltag zu integrieren. Zum Beispiel, indem man einen Teil des Arbeitsweges zu Fuß bewältigt oder Treppen steigt, statt den Aufzug zu benutzen.
Manchen fällt es leichter, in Bewegung zu kommen, wenn sie das in eine Gruppe tun, zum Beispiel beim Nordic Walking.
 
Studien haben gezeigt, dass Menschen, die 10 - 15 Kilogramm Gewicht verloren haben, in 50 - 80 Prozent der Fälle ihre kritischen Blutzuckerwerte normalisieren konnten. Dazu trägt auch eine Ernährung bei, die Ballaststoff- und eiweißreich, aber kohlenhydratarm ist.

Stress reduzieren

"Wenn wir Stress haben, schüttet der Körper Cortisol aus und Cortisol führt dazu, dass wir Fett einlagern und zwar in Form von Bauchfett", sagt Dr. Kristina Pralle. Das war in früheren Zeiten auf der Flucht vor wilden Tieren hilfreich, um ausreichend Energie zur Verfügung zu haben.
 
Heutzutage ist Bauchfett einer der Risikofaktoren für die Entstehung von Bluthochdruck und Diabetes. Es gilt also Stress abzubauen, am besten, indem man bestimmte Praktiken wie Yoga oder Meditation in den Alltag einbaut. Inzwischen gibt es auch viele Apps und Videos im Internet, mit denen man diese Praktiken erlernen kann.

Medikamente - frühes oder letztes Hilfsmittel?

"Wer in Deutschland Diabetesmedikamente bei Menschen mit einem Prädiabetes einsetzt, bewegt sich im Bereich des Off-Label-Use", erläutert Dr. Kristina Pralle. Das heißt, für diese Patientengruppe sind die Medikamente offiziell nicht zugelassen.
 
Aber: Nicht alle Patientinnen und Patienten schaffen es, ihren Lebensstil zu verändern - und das auch nicht alle aus mangelnder Motivation. Wer zum Beispiel ein Hüft- oder Rückenleiden hat und sich schlecht bewegen kann, dem wird es schwer fallen, sein Gewicht ausreichend zu reduzieren.
 
Diesen Patienten gibt Kristina Pralle ein Blutzuckermessgerät mit nach Hause, mit dem sie ihre Werte regelmäßig kontrollieren können. Sollten sich die Werte verschlechtern, kann die Ärztin dann schnell mit der Gabe von Diabetesmedikamente reagieren.

Beitrag von Ursula Stamm

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