Tennisarm Schmerzen am Ellbogen (Quelle: Colourbox)
Bild: Colourbox

Übungen für zu Hause - Tennisarm erkennen und behandeln

Stechende Schmerzen im Ellenbogen, Druckschmerzen an der Außenseite des Ellenbogens: Das kann ein Tennisarm sein. Diese Übungen helfen!

"Sie haben einen Tennisarm" – diese Diagnose klingt erstaunlich, wenn man gar kein Tennis spielt. Der so genannte Tennisarm oder Tennisellenbogen plagt auch Menschen, die viel am Schreibtisch arbeiten, ein Handwerk ausüben oder im Garten aktiv sind. Was hilft gegen die Schmerzen im Ellenbogen?

Wie entsteht ein Tennisarm?

Einseitige Belastungen der Arme und Hände sind meist die Ursache eines Tennisarms. Vor allem, wenn dabei das Handgelenk bei gestrecktem Ellenbogen nach außen abgeknickt wird. Solche Belastungen wirken typischerweise beim Tennisspielen auf die Muskulatur der Unterarme ein, deshalb der Name. Bei einer Reizung der Innenseite des Ellenbogens spricht man vom sogenannten Golferellenbogen.
 
Auch ganz alltägliche Tätigkeiten können die Sehnen, die die Muskulatur des Unterarms mit dem Ellenbogenknochen verbinden, reizen. An den Sehnenansätzen kommt es zu Mikrorissen und zu Entzündungen, die akut sind oder chronisch werden können. Der medizinische Begriff lautet Epicondylitis radialis humeri. Für die Diagnose braucht es in der Regel keine bildgebenden Verfahren, sondern eine körperliche Untersuchung genügt.

Unterschied Tennisarm, Golferellenbogen und Mausarm

  • Golferellenbogen

  • Mausarm

Welche Symptome hat ein Tennisarm?

Typisch sind stechende oder ziehende Schmerzen an der Außenseite des Ellenbogens, die über den Unterarm bis in das Handgelenk und die Finger ausstrahlen können. Am äußeren Ellenbogen im Bereich des Knochenvorsprungs sind einzelne Punkte druckempfindlich. Das Heben und Tragen von Lasten macht Probleme – insbesondere, wenn der Arm gestreckt und der Unterarm nach innen gedreht ist. Spätestens dann sollte man zu einem Arzt oder einer Ärztin. Im fortgeschrittenen Verlauf tut schon das Halten einer Tasse, Händeschütteln oder das Öffnen eines Schraubverschlusses weh. Schließlich schmerzt der Arm sogar in Ruhe oder nachts.

Mehr zum Thema Arthrose

Tennisarm Selbsttest: Wie stelle ich fest, dass sich einen Tennisarm habe?

Versuchen Sie, einen leichten Stuhl oder ähnliches mit dem gestreckten Arm zu heben. Der Unterarm sollte dabei leicht nach innen gedreht sein, so dass der Daumen sich weiter in Richtung Boden bewegt. (Die Übung funktioniert aber auch ohne drehen) Empfinden Sie dabei Schmerzen am äußeren Ellenbogen, spricht das für einen Tennisarm.

Picondylitis Spange hilft beim Tennisarm (Quelle: imago/Panthermedia)
Tennisarm Behandlung: Was hilft akut?

Kühlen: Sind die Schmerzen neu aufgetreten, kann Kühlen hilfreich sein. Ein Kühlpack in ein dünnes Tuch wickeln und mehrmals täglich auflegen. Oder die Stelle mit kaltem Quark bestreichen und einwickeln.
Schonen: Den Arm schonen, indem man die den Schmerz auslösenden Bewegungen möglichst vermeidet.
Tennisarm Bandage: Eine Tennisarm Bandage, die so genannte Epicondylitis - Spange kann den Ellenbogen zusätzlich entlasten. Man sollte sie aber nicht rund um die Uhr tragen, sagt die Physiotherapeutin Gefa Naegler aus Berlin Wilmersdorf, sondern gezielt einsetzen: "Die Spange eignet sich für die Dauer von bestimmten Aktivitäten. Dann, wenn man schwere körperliche Arbeit macht, weil viel Kraft auf dem Arm lastet."
Arnikahaltige- oder entzündungshemmende Salbe: Vielen hilft auch ein Verband aus arnikahaltigen- oder entzündungshemmenden Salben. So anwenden: Die Stelle großzügig einreiben, mit etwas Frischhaltefolie umwickeln und dann ein Tuch darüber befestigen. Am besten über Nacht wirken lassen.
Ärztlicher Rat und Physiotherapie: Bei Verdacht auf einen Tennisarm oder Schmerzen im Bereich des Ellenbogens sollte man ärztlichen Rat einholen. Dort bekommt man meist auch ein Rezept für Physiotherapie ausgestellt. Vor allem in der Frühphase des Tennisarms sollte man täglich die Unterarmmuskulatur intensiv dehnen, damit die Beschwerden nicht chronisch werden.

