3D-Grafik Nervenaktivität im Gehirn (Bild: imago images/Science Photo Library)
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Darmgesundheit & Psyche - (Wie) Kann Ernährung gegen Depressionen helfen?

Schützt eine vollwertige, pflanzenbasierte Ernährung vor Depression? Forscher vermuten schon lange, dass Ernährung und Immunsystem bei der Erkrankung entscheidende Rollen spielen. rbb Praxis hat einen Blick auf aktuelle Studien geworfen und das Wichtigste für Sie zusammengefasst.

Psychotherapie und die Einnahme von Antidepressiva sind heute die zwei Hauptsäulen, um Depressionen zu behandeln. Außerdem gelten auch Yoga, Entspannungsübungen oder Achtsamkeitstraining inzwischen als wichtige ergänzende Maßnahmen. Aber Ernährung? Bisher spielt sie selten eine Rolle in der Therapie von Depressionen – das könnte sich in Zukunft ändern.

Forschung: Hirn, Darm, Immunsystem

Neben der Ernährungspsychologie liefert das stark wachsende Fachgebiet der Psychoneuroimmunologie interessante Erkenntnisse in diese Richtung. Im Fokus der Untersuchungen stehen dabei die gegenseitige Beeinflussung von Nerven- und Immunsystem, sowie die Auswirkungen auf Verhalten und Befinden.

Immunsystem und Depression

Schon länger wird die Hypothese diskutiert, Immunprozesse seien an der Entwicklung von Depressionen beteiligt. Gleichzeitig geht man davon aus, dass sich psychische Prozesse auf das Immunsystem auswirken und den Körper so z.B. anfälliger für Infektionen machen könnten.

Aktuelle Untersuchungen scheinen diese Wechselwirkungen zu bestätigen: Eine Studie aus Dänemark beispielsweise konnte einen klaren Zusammenhang zwischen Infektionserkrankungen und einem erhöhten Risiko für Depression und Schizophrenie aufweisen. Gleichzeitig erhöhte die Diagnose einer Autoimmunerkrankung das Risiko einer späteren Depression. Dies lässt sich womöglich auf entzündliche Prozesse zurückführen.

Zeichen von Entzündungsprozessen im Blut

Ob und wie stark depressiv jemand ist, scheinen Forscher nämlich anhand von Entzündungswerten aus dem Blut lesen zu können: Bei Untersuchungen zeigten sich bei schwer depressiven Patienten stark erhöhte CRP-Spiegel. CRP steht für C-reaktives Protein. Das sind Eiweiße im Blut, deren Spiegel bei entzündlichen Erkrankungen ansteigt. Sie sind so ein Marker für entzündliche Prozesse.

Unter einer Behandlung mit Antidepressiva fielen auch die entzündlichen Werte in der Studie ab. Eine andere Studie zeigte einen Zusammenhang auf zwischen der Höhe des CRP-Spiegel und der Schwere der Depression. Allerdings kann eine CRP-Erhöhung auch durch viele andere Faktoren bedingt sein, die bei Depressionen mit hinein spielen. Dazu gehören beispielsweise starkes Übergewicht, Rauchen, aber auch Alterungsprozesse.

"Böser" Bauchspeck

Für stark übergewichtige Patienten mit Depressionen empfiehlt sich: abzunehmen. Denn dies könne auch positive Effekte auf die depressiven Symptome haben, fassen Forscher der der EU-geförderte MooDFOOD-Studie eines ihrer Ergebnisse zusammen.

Unabhängig von der bisher nur vorsichtig zu interpretierenden Studienlage zu CRP und Depression weiß man, dass vor allem Bauchfett, auch viszerales Fett genannt, verschiedene Botenstoffe produziert, die Entzündungen im gesamten Körper fördern: Bauchfett wird u.a. in Zusammenhang gebracht mit einem gesteigerten Risiko für Arteriosklerose, Diabetes und sogar Krebs.

