Frau hält sich eine Wärmflasche an die Flanke (Quelle: imago/Niehoff)
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Das hilft bei einer Nierenbeckenentzündung - Ziehende und heftige Schmerzen in der Flanke

Eine Nierenbeckenentzündung ist ein Notfall, der umgehend behandelt werden muss. Sonst drohen bleibende Nierenschäden. Frauen sind deutlich häufiger betroffen als Männer. Doch auch bei Männern gibt es akute und chronische Infekte der Nierengegend. Die Nierenbeckenentzündung ist ein klassischer Fall für Antibiotika.

Symptome der Nierenbeckenentzündung

Brennen beim Wasserlassen, Blut im Urin, ziehende und heftige Schmerzen in der Flanke, Unwohlsein und Kopf- und Bauchschmerzen: Eine akute Nierenbeckenentzündung entwickelt sich meist als Folge eines zunächst harmlosen Harnwegsinfekts. Oft bleibt die Infektion zunächst unbemerkt. Irgendwann aber zeigen Fieber und andere typische Symptome an, dass sich eine Entzündung irgendwo im Körper abspielt. Der Arzt oder die Ärztin stellt die Diagnose Nierenbeckenentzündung anhand einer Blut- und Urinuntersuchung. Bei der körperlichen Untersuchung ist die Flankengegend manchmal schmerzhaft.
 
Die chronische Nierenbeckenentzündung entsteht, wenn eine akute Entzündunge über längere Zeit nicht mehr ausheilt oder immer wiederkehrt. Im ungünstigsten Fall greift die Entzündung auf das Nierengewebe über. Dann sprechen Experten und Expertinnen von der Glomerulonephritis. Wenn die Niere dadurch zu stark geschädigt wird, versagt sie ihren Dienst. Es kommt zu einer sogenannten Niereninsuffizienz. Im Ultraschall kann der Arzt oder die Ärztin dann eventuell einen Harnstau oder gar eine verformte Niere sehen. Die Oberfläche der Niere ist dann unregelmäßig und vernarbt.

Die Beschwerden der chronischen Nierenbeckenentzündung sind meist unspezifisch. Sie reichen von:

  • Kopfschmerzen,
  • Abgeschlagenheit,
  • Brechreiz,
  • Gewichtsverlust bis hin zu
  • dumpfen Rückenschmerzen.

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Auslöser einer akuten Nierenbeckenentzündung

In den meisten Fällen wird die akute Nierenbeckenentzündung (akute Pyelonephritis) durch den Darmkeim Escherichia coli ausgelöst. Andere Erreger stecken sehr selten dahinter. Die Bakterien besiedeln den Darm jedes Gesunden. In der Blase, der Niere und Harnleitern haben sie jedoch nichts verloren. Bei gesunden Menschen ist das Harn ableitende System oberhalb des Harnröhre keimfrei.
 
Anatomisch haben Frauen hier einen deutlichen Nachteil, ihre Harnröhre ist nur drei bis vier Zentimeter lang und liegt nahe dem Enddarm. Bei einer falschen Wischtechnik von hinten nach vorn, beim Säubern des Intimbereichs oder Sex zum Beispiel mit Kondomen, Diaphragmen und Spermiziden haben Bakterien bei Frauen so leichtes Spiel. Sie dringen über die Harnröhre in den Harntrakt, steigen in die Blase und über die Harnleiter bis zur Niere auf, vermehren sich dort und lösen eine Entzündung aus. Meist breitet sich die Infektion nicht nur im Nierenbecken aus, sondern auch in der Niere selbst.

Auch Männer sind betroffen

Öfter als gedacht bekommen auch Männer eine Nierenbeckenentzündung, allerdings meist erst mit höherem Alter. Meist geht auch bei ihnen ein Harnwegsinfekt voraus, der beim älteren Mann durch eine vergrößerte Prostata entsteht oder weil sich irgendwo im Harntrakt Steine gebildet haben. Folglich kann der Harn nicht abfließen. Es sammelt sich Resturin in der Blase, Bakterien vermehren sich rasant und steigen manchmal bis in die Niere auf. In schweren Fällen entsteht sogar ein Harnstau zurück in die Nieren – ein Nährboden für Keime.

Das sind die Risikofaktoren für eine Nierenbeckenentzündungen:

  • Schwangerschaft
  • hohes Alter
  • sinkende Hormonwerte in den Wechseljahren
  • Nieren- und Blasensteine
  • vergrößerte Prostata
  • entzündete Prostata
  • Harnstau oder Harnabflussbehinderungen
  • Stoffwechselstörungen
  • Dauerkatheter
  • geschwächte Immunabwehr

Therapie mit Antibiotika

Experten und Expertinnen warnen, die Beschwerden selbst mit Hausmitteln anzugehen. Denn eine zunächst harmlose Entzündung in der Harnröhre kann sich schnell zu einer schweren Blasen- oder Nierenbeckenentzündung mit hohem Fieber und starkem Krankheitsgefühl führen. Beim Verdacht auf eine akute Nierenbeckenentzündung sollte auf jeden Fall schnellstmöglich ein Arzt oder eine Ärztin aufgesucht werden. Diese verschreiben dann für mindestens zehn Tage Antibiotika. Kehrt die Entzündung wieder oder steigt sie bis zum Nierenbecken auf, sind Antibiotika sogar über bis zu vierzehn Tage nötig. Aufgrund des oft schweren Verlaufs sind Antibiotika hier extrem wichtig.

Patienten und Patientinnen mit einer Nierenbeckenentzündung können ihre Heilung zusätzlich unterstützen:

  • mehrere Tage ausruhen
  • rund 2 Liter Wasser oder Nierentee trinken, zum Beispiel mit Löwenzahn oder Wachholderblättern
  • Nierenwickel ausprobieren: Dafür wird Leinsamen langsam im Wasser erwärmt und vorsichtig mit Hilfe eines Leinentuchs auf die Haut über der Niere gelegt. Anschließend wird das Tuch mit einer warmen Decke abgedeckt, das erhöht den Wärmeeffekt.

Beitrag von Beate Wagner

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