Eine Krankenschwester betreut eine 90-jährige Frau in ihrer Wohnung (Bild: imago/epd)

Tages-, Nacht- und Verhinderungspflege - Pflege in den eigenen vier Wänden

Plötzlich geht es nicht mehr ohne Hilfe: Das Anziehen, Essen, der Haushalt, die Körperpflege gelingen nicht mehr alleine. Also muss Unterstützung her - durch Angehörige oder Pflegepersonal. Doch welche Unterstützung gibt es in der häuslichen Pflege? Und welche Möglichkeiten bieten die Tages-, Nacht- oder Verhinderungspflege? Die rbb Praxis klärt auf.

Alltag im Alter heißt vor allem Wohnalltag, denn die Lebensqualität im Alter ist eng mit der Qualität des Wohnens, der Mobilität und der Selbstbestimmung in den eigenen vier Wänden verbunden. Mit den erhöhten Hilfeleistungen im aktuellen Pflegestärkungsgesetz haben Gesetzgeber und Pflegekassen signalisiert, dass sie diese Wohnform unterstützen. In Berlin ist das einfacher als im Flächenland Brandenburg - dort werden allerdings trotzdem 77 Prozent der rund 96.000 Pflegebedürftigen zu Hause versorgt.

Häusliche Pflege optimal vorbereiten

"Pflege in Familie fördern" (PfiFf) heißt in Brandenburg und Berlin eine Initiative, die mit Krankenhäusern zusammenarbeitet, um Angehörige bereits im Krankenhaus auf die Entlassung des Pflegebedürftigen in die häusliche Pflege optimal vorzubereiten.

Ob nun in Brandenburg oder Berlin: für Leistungen und Geld der Pflegekassen muss ein Antrag gestellt werden. Daraufhin meldet sich der MDK (Medizinische Dienst der Krankenversicherung) bei Versicherten in einer gesetzlichen Pflegekasse und Medicproof bei Privatversicherten und begutachtet den Betroffenen.

Beide Institutionen sind verpflichtet, ihr Gutachten für die Pflegestufe nach spätestens fünf Wochen zuzustellen. Innerhalb eines Monats nach Erhalt des Bescheides beziehungsweise des Gutachtens können die Versicherten den Entscheidungen widersprechen. Die Leistungen der Pflegekassen sind für alle Versicherten gleichwertig in Art und Umfang.

Wird ein Pflegebedürftiger mit seinem Pflegegeld ausschließlich von Angehörigen betreut, ist er verpflichtet, in regelmäßigen Abständen (Pflegestufe I und II halbjährlich, Pflegestufe III vierteljährlich) einen Beratungsbesuch durch einen Vertragspflegedienst oder eine unabhängige Beratungsstelle in Anspruch zu nehmen. Die Kosten für den Beratungsbesuch trägt die Pflegekasse. Im Rahmen des Beratungsbesuchs wird festgestellt, ob die Pflege ausreichend sichergestellt ist, oder ob sich bspw. Anhaltspunkte für eine Überlastung der Pflegeperson ergeben.

Unterstützungsmöglichkeiten bei ambulanter Pflege

Pflegesachleistung: Kümmert sich ein professioneller Pflegedienst um die Pflege, bekommt der Versicherte Pflegesachleistungen. Er vereinbart bestimmte Leistungen mit einem ambulanten Pflegedienst, die dieser mit der Pflegekasse abrechnet.

Pflegegeld: Das Pflegegeld wird ausgezahlt, wenn ein Pflegebedürftiger ausschließlich von einer ehrenamtlichen Person versorgt wird, z.B. einem Angehörigen. Das Pflegegeld kann an diese Person als Aufwandsentschädigung weitergegeben werden.
 

Kombination von Geldleistung und Sachleistung: Nimmt ein ambulant versorgter Pflegebedürftiger Sachleistung in Anspruch und schöpft sein Budget nicht aus, das ihm je nach Pflegestufe zusteht, so kann er zusätzlich anteilig Pflegegeld ausgezahlt bekommen, wenn er einen Antrag bei der Pflegekasse stellt.

