Grafik Bauchspeicheldrüse (Quelle: imago /pixdesign123)
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Wie hält sie uns gesund? - Bauchspeicheldrüse

Jeder hat schon mal von der Bauchspeicheldrüse gehört. Die häufigsten Erkrankungen sind Diabetes mellitus, eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse oder Bauchspeicheldrüsenkrebs. Wo sie genau liegt und wie sie uns gesund hält, wissen dagegen die wenigsten.

Unsere Bauchspeicheldrüse macht auf den ersten Blick vielleicht nicht so viel her: Sie liegt versteckt in der Tiefe des Körpers, ist von durchschnittlicher Größe, mehr Wulst als irgendwie geformt – 80 bis 120 Gramm schwer, 15 Zentimeter lang, 3 bis 4 Zentimeter breit. Am ehesten erinnert sie an eine riesige, ausgestreckte Zunge. Das gelblich-graue Organ sieht jedenfalls harmlos aus.
 
Zwischen Magen, Milz und Leber schmiegt sich die Drüse an den Zwölffingerdarm. Mit ihm hat sie eine besonders enge Beziehung: Über einen feinen Gang tröpfelt sie täglich 1,5 bis 3 Liter Verdauungssäfte in den Darmabschnitt. Sie spalten Fette, Kohlenhydrate und Eiweiße auf und machen unsere Nahrung verdaulich. Um Nährstoffe und Verdauung, sorgen sich auch die Hormone, welche die Bauchspeicheldrüse produziert: Glukagon und Insulin regulieren den Zuckerspiegel des Blutes; Somatostatin wird während der Verdauung ausgeschüttet und regelt Wachstumsvorgänge. Über das Blut erreichen die Hormone ihren Bestimmungsort.

Häufige Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse

Auch die Bauchspeicheldrüse hat mal genug. Wehe, wenn sie sich plötzlich entzündet. Das Bauchweh fällt heftig aus, Übelkeit und Erbrechen setzen Betroffene außer Gefecht. Eines der häufigsten Volksleiden ist Ausdruck einer erschöpften Bauchspeicheldrüse, die nicht mehr genug Insulin produziert: Die Zuckerkrankheit. In Deutschland gibt es sieben Millionen Diabetiker, jeden Tag kommen 500 Neuerkrankte dazu, alle drei Minuten einer. Relativ selten, aber mit begrenzten Heilungschancen ist Bauchspeicheldrüsenkrebs.

Diabetes mellitus

Insulin wird in der Bauchspeicheldrüse produziert und senkt den Blutzucker. Das Hormon funktioniert wie ein Schlüssel, der die Türen zu den Zellen öffnet. Der Zucker kann aus dem Blut in die Zellen übertreten, der Zuckerspiegel im Blut sinkt, die Zellen werden mit Energie versorgt. Fachleute unterscheiden beim Diabetes:

Beim Typ-1-Diabetes richtet sich das körpereigene Immunsystem aus nicht geklärten Gründen gegen den eigenen Körper und zerstört die Zellen, die das Insulin produzieren. Durch den Insulinmangel steigt der Blutzucker. Das fehlende Insulin muss per Spritze oder kontinuierlicher Pumpe ersetzt werden.

Bei der häufigsten Form des Diabetes, dem Typ-2- oder Alters-Diabetes, verliert das körpereigene Insulin infolge von Übergewicht und mangelnder Bewegung nach und nach seine Wirksamkeit. Es kann den Blutzucker nicht mehr ausreichend senken. Daraufhin produziert die Bauchspeicheldrüse vermehrt Insulin. Auf Dauer erschöpft sich das Organ jedoch; die Insulinproduktion sinkt. Zumindest in frühen Stadien dieser Wohlstandskrankheit reicht es, den Lebensstil radikal zu ändern – mit gesunder, abwechslungsreicher Ernährung, Bewegung und Gewichtsreduktion. Bleibt der Zuckerwert hoch, verschreibt der Arzt Medikamente und/oder Insulin.

Entzündung der Bauchspeicheldrüse

Bei einer Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis) unterscheiden Spezialisten zwischen einer akuten und einer chronischen Form. Eine akute Entzündung ist häufig die Folge von Gallensteinen, die den Ausgang der Drüse verstopfen.
 
Dabei werden Verdauungsenzyme freigesetzt, welche die Bauchspeicheldrüse und das umliegende Gewebe andauen und massiv schädigen können. Starke Schmerzen im Oberbauch, Übelkeit und Erbrechen sind die Folge. Die akute Entzündung muss sofort behandelt werden: durch das Entfernen eines Gallensteins, mit Schmerzmitteln, Nahrungsverzicht und Flüssigkeitszufuhr. Bei vier von fünf Betroffenen ist die Entzündung nach ein bis zwei Wochen ausgeheilt oder ist zumindest deutlich besser.
 
Eine chronische, ständig wiederkehrende Entzündung entsteht fast immer durch übermäßigen Alkoholkonsum. Seltener führen Medikamente wie Betablocker, Diuretika, ACE-Hemmer, Östrogene oder eine Überfunktion der Nebenschilddrüsen zu einer chronischen Pankreatitis. Menschen mit chronischer Pankreatitis haben meist weniger Beschwerden. Hier lautet die wichtigste Empfehlung, strikt und für immer auf Alkohol zu verzichten. Menschen, denen das schwer fällt, sollten sich dafür professionelle Hilfe holen. Betroffene müssen auch auf ihre Ernährung achten. Eine Ernährungsberatung kann wertvolle Tipps geben.

Krebs der Bauchspeicheldrüse

Bauchspeicheldrüsenkrebs ist im Vergleich zu anderen Krebsarten wie Brust-, Prostata- oder Darmkrebs selten: Pro Jahr erkranken etwa 16.000 Menschen hierzulande daran. Die meisten Betroffenen sind älter als 70 Jahre; Männer und Frauen trifft es gleich häufig. Tumore werden oft erst im Spätstadium erkannt, weil sie lange keine Beschwerden verursachen. Das verschlechtert die Heilungsaussichten. Weil viele Organe in der Nähe liegen und die Bauchspeicheldrüse ans lokale Blutnetz angeschlossen ist, streut der Krebs früh und bildet Tochtergeschwulste in Lunge, Leber oder Knochen.
 
Eine OP ist die einzige Möglichkeit, um Bauchspeicheldrüsenkrebs zu heilen. Sie ist jedoch nur dann sinnvoll, wenn der Krebs noch nicht gestreut hat und sich vollständig entfernen lässt – das ist bei etwa jedem fünften Patienten der Fall. Eine Chemotherapie im Anschluss kann die Heilungschancen verbessern. Ist der Krebs fortgeschritten, behandeln Ärzte mit verschiedenen medikamentösen und unterstützenden Therapien. Bisher gibt es keine sinnvolle, empfohlene Untersuchung, um Bauchspeicheldrüsenkrebs möglichst früh zu erkennen.

Infotext: Constanze Löffler

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