3D Grafik eines Corona-Virus in der Lunge (Bild: imago images/Science Photo Library)
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Der unberechenbare Lungenkeim - Coronavirus: Die wichtigsten Antworten zu Sars-CoV-2

Das Coronavirus Sars-CoV-2 breitet sich weiter aus. Erkrankungs- und Todeszahlen steigen. Ein Impfstoff ist noch nicht in Sicht und das Virus Sars-CoV-2 ist von Mensch zu Mensch übertragbar. Deutsche Behörden zeigen sich durch die neu aufgetretenen Fälle in Norditalien alarmiert, aber "gewappnet". Experten hoffen auf den Frühling, auf wärmere Temperaturen. Dann könnte es sein, dass das Virus seinen "Halt" verliert, ähnlich wie das die meisten Grippe- und Erkältungserreger tun.

In Berlin ist eine Hotline eingerichtet. Unter 030 - 90 282828 beraten Fachleute zwischen 8 und 20 Uhr Menschen, die befürchten, sich angesteckt zu haben.

Die Gesundheitsminister aus Mitteleuropa, auch Jens Spahn, treffen sich am 25. Februar in Rom, um über mögliche Gegenmaßnahmen zu sprechen und einen aktuellen Bericht zur Lage abzugeben.

Das Virus Sars-CoV-2 wird von Mensch zu Mensch übertragen. Der Name weist auf die enge Verwandtschaft zum SARS-Virus hin, das 2002/2003 eine Epidemie ausgelöst hatte. Das Akronym SARS steht für "Schweres Akutes Atemwegssyndrom". Covid-19 heißt die neue, durch das Virus ausgelöste, Atemwegserkrankung.

Ein Impfstoff ist noch nicht in Sicht. Derzeit werden verschiedene Wirkstoffe getestet, die die Symptome der Atemwegserkrankung eindämmen sollen.

Die Situation in Deutschland

In Deutschland besteht derzeit noch kein Anlass zur Sorge: Experten des Robert Koch-Instituts (RKI) schätzen die Gefahr weiterhin als gering ein. Diese Einschätzung wird auch vom Europäischen Zentrum für Krankheitsprävention und -kontrolle (ECDC) geteilt. Allerdings rechnen das RKI und Gesundheitsminister Jens Spahn mit neuen Fällen - diese seien wohl nicht mehr verhinderbar.

Der Hamburger Virologe Jonas Schmidt-Chanasit spricht von einer Pandemie. Experten gehen davon aus, dass es auch in Deutschland sehr wahrscheinlich unentdeckte Infektionen gibt. "Durch die Lage in Italien ändert sich auch unsere Einschätzung der Lage: Corona ist als Epidemie in Europa angekommen", sagte Gesundheitsminister Spahn auf einer Pressekonferenz in Berlin (24.02.2020). "Deshalb müssen wir damit rechnen, dass sie sich auch in Deutschland ausbreiten kann."

Derzeit gibt es in Deutschland nur vereinzelt Erkrankungsfälle: Insgesamt sind 16 laborbestätigte Fälle von Covid-19 bekannt. 14 Fälle in Bayern sind auf eine Person zurückzuführen, die die Infektion dort hineingebracht hat. Die meisten Personen sind bereits wieder gesund und aus der Klinik entlassen. Die übrigen Patienten sind auf dem Weg der Besserung.

Alle Fragen zum Coronavirus auf einen Blick

  • Mit welchem Virus haben wir es zu tun?

  • Wie steckt man sich an?

  • Wie ansteckend ist Sars-CoV-2 ?

  • Was ist so gefährlich an Sars-CoV-2 ?

  • Wie lässt sich das Virus nachweisen?

  • Was sollten Menschen tun, die Sorge haben, infiziert zu sein?

  • Welche Art von Infektion ruft das Virus hervor?

  • Wie kann Covid-19 behandelt werden?

  • Wie ging die aktuelle Epidemie los?

  • Dann sind bei Sars-CoV-2 Tiere die Auslöser?

  • Wie lässt sich eine Ausbreitung verhindern?

  • Welche Vorsichtsmaßnahmen sind (im Fall einer Pandemie) angeraten?

  • Gibt es Immunität gegen Covid-19?

Rund 30 deutsche Staatsangehörige, die sich auf dem Passagierschiff "MS Westerdam" aufgehalten hatten und in Kambodscha an Land gegangen waren, sind ebenfalls in häuslicher Quarantäne untergebracht.

Seit Freitag letzte Woche (21.02.2020) versorgt das DRK weitere 15 Rückkehrer aus China in Kirchheim unter Teck in Baden-Württemberg in Quarantäne.

Damit in Deutschland nicht das Gleiche passiert wie in Italien - hier waren Atemwegserkrankungen durch Sars-CoV-2 zunächst als Grippeerkrankung behandelt worden - schlägt der Infektiologe Andreas Kekulé von der Universität Halle vor, hierzulande alle Menschen mit Grippe und schweren Erkältungen auch auf Sars-CoV-2 zu testen. So ließe sich der Ausbruch einer Endemie frühzeitig erkennen, sagte er in der Tagesschau vom 24.02.2020.

Der Stand in Berlin & Brandenburg

Auch in Berlin, Potsdam, Cottbus und einigen Brandenburger Landkreisen gab es Verdachtsfälle, die aber alle negativ auf das Sars-CoV-2 getestet wurden.

