Blutzuckermessgerät (Quelle: Colourbox)
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- Diabetes Typ 1 – Wenn das Immunsystem verrückt spielt

Menschen mit Typ 1-Diabetes kämpfen gegen zu hohe Blutzuckerspiegel. Um die Werte zu senken, müssen sie sich das Hormon Insulin spritzen. Die Insulintherapie hat sich in den letzten Jahrzehnten stetig verbessert.

Typ-1-Diabetes ist relativ selten: Von den rund acht Millionen Diabetikern leiden etwa 340.000 Menschen an Typ-1-Diabetes. Dazu kommen 32.000 Kinder und Jugendliche, die betroffen sind. Typ-1-Diabetes ist eine Autoimmunerkrankung mit einer überschießenden Immunreaktion: Antikörper attackieren die Inselzellen der Bauchspeicheldrüse, die normalerweise das Insulin produzieren. Dadurch versiegt die Insulinquelle, der Blutzucker steigt an. Bei Gesunden hilft Insulin den Zellen die Zuckermoleküle aus dem Blut aufzunehmen, um den Organismus mit Energie zu versorgen.

An welchen Symptomen erkennt man einen Typ-1-Diabetes?

Auffällig wird der Typ 1-Diabetes in der Regel im Kindes- und Jugendalter. Die Bauchspeicheldrüse erschöpft sich nach und nach, bis der Körper die hohen Zuckerwerte nicht mehr kompensieren kann. Der hohe Blutzucker führt dazu, dass Typ-1-Diabetiker sehr häufig Wasser lassen müssen (Polyurie) und daher ständig durstig sind (Polydipsie). Die Kinder berichten zudem über:
• Müdigkeit und Antriebsschwäche
• Schwindel und Übelkeit
• Juckreiz
• vermehrte Infekte (wie Haut-, Harnwegs- und Zahnfleischinfektionen)
Es können sogar Bewusstseinsstörungen bis hin zur Bewusstlosigkeit auftreten, wenn der Blutzuckerspiegel sehr stark erhöht ist.

Wie wird der Typ-1-Diabetes diagnostiziert?

Bei der Diagnose fällt ein stark erhöhter Zucker auf, der ein Vielfaches des normalen Blutzuckers erreichen kann. Wenn der Blutzucker vor dem Essen über 110 Milligramm pro Deziliter (6,0 mmol/l) oder nach dem Essen über 200 Milligramm pro Deziliter (11 mmol/l) liegt, ist ein Diabetes mellitus eindeutig vorhanden. Ein wichtiger Parameter ist auch der HbA1c-Wert im Blut: Der Wert zeigt an, wie hoch der Blutzucker in den letzten zwei bis drei Monaten im Schnitt war. Um die individuelle Erkrankungssituation besser abschätzen zu können, lässt sich die Insulinrestsekretion bestimmen: Die Messung des C-Peptids, eines Spaltprodukts des Insulins, erlaubt eine Aussage darüber, wie viel Insulin die Bauchspeicheldrüse noch produziert.

Wie wird ein Typ-1-Diabetiker therapiert?

Die Behandlungsmöglichkeiten des Diabetes mellitus sind in den letzten Jahren umfassender geworden. Gängigste und etablierte Therapie ist die lebenslange Gabe von Insulin. Sie erfolgt gemeinsam mit regelmäßiger Blutzuckerkontrolle und der Berechnung von Kohlenhydraten im Essen. Ziel ist es dabei, möglichst normale, der aktuellen Stoffwechselsituation angepasste Insulin- und damit Blutzuckerspiegel zu erreichen. So lassen sich diabetische Spätkomplikationen vermeiden. Die Therapie ist komplex. Betroffene müssen ihren individuellen Insulinbedarf kennen, sollten wissen, wie das jeweils gespritzte Insulin im Körper reagiert, welche Insulinmenge bestimmte Nahrungsmittel erfordern und wie sie ihre Insu-lintherapie an die wechselnden Bedürfnisse anpassen wie Sport, Alkoholgenuss oder Infekte.
 
Für Typ-1-Diabetiker gibt es verschiedene Formen einer Insulintherapie. Die bekannteste ist die sogenannte intensivierte konventionelle Therapie (ICT). Dabei spritzen sich die Patienten und Patientinnen ein bis zwei Mal täglich ein lang wirkendes Insulin. Das deckt den Grundbedarf. Zu den Mahlzeiten spritzen sie sich zusätzlich ein schnell wirkendes Insulin, dessen Dosis unter anderem abhängig ist vom aktuellen Blutzuckerwert, der Kohlenhydratzufuhr und der körperlichen Aktivität.

Insulinpumpe

Nachdem sich die Kinder und Jugendlichen früher jahrelang mehrfach am Tag spritzen mussten, sind heute viele mit einer Insulinpumpe ausgestattet, die computergesteuert die Insulinzufuhr überwacht und regelt. Besonders komfortabel, effektiv und sicher: die sogenannten Closed-Loop-Systeme. Sie bestehen aus einer Insulinpumpe, einem Sensor zur kontinuierlichen Glukosemessung im Unterhautfettgewebe, einem Blutzuckermessgerät zur Kalibrierung des Sensors sowie einem Computerprogramm, das die automatische Steuerung der Insulinpumpe übernimmt. Alle Geräte kommunizieren über Funkwellen miteinander.

Transplantation

Die Transplantation von Betazellen ist das bisher einzige Verfahren, mit dem sich normale Blutzuckerwerte ohne die Gabe von Insulin erreichen lassen. Die Betazell-Ersatztherapie stellt damit die ultimative Therapie-Option für Patienten mit einem Insulinmangeldiabetes dar. Allerdings brauchen transplantierte Patienten eine dauerhafte Immunsuppression, um Abstoßungsreaktionen des Körpers gegen die fremden Zellen zu verhindern. Außerdem ist der Bedarf an Organen viel höher als zur Verfügung stehende Organe. Daher bekommen in der Regel nur die Patienten Betazellen transplantiert, die aufgrund einer unheilbaren Nierenschwäche eine neue Niere transplantiert bekommen.

Antikörper

In experimentellen Studien erhalten insulinpflichtige Diabetespatienten Infusionen mit Antikörpern. Sie sollen die weitere Zerstörung der insulinproduzierenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse verhindern. Wichtigstes Ziel: Das Immunsystem regulieren und verhindern, dass es die insulinproduzierenden Zellen weiter angreift. Die Studienergebnisse sind vielversprechend. Jetzt gilt es noch herauszufinden, wie lange und wie oft die Behandlung erfolgen muss und welche langfristigen Nebenwirkungen die Antikörper haben.

Leiden Typ-1-Diabetiker unter Folge- und Langzeitschäden?

Eine optimale Stoffwechselkontrolle kann die Prognose von Typ-1-Diabetikern nachhaltig verbessern. Doch selbst bei lückenloser Insulinversorgung können sekundäre Komplikationen und Spätfolgen wie Nierenversagen und Herzerkrankungen infolge einer "Verzuckerung" der Gefäßwände auftreten. Da die Krankheit jedoch viel früher als der Altersdiabetes einsetzt, beginnen auch die Komplikationen an Auge, an den Nieren, den Gefäßen sowie den Nerven oft schon im mittleren Erwachsenenalter.

Infotext: Constanze Löffler