Hand vorm Mund (Quelle: colourbox)
Bild: colourbox

Interview zu Ursachen und Tipps - Tabuthema Mundgeruch – und was man dagegen tun kann

Niemand spricht gern darüber und nicht wenige haben ihn: Mundgeruch. Entgegen dem weit verbreiteten Vorurteil liegt die Ursache nur selten im Magen, sondern meist im Mundraum. Stefan Günther ist Zahnarzt in Berlin. Er spricht seine Patienten offen darauf an, wenn sie unangenehm aus dem Mund riechen. Weil er weiß, dass man in den meisten Fällen etwas dagegen tun kann. 

Herr Günther, wie sind Sie dazu gekommen, sich so intensiv mit dem Thema Mundgeruch – Halitosis – zu beschäftigen?

Ich arbeite seit rund 30 Jahren vor allem in der Prophylaxe, also dem Bereich der Zahnheilkunde, wo es um die Vorbeugung von Erkrankungen der Zähne und des Zahnfleisches geht. Da kommt man automatisch mit diesem Thema in Berührung. Es gibt einen großen Informationsbedarf bei den Menschen. Viele informieren sich zunächst im Internet, weil sie sich scheuen, das Thema ihrem Arzt gegenüber anzusprechen. Unsere Praxis bietet im Internet die Möglichkeit, per Mail Kontakt zu unserer Mundgeruchssprechstunde aufzunehmen. Dieses Angebot nutzen viele Patienten und dann ist die größte Hürde oft schon überwunden.

Wie entsteht Mundgeruch überhaupt?

Letztlich entsteht Mundgeruch immer durch Bakterien, und zwar durch sogenannte anaerobe Bakterien, die zumeist im Mund oder Rachenraum angesiedelt sind. Sie zersetzen Nahrungsreste oder abgestorbene Zellen und bei diesem Abbauprozess entstehen schwefelhaltige, übelriechende Gase, die wir als Mundgeruch wahrnehmen.

In über 90 Prozent aller Fälle verursachen Bakterien im Mundraum den schlechten Atem, manchmal auch im Nasen-Rachenraum, ganz selten sind Magenerkrankungen die Ursache von Mundgeruch. Gar nicht so selten spielen Medikamente eine Rolle. Viele Medikamente, zum Beispiel Blutdruckmedikamente, verursachen Mundtrockenheit. Und die befördert in der Mundhöhle ein Klima, in dem die anaeroben Bakterien ideale Wachstumsbedingungen haben. Auch Kaffee, Nikotin und viel Sprechen trocknen den Mund aus und fördern somit die Entstehung von Mundgeruch.

Was können Sie als Zahnarzt dann tun?

Am einfachsten liegt der Fall eigentlich, wenn die Patienten eine schlechte Mundhygiene haben. Das klingt vielleicht etwas paradox. Aber dann ist die Ursache klar und die Lösung auch: eine verbesserte Mundhygiene. Was viele vernachlässigen, ist die Reinigung der Zahnzwischenräume und auch der Zunge. Haben die Patienten eine gute Mundhygiene, muss man nach anderen Ursachen suchen, zum Beispiel Zahnfleischentzündungen oder kariöse Zähne.

Wenn ich diese Probleme behandele, bessert sich fast immer auch der Mundgeruch. Patienten, die zu Zahnfleischentzündung (Parodontitis) oder Karies neigen, sollten spätestens jedes halbe Jahr eine professionelle Zahnreinigung machen lassen. Liegt die Ursache des Mundgeruchs nicht im Mundraum, können Polypen in der Nase oder eine chronische Mandelentzündung Mundgeruch verursachen. Dann überweise ich die Patienten zu einem Hals-Nasen-Ohrenarzt.

Kann man selbst feststellen, ob man Mundgeruch hat?

Wenn der Mundgeruch sehr stark ist, kann man das schon selbst merken. Besteht da Unsicherheit, sollte man doch die Scheu überwinden und seine Mitmenschen danach fragen. Wenn es in meiner Praxis um das Thema geht, bitte ich die Patienten, mich aus festgelegten Abständen anzuhauchen.