Beim Gewichtsverlust helfen können eine Ernährungsumstellung, kontrollierte Mahlzeiten statt Snacks und ein Notfallkoffer mit gesunden Naschereien wie Walnüssen, dunkler Schokolade oder Datteln – für Tage, an denen kein Antrieb da ist. Wie das genau aussehen kann, zeigen die Ernährungs Docs.

Gut für den Körper, gut für die Psyche?

Auch bei Menschen mit Normalgewicht, wirkt sich eine gesunde Ernährung grundsätzlich positiv auf den Gesamtzustand des Körpers aus und könnte der MooDFOOD-Studie zufolge sogar präventiv auf das Entwickeln einer Depression wirken.

Gesund ist eine pflanzenbasierte Ernährung mit viel frischem Obst und Gemüse, Hülsenfrüchten, Vollkorn, Nüssen und wenig tierischen Produkten (insbesondere Schweinefleisch wirkt entzündungsfördernd), wenig Zucker (ebenfalls entzündungsfördernd) und wenig Weizenmehl (auch entzündungsfördernd).

Mehr als nur fettarm

Auch die groß angelegte Predimed-Studie konnte verschiedene positive Effekte einer solchen mediterranen Diät mit guten nativen Pflanzenölen und Nüssen feststellen:

Teilnehmende der Studie im Alter zwischen 50 und 80 Jahren, die zu einer Hochrisikogruppe für Herz-Kreislauf-Erkrankungen gehörten (rund die Hälfte hatte Typ-2-Diabetes), wiesen nach drei Jahren mit der mediterranen Diät plus einer täglichen Portion Walnüsse weniger depressive Symptome auf, als die Teilnehmer, die sich nur fettarm ernährt hatten.

Echtes Essen, statt Nahrungsergänzungspräparate

Walnüsse enthalten (wie auch z.B. Leinsamenöl) viele Omega-3-Fettsäuren, die einen antientzündlichen Effekt haben - ohne klinisch relevante negative Nebenwirkungen. Auch erste gezielte Studien mit Omega-3-Fettsäuren geben zarte Hoffnung: Bei einer Studie aus Österreich mit Patienten, die zu einer Hochrisikogruppe für Schizophrenie gehörten, entwickelten die Probanden in der Omega-3-Fettsäure-Gruppe im Laufe eines Jahres signifikant seltener Psychosen als die Probanden der Placebo-Gruppe. Diesbezüglich bedarf es aber weiterer Forschung.

Die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln ersetzt keine gesunde Ernährung mit frischem Obst und Gemüse. In der MooDFOOD-Studie waren sie zudem wirkungslos, was die Prävention oder Verbesserung von Depressionen angeht. Bei der Studie wurden Folsäure, Vitamin D, Zink und Selen supplementiert.

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Mit Ernährungsberatung gegen die Depression

Felice Jacka leitet das Food and Mood Centre der Deakin University in Australien. Sie sieht einen klaren Zusammenhang zwischen der Qualität der Ernährung und Depression: "Über Länder, Kulturen und Altersgruppen hinweg, geht eine gesunde Diät mit einem reduzierten Risiko und ungesunde Ernährung mit einem erhöhten Risiko für Depression einher", schreibt sie auf der Website des Instituts.

In einer Studie des Instituts bekamen depressive Probanden für drei Monate die Hilfe einer klinischen Ernährungsberaterin, um ihre Ernährung zu verbessern – in Form einer Mediterranen Diät bei gleichzeitigem Weglassen von Süßigkeiten, Frittiertem, Fast Food, stark verarbeitetes Fleisch und zuckerhaltige Getränke. Die andere Gruppe war Teil einer Social-Support-Gruppe.

Das Ergebnis der Studie fiel für die Ernährungsgruppe durchweg positiv aus: Die Parameter der Depression waren deutlich zurückgegangen. Das Team schlussfolgert: Ernährung könnte eine effektive Strategie für das Management von Depressionen darstellen, deren positive Effekte sich gleichzeitig vorteilhaft auf Komorbiditäten auswirken könnten. Wissen um die Auswirkungen von guter Ernährung kann so Körper und Psyche helfen.

Beitrag von Ariane Böhm

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