Grafik von Cholesterin im Blut (Bild: imago/Westend61)
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Hilfe & Therapie - Zu hohen Cholesterinspiegel richtig behandeln

Ein gesunder Lebensstil und die Einnahme von Cholesterinsenkern bilden den Schwerpunkt bei der Behandlung hoher Cholesterinwerte. Während die Medikamente einzig auf die hohen Fettwerte wirken, können einfache Lifestyle-Maßnahmen auch andere Risikofaktoren und Vorerkrankungen günstig beeinflussen.

Mit Lipidsenkern gegen Fettstoffwechselstörung

Bei einem zu hohen LDL-Cholesterinspiegel gehören Statine zu den wichtigsten Medikamenten. Sie hemmen die körpereigene Bildung von Cholesterin in der Leber. Leber und Zellen nehmen in Folge mehr LDL-Cholesterin aus dem Blut auf - der Cholesterinspiegel im Blut lässt sich effektiv senken.
 
Außer den Statinen gehören auch Ezetimib und die PCSK9-Hemmer ins Repertoire der Lipidsenker, mit denen möglichst niedrige Werte für LDL-Cholesterin erreicht werden können. Denn: Je höher LDL-Cholesterin im Blut ist, desto höher ist auch die Ereignis- und Komplikationsrate bei Herzkreislauf-Erkrankungen.

LDL-Cholesterinaufnahme: Zwischen Hemmern und Anreizen

Ezetimib hemmt die Aufnahme des Cholesterins aus dem Dünndarm. Die wichtigsten Nebenwirkungen sind Durchfall und Bauchweh. Kombiniert man Ezetimib und Statine miteinander, fällt das LDL-Cholesterin stärker ab. Der Cholesterin-Resorptionshemmer kann grundsätzlich mit jedem Statin kombiniert werden.
 
Genügt auch das nicht, besteht die nächste Therapie-Option in der Zugabe eines PCSK9-Hemmers. Die Antikörper richten sich gegen das körpereigene Protein PCSK9 und hemmen den Abbau von LDL-Rezeptoren in der Leber. Somit bleiben mehr dieser Rezeptoren erhalten, die wiederum dafür sorgen, dass das LDL-Cholesterin in der Leber aufgenommen und abgebaut wird - und der LDL-Cholesterinspiegel sinkt.
 
Neuerdings wird noch ein weitere Wirkstoff getestet, beispielsweise an der Berliner Charité: Inclisiran, ebenfalls ein PCSK9-Inhibitor. Manche Mediziner halten die neue Substanz und seine Wirkung gar für eine Revolution in der Cholesterintherapie: Inclisiran als alleinige Therapie senkt den LDL-Wert um 50 Prozent, zusammen mit einer Standardtherapie sogar um 80 Prozent.
Der Vorteil: Man muss das Präparat nur zweimal im Jahr spritzen. Die Nebenwirkungen scheinen ersten Untersuchungen zufolge sehr gering zu sein.

Wie gefährlich sind Statine?

Die medikamentöse Therapie der Blutfettwerte mit Statinen wird trotz der breiten Anwendung teilweise kritisch gesehen. Ihre Wirksamkeit ist zwar gut belegt, aber jeder zehnte Patient leidet unter Nebenwirkungen:
• Muskel- und Gelenkschmerzen,
• Gelenkentzündungen und gelegentlich
• Hautproblemen.
 
Insbesondere können die Statine in sehr seltenen Fällen einen lebensgefährlichen Zerfall der Muskelzellen auslösen, auch als Rhabdomyolyse bezeichnet. Im Jahr 2001 musste der Bayer-Konzern sein Statin Lipobay vom Markt nehmen, nachdem es zu mehreren Todesfällen gekommen war.
 
Schätzungsweise ein Fünftel der Patientinnen und Patienten bricht die Statin-Therapie wegen Muskel- und Gelenkschmerzen oder anderer Nebenwirkungen ab.
Eine Ende 2020 publizierte Studie legt nun nahe, dass die Nebenwirkungen teilweise sogenannte Nocebo-Effekte sind: Die Probanden hatten auch dann Nebenwirkungen verspürt, als sie nur Scheinmedikamente eingenommen hatten. Allerdings war die Studie nur mit einer kleinen Gruppe von 60 Patienten durchgeführt worden – weitere Untersuchungen müssen folgen.

Wie kann ich mein Cholesterin senken?