Es gibt aber auch eine objektive Messung mit einem sogenannten Halimeter, wo man in der Atemluft von Mund und Nase messen kann, ob Schwefelwasserstoffverbindungen vorhanden sind oder nicht. Es gibt allerdings - vor allem unter den jüngeren Menschen - auch solche, die hatten mal Mundgeruch und werden die Angst nicht los, dass sie immer noch darunter leiden. Dafür gibt es sogar einen Fachbegriff, die Halitophobie. Diese Patienten lassen sich dann manchmal sogar durch eine Messung mit dem Halimeter nicht vom Gegenteil überzeugen.

Können ernsthafte Erkrankungen hinter Mundgeruch stecken?

In meiner Praxis habe ich fast ausschließlich mit Patienten zu tun, bei denen die Ursache im Mundraum liegt, selten im Bereich von Nase und Rachen. Es ist eher so, dass ich Patienten sehe, die haben schon eine Magenspiegelung hinter sich und der Mundgeruch ist immer noch da, weil er eben nicht vom Magen kommt. Natürlich gibt es seltene Fälle, in denen hinter dem Mundgeruch eine ernsthafte Erkrankung, wie eine Lungenerkrankung oder Diabetes steckt. Diabetes-Patienten haben häufiger Zahnfleischentzündungen und dann ist es manchmal sogar so, dass darüber der Diabetes überhaupt erst festgestellt wird.

Was kann ich selbst gegen Mundgeruch tun?

Sind Medikamente die Ursache von Mundtrockenheit und Mundgeruch, sollte man auf keinen Fall die Medikamente absetzen! Wichtig ist hier, auf jeden Fall viel zu trinken. Das gilt auch für Menschen die zum Beispiel beruflich bedingt viel Sprechen müssen. Eine gute Mundhygiene ist natürlich das A und O und dabei vor allem die Reinigung der Zahnzwischenräume und auch der Zunge. Wobei deren Reinigung mit Hilfe einer Zungenbürste aus meiner Sicht etwas überschätzt wird, weil die Oberfläche der Zunge so groß ist, dass die Bakterien sich sehr schnell wieder vermehren. Risikofaktoren wie Rauchen und Kaffee sollte man möglichst eingrenzen.

Hilfreich sind Bonbons oder Kaugummi mit dem Zuckeraustauschstoff Xylit. Die sorgen nicht nur für guten Atem, sondern liefern den Bakterien auch kein Futter, mit dem sie unangenehme Gase produzieren können. Mundspülungen mit Chlorhexidin sind vor allem nach einer Zahnfleischbehandlung hilfreich, weil sie Bakterien im Mundraum und auch in den Zahnfleischtaschen reduzieren. Länger als drei oder vier Wochen sollte man diese Mundspülungen aber nicht anwenden, weil die zu Zahnverfärbungen führen.

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Günther.

Das Interview führte Ursula Stamm

Beitrag von Ursula Stamm

Weitere Beiträge

Pollen vom Wiesen-Fuchsschwanz wehen durch die Luft (Quelle: imago/blickwinkel)
imago/blickwinkel

Ausblick, Vorbeugung, Behandlung - Lästige Pollenallergie im Frühling

Wenn es wieder in der Nase kitzelt, die Augen brennen und explosionsartige Niesattacken einen plagen, sind das eindeutige Alarmzeichen für Allergiker. Mediziner raten dringend dazu, Heuschnupfen ärztlich behandeln zu lassen. Ansonsten besteht die Gefahr, dass sich eine Pollenallergie zu einem allergischen Asthma entwickelt.

Grafik einer Hausstaubmilbe (Bild: imago/Science Photo Library)
imago/Science Photo Library

Interview | Symptome bekämpfen - Mit den richtigen Maßnahmen gegen Milben

Hausstaub-Allergie - das heißt häufiges Jucken der Augen, Niesreiz, Schnupfen, Nasenblockade, Halsschmerzen und asthmatische Beschwerden. Die Symptome treten meist nachts auf, denn hier ist man der höchsten Allergenbelastung ausgesetzt. Doch was lässt sich tun gegen die lästigen Symptome? rbb online sprach mit Dr. med. Nina Harbisch, Fachärztin für Pneumologie, Innere Medizin und Allergologie.