Sechs Deutsche, die mit dem Kreuzfahrtschiff "Diamond Princess" gereist waren, werden nach zwei Wochen Quarantäne in Japan und negativer Testung zurück in Deutschland weitere zwei Wochen in häuslicher Quarantäne verbringen.

Am Sonntag 23.02.2020 hatten 20 Rückkehrer aus Wuhan eine Quarantäne-Station in Berlin-Köpenick verlassen. Sie waren alle negativ getestet worden.

So können Sie helfen, Infektionen einzudämmen

Um sich selbst und andere vor Ansteckung und vor allem Tröpfchen-Infektion zu schützen, rät das Science Media Center Germany zu folgenden konkreten Vorsichtsmaßnahmen:

– Abstand zu Erkrankten halten (ein bis zwei Meter)

– regelmäßiges, häufiges und sorgfältiges Händewaschen (mindestens 20 Sekunden mit Seife, bis zum Handgelenk) – das senkt auch die Gefahr einer Grippeinfektion

– Händeschütteln und Umarmung ersetzen durch Ellbogenschläge (sogenannter "Ebola-Händedruck")

– weniger ins Gesicht greifen

– Schleimhäute im Gesicht (Mund, Augen (!), Nase) nicht mit Finger berühren

– in die Armbeuge niesen

– in Taschentücher schnäuzen oder niesen und diese schnell entsorgen

– weitere schützende Gewohnheiten nutzen: etwa das Drücken von Fahrstuhlknöpfen mit Knöchel statt Fingerspitze

– belebte Orte und Veranstaltungen meiden

– bei Bedarf Handschuhe tragen (nach täglichem Wechseln waschen)

Atemmasken bieten Gesunden hingegen wenig Schutz, die Befeuchtung der Maske durch kondensierte Atemluft hebt den Schutz nach rund 20 Minuten auf, die Masken sollten medizinischem Personal vorbehalten sein.

Lage in Europa

Aktuell sind die Behörden durch die Situation in Norditalien aufgerüttelt: Dort waren Atemwegserkrankungen durch Sars-CoV-2 zunächst als Grippeerkrankung behandelt worden, die Krankheit konnte sich dadurch ausbreiten; auch Klinikpersonal hat sich angesteckt. In Italien sind derzeit > 220 Menschen erkrankt. Mindestens sieben starben, alle hatten Vorerkrankungen. Zuletzt wurde ein wahrscheinlicher Fall aus Südtirol bekannt.

Die Behörden haben zehn Gemeinden in der Lombardei und in Venetien mit rund 50.000 Bewohnern zu Sperrzonen erklärt. Dort kontrollieren Sicherheitskräfte, wer rein und raus darf - in der Regel niemand. Die betroffenen Gemeinden stehen unter Quarantäne. Schulen, Universitäten und Museen bleiben geschlossen. Der Karneval in Venedig wurde frühzeitig beendet. Der italienische Skiverband hat bis auf ein Rennen am kommenden Wochenende alle seine Veranstaltungen im Land für eine Woche ausgesetzt. Fußballspiele der ersten italienischen Liga sollen vor leeren Rängen durchgeführt werden.

Unklar ist nach wie vor, auf welchem Weg und durch welche Person das Coronavirus nach Italien gelangt ist. Nach diesem "Patient Zero", dem Ursprungspatientenl, werde weiterhin intensiv gesucht, sagte Italiens Zivilschutzchef Angelo Borrelli in einer Meldung der Tagesschau. Es gelten aktuell keine Reisebeschränkungen in Norditalien.

Infos im Netz

Die Situation weltweit

In China sind die Infektionszahlen zuletzt gesunken; der Gipfel der Epidemie war der WHO zufolge zwischen dem 23. Januar und dem 2. Februar. In China hatten sich zuletzt 77.779 mit Sars-CoV-2 infiziert, 2.666 Menschen sind gestorben (Quelle: WHO, Stand: 25.02.2020 06:00 CET). Experten gehen davon aus, dass medizinisches Personal und Krankenhäuser am Limit sind - und erfasste Fälle vor allem schwere Krankenhausfälle sind. Dafür spräche auch die relativ hohe Sterberate (2 bis 2,2 Prozent).

Weltweit zählt die WHO 80.142 Infizierte und 2.698 Tote (Quelle: WHO, Stand: 25.02.2020 06.00 CET). Die Letalität außerhalb Chinas liegt bei 0,2 Prozent. Mittlerweile gibt es aus 32 Ländern bestätigte Infektionen.

Südkorea entwickelt sich derzeit zum neuen Endemiegebiet: Im Verlaufe des Montags (24.02.2020) waren über 230 neue Fälle bekannt geworden, die Gesamtzahl der Infizierten stieg auf über 800. Im Iran stieg die Zahl der gemeldeten Todesopfer auf 12. Im Nachbarland Afghanistan wurde am Montag der erste Fall einer Erkrankung bestätigt. Auch die beiden Staaten Bahrain und Kuwait auf der Arabischen Halbinsel bestätigten erste Fälle.

Aktuelle Reiseempfehlungen stehen auf den Seiten des Auswärtigen Amtes. Aktuell wird empfohlen, auf Reisen in die chinesische Provinz Hubei (inkl. Stadt Wuhan) und die Städte Wenzhou, Hangzhou, Ningbo und Taizhou in der Provinz Zhejiang zu verzichten. Bislang gelten bis auf China keine Reiseeinschränkungen.

Wie kann man sich vor dem Coronavirus schützen?

Beitrag von Constanze Löffler

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