Hilfe bei sehr starken Schmerzen

Es gibt Tabletten, die den Schmerz oder die Entzündungen lindern, sogenannte nicht steroidale Antirheumatika (z.B. Ibuprofen oder Diclofenac). Falls der Arm schmerzbedingt bewegungsunfähig ist, können kurzfristig Spritzen mit Schmerzmittel oder mit entzündungshemmendem Kortison helfen.

Wie lange dauert es, bis ein Tennisarm ausheilt?

In vielen Fällen heilt der Tennisellenbogen durch eine Belastungspause und konsequentes Training wieder aus. Aber das kann einige Wochen oder sogar Monate dauern. "Man braucht viel Geduld", sagt Gefa Naegler. Außerdem reagiere nicht jeder Körper auf jede Therapiemaßnahme gleich. "Bei manchen wirken, zusammen mit den Dehnungsübungen, die Salbenumschläge sehr gut, bei anderen Quarkumschläge, bei den nächsten sind es kühlende Maßnahmen. Da muss man für sich herausfinden, was das beste Mittel ist. Aber bei denen, die gar nichts machen, da wird es in der Regel chronisch."

Behandlung bei einem chronischen Tennisarm

Halten die Beschwerden länger als 6 Monate an, sind sie chronisch geworden. Manche profitieren dann von der "Extrakorporalen Stoßwellentherapie" (ESWT). Dabei üben die akustischen Wellen einen starken Druck auf das Gewebe aus. Das soll die Durchblutung und den Zellstoffwechsel anregen. Die Kosten tragen die gesetzlichen Krankenkassen in der Regel nicht.

Chronischer Tennisarm: Übungen für zu Hause

Operation bei Tennisarm

Sind alle Therapien erfolglos, bleibt noch die Möglichkeit, den Tennisarm zu operieren. Dabei stehen offene, perkutane und arthroskopische Verfahren zur Auswahl. Bei jeder Operation geht es darum das erkrankte Sehnengewebe zu entfernen. Eine grundsätzliche Empfehlung für ein bestimmtes Verfahren gibt es momentan nicht. Hier geht's zu den Leitlinien.

Tennisarm vorbeugen

Auch wenn der Tennisellenbogen gut auskuriert wurde, können die Beschwerden wiederkommen. Vorbeugen lässt sich, indem man eine erneute Überbeanspruchung vermeidet. Und auf eine bessere Technik bzw. Haltung des Körpers bei Sport oder Arbeit achtet. Erfahrene Physiotherapeuten oder Sportmedizinern bieten Bewegungsanalysen an, um falsche Bewegungsmuster zu korrigieren. Und natürlich sollte man immer wieder die Arme und Ellenbogen entlasten und die Sehnenansätze wie oben beschrieben dehnen.

Beitrag von Carola Welt

Das könnte Sie auch interessieren

Schmerzgel auf Haut (Bild: imago/Medicimage)
imago/Medicimage

Interview l Hilfe durch die Haut - Was bringen Gels gegen Schmerz?

Wer umknickt, sich etwas gezerrt hat oder ein Ziehen im Rücken bemerkt, greift oft zu Schmerzgels oder -salben. Etwa 375 Millionen Euro geben die Deutschen für Schmerzgels jährlich aus. Doch das Motto: Einfach was auf die Haut schmieren und der Schmerz verschwindet? Wir haben den Orthopäden und Sportmediziner Dr. Alexander Beier befragt und der erklärt, wann und warum Gels und Salben an ihre Grenzen stoßen.

Fußballschuh auf Gras (Bild: unsplash/Tom Sodoge)
unsplash/Tom Sodoge

Schutz vor Stressfrakturen - Ermüdungsbruch: Knochen unter Leistungsdruck

Unsere Knochen sind Wunderwerke der Statik und können sogar recht flexibel mit Belastung umgehen. Doch werden sie zu sehr, zu oft oder "falsch" unter Druck gesetzt, kann es zu Stressfrakturen und Ermüdungsbrüchen kommen. Wie das passiert, wie sie heilen und was vorher schützen kann - ein Überblick.

Kinder auf Rad und Kickroller (Bild: imago/Westend61)
imago/Westend61

Interview l Nützliches Wissen gegen Rücken- und Gelenkschmerz - Gesund rollen: Haltung wahren auf Rad & Brett

Um engen Bussen und Waggons zu entgehen, haben viele die Fortbewegung auf Rollen (wieder) entdeckt: Fahrräder, aber auch fußangetriebene Roller werden nicht nur intensiver, sondern auch regelmäßiger genutzt. Doch diese Form von mehr Bewegung hat nicht nur Vorteile - um Rücken-, Nacken- und Muskelschmerz zu vermeiden, können Rollende einiges tun, sagt Dr. Margrit Lock erfahren, Orthopädin & Sportmedizinerin aus Berlin-Friedenau.