Rollstuhl auf Gang eines Pflegeheims (Bild: Colourbox)
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Leben im Alter l Tipps bei der Suche - Wie finde ich das richtige Pflegeheim?

Für viele Ältere ist es keine schöne Vorstellung: Leben im Pflegeheim. Doch nicht immer ist es möglich, zuhause zu bleiben. Sei es, weil Angehörige weit weg sind oder die medizinische Versorgung nicht mehr gewährleistet werden kann. Aber: Ein Heim kann auch die bessere Lösung sein - weil es leichter ist, soziale Kontakte zu knüpfen und mehr Angebote für die Alltagsgestaltung gibt. rbb Praxis über die wichtigsten Aspekte bei der Wahl des richtigen Pflegeheims.

Was man im Vorfeld bedenken sollte

Niemandem fällt es leicht, einen möglichen Heimaufenthalt zu planen. Doch es kann sinnvoll sein, sich rechtzeitig zu informieren, weil Heimplätze unter Umständen rar sind. Es ist möglich, sich auch in mehreren Heimen Plätze unverbindlich zu reservieren. Wenn dann der Fall der Fälle eintritt, hat man einfach eine größere Chance, einen Platz zu bekommen.

Bei der Wahl eines Pflegeheims gibt es verschiedene Kriterien, die sich nicht nur nach dem zukünftigen Bewohner, sondern auch nach den Angehörigen richten sollten. Das gilt vor allem für die Wahl des Ortes. Wenn die Angehörigen weiter weg wohnen, sollte man darüber nachdenken, ob nicht dort nach einem geeigneten Heim gesucht wird. "Ist es der Ehepartner, der allein ins Heim geht, sollte der Partner prüfen, ob er das Heim auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen kann und wie die Wegbeschaffenheit ist", sagt Manuela Brockmeier vom Pflegestützpunkt in Potsdam.

Leidet der ältere Mensch an einer Demenz oder einer psychischen Erkrankung, sollte ein Pflegeheim ausgewählt werden, das auf solche Erkrankungen eingestellt ist. Vor allem Menschen, die eine "Weglauftendenz" haben, müssen manchmal in einer geschlossenen Einrichtung untergebracht werden, damit sie sich nicht ständig selbst gefährden. Fragen sollte man auch nach der ärztlichen Anbindung des Heims. Gibt es Kooperationsverträge mit Fachärzten, aber auch mit Zahnärzten? Gerade bei der zahnmedizinischen Versorgung gibt es häufig Engpässe.

Sich selbst einen Eindruck verschaffen

Besuchen Sie einfach mal ein Pflegeheim, ohne große Vorankündigung. Das ist in der Regel möglich und sollte vom Heim auch nicht verwehrt werden. Man sollte versuchen, mit den Bewohnern ins Gespräch zu kommen; das kann zum Beispiel bei einem Besuch im Garten des Heims zwanglos geschehen. Auf Nachfrage ist es bestimmt auch möglich, ein Zimmer zu besichtigen und sich einen Eindruck über die Räumlichkeiten des Hauses zu verschaffen. Bei dieser Gelegenheit kann man auch in Erfahrung bringen, ob es Einzelzimmer gibt oder ob eigene Möbel oder Haustiere mitgebracht werden können. In den meisten Heimen kann man auch für zwei Wochen auf "Probe wohnen".

Orientierung bei der Bewertung eines Heims

Von der Qualität sollte man sich in erster Linie natürlich selbst überzeugen. Aber es gibt auch Einrichtungen, die die Qualität von Pflegeheimen regelmäßig prüfen. Eine davon ist der medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK), der seit 2009 mit seinem Transparenzbericht Noten für Pflegeheime vergibt.
 
