Pflegekraft und Bewohnerin im Altenheim in Berlin (Quelle: imago/epd)

Tipps bei der Suche - Wie finde ich das richtige Pflegeheim?

Für viele ältere Menschen ist es keine schöne Vorstellung: das Leben in einem Pflegeheim. Doch nicht immer ist es möglich, zuhause zu bleiben. Sei es, weil die Angehörigen weit weg sind oder weil die medizinische Versorgung nicht mehr gewährleistet werden kann. Aber: Ein Heim kann auch die bessere Lösung sein - weil es leichter ist, soziale Kontakte zu knüpfen und weil es mehr Angebote gibt, den Alltag aktiv zu gestalten. rbb Praxis über die wichtigsten Aspekte bei der Wahl des richtigen Pflegeheims.

Was man im Vorfeld bedenken sollte

Niemandem fällt es leicht, einen möglichen Heimaufenthalt zu planen. Doch es kann sinnvoll sein, sich rechtzeitig zu informieren, weil Heimplätze unter Umständen rar sind. Es ist möglich, sich auch in mehreren Heimen Plätze unverbindlich zu reservieren. Wenn dann der Fall der Fälle eintritt, hat man einfach eine größere Chance, einen Platz zu bekommen.

Bei der Wahl eines Pflegeheims gibt es verschiedene Kriterien, die sich nicht nur nach dem zukünftigen Bewohner, sondern auch nach den Angehörigen richten sollten. Das gilt vor allem für die Wahl des Ortes. Wenn die Angehörigen weiter weg wohnen, sollte man darüber nachdenken, ob nicht dort nach einem geeigneten Heim gesucht wird. "Ist es der Ehepartner, der allein ins Heim geht, sollte der Partner prüfen, ob er das Heim auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen kann und wie die Wegbeschaffenheit ist", sagt Manuela Brockmeier vom Pflegestützpunkt in Potsdam.

Leidet der ältere Mensch an einer Demenz oder einer psychischen Erkrankung, sollte ein Pflegeheim ausgewählt werden, das auf solche Erkrankungen eingestellt ist. Vor allem Menschen, die eine "Weglauftendenz" haben, müssen manchmal in einer geschlossenen Einrichtung untergebracht werden, damit sie sich nicht ständig selbst gefährden. Fragen sollte man auch nach der ärztlichen Anbindung des Heims. Gibt es Kooperationsverträge mit Fachärzten, aber auch mit Zahnärzten? Gerade bei der zahnmedizinischen Versorgung gibt es häufig Engpässe.

Sich selbst einen Eindruck verschaffen

Besuchen Sie einfach mal ein Pflegeheim, ohne große Vorankündigung. Das ist in der Regel möglich und sollte vom Heim auch nicht verwehrt werden. Man sollte versuchen, mit den Bewohnern ins Gespräch zu kommen; das kann zum Beispiel bei einem Besuch im Garten des Heims zwanglos geschehen. Auf Nachfrage ist es bestimmt auch möglich, ein Zimmer zu besichtigen und sich einen Eindruck über die Räumlichkeiten des Hauses zu verschaffen. Bei dieser Gelegenheit kann man auch in Erfahrung bringen, ob es Einzelzimmer gibt oder ob eigene Möbel oder Haustiere mitgebracht werden können. In den meisten Heimen kann man auch für zwei Wochen auf "Probe wohnen".

Orientierung bei der Bewertung eines Heims

Von der Qualität sollte man sich in erster Linie natürlich selbst überzeugen. Aber es gibt auch Einrichtungen, die die Qualität von Pflegeheimen regelmäßig prüfen. Eine davon ist der medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK), der mit seinem Transparenzbericht Noten für Pflegeheime vergibt. Bei diesem Bericht ist es ganz wichtig, sich die Einzelnoten anzusehen und nicht nur die Gesamtnote. Denn mit den Einzelnoten können schlechte Noten in bestimmten Bereichen auch wieder ausgeglichen werden.

Die Krankenkassen bewerten in der Regel auch Pflegeheime. Mehr aus der Sicht der Bewohner begutachtet das Internetportal heimverzeichnis.de. "Man kann sich auch an die Seniorenbeiräte der Kommunen oder der Stadt wenden, die kennen die Pflegeheime in der Umgebung meistens recht gut", weiß Manuela Brockmeier.

Nichts ist umsonst: die Kosten

Seit Januar 2015 gelten feste Sätze, die von der Pflegekasse zu einem Heimplatz dazu gezahlt werden. Für die Pflegestufe I sind das 1.064 Euro im Monat, für die Pflegestufe II 1.330 Euro und bei Pflegestufe III 1.612 Euro. Den Rest müssen der Bewohner selbst oder seine Angehörigen zahlen. Erst wenn dort nichts zu holen ist und Geldanlagen wie Immobilien oder Lebensversicherungen aufgebraucht sind, springt das Sozialamt ein.

Aber ist ein teures Heim immer automatisch ein gutes Heim? "Die Heimkosten haben nichts mit der Qualität zu tun", sagt Manuela Brockmeier vom Pflegestützpunkt in Potsdam. Die Kosten für die pflegerischen Leistungen sind in der Regel überall gleich. Was dann zu Buche schlägt, ist die Lage eines Heims, etwa im Grünen oder am Wasser, und auch die bauliche Ausstattung. Wer darauf viel Wert legt, muss einfach tiefer in die Tasche greifen.

Verträge genau überprüfen

Wer in ein Pflegeheim zieht, schließt einen Vertrag über das Wohnen und die Pflegeleistungen ab. Das ist seit dem 1. Oktober 2009 durch das Wohn- und Betreuungsgesetz geregelt und umschließt beide Leistungsbereiche. Das heißt, selbst wenn ein Heim diese Bereiche organisatorisch getrennt hält, muss man nicht mit zwei Vertragspartnern verhandeln. "Wenn man dieses Pamphlet in die Hand gedrückt bekommt, ist man erst einmal erschlagen, das ist auch für Profis manchmal nicht ganz einfach", weiß Pflegeberaterin Manuela Brockmeier.

Gut gemachte Verträge beinhalten auf jeden Fall, welche Leistungen überhaupt erbracht werden sollen. Auch wenn es mühselig ist, sollte man sich die Zeit nehmen, den Vertrag gründlich zu prüfen. Hilfe bieten hier die Verbraucherzentralen, aber auch spezielle Anwälte. Selbst wenn hierfür Geld fällig wird, kann sich das in vielen Fällen lohnen. Denn ein Rechtstreit nach Vertragsabschluss kommt einen oft teurer. Häufige Streitpunkte sind nach Erfahrung der Verbraucherzentralen die Regelungen zur Anpassung pflegerischer Leistungen, die Preisgestaltung und das Kündigungsrecht.

Beitrag von Ursula Stamm

Dossier

Rollstuhlfahrer mit Pfleger auf einer Medikamentenpackung (Quelle: imago/Ralph Peters)

Dossier | Älter werden - Pflege im Alter

Viele alte Menschen kommen nicht mehr alleine zurecht: Sie sind auf Hilfe angewiesen - beim Anziehen, Waschen, Essen. rbb Praxis hat ein Dossier für Pflegebedürftige und ihre Angehörigen zusammengestellt und informiert über Pflegegesetz, Pflegemöglichkeiten, Wohnmodelle, Demenz, Hilfe für Angehörige und vieles mehr rund ums Thema Pflege im Alter.