Neben der medikamentösen Therapie können Menschen mit erhöhten Cholesterinwerten auch selbst aktiv werden: indem sie z.B. Übergewicht reduzieren, sich mehr bewegen und mit dem Rauchen aufhören.
Der Vorteil: Diese Lifestyle-Maßnahmen beeinflussen auch alle anderen Risikofaktoren und -Erkrankungen positiv.
Beispiel Typ 2-Diabetes
: Bei einem Gewichtsverlust von 10 - 15 Kilo lässt sich der Diabetes bei einem Großteil der Menschen in Remission bringen, also zurückdrängen.
Oder Bluthochdruck: Die Blutdruckwerte senken sich mit jedem Kilo Gewicht. Regelmäßiger Sport kann den systolischen Blutdruckwert um etwa 10 - 20 mmHg senken - mehr, als sich mit den meisten Medikamenten erreichen lässt. Schon eine geringe Zunahme der körperlichen Aktivität kann den systolischen Blutdruck um vier bis acht mmHg verringern.
Experten raten, fünfmal pro Woche für eine halbe Stunde sportlich aktiv zu sein. Empfehlenswert sind insbesondere Ausdauersportarten wie Nordic Walking, Fahrradfahren, Skilanglauf und Schwimmen.

Welche Rolle spielt die Ernährung?

Cholesterin in Nahrungsmitteln beeinflusst den Cholesterinspiegel weniger als lange angenommen. Spezielle Mechanismen im Verdauungssystem gesunder Menschen verhindern, dass der Körper zu viel Cholesterin aus den Nahrungsmitteln aufnimmt. Und: Der gesunde Körper drosselt die eigene Cholesterinproduktion, wenn mit der Nahrung vermehrt Cholesterin aufgenommen wird.
Die Cholesterinwerte im Blut bleiben daher nahezu konstant. Selbst der Genuss mehrerer Eier pro Tag ist deshalb ungefährlich. Offenbar gilt das auch für andere Lebensmittel wie Fleischprodukte.
 
Der Cholesterinspiegel im Blut dagegen wird vor allem durch die körpereigene Produktion in der Leber beeinflusst: 80 Prozent des Cholesterins im Blut produziert der Körper selbst. Dabei spielt wiederum die Art des Fettes, das wir essen, eine wichtige Rolle. Gesättigte Fettsäuren, wie sie in gehärteten Fetten enthalten sind, erhöhen den Wert des "schlechten" LDL-Cholesterins. Gehärtete Fette finden sich zum Beispiel in verarbeiteten Fleischwaren, wie Wurst und Schweinebraten, Pommes Frites, Gebäck, Chips oder Crackern.
 
Es gibt Alternativen: Wer z.B. statt Vollfettmilch fettarme Milch nimmt, senkt seinen Cholesterinwert. Hafer, spezielle Margarine und rot fermentierter Reis können den Cholesterinspiegel sogar direkt senken.
Einen neuen Ansatz entwickeln gerade Ärzte an der Berliner Charité: Kapseln mit Propionsäure, eine kurzkettige Fettsäure, die von bestimmten Darmbakterien gebildet wird. Die Substanz kann die Aufnahme von Cholesterin aus dem Darm hemmen - in einer ersten Studie um acht Prozent.

Wie viel Fett braucht der Körper?

Sich ganz fettfrei zu ernähren, ist übrigens auch keine gute Idee. Der Körper braucht Fett für viele Stoffwechselprozesse und für den Transport von fettlöslichen Vitaminen. Ohne Fett treten Mangelerscheinungen auf, wie Sehstörungen, Muskelschwäche, trockene Haut, aber auch Lern- und Konzentrationsstörungen.
 
Fett sollte maximal 30 Prozent der täglichen Kalorienzufuhr ausmachen, bestehend aus etwa zwei Dritteln ungesättigten (aus pflanzlichen Quellen) und höchstens einem Drittel gesättigten Fettsäuren (aus tierischen Produkten).
So erreicht man eine gesundheitsfördernde Mischung aller Fettsäuren.
 
Für die kalte Küche setzt man am besten Olivenöl, Leinöl und Walnussöl ein. Die letzten beiden darf man nicht erhitzen.
Für die heiße Küche ist Raps- oder Olivenöl gut geeignet, ebenso tropische Pflanzenfette, wie das Kokosfett, die jedoch nicht zusätzlich gehärtet sein dürfen. Hier gilt: Es darf nie so heiß werden, dass es raucht, sonst entstehen die ungesunden Transfette.

Infotext: Constanze Löffler

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