Die Pflegenoten wurden mittlerweile - auf Basis einer neuen gesetzlichen Grundlage 2015 - durch ein sogenanntes indikatorengestütztes Qualitätsmessungsinstrument für stationäre Einrichtungen ersetzt. Die alten Pflegenoten wurden abgeschafft. Seit 2019 wird stattdessen das neue Qualitätssystems schrittweise umgesetzt. Die veröffentlichte Qualitätsdarstellung ist komplex und kompliziert. Sie kann aber helfen, mehrere Einrichtungen miteinander zu vergleichen.
Bis Ende Juni 2021 wurden alle Pflegeheime einmal geprüft, seitdem im Abstand von einem Jahr. Bekommt ein Heim gute Indikatoren- und gute Prüfergebnisse, wird es seit Juli 2021 nur noch alle zwei Jahre vom MDK geprüft.
 
Die Krankenkassen bewerten in der Regel auch Pflegeheime. Mehr aus der Sicht der Bewohner begutachtet das Internetportal heimverzeichnis.de. "Man kann sich auch an die Seniorenbeiräte der Kommunen oder der Stadt wenden, die kennen die Pflegeheime in der Umgebung meistens recht gut", weiß Manuela Brockmeier.

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Nichts ist umsonst: Kosten

Die Pflegekasse zahlt feste Sätze zu einem Heimplatz dazu. Für den Pflegegrad I sind das 770 Euro im Monat, für den Pflegegrad II 1.262  Euro, bei Pflegegrad III 1.775 Euro und bei Pflegegrad IV 2.005 Euro.
 
Außerdem muss der Bewohner/die Bewohnerin selbst oder seine Angehörigen einen Eigenanteil sowie Hotel- und Investitionskosten zusätzlich zu den Kosten der vollstationären Pflege leisten. 
Sind Geldanlagen der Betroffenen - wie Immobilien oder Lebensversicherungen - aufgebraucht, springt das Sozialamt ein.
 
Durch die Einführung des Angehörigen-Entlastungsgesetzes müssen Kinder seit 01.01.2020 jedoch erst ab einem jährlichen Bruttoeinkommen von 100.000 € zum Unterhalt der Eltern beitragen.
 
Aber ist ein teures Heim immer automatisch ein gutes Heim? "Die Heimkosten haben nichts mit der Qualität zu tun", sagt Manuela Brockmeier vom Pflegestützpunkt in Potsdam. Die Kosten für die pflegerischen Leistungen sind in der Regel überall gleich. Was dann zu Buche schlägt, ist die Lage eines Heims, etwa im Grünen oder am Wasser, und auch die bauliche Ausstattung. Wer darauf viel Wert legt, muss einfach tiefer in die Tasche greifen.

Verträge genau überprüfen

Wer in ein Pflegeheim zieht, schließt einen Vertrag über das Wohnen und die Pflegeleistungen ab. Das ist in dem Wohn- und Betreuungsvertragsgesetz geregelt. Das Gesetz trat 2009 in Kraft und wurde seitdem durch verschiedene Gesetze modifiziert, zuletzt im Herbst 2019 mit Wirkung zum 1. Januar 2020. 
Das heißt, selbst wenn ein Heim diese Bereiche organisatorisch getrennt hält, muss man nicht mit zwei Vertragspartnern verhandeln. "Wenn man dieses Pamphlet in die Hand gedrückt bekommt, ist man erst einmal erschlagen, das ist auch für Profis manchmal nicht ganz einfach", weiß Pflegeberaterin Manuela Brockmeier.
 
Gut gemachte Verträge beinhalten auf jeden Fall, welche Leistungen überhaupt erbracht werden sollen. Auch wenn es mühselig ist, sollte man sich die Zeit nehmen, den Vertrag gründlich zu prüfen. Hilfe bieten hier die Verbraucherzentralen, aber auch spezielle Anwälte. Selbst wenn hierfür Geld fällig wird, kann sich das in vielen Fällen lohnen. Denn ein Rechtstreit nach Vertragsabschluss kommt einen oft teurer. Häufige Streitpunkte sind nach Erfahrung der Verbraucherzentralen die Regelungen zur Anpassung pflegerischer Leistungen, die Preisgestaltung und das Kündigungsrecht.

Beitrag von Ursula Stamm / Beate Wagner

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