Angststörung erkennen: Mann starrt auf Boden (Bild: unsplash/Gianfranco Grenar)
Bild: unsplash/Gianfranco Grenar

Hilfe bei Phobien & Panikattacken - Angststörung erkennen: Anzeichen, Symptome & Diagnose

Angststörungen bedeuten: Angstzustände, Panikattacken, Stress & Unruhe durch übermäßige Sorgen in harmlosen Situationen. So erkennt man die Zeichen.

Jeder achte Deutsche ist mindestens einmal im Leben davon Betroffen: Angststörungen. Obwohl Angst grundsätzlich nichts schlechtes ist, sondern uns vor echten Bedrohungen schützen kann, nimmt sie bei einer Angstörung überhand, bestimmt den Alltag.

Die Ängste plagen Betroffene auch in eigentlich ungefährlichen Situationen, führen zu Angstreaktionen, die sich psychisch und körperlich äußern (z. B. in Form von Unruhe, Angstschweiß, hohem Puls, Angstzuständen und Panikattacken) und sind für Betroffene nicht zu kontrollieren, auch wenn sie eigentlich wissen, dass die Situation nicht bedrohlich ist.
 
Der Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie und ärztliche Psychotherapeut Dirk Reinecken erklärt, wann Angst problematisch wird, wie man Angststörungen wirklich erkennt und wie Panikattacken ablaufen.

Wie beginnen Angststörungen?

Es ist immer ein Alarmsignal, wenn die Ängste keinen rationalen Hintergrund haben. Zudem ist es ein Hinweis, wenn die Ängste einen großen Platz im Leben einnehmen und ein Leidensdruck entsteht, und auch, dass ich ein Vermeidungsverhalten an den Tag lege.

Es ist erst mal ein ganz natürlicher Impuls, dass ich Dinge, die mir Angst mache, vermeide. Das ist bei der Entwicklung von Angststörungen aber sehr problematisch: Je mehr ich die Angst vermeide, umso mehr ziehe ich mich zurück, mauere ich mich ein, werde unfrei und kann die Angst letztlich nicht besiegen.

Symptome: Wie verhalten sich Menschen mit Angststörung?

Es gibt verschiedene Formen von Angststörungen. Als besonders unangenehm werden Panikattacken erlebt, wo scheinbar für kurze Zeit aus dem Nichts ganz heftige Angstsymptomatiken auftreten. Menschen bekommen plötzlich heftige Angstanfälle. Diese können auf der seelischen Ebene als massive Panik oder Todesangst erlebt werden.
 
Manchmal werden Panikattacken auch mehr auf der körperlichen Ebene erlebt, mit Luftnot, Herzrasen, Schweißausbrüchen, Magenkrämpfen oder Schwindelgefühl.
Es können auf der gedanklichen Ebene auch ganz starke katastrophisierende Gedanken kreisen. Das Erleben ist hier von Mensch zu Mensch ganz unterschiedlich.

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Woher kommt die plötzliche Angst?

[Als "scheinbar aus dem Nichts"] wird es oft erlebt. Wenn man ganz genau hinschaut, gibt es oft doch subtile Auslöser. Das kann eine Erinnerung sein, ein Gedanke oder irgendetwas, was man flüchtig und nicht ganz bewusst wahrgenommen hat.
 
Das heißt, manchmal findet man subtil versteckte Ursachen, auf die man im ersten Moment nicht kommt. Häufig ist es auch so, dass die gesamte emotionale "Großwetterlage" eine Rolle spielt.
Damit meine ich, dass sich im aktuellen Moment kein Auslöser finden lässt. Aber wenn ich auf die Themen und Sorgen schaue, die mich das letzte Jahr beschäftigen, wie zum Beispiel, dass ich gerade noch von Kündigung bedroht bin, existenzielle Ängste habe, es in der Partnerschaft kriselt etc., dann können langfristige Dinge, die Angst machen, sich punktuell Bahn brechen und eine Panikattacke auslösen.
 
Da ist es hilfreich, sich anzuschauen, was generell die Themen sind, die einen Menschen gerade beschäftigen.

Kann mir bei einer Panikattacke etwas passieren?

Nein, das ist das "Gute" bei Panikattacke. Sie verlaufen in aller Regel harmlos. Das ist eine körpereigene Stressreaktion, die der Körper selbst macht. Dies geschieht durch die Aktivierung von bestimmten Nervenbahnen und die Ausschüttung von Stresshormonen. So eine Reaktion ist aber selbst limitierend, das heißt eine massive Panik kann gar nicht so lange anhalten, weil irgendwann die Stresshormone erschöpft sind.
 
In aller Regel dauert das etwa eine halbe bis eine dreiviertel Stunde bis Menschen von selbst wieder zur Ruhe kommen. Also: Es fühlt sich ganz schlimm an, ist aber ungefährlich. Vielen Menschen hilft schon diese Aufklärung, weil sie auf der geistigen Ebene zumindest wissen, dass bei einer Panikattacke nichts passieren kann. Dadurch geraten viele zumindest nicht in diesen Teufelskreis aus Symptomen und katastrophisierenden Gedanken, die dann die Symptomatik wieder anfeuern.

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Was ist der Unterschied zwischen einer Angststörung und Depression?

Es gibt durchaus oft eine Mischung. Zum einen ist es so, dass bei einer Depression Ängste oft Begleitsymptome sind.
 
Es kann aber auch sein, dass jemand zuerst eine Angststörung hat, die immer schlimmer wird und insbesondere durch dieses Vermeidungsverhalten ein sozialer Rückzug passiert, weniger schöne Dinge im Leben passieren, was dann sekundär in eine Depression führt.
 
Letztlich sind allerdings die Kernsymptome anders: Bei der Depression [sind das] eher eine Niedergeschlagenheit, Freudlosigkeit, Antriebsmangel oder Hoffnungslosigkeit.

Das Interview führte Laura Will

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