Dicker Bauch über Personenwaage (Quelle: Colourbox)
Bild: Colourbox

Gutes Körperfett, schlechtes Körperfett - Hüftgold schlägt Bierbauch

Wo wir letztlich Fett ansammeln - wir können es uns nicht aussuchen. Neben vielen individuellen Faktoren spielen Sexualhormone die entscheidende Rolle bei der Fettverteilung. Warum Männer vor allem am Bauch zunehmen und was das mit dem Herzen zu tun hat? Zur Fastenzeit hat die rbb Praxis "fettige Erkenntnisse" zusammengertragen.

Jeder nimmt anders zu: Bei dem einen wird aus dem Waschbrett- ein Waschbärbauch, die andere legt vor allem an Hüften und Beinen zu. Wo wir letztlich Fett ansammeln - wir können es uns nicht aussuchen. Neben anderen individuellen Faktoren spielen Sexualhormone die entscheidende Rolle bei der Fettverteilung.

Von Äpfeln und Birnen

Zwischen den Geschlechtern gibt es daher Unterschiede: Vor allem Männer neigen zu Bauchfett, bei Frauen verteilt sich Fett meist eher in Birnenform. Während Testosteron also eine bauchbetonte Fettverteilung begünstigt, fördert Östrogen eher Hüftgold. Vereinfacht könnte man auch sagen: Männer nehmen nach dem Apfel- und Frauen nach dem Birnenprinzip zu. Zumindest bis zur Menopause. Nach den Wechseljahren bekommen auch Frauen mehr Bauchfett, weil ihr Körper dann weniger Östrogen produziert.

Für Männer gibt es gleich zwei schlechte Nachrichten (zum Schluss gibt es aber auch noch eine gute): 1. Laut statistischem Bundesamt sind Männer häufiger übergewichtig als Frauen. 2. Wer überschüssige Fettpolster rund um den Bauch ablagert, hat ein erhöhtes Risiko für zahlreiche sogenannte Wohlstandskrankheiten - wie Bluthochdruck, Herzinfarkt, Schlaganfall oder Stoffwechselerkrankungen, wie Diabetes.

Fett ist nicht gleich Fett

Der Grund für die gesundheitlichen Nachteile liegt in der Beschaffenheit des Fettes: Bauchfett ist besonders stoffwechselaktiv. Im menschlichen Körper gibt es zwei Arten von Fettgewebe: das subkutane und das viszerale.

Das subkutane Fettgewebe wird auch Unterhautfettgewebe genannt, weil es direkt unter der Haut sitzt. Es ist von außen beispielsweise an der Hüfte, am Po oder den Oberschenkeln sichtbar. Unterhautfettgewebe dient vor allem als Wärmeisolator und Energiespeicher. Und: es scheint sogar gesund zu sein. Untersuchungen sprechen dafür, dass subkutanes Fettgewebe in Zusammenhang mit einer erhöhten Insulinempfindlichkeit und einem verbesserten Zuckerstoffwechsel steht und so helfen kann, vor Diabetes zu schützen.

Mehr Fett, mehr Botenstoffe

Unterhautfettgewebe kommt zwar auch im Bauchbereich vor, nämlich zwischen Haut und Bauchmuskeln. Bei allen, die einen sichtbaren Bauch haben, überwiegt jedoch meist das Viszeralfett. Dieses Fett umgibt Organe, wie beispielsweise die Leber und den Darm. Im Gegensatz zum Unterhautfett ist dieses sehr stoffwechselaktiv und setzt daher viele Botenstoffe frei. Die Rolle dieser Botenmoleküle entschlüsseln Forscher erst nach und nach. Fest steht jedoch, dass sie Einfluss auf den Blutdruck nehmen und das Freisetzen von Insulin beeinflussen können.

Je mehr von dem Viszeralfett vorhanden ist, desto mehr Botenstoffe können auch gebildet werden und desto größer wird das Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten und Stoffwechselstörungen.