Urlaubs-/Verhinderungs-/Ersatz – und Kurzzeitpflege: Jeder Pflegebedürftige, der schon länger als 6 Monate z.B. von einem Angehörigen gepflegt wird, kann eine Urlaubs- oder Verhinderungs- oder Ersatzpflege beantragen. Unabhängig von der Höhe der Pflegestufe zahlt die Pflegekasse seit dem 01.01.2015 dann bis zu 1.612,00 € für bis zu 6 Wochen im Kalenderjahr. Die Verhinderungspflege kann von Verwandten oder von fremden Personen auch im Haushalt des Pflegebedürftigen übernommen werden. Eine stundenweise Inanspruchnahme ist möglich.

Ist die Ersatzperson bis zum 2. Grad mit dem Pflegebedürftigen verwandt oder verschwägert oder lebt mit ihm in häuslicher Gemeinschaft, muss sie der Pflegekasse Verdienstausfall oder Fahrtkosten nachweisen, um diese Aufwendungen bis maximal in Höhe von 1.612,00 bzw. 2.418,00 € (s. u) erstattet zu bekommen. Andernfalls zahlt die Pflegekasse nur das Pflegegeld in Höhe der Pflegestufe.

Darüber hinaus besteht ein jährlicher Anspruch auf Kurzzeitpflege von bis zu 4 Wochen. Der Pflegebedürftige muss in einer vollstationären Kurzzeitpflegeeinrichtung gepflegt werden, Dieser Anspruch kann aber auch dafür verwendet werden, die Verhinderungspflege, die zu Hause stattfindet, aufzustocken - um zusätzlich 806,00 € für maximal zwei Wochen. Das bedeutet dann insgesamt einen Anspruch auf höchstens 2.418,00 € für maximal 6 Wochen Verhinderungspflege im Jahr.

Wer allerdings das Budget der Verhinderungspflege (1.612,00 €) nicht vollständig nutzen kann, hat die Möglichkeit, die nicht verbrauchten Mittel vollständig in die Kurzzeitpflege zu übertragen. In einem solchen Fall verlängert sich der Anspruch auf die Kurzzeitpflege auf 8 Wochen im Kalenderjahr. Das sind 3.224,00 € für 8 Wochen (unabhängig von der Pflegestufe, vorausgesetzt der Pflegebedürftige verbringt diese Zeit in einer stationären Einrichtung.

Tages- und Nachtpflege: Pflegebedürftige haben Anspruch auf teilstationäre Pflege in Einrichtungen der Tages- oder Nachtpflege, wenn häusliche Pflege nicht in ausreichendem Umfang sichergestellt werden kann oder wenn dies zur Ergänzung oder Stärkung der häuslichen Pflege erforderlich ist. Mit Tages- und Nachtpflege ist eine teilstationäre Versorgung in einer dafür ausgestatteten Einrichtung gemeint. Ein Fahrdienst holt die zu Betreuenden morgens oder abends ab, beschäftigt oder versorgt sie und bringt sie nachmittags bzw. morgens zurück, Diese Betreuungsangebote können für Pflegende von Demenzkranken sehr hilfreich sein.

Altersgerechtes barrierefreies Wohnen zu Hause: Umbaukosten können über die Pflegeversicherung und/oder über KfW-Kredite finanziert werden, was insbesondere für Wohneigentümer lohnenswert sein kann, da sie die Umbauten gegebenenfalls nicht zurückbauen müssen. Von einer "Barriere reduzierten" Wohnung wird ausgegangen, wenn bestimmte Mindest-Standards eingehalten werden: maximal drei Stufen zum Wohnungseingang, keine Stufen im Wohnbereich, ausreichend Bewegungsflächen, Türbreiten und eine bodengleiche Dusche.

Wenn zu Hause gepflegt und betreut wird, kann es hilfreich sein, das Wohnumfeld individuell an die besonderen Belange anzupassen. 4000,00 € und bis zu 16.000 € (wenn mehrere Anspruchsberechtigte zusammen wohnen) können diejenigen beantragen, die pflegebedürftig oder in ihrer Alterskompetenz dauerhaft eingeschränkt sind.

Beitrag von Beate Wagner