Neue Studie: Übergewicht kann das Herz schwächen

Forscher der Charité konnten in diesem Zusammenhang in einer neuen Studie zeigen, dass Körperfett den Stoffwechsel mitunter so ungünstig beeinflusst, dass sich die Lipidzusammensetzung des Herzens verändert und das Herz Schaden nimmt. Übergewicht ist also ein großer Risikofaktor für Herzschwäche. Im Tiermodell konnten die Forscher das Gen für das betreffende Enzym im Fettgewebe ausschalteten, so dass keine Fettsäuren mehr freigesetzt wurden. Womöglich könnte das Prinzip in Zukunft auch bei Menschen ein neuer Therapieansatz gegen Herzschwäche sein.

Schnell das Fett weg?

Auch, wenn das Herz noch nicht betroffen ist - bei starkem Übergewicht empfiehlt es sich abzunehmen. Nicht nur, um das Risiko für Herz- und Stoffwechselerkrankungen zu reduzieren sondern beispielsweise auch, um die Gelenke zu schonen.

Und nun zum Schluss noch die (zuvor versprochene) gute Nachricht für alle, die viel Bauchfett haben: wegen seiner hohen Stoffwechselaktivität lässt sich das Viszeralfett wesentlich leichter wieder abbauen als das Unterhautfett. Am besten durch eine langfristige Ernährungsumstellung und regelmäßigen Sport. Denn auch, wenn sich durch kurzfristiges Fasten schnell an Gewicht verlieren lässt, ist die Gefahr des Jo-Jo-Effekts groß. Und Gewichtsschwankungen sind besonders ungesund: Sie bringen das Herz in Gefahr und können das Risiko für plötzlichen Herztod sogar um das bis zu Dreifache erhöhen.

Beitrag von Ariane Böhm

Mehr aus der rbb Praxis

Einkaufskorb mit Radieschen, Brot und losen Kartoffeln (Quelle: imago/MITO)
imago stock&people

rbb Praxis Feature - Gesund essen - aber wie?

Unsere Supermärkte quellen über. Immer reichhaltiger, immer vielfältiger wird das Angebot an Lebensmitteln. Aber was tut der Gesundheit wirklich gut? Dass zu viel Fett und zu viel Zucker in der Ernährung Schaden anrichten können, ist längst bekannt. Aber welche Art von Kohlenhydraten ist vorteilhaft, welche eher bedenklich? Welche Eiweiße sind gut für den Körper und welche Fette? Der Film stellt Patienten vor, die durch eine Umstellung ihrer Ernährung Allergien, Hautausschläge und Reizdarmprobleme losgeworden sind. 

Frau sitzt neben einem Obstkorb und schaut einen Apfel fragend an (Quelle: imago/blickwinkel)
imago stock&people

Gesundes Fasten – schonender mit Pausen

Gerade hat die Fastenzeit begonnen. Viele nehmen diese Zeit zum Anlass innezuhalten, auch beim Essen und Genuss. Strenges Fasten vertragen viele jedoch nicht. Eine verträgliche und schonende Alternative ist "Intervall-Fasten", mit täglichen Essenspausen oder einzelnen Fastentagen. Studien haben gezeigt, dass Intervall-Fasten nicht nur gut tut, sondern auch beim Abnehmen helfen kann. Und es soll sogar vor Diabetes (Typ 2) schützen.

Roter Mund, Quelle: dpa

Zum Valentinstag - Küssen macht Spaß und ist gesund

Der Held umschlingt die Schöne, nimmt sie in die Arme und drückt seine Lippen zart auf ihren Mund. Tausendmal gesehen, tausendmal gemacht - sollte man hoffen. Doch die Deutschen küssen zu wenig. Deswegen rät die Psychologin Ann-Marlene Henning, mehr und intensiver zu küssen - und gesund ist das